„Unruhestand“?

Mein Vater war nach eigenem Bekunden etwa 78 Jahre lang gesund, erkrankte dann aber am Prostatakarzinom , wollte sich nicht operieren lassen und starb 2010 , mit 79, weil der Krebs sich im ganzen Körper unheilbar ausbreitete.
Ich habe in den ersten 30 Jahren meiner Lehrerzeit an der Rudolf Steiner Schule Bochum insgesamt keine zwei Wochen krankheitsbedingt gefehlt.

Nach Vaters Tod habe ich aber einmal jährlich den PSA Wert im Blut testen lassen (kostet etwa 20€), weil die Möglichkeit, die Krankheit auch vererbt zu bekommen doch bestand.

Während meiner ausgedehnten Radreisen hatte ich genügend Zeit nachzudenken , was ich im Falle der gleichen Erkrankung tun würde: Anders handeln!!!

Alles schien bestens zu sein bis plötzlich kurz vor Weihnachten 2016 – nur 5 Monate nach meiner ersten Islandreise – der PSA – Wert auf etwa 10 anstieg.

Mein Urologe empfahl eine Biopsie. Am 24. Januar 2017 vier Tage nach den Eisschnelllauf Weltmeisterschaften der Masters in Inzell wurde sie durchgeführt. Man wurde fündig: Ein Böses Prostatakarzinom im Anfangsstadium „wohnte“ in mir.

Natürlich kam es unerwartet. Natürlich habe ich es mir nicht herbeigewünscht, daran zu erkranken. Und ich hatte noch überhaupt keine „alterstypischen“ Probleme, deren Lösung Männern täglich in der Fernsehwerbung mittels verschiedener Präparate versichert wird…

Direkt während der Diagnose Bat ich den Urologen in einer Spezialklinik in Herne anzurufen und nach dem Termin für eine daVinci-Roboter-OP zu fragen, die in der Regel etwa 3 Monate nach der Diagnose möglich ist.

Ein Termin fast genau zwei Wochen später war freigeworden. Ich sagte zu.

Nach der Überwindung des Schocks durch die Familie, habe ich auch dem Kollegium mitgeteilt, dass ich erkrankt sei und in zwei Wochen operiert würde. Auch manchen Schuleltern teilte ich die Art der Erkrankung mit. Meinen Schülern sagte ich nur: „Mir geht es sehr gut und ihr habt mich noch nie krank gesehen. Jetzt hat man bei mir etwas entdeckt und, damit es mir weiter gutgeht, werde ich einige Wochen fehlen“….

Nach gut drei Monaten war ich wieder im Dienst. Den 13. Februar feiern meine Frau und ich seitdem als einen zweiten Geburtstag.

Obwohl ich durch die Erkrankung schon im Oktober 2017 hätte in den Ruhestand treten können, beschloss ich – wie im Kollegium schon viele Jahre vor der Erkrankung angedeutet – nicht „regulär“, im Oktober 2019 „in Rente“ zu gehen, sondern erst zum
Ende des Schuljahres 2020/2021.

Am 26. Juni 2021 war es soweit. Nach 34 Schuljahren. Oder zufällig genau 12.345 Tagen seit dem 8.9.86 im Dienst der Rudolf Steiner Schule Bochum. Die ersten Monate der Corona-Pandemie begleitete ich noch aktiv.

Ich beneide alle Lehrer weltweit nicht um ihre „neue“ Erfahrung im Umgang mit den neuen Herausforderungen. Die Kinder/Heranwachsenden tun mir leid.

Der erste Zeitungsartikel wirft einen Blick auf die ersten 10 Monate nach der Erkrankung.

Bei meiner Verabschiedung aus dem Kollegium sagte ich am 26.Juni 2020 sinngemäß: „Ich muss jetzt konsequent in den „Unruhestand“ treten, um dort ausprobieren zu können, ob manche Dinge, die mir schon lange im Kopf herumschwirren, endlich „an der Zeit“ sind. Der Schule bleibe ich natürlich weiterhin verbunden. Aber von anderem Blickwinkel aus“.

Das „Ausprobieren“ findet in vielerlei Hinsicht statt.

Die schon für 2020 geplante und unmöglich gewordene zweite, ausgedehntere Islandtour war offenbar erst jetzt „an der Zeit“.

Und „meine“ Schule ist im Zusammenhang mit dem überragenden Erfolg beim Stadtradeln 2021 und dem großen Zukunfts-„Projekt Klimaneutrale Schule“ doch wieder mit dabei.

Der obige Artikel blickt auf Sportliches:

Direkt am ersten Unterrichtstag nach meiner Rückkehr aus Italien, wurde der erste Corona-Fall in Europa festgestellt. Am Freitag, 13. März 2020 begannen in NRW die ersten „Corona-Ferien“.