Die macht des Vatnajökull(watnajökutl) Skaftafell-Jökulsarlón(56 km)

Etappe 29, Übernachtung 33

Ich konnte gestern mit Blick auf den Gletscher, im Trocknen und in Ruhe nahezu bei Windstille, kochen und alles für heute vorbereiten. Im Zelt war es gemütlicher zu schreiben, weil sich vom Gletscher her ein immer stärker werdender „Windhauch“ bemerkbar machte. Fertiggeworden, stellte ich fest, dass der Gletscher inzwischen auch starken Nieselregen mitführte, trotz einer Regenwahrscheinlichkeit von 0%. Das aufgehängte, schon fast getrocknete Handtuch war wieder nass geworden.

Der Nieselregen blieb, auch der leichte Windhauch vom Gletscher. Es wurde recht kalt. Das Außenzelt war äußerst nass, das Innenzelt trocken.

Ich wachte früh auf, knüpfte das Innenzelt wieder aus und startete kurz nach sieben Uhr bei 100 m Sicht, starkem Nieselregen und beginnendem Rückenwind. Gibt es diese Wetterbedingungen etwa bis Höfn? Dort glaubte ich abends nach 137 Kilometern ankommen zu können.

Beinahe hätte ich in diesem Bericht auf die Bilder von 2016 hingewiesen, die bei strahlendem Sonnenschein gemacht wurden. Wegen der beim Start nieselnden „Nebelsuppe“. Es kam anders.

Es wurden heute nur 56 Kilometer, ich radelte nur bis Jökulsarlón. Ich hatte ja viel Zeit. Und keine Eile. Und Muße. Wunderbar!

Viele Campingwagen von gestern passiere ich heute, noch „notdürftig“ in der Landschaft abseits der Straße „schlafend“ abgestellt. Oder sie passieren mich. Später. Vielleicht empfinden manche der Fahrzeuglenker beim Auftauchen eines Radlers am Straßenrand auch Genugtuung, dass es anderen noch schlechter ergeht, als ihnen. Besonders, als es zu Beginn meiner heutigen Etappe noch „nebelsuppt“. Mir hingegen geht es ganz ausgezeichnet! Der kleine Supermarkt mit Tankstelle und zwei E-Ladestationen, welcher sich schon eine knappe halbe Stunde nach meinem Start am Straßenrand aus dem Nebel herausschält, öffnet erst in drei Stunden. Da warte ich doch nicht! Wozu auch? Ich habe noch für eine knappe Woche Proviant „gebunkert“. Schön aber, dass ich meinen Kleinstmüll in die beiden großen und leeren Müllbehältern vor dem Supermarkteingang entsorgen kann… Ach ja, die ordentliche Adventure-Kolonne die ich gestern fotografierte, überholte mich heute schon wieder…, es ist eine deutsche Gruppe.
Ein großer Brumm-Brumm, weiß ( ähnlich dem schwarzen von gestern, mit dem Individualkennzeichen JOY „verfolgt“ mich seit den Westfjorden, also seit etwa 1000 km. Allein heute, beim Radeln, sah ich ihn zweimal wieder…

ANGEKOMMEN! Mein Zelt, das ich zwischendurch bei einer einstündigen, regenfreien Frühstückspause vom Wind trocknen ließ, setzte ich wieder wild in die Landschaft. Hier, ein paar Kilometer vor dem großen Touristentreff, wo man in Amphibienfahrzeugen und in Neopren-Sicherheitskleidung gepackt (und wie ein Michelin-Männlein aussehend) zwischen Eisbergen zum Gletscherrand fahren kann, gibt es keinen Campingplatz. Ich weiß aber, wo ein wilder Zeltplatz seit fünf Jahren auf mich wartet.
Ein naher See (eher Teich) wird mir genügend Wasser liefern, das ich „aus Erfahrung“ vorsichtshalber abkochen werde.
Heute werden die Restspaghetti angerichtet…
Ich erinnerte mich an den Platz, als ich das Verbotsschild für Autos sah. Camper und Brumm-Brumms mussten wieder „onroad“ bleiben…

Im Folgenden lasse ich – meistens kommentarlos- traumhafte Bilder durch sich selbst sprechen.
Alle fotografierten Gletscherzungen gehören zum Vatnajöküll, dem größten Kontinentalgletscher Europas, der, wenn er will, sich nichts aus Wettervorhersagen macht und immer selbst entscheidet, ob er einen Blick auf eine Landschaft freigibt oder nicht.

Nasser geht’s nicht…
Arktische Weißwangengänse
Breiðárlón(eine Zunge vom Breiðamerkurjökull, der wie schon erwähnt, ein verschwindend kleiner Teil des Vatnajökull ist.
Oben: „Mein Zeltplatz mit Blick auf die Gletscherzunge und die Eisberge; Unten 360°-Video vom Ufer der etwa 300 m vom Zelt entfernten „Eisberglagune“.

(Welch ein glück, dass es regnete) Vik-Skaftafell National Park (145 km)

Etappe 28, Übernachtung 32

Es gab doch noch ein halbstündiges „Konzert“ ohne große Resonanz. Die Platzbesucher blieben meistens in den Zelten, vielleicht wütend, dass ihnen der Regen den Grillsamstag verdorben hatte…. Ich kochte mir ein veredeltes Bohnengericht zu den verbliebenen Reisebroten und bereitete gleich den Reiseproviant für morgen vor.

Vorab ein Kraft-Rezept und eine Vorbemerkung zu den Campingplatzgewohnheiten „heutzutage“.

Vegetarische Vollkorn-Spaghetti für eine Person aus Proviantreserven auf den Westmännerinseln:
250 g Vollkornspaghetti im Salzwasser garkochen.
Spaghettisoße: 250 g Schlagsahne, Olivenöl nach Belieben, 1 Gemüsebrühwürfel, 100 g Butter, 80 g konzentriertes Tomatenmark, zwei große Knoblauchzehen kleingehackt, Kräuter der Provence und Cayenne-Pfeffer nach Belieben. Soße unter beständigem Rühren auf schwacher Flamme köcheln lassen, bis die Nudeln gar sind. Nach Anrichten (es wurden drei Portionen für mich) mit Parmesankäse bestreuen.
Lecker, aber nur zu empfehlen bei bevorstehenden Anstrengungen, damit die Kalorien auch wieder abgebaut werden können;-)…

Campingalltag: Ein Elternpaar aus Münster mit einer 15-jährigen Tochter war unweit meines Zeltes auf den Westmännerinseln. Sie fuhren einen Tag vor mir ab und übernachteten zum Samstag hin auf dem Campingplatz unweit des ersten gestrigen Wasserfalls. Es war ein Fehlgriff: Der Platz voll, die Besucher wollten das Wochenende feiern: Lärm ohne Ende… Heute früh traf ich sie, als ich mir auf dem heiß begehrten Wasserkocher in der Campingküche Tee aufbrühen wollte…

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Meine Campingplatzeindrücke von gestern Abend und heute früh: Bei meiner Ankunft gestern war der Platz noch recht leer, ich konnte in Ruhe duschen (300 Kronen für 5 Minuten, wegen Covid nur 2 Personen zugleich unter den vier Duschen zugelassen) und wollte mir die zweite Hälfte meiner Spaghettipackung in der Küche mit Rührei und brauner Butter bereiten.
Zurück vom Duschen sah ich die einzige Elektroplatte des Riesencampings besetzt. Da der Regen aufhörte, gab es am Zelt „Bohnen mit Broten“.

Gegen 22 Uhr ging ich zur Toilette und streifte nochmals Richtung Küche. Der Campingplatz war überfüllt, vor der Männerdusche eine Warteschlange. Im Küchenraum alle Plätze besetzt, keine Abstandsregeln, keine Masken, die Tische voll mit Bierdosen. Die bestimmt 20 Netzsteckdosen alle besetzt ( ich wollte eigentlich mein Powerpack über Nacht laden), alle Besucher in Kontakt, aber nicht miteinander, sondern im tippenden „Daumenmuskeltraining“ nach Hause, zu Freunden oder sonstwohin, um Mitteilungen über die Tagesernte an Eindrücken zu machen.
Ich stellte mir einen Wecker auf 8 Uhr, einen auf 9 Uhr, wollte ausschlafen und spät starten, da die Regenwahrscheinlichkeit für den Morgen bei 70% lag.

Ein Gewitter weckte mich um 1.28 Uhr. Ich ging, da es draußen lärmte nochmals meine Runde. Torkelnde Menschen auf dem Weg irgendwohin, die Küche gesellig, bierlaunig besetzt. Kaum erreichte ich das Zelt begann der heftige Gewitterregen. Ich schlief sofort ein. Um halb sieben: ausgeschlafen. Blick auf die Wetterprognose: Nanu, jetzt nur noch 12% Regenwahrscheinlichkeit, mittags aber mehr als 50%? Auch das Zeltinnere voller Kondensat. Ich begann schnell zu packen, knüpfte das Innenzelt aus, tupfte es mit Toilettenpapier ab und verpackte es gesondert. Das klitschnasse Außenzelt füllte den Zeltsack.

Reisefertig ging ich viertel vor 8 Uhr nochmals zur Küche, um mir Reisetee aufzubrühen. Es gelang, der Wasserkocher war aber heiß begehrt. Natürlich erregt ein Radler mit vollbepackten Rad bewundernde Aufmerksamkeit. Ich unterhielt mich mit Deutschen (Münsteranern, die mich nach 120 km überholt haben werden), mit Polen, mit einer tschechischen Reisegruppe. Und gab zu viele Auskünfte.
Der Wecker klingelte.
Wir mussten lachen, als ich sagte, es würde mir des Öfteren passieren, dass mein Wecker klingelt während ich schon wieder unterwegs bin.
zUm halb neun fuhr ich los. Draußen traf ich noch einen jungen Niederländer aus Eindhoven. Wir unterhielten uns über die Eisbahn, die auch er gut kannte und wo ich schon des Öfteren trainierte…

Windstille. Und nach 5 Minuten ein leichter Hauch von RÜCKENWIND.

Der Campingplatz war wegen Überfüllung geschlossen. Die „HAPPY CAMPERS“, oder wie auch immer die Leihautofirmen heißen, parkten außerhalb und die Insassen nutzten dennoch die Sanitäranlagen.
Felsenformation an der Schwarzen Küste vor Vik.
Diesen Icewear— und Supermarktkomplex gab es vor 5 Jahren hier noch nicht.
Hier, am Schwarzen Strand übernachtete ich Ende Juni vor 5 Jahren.
Es waren nur 30 km Lupinen, dann 30 km Gräser(oft Strandhafer), dann 30 km Moose und mehr als 30 km Schwarze Sande.
Erster Halt
Reife Krähenbeeren sind für mich immer sehr erfrischend…

Hier übernachtete ich vor 5 Jahren aus Vik kommend. Heute ging es doppelt so weit…

Durch den beständigen Rückenwind kam ich stündlich mehr als 20 km voran. Blieb ich stehen holte mich der Regen aus Richtung Vik kommend ein. Im Osten heller Himmel. Nach Fotos musste ich schnell weiter, um nicht allzu oft nass zu werden.

Nach reinen vier Fahrtstunden sammelte ich 85 km an. Dann drehte der Wind für 20 Kilometer, um mich ab Kilometer 100 wieder zu unterstützen.

Ich sah, dass die Regenwolke vom Berghang ausgebremst wurde. Ein Seitenwind zu Beginn der Skeiðarársandur machte mir die Entscheidung leicht, eine zweite, einstündige Essenspause einzulegen, bei der das Zelt mit Steinen in den Seilen aufgestellt trocknen könnte. Super!

Diese geordnete „Adventure-Kolonne“ fährt seit gestern ständig hin und her. Jetzt erwischte ich sie.
Dieser „Brumm-Brumm“ darf nicht einfach von der Straße in den Sand. Ich aber darf: per Rad.
Der Hvannadalshnúkur ist mit 2110 m der höchste Gipfel Islands. Er wird umrahmt von den beiden Gletscherzungen des Vatnajökull . Vor 5 Jahren konnte ich ihn bei blauem Himmel sehen…

Ich rolle und rolle und rolle, nach 144 km mit 20,3 km/h im Schnitt komme ich zum Campingplatz Skaftafell. ÜBERRASCHUNG: Dieser ist wegen COVID geschlossen, nur wenige Gäste, die seit Wochen reserviert haben, dürfen hinein. Das Mädchen erklärt mir, der nächste Zeltplatz sei 10 km entfernt, ich solle aber anrufen, um nicht auch dort zurückgewiesen zu werden.

„Ich bin schon beinahe 3600 km mit dem Rad unterwegs. Ich habe alles“, entgegne ich.

Wir blicken einander an und sie weiß augenblicklich, was ich machen werde. Wir beiden müssen einfach herzlich lachen.

Einen Kilometer aus dem „Bezahlbereich“ herausgeradelt, „parke“ ich mein Rad wenige Schritte neben der Straße und finde 100 m entfernt in einer kleinen Senke den idealen Übernachtungsplatz.

Alle motorisierten Camper müssen weitersuchen. Drei bleiben stehen (während ich auspacke bin ich noch sichtbar), versuchen Platz für ihren Wagen zu finden. Unmöglich. Sie müssen weiter.

Gute Nacht!

Im Stehen sehe ich die Straße und habe einen herrlichen Blick auf die kilometerbreite Gletscherzunge des Vatnajökull
Zelt und das liegende Rad sind von der Straße aus unsichtbar.

DUrch islands „Südpol“ nach osten Richtung Höfn in die entlegensten und einsamsten gegenden Der vulkaninseln(84 km)

Etappe 27, Übernachtung 31

WAZ VON HEUTE
Fahrradticket. Interessant : Vestmannæyar-Landeyjahöfn übersetzt: Westmännerinseln – Landinselhafen
Der Seljalandsfoss. Man sieht ihn bei guter Sicht schon lange, wenn man von den Westmännerinseln kommend auf die Ringstraße 1 zufährt. Der Fall kann durch einen möglichen Rundgang auch von hinten betrachtet werden.
Vollbeladen. Während der Tour selbst meine ich, samt Reisegitarre (+6kg) jeweils „nur“ etwa 34-44 kg Gepäck mitzubefördern. Dass es aber samt Vollverproviantierung (+15kg) im Schnitt 50-65 kg waren, werde ich erst nach der Reise realisieren. Während der zweiwöchigen 2000km-Tour durch Südskandinavien hatte ich 2008 inklusive meiner Rennskates (+3kg) nur 20kg Gesamtgepäck dabei. Die Anforderungen beider Reisen sind aber kaum miteinander zu vergleichen. Indes: Das Gepäckgewicht, gut verteilt war 2021 äußerst wichtig, um auch höchste Steigungsstrecken nach meiner Art hochkurbeln zu können. Fast 30 kg in beiden Lowridertaschen und der Lenkertasche „erdeten“ das Vorderrad. 40 kg hinten plus mein Körpergewicht vom Sattel aus wirkend verhinderten, dass das Hinterrad auf Schotterstrecken durchdrehte. Mit Fahrradanhänger wären die Steigungen niemals zu schaffen gewesen. Das Rad hochzuschieben („hochzuziehen“ wäre der passendere Ausdruck) ist bei Steigungen, wo selbst die aktivierte Vorderradbremse das Herunterrutschen nicht mehr verhindert, aussichtslos. Jedermann wäre nach 10-20 Schritten aus der Puste.. Im Sattel sitzend, im niedrigsten Gang kurbelnd und bei etwa 3km/h vollkonzentriert balancierend war das – mir jedenfalls – möglich. Auf der Strecke von Djúpidalur nach Flokalundur (Etappe 16) legte ich sogar alle 300 Strecken- und 50 Höhenmeter mehrmals hintereinander „strategische“ Verschnaufpausen von etwa 2 Minuten ein, um mich nicht zu verausgaben und das Tagesziel sicher aus eigener Kraft und ERFAHRUNG zu erreichen. Auf dem Foto zu sehen ist der schwarze, vollbepackte, wasserdichte Seesack, in dem rechts der Gitarrenrucksack und links etwa 10-15 kg Proviant verstaut sind.Darauf platziert sind das Zelt (rot), der Klappsessel(grün) , beide je gut 1 kg schwer. In der wochenlang verwendeten Plastiktüte darauf sind leichtgewichtige Regensachen und wärmere Hose/Weste verstaut, zum schnellen Wechseln, je nach Bedarf.

Etwa 20 km weiter östlich präsentiert sich der Vulkan bei guter Sicht in voller Pracht. Heute nicht.
Hier baute man eine Art Museum, das inzwischen, wohl nicht nur der Pandemie wegen geschlossen ist. Der Hof, zentimeterdick von Asche bedeckt war damals täglich im Fernsehen präsent. Die Leute dort von Touristen ständig genervt. Inzwischen ist der Hype vorbei.

„no drones“, kleine Schilder an den Weidezäunen sind ein weiterer Hinweis darauf, dass man nicht gestört werden will.

Es begann zu regnen. Etwa eine Stunde lang. Ich bog ab zu einem der schönsten Wasserfälle Islands, frühstückte dort nach 50 Kilometern, weil der Regen stoppte.
Ich hatte mit diesem Fall auch noch eine Rechnung offen, übersah ich doch vor 5 Jahren die vielen schlafenden Trollköpfe, die hier alles bewachen. Zunächst aber sprintete ich die 420 Stufen hoch zum Aussichtspunkt, weil ich dies letztens für nicht erstrebenswert fand. Trotz der vielen Bilder aus verschiedenen Perspektiven, trotz des anderen Namens: Für mich bleibt er der TROLLFALL, weil ich sie heute überall im Gras weiter und weiter entdeckte. Vor 5 Jahren aber keinen einzigen Troll…

Na, lieber Betrachter, haben sie sich Dir schon gezeigt??? Besonders auf den letzten Bildern kam man sie leichter erkennen…

Nach der „Trolltour“ hatte ich Richtung Osten beständigen Gegenwind und beschloss, heute nicht weiter als bis Vik zu fahren, zumal latente Regengefahr bestand. Der 12%-Anstieg direkt vor Vik schreckte mich nicht, es waren nur 130 Höhenmeter zu überwinden. Hier kaufte ich ein( morgen ist Sonntag!) und fuhr zum Campingplatz, bei dem Zeltler unter sich sind, weil die Pkw draußen bleiben müssen. Der Caravan-Camping ist auf der anderen Platzhälfte „unter sich“…

Vik ist insofern auch interessant, als dass es hier nur schwarze Küstenabschnitte gibt. Und schwarze Wellen. Besonders erwähnenswert ist vielleicht auch, dass sich östlich und westlich des Ortes zwei Landzungen um das Privileg streiten, der südlichste Punkt, der „Südpol“ Islands zu sein.
Je nachdem, welcher Gletscherfluss mehr Geröll oder Lavaschutt ins Meer trägt, ist mal der eine, mal der andere Zipfel weiter südlich gelegen.

Da es immer wieder mal aufs Zelt regnet, gibt es heute wohl kein Abendkonzert.

Gesamtkilometer: 3427

Westmännerinseln/„urlaub“/Radeln(11 km)/ Abendkonzert mit ivAn Mendez

Bericht I: Papageitaucher „satt“gesehen: genau zweistündiger „Morgenspaziergang“

Bericht II: Das unerwartet entstandene Lavafeld von 1973

Mit der „richtigen“ Kamera habe ich natürlich noch viel schärfere Fotos machen können. Die werde ich nach der Reise nach und nach nachliefern und viele der zZt. platzierten Bilder entfernen…

Das unerwartet entstandene Lavafeld von 1973

Im Januar 1973, aus heiterem Himmel, brach ein neuer Vulkan aus, auf den Westmännerinseln. Fast alle etwa 4500 Einwohner wurden aufs Festland evakuiert (die Inseln liegen in Sichtweite des Eyafjallajöküll, der bei seinem Ausbruch vor gut 10 Jahren über Wochen praktisch den gesamten europäischen Flugverkehr lahmlegte). Niemand kam 1973 zu körperlichem Schaden. Der Vulkan wütete ein halbes Jahr lang, vernichtete etwa 400 Wohnhäuser. Lavamassen bewegten sich auf den Hafen zu, der verloren schien.   

Eine Gruppe mutiger Männer, so ist zu lesen, installierte eine Art Wasserkanonen, mit deren Hilfe man hoffte, die Hafeneinfahrt vor den Lavamassen zu retten.  

Es gelang, auch weil der Vulkan wieder einschlief. Wie eng es wurde, erahnt man nur an Bord, wenn die kleine, siebenmal täglich zum „Festland“ verkehrende und etwa 50 Fahrzeuge fassende Fähre sich durch die Hafeneinfahrt schlängelt. Kreuzfahrtschiffe, heute war eines angekommen, müssen draußen bleiben. Passagiere werden von dort aus zu Exkursionen in Behelfsbooten an Land gebracht.

Fünf Jahre lang ärgerte es mich, dass ich 2016, beim ersten Besuch der Hauptinsel wegen eines Wetterumschwungs schon morgens, statt nachmittags wegfuhr und damals zwar wenige Papageitaucher sichtete, aber nicht mehr zum Lavahauptfeld radelte, das letztendlich die Inselfläche um mehr als ein Zehntel vergrößerte.

Auch diesmal schienen die Chancen, den Inselkomplex zu besuchen zu schwinden. Bis ich mich entschloss, in den unzugänglichen Westfjorden Islands die Südschleife zu nehmen, bis es mir – wie bei der Fahrt zu Freunden nach Sandgerði, oder beim gestrigen „Windritt“ gelang, ein paar Langetappen zu meistern, dass ich – trotz angekündigter Schlechtwetterlage – zwei Übernachtungen hier fest einplante.

Herrlich, aber auch echt gruselig die heute zweistündige Radtour nach dem Meeting mit den Papageitauchern, bei der ich (also der Radtour) auch kleinste Wanderwege hochkurbelte (der 13%-Anstieg zum Ny Eldfeld/Neuen Lavafeld, gleich zu Beginn,  eher ein Kinderspiel). 

Fast alle Einwohner kehrten übrigens vor 50 Jahren wieder zurück in ihre Heimat, bauten neue Häuser, auch direkt unterhalb des Lavarandes. Die Westmännerinsulaner gelten auf Island als besonders musikalisch und führen das selber auf ihre irischen Vorfahren zurück, die hier vor mehr als 1000 Jahren als Sklaven gebracht wurden…

Warum ich glaubte, auch heute noch Häuserruinen zu finden, weiß ich nicht. Vielleicht sah ich nur zu viele Fotos davon. Vielleicht gibt es sie auch noch irgendwo. Beispielhaft. 

Vielleicht wollte man hier aber auch nicht mehr an die Katastrophe von 1973 erinnert werden.

Ich beendete meine Suche, als ich auf die im letzten Bild dieser Folge ganz unten zu sehende Gedenktafel stieß:

Sinngemäß heißt es:

Wassertal. Bestanden 1925 bis 1973. Unter Lava am 22. März. 40 m tief hier unterhalb…

Jeder mag bei der Bilderfolge eigene Gedanken entwickeln.
(TAGEBUCHEINTRAGUNG vom 30 Juli 2021)

Abendkonzert mit Ivan Mendez(Nachtrag)

Gestern Abend kamen Ivan Mendez und seine Mutter J. Salmina Ingimarsdottir beim Spielen zu mir und wir musizierten zusammen. Er hat eine viel schönere Stimme als ich und spielt wunderschön. Heute ist der Zeltplatz recht leer, weil ein großes Festival pandemiebedingt ausfiel und morgen Mittag hier bei einer Ersatzveranstaltung ohne Zeltplatzbelegung Fernsehaufnahmen gedreht werden sollen. Deswegen ist der Zeltplatz geschlossen. Nur manche „Fässer“*(10.000 Kronen je Nacht) und Häuschen (11.000 Kronen je Nacht) belegt sind. Ich zahle für meinen Platz etwa 2000 Kronen.
*s. auf Zeltplatzbildern

Weil ich schon mit der Fähre morgens um 7 starte, störe ich den Betrieb morgen nicht.

Gestern kündigte ich den Beiden an, heute schon um 8 Uhr spielen zu wollen.
Kaum fing ich an, da kamen Ivan mit Mutter, Hund und Gitarre und einer Überraschung her und wir musizierten zusammen bis viertel nach 9 Uhr. Zwischendurch kamen ihre Isländischen Freunde und gesellten sich als Zuhörer zu uns. So kann ich mit Ivans Einverständnis hier zwei Besonderheiten nachtragen. Ich und wir freuten uns sehr über die zweimalige musikalische Begegnung:

Zum Abschluss der „Zeremonie“, wie er es nannte, spielte Ivan zur Überraschung auf seiner besonderen Hirtenflöte. Als ich oben von der Musikalität der Insulaner berichtete, wusste ich noch nicht, was mich erwartet.

Die Landschaft, in der der Abschluss/Abschied stattfindet, ist auf den Bildern von heute Morgen nur zu erahnen.

Wie gut, dass ich mich fünf Jahre ärgerte, nur um hier wiederkommen zu können.

Geysir-vestmanneyar/Westmännerinseln, Ein „windritt“(125 km)

Etappe 26, Übernachtung 29 – 30

Donnerstag, 29. Juli 2021

Um halb sechs, vor dem Wecker aufgewacht. Um viertel vor sieben gestartet. Als Tagesziel nahm ich mir nach der Gegenwindetappe gestern vor, heute das 76 km entfernte 1000-Seelenörtchen Hella (gespr. Hätla) anzusteuern. Indes, der Wind wartete schon auf mich: Nach 2 Stunden, trotz einer 10km-Querspange (neuasphaltiert), um auf eine größere Straße zu kommen, war ich schon 44 km vorangekommen. Als ich nach zweieinhalb Stunden und 56 km die 1 erreichte, frühstückte ich eine halbe Stunde und baute das Zelt zum Austrocknen auf. Es erwartete mich jetzt fast Gegenwind. Dennoch ging es wegen des flachen Streckenverlaufs so zügig voran, dass ich am Ortseingang von Hella, den ich um 11.45 Uhr erreichte, durchschnittlich 20 km/h je Stunde Fahrzeit erreichte.
Was sollte ich hier, so früh am Tage???… Der abseits der Straße gelegene Ort zischte vorbei, den Eyafjallajökull (gespr. Äjafjatlajökutl) links im Blick, die Silhouette der noch weit entfernten Westmännerinseln immer deutlicher werdend rechts vor mir, war ich im „Fahrtunnel“. Heute schon auf die Westmännerinseln rübersetzen? Es schien möglich. Verrückt! Zwischendurch taucht, wohl nur weil ein neues Lavamuseum in der Nähe des Eyafjallajökull gebaut wurde, ein riesiger Supermarkt auf. Ich konnte mich dort komplett verproviantieren. Wegen eines kurzen Schauers und Kleideranpassung verpasste ich die 15.45 Uhr-Fähre um 5 Minuten. Macht nichts, ich nahm die nächste um 18.15 Uhr und landete kurz nach 19 Uhr und 125 Tages- und insgesamt 3332 Radelkilometern auf dem mir schon von vor 5 Jahren bekanntgewordenen Campingplatz.

Zeltaufbau, Trinken, Dusche, Tee (ich aß auf der Fähre) und nach lauter Boxenmusik außerhalb des Campings, auch weil ich junge Deutsche traf, ein wegen Müdigkeit eigentlich ungeplantes Gitarrenkonzert vor traumhafter Kulisse.

Großer Applaus aus nah und fern, ein berührter und alkoholbeseelter Litauer brachte mir eine Dose Starkbier zum Geschenk. Ich vertrage höchstens 0.0%.

Isländer, auch ortsansässig, kamen rüber und sangen mit (wunderschöne Stimmen). Wir verabredeten, dass ich morgen schon um 8 Uhr, statt um 9 Uhr abends beginnen werde. Herzliche Verabschiedung.

Ab 22 Uhr spielte ich noch bis Mitternacht und wir sprachen und sangen untereinander und miteinander meistens auf englisch, aber auch isländisch, polnisch, russisch und deutsch. Obwohl die jungen Leute zT. Morgen schon die Fähre um 7 Uhr erreichen müssen… Die Bierdose wurde zum Geschenk gemacht…

Mond als „Windnavigator“
Eyafjallajökull
Noch fern, die Westmännerinseln
Etwa 50 Fahrzeuge (und mein Rad) passen auf die kleine Fähre…
Oben und folgende Bilder: Rundumblick am Morgen, 30.7.2021 um 6 Uhr: In den hohen Felsformationen nisten, fliegen und lärmen fast nur Sturmvögel. Die Trampelpfade nach oben (mache ich nach dem Frühstück) führen zu Nistplätzen von Papageitauchern und wunderschönen Ausblicken aufs Meer…

Selfoss-geysir+Gullfoss und zurück(85 km)

Etappe 25, Übernachtung 28

Als es um 6 Uhr anfing zu tröpfeln habe ich schnell gepackt. Es hörte auf. Um 7.45 Los. Die Straße war nass, das Wetter stabil-freundlich mit der Ausnahme, dass ich über fast die ganze Strecke von 65 km bis Geysir einen beständig strammen Gegenwind hatte, der meine für 12 Uhr angedachte Ankunft auf fast 14 Uhr verschob. Ich befand mich aber immer in einer phantastischen Landschaft. Die erste Hälfte der Strecke kannte ich noch nicht. Ich fand gleich einen Platz fürs Zelt, aß zu Mittag, kochte Tee, schrieb den gestrigen Bericht fertig und fuhr zum Geysir/Strokkur. Der Erstgenannte schläft seit Jahren, Strokkur bricht etwa alle 10 Minuten aus.

Dann führ ich, wie geplant zum Gullfoss, 10 km entfernt. Das Problem, der Gegenwind wurde inzwischen so stark, dass ich ohne Gepäck für die Strecke anderthalb Stunden brauchte. Ich ging auch gar nicht mehr herunter, näher ran, wie noch vor 5 Jahren: Der Wasserfall schien mir durch den Wind entgegenkommen zu wollen. Sein Wasser regnete mir entgegen. Dennoch aber auch dieses Mal wieder ein faszinierendes Erlebnis.

Für die Rückfahrt, den Sturmwind im Rücken, benötigte ich gerade einmal 17 Minuten, trotz welligen Streckenprofils.

Irgendwo hinter den Bergen liegt Thingvellir
Rast zwischen Selfoss und Geysir
Weg vom Campingplatz zum Geysirgelände am frühen Nachmittag
Strokkur am frühen Nachmittag
Strokkur am frühen Nachmittag
Gullfoss
Gullfoss
Gullfoss
Gullfoss

Strokkur, Ausbruch um 22.11 Uhr
Geysirgelände nach 22 Uhr fast ganz vereinsamt
Um 22.21 Uhr: viermal erfolgten zwischendurch kleine, 5 m hohe Ausbrüche. Der hier gezeigte war der erste von vier Ausbrüchen innerhalb von einer Minute. Alle sehr hoch.

Sandgerði – Selfoss (113 km)

Etappe 24, Übernachtung 28

Schön, wenn man von Ortskundigen ihren Wohnort gezeigt bekommt! Zwar bin ich auch vor 5 Jahren Sandgerði zum Teil abgefahren und habe vieles diesmal wiedererkannt. Diesmal verbrachte ich zweieinhalb wunderbare Tage bei vor 5 Jahren kennengelernten polnischstämmigen Freunden. Diese füllten das beim ersten Mal Gesehene nun mit Leben.
Ich bekam einiges mit vom isländischen Schulsystem, insbesondere aber lernte ich besondere Eigenheiten der zur gemeinsamen Kommune zusammengelegten Orte Sandgerði und Garður kennen, die viele Jugendprojekte fördern (u.a. kostenlose Schwimbadbesuche, kostenlose Mitgliedschaft in Sportvereinen u.v.m.) und auch ihren erwachsenen Bürgern von Hauskauf bis Platzgarantie im Pflegeheim im Alter besondere, lukrative Angebote machen, um sie an Ort und Stelle richtig zu verwurzeln.
Ich weiß jetzt, dass Isländer Neubauten nicht aus Ziegeln fertigen, sondern, wegen der ständig möglichen (und vorkommenden) Erdbeben, mit Stahlmatten und Eisenbewehrungen vorgefertigte Wandelemente verbauen, die dann am Einsatzort mit Beton ausgegossen werden und als Stahlbeton erdbebensicher sind. Bei vielen älteren Häusern sah ich hingegen beständig sich erweiternde Risse.

Soviel, hierzu nur angedeutet…

Die Südküste Islands hat in den letzten Wochen viel Regen abbekommen. Ich hingegen, dauerhaft nur die letzten Reisetage. Freundlicheres Wetter schien sich zu nähern. Verwöhnt und ausgeruht darf und will ich jetzt weiter:

Alles gepackt, knapp 4 Stunden Schlaf und ab: Start um 3.45 Uhr. Beim kurzen Beladen des Fahrrads regnete es noch, beim Start hörte der Regen auf. Beinahe Windstille. Erste, fast dunkle Nacht für mich in Island. Lediglich im Norden blieb der Himmel hell. Die Wolkendecke schien aufreißen zu wollen. Stiller Abschied vom Haus der Freunde mit der neuen, es fast umspannenden Großterrasse. Die Hauptstrecke Richtung Flughafen ist schnell gefunden. Plötzlich, und es haut mich fast um, entdecke ich am dunklen Horizont, direkt neben der Silhouette des Flughafens doch den beständig feuerspeienden, rauchenden, schwer arbeitenden Vulkan Flagradalsfjall. Der sich zu einem richtigen Schildvulkan zu entwickeln scheint.
Inzwischen weiß ich, dass er aus dem gleichen System gespeist wird, wie der benachbarte, pyramidenartige Keilar. Warum aber gerade er nach einem 600-jährigen Schlaf jetzt erwachte? Rätselhaft…
Ich nähere mich ihm auf dem weg Richtung Reykjavik von 20 auf etwa 10 km und bin gleichzeitig fasziniert wie gruselig besetzt: Harry Potter? Mordor? Nein, Realität: Der Vulkan flackert, glüht und produziert beständig eine auf den Flughafen zuwehende Giftwolke. Sie war es auch, die mich auf der Hinfahrt, weil auf mich zukommend, beständig mit Schwefelgeruch „fütterte“. Ich mache einige Fotos und Videos.
Im wesentlichen beobachte ich aber im Fahren das Naturschauspiel, das mit zunehmendem Tageslicht zwar blasser wird, bald sieht man den Widerschein der Glut nicht mehr, aber nichts von seiner fotografisch nicht zu erfassenden Faszination verliert.

Die Sonne geht hier jetzt etwa kurz vor Mitternacht unter und gegen 4 Uhr früh wieder auf.

Die frühe Startzeit wählte ich aus zweierlei Gründen. Erstens sollte es nach dem Dauerregen auch in Sandgerði etwa gegen drei Uhr am Morgen trockner werden. Zweitens, und viel wichtiger: Ich wollte, bevor der Massenverkehrswahn zum und vom Flughafen zu rollen beginnt, länger die Autobahn benutzen, bis in die Vororte von Reykjavik hinein, um möglichst direkt auf die Ringstraße Süd zu kommen und dann, schon in den Bergen, wieder einen kurzen Abstecher in die Waldorfskólinn, die zweite Waldorfschule von Reykjavik zu machen, welche 18 km außerhalb der Hauptstadt in traumhafter Landschaft platziert ist. Und dort, vielleicht wieder auf A. Jaschke zu treffen, die Mutter meines Ende des letzten Jahrtausends hier zusammen mit seinem Vater und jüngeren Stiefbruder beim Flugzeugunglück tragisch verunglückten Schülers Tobias (s. ausführlicher zur Schule und zum Unglück im Blog von 2016).

Alles gelang: Der Verkehr betrug weniger als 1% dessen, was ich bei meiner Ankunft letzten Samstag erlebte. Nach kaum 3 Stunden war ich schon in Reykjavik und sparte diesmal TATSÄCHLICH!!! 10 km gegenüber der Strecke von 2016 ein (nur 66 km statt 76 zur Waldorfschule), weil hier inzwischen tatsächlich neue Radwege bzw. deren ganzes Netz entstanden ist, das mich über Abkürzungen sicher weiterleitete. Und ich mich gelegentlich nur verfuhr, weil ich nicht glauben konnte, dass mein Navi tatsächlich schon die neuesten Fahrradkarten eingespeichert hat. Sightseeingtour mal anders!

Kurzer Besuch in der Waldorfschule, Angelika verbrachte hier tatsächlich wieder mit Freundin den Sommer (die letzten 3 Wochen nur Regen, heute der erste freundliche Morgen). Alle hatten Verpflichtungen, auch ich wollte noch weiter. Für einen leckeren Tee und ein „Update“ nach 5 Jahren reichte es dennoch. Schön, dass wir uns wiedergesehen haben!!

Nach den Ruhetagen rollte das Rad wie von selber. Wie nix, kletterte ich 400 m auf die Hochebene 13 km vor Selfoss, die größte Stadt im Süden Islands, sauste mit dem Verkehr mit 65 km/h die 4 km Abfahrt herunter und war angekommen. Kurze Verproviantierung, Zeltplatz im Zentrum, erste Regentropfen, alles im Trocknen, Mittagessen aus von Renata mitgegebenen Reserven, kurzer Erholungsschlaf während des kurzen Regens und: natürlich, ein einstündiges Platzkonzert auch hier…

Spätabends noch ein polnisches Paar gesprochen, das hier zum wandern kam und jetzt für eine Woche ein wahnsinnig teures Auto – wie die Polen meinten- anmietete. Ich beruhigte sie insofern, dass ich sagte, dass in Island jetzt zum Ende der Saison -weil der Markt es hergibt- die Vermietungspreise WAHNSINNIG angezogen sind:
Renata arbeitet für eine amerikanische Firma. Und die „Amis“ zahlen.
Ab Mittwoch, 28. Juli, ihren ersten Arbeitstag nach dem Urlaub, kostet ein vierradgetriebener Vier-Personen-Mazda für drei Tage stolze 1200 €!!!.

Ich muss dafür jedenfalls nichts ausgeben…

Wem das Pedalieren nicht reicht, darf sich natürlich gern gratis – und ganz öffentlich – an einer Fitness-Station kräftigen…,

…ich tat es auf dieser Bank eher kulinarisch und vergaß dort meine Thermoskanne.

Blick auf Reykjavik vom Gelände der Waldorfschule aus

Angelikas „Tobiashus“. Hier verbringt sie regelmäßig die Sommer. Und die Schule benutzt das Haus auch in ihrer Abwesenheit als offizielle „Quarantänemöglichkeit“.
Selfoss

Hvalfjörður/Hladir – SandgerÐi( Trotz 100 km gegenwind 139 km)

Etappe 23, Übernachtung 24-25-26

Samstag, 24. Juli 2021

(Rückblick auf gestern Abend)

Hier am Museum gab es auch einen Hot Pot mit Schwimmbad, der Eintritt musste aber extra bezahlt werden und die Anlage schloss bereits, wie das Museum, um 17 Uhr.
Für Camper, ich war einziger Gast (Fahrzeuge waren auf dem Gelände nicht zugelassen), gab es in 200 m Entfernung direkt neben dem Hot Pot Umkleideräume für Männer/Frauen mit Toiletten und mit Duschen im Freien. Toiletten und Umkleiden waren überdacht.
Ich duschte mich solange heiß, bis ich froh war, wieder ins Kühle gehen zu können.

Alle meine Sachen waren außen nass und innen völlig nassgeschwitzt. Die lange Merino-Unterhose und das langarmige Merino-Shirt (beide schwarz) wiesen „interessante“ Salzmuster auf.
Ich verteilte alles, außer den Goretex-Sachen auf die Haken der Umkleide in der Hoffnung, sie am Morgen trockener vorzufinden.
Im Zelt musste ich sehr achtsam sein, dass der Schlafbereich (Innenzelt) trocken blieb. Erstmalig musste z.B. die Lenker-Klick-Tasche „draußen“, aber unter dem Außenzeltdach bleiben. Gitarre und Proviant „übernachteten“ völlig draußen, geschützt vom robustem schwarzen Seesack.
Einen gravierenden Schaden hatte ich aber doch: Die „Küche“ (Lowrider-Tasche rechts) „zog Wasser“. Die umweltfreundlicheren Varianten der Ortlieb-Taschen*, die ich seit der Fahrt 2006 („18 Nächte zur Mitternachtssonne“) nutze, und die sich auch 2008, bei der nirgendwo dokumentierten 2000-km-Tour durch Südskandinavien** hervorragend bewährt hatten, litten offenbar unter dem Aufbügeln verschiedener Partnerlogos der Touren „From Bochum to the Universe/Waldorf on the Road l+II+III“***.
Die „Reise-Küche“ (u. A. mit Kocher, Töpfen, Geschirr, Besteck, Brettchen) litt so sehr, dass die Tasche innen mehr als nur feucht war. Ich wischte alles möglichst trocken, packte es in eine Plastiktüte gehüllt wieder ein. Die feuchten Streichhölzer bekamen einen anderen Platz (ich habe noch Ersatz und zwei Feuerzeuge mit).

*Ortliebtaschen aus Lastwagenplane verwendete ich seit Anfang der 1990-er Jahre als Lehrer bei Klassenfahrten. Ich verschenkte sie nach dem Kauf der neuen Taschen 2006.
**2008 radelte ich mit Minigepäck plus meinen Rennskates von Bochum nach Rügen, übersetzte nach Bornholm, später nach Südschweden, besuchte in der Laholmbucht „urlaubende“ Freunde aus Dortmund und setzte auf der Rückfahrt (Varberg – Grenå – Århus- Puttgarden) für 2 Tage auf die „Wüsteninsel“ Anholt über, wo ich, wie an den meisten Stellen, zusätzlich zur Entspannung, einen Marathon auf Inlinespeedskates rollte). Diese zweiwöchige 2000 km-Tour nannte ich für mich: „Mit Bike und Skates durch des Nordens Süden“.

*** I.: 2013 in 66 Tagen 10.000km rund um Skandinavien;
II.: 2016 in 4 Wochen 2600 km rund um Island;
III.: Die gegenwärtige Reise durch Dänemark, die Faröer Inseln und rund um Island.

Hvalfjörður-Sandgerði:
Es regnete die ganze Nacht. Zum ersten Mal konnte ich um 1:28 Uhr keine Uhr ablesen, so dunkel war es. Später wachte ich auf, wegen einer Regenpause vielleicht, und begann zu packen. Und ich ging zum „Heißduschen im Freien“. Die ausgebreitete Kleidung war tatsächlich etwas trockener geworden. Nach der Dusche war es auch viel leichter, sie im Freien kalt anzuziehen.

Um 4.45 Uhr fuhr ich los.
Gegenwind (von den an diesem Tag in über 12 Stunden zurückgelegten 139 km (es wird die zweitlängste Islandetappe 2021 werden) werde ich 9 Stunden Dauerregen und 110 km Gegenwind erlebt haben). Auch wenn das Streckenprofil bei weitem nicht so schwer war wie in der letzten Woche, so ging es doch bei unangenehmen Wetter beständig auf und ab. Nicht nur in den verbliebenen 50 Kilometern um den Hvalfjörður herum, sondern bis zur Abfahrt zum Flughafen Keflavik.

Einzig für wenige Sekunden schien die Sonne beinahe durch, als ich mich an der Abfahrt zum Þingvellir befand und auch die hier befindlichen Wasserfälle beleuchtete (auf dieses Touristenmuss verzichte ich auch 2021 wieder).

An der Ringstraße 1, direkt am Ausgang des für Radfahrer verbotenen Meerestunnels Richtung Akranes das gleiche Abbild wie gestern: Lastwagen und Touristenkolonnen ohne Ende, ein Radler am Rand kriechend unter ihnen. Im Regen. Gratis-Seitendusche inbegriffen.

20 km vor dem Zentrum Reykjaviks leitet mich mein Rad-Navi bei Mossfellsbær von der Hauptstrecke ab und bietet zum Teil neue, manchmal schwer zu entdeckende Radwege bis in die Hauptstadt und bis zur Stadtgrenze Richtung Keflavik.

Als Bewohner der „Radlerstadt Bochum“ (Ha, ha, hi hi, ho ho!!!) bin ich fasziniert, was sich hier seit 5 Jahren getan hat. In letzter Konsequenz ist es aber doch so, dass sich alle Radwege in beständigen, anstrengenden Auf- und Abfahrten um die Hauptverkehrsadern schlängeln und meine Gesamtstrecke letztlich von 130 km auf 139 km verlängern.

Hätte ich doch auf den Autostrecken weiterkurbeln sollen?

Nein! Denn letztlich gewann ich doch ganz andere Eindrücke von der Hauptstadt, als vor 5 Jahren. Und erlebte zugleich, dass selbst Isländer, die häufig mit e-Rollern die Strecken befahren, verwirrt sind, wenn sie nach dem Radweg Richtung Keflavik gefragt werden.

An der Westgrenze Reykjaviks hatte mich dann doch noch die „Flughafenautobahn“ nach Keflavik wiedergefangen. Da musste ich mangels Alternativen einfach durch.

Der Dauerregen ließ nach vielen Stunden nach. Ich wurde aber beständig von Nieselschauern begleitet.

Der „Mustervulkan“ Keylir im Regen. Hier weiß ich noch nicht, dass es sich bei der über der „Autobahn“ hängenden Wolkenbank um die stinkenden Ausdünstungen des plötzlich ausgebrochenen, etwa 8 km entfernten Fagradallsfäll handelt. Ich werde es bald merken…
Der berühmte, seeehr teure Hot Pot, die „Blaue Lagune“ – Abwässer eines Wärmekraftwerks („Was der Eifelturm für Paris, das ist die Blaue Lagune für Island“, habe ich in einem ganz neuen Reiseführer gelesen) liegt in der Nähe des entstehenden Schildvulkans, der vielleicht noch über Jahrhunderte hinweg aktiv sein wird…

Kurz vor Keflavik wurde es freundlicher, die Sonne schien und an der Abfahrt zum Flughafen riss hinter mir ganz plötzlich, aber nicht unerwartet, der Verkehrsstrom ab.

Das Zelt trocknete schnell im Trockenen draußen. Meine gebrauchten Kleidungsstücke „besuchten“ die Waschmaschine und wurden zum Trocknen aufgehängt. Meine Freunde, die ich vor zwei Jahren auch in ihrer ersten, polnischen Heimat besuchte, bereiteten ein herrliches, traumhaftes Essen vor. Auf mich wartete ein an Köstlichkeit nicht zu übertreffendes Lachsfilet im Backofen.


Ich werde hier in Sandgerði zweieinhalb Tage verbringen und viel Kraft tanken, bevor ich meine Reise ohne Eile in der Nacht zum Dienstag fortsetze. So kann ich Reykjavik erreichen, bevor der übliche „Autobahnverkehr“ einsetzt. Der Wind soll dann viel schwächer, das Wetter viel freundlicher geworden sein. Heute gießt und stürmt es.

Ich melde mich wieder bei meiner nächsten Station, sofern es von dort aus technisch möglich sein sollte.

Durch die gestrige „Langstrecke“ bin ich übrigens seit dem 1. Juli inzwischen 2009 km allein durch Island geradelt. Ganz CO2-frei (und mit Gitarre im Gepäck). Verrückt aber wahr. Natürlich wird auch hier gemeinsame Hausmusik gemacht, täglich…

Ergänzung: Der Vulkan Fagradalsfjall ist seit Anfang April (vielleicht für 300 Jahre) aktiv und verbreitet Lava über zwei unbewohnte Täler. Angesichts der Wetterlage und meiner weiteren Pläne spare ich mir den Besuch der „Sensation“, die nur etwa 25 km von meinem gegenwärtigen Aufenthaltsort passiert. Inzwischen muss man, wenn man hingelassen wird, mehrere Kilometer wandern, um etwas aus wesentlich größerer Entfernung, besonders, wenn es jetzt wieder dunkler wird, zu sehen.

Renata war in den ersten Tagen des Ausbruchs ganz nahe am Krater und stellte mir vier iPhone-Bilder zur Verfügung. Von einer Stelle aus aufgenommen, die jetzt weit umgangen werden muss, weil dort inzwischen eine dicke Lavaschicht liegt.
Danke!

Rjúkandi – Hvalfjörður/ (waLfjord)/Hlaðir(105 km)

Etappe 22, Übernachtung 23

“Nachts“ (trotz dicker Wolkendecke wird es hier immer noch nicht richtig dunkel) wachte ich irgendwann auf. Es goss immer noch.

Start morgens um 6.30 Uhr. Erstes Ziel 65 km nach Borgarnes. Weil ich nach dem Auftritt im Café noch auf meinem Zimmer ausgiebig zu Abend aß, startete ich auf nüchternen Magen und wollte ohne eine Pause gegen 12 Uhr die Zwischenstation erreicht haben. Bei Gegenwind hätte es leicht viel später werden können.

Starker und sehr starker Regen wechselten einander wie im Wettstreit ab und ich hatte, natürlich, Gegenwind. Wenngleich schwächer als an den Vortagen.

Genau um 11.16 Uhr – hätte ich nie gedacht! erreichte ich „netto” in Borgarnes, gewissermaßen den Mittelpunkt des Ortes. Der Himmel lag bis hierher immer so dicht über der Erde, als sonnten sich die Wolken, mit der Konsequenz, dass der vorbeikurbelne Radfahrer nass wurde.
Selbst Regenwürmer flohen in Massen auf den Asphalt, um nicht unterhalb am Straßenrand ertrinken zu müssen.

Von Borgarnes aus erreichte ich telefonisch Renate, und wir sind sehr froh, uns wohl sogar schon morgen Abend sehen zu können. Alles passt.

Nach vielen hundert Kilometern war ich wieder auf der Reichsstraßxe Nr. 1. im Süden Islands , in der Nähe von Reykjavik. Zum Abgewöhnen, der Verkehr.

Die 22 km bis zur Abfahrt in den Walfjörður/ den Walfjord und ich fühlte mich wieder freier…

Hier „guckte“ ich mir schon vor fünf Jahren einen Zeltplatz für meine nächste Tour aus. Ein Auto hielt an. Ilja und Laura aus Österreich, für die ich vorgestern in Hellissandir (200 km entfernt) Gitarre spielte, grüßten mich bei Nieselregen. Ein netter, kleiner Austausch an Erfahrungen. Weiter ging’s.

Zwei Engländer aus London kamen mir radelnd entgegen. Erster Tag Island. Sie wollen für 2 Wochen die Ringstraße nehmen und empfehlen mir noch den Bananenkuchen im Café des nahen War & Peace Museums.

Hier ist auch ein kleiner Zeltplatz. Ich bleibe trotz Regens.

Nur noch 135 km bis Sandgerði.

Hellissandur – (Richtung Borgarnes/ DUrchgehend regen, Anfangs Starkwind) Bis 14.15 uhr 91 km)/Kaffihús Rjukandi

Etappe 21, Übernachtung 22

Start 6.15 Uhr. Regen ab 6.30 Uhr.

1. Stunde 9 km,

2. Stunde 9.8 km,

3. Stunde 8.8 km,

5 Stunden 60 km,

7 Stunden 84 km…

Hier war die Sicht noch relativ gut. Den Snæfellsjökull, sah ich am zweiten Tag aber nicht mehr. Dennoch, ich war ganz in seiner Nähe und schlief mit dem Kopf in seine Richtung…


Etwa anderthalb Stunden Halt an dem Restaurant geplant, wo ich vor 5 Jahren herrliche vegetarische Burger bekam. Gibt’s nicht mehr. Ich nahm zwei vegane Alternativen, eine Flasche Maltextrakt und eine Cola. Wasser gab es gratis. Kuchen und Tee danach.

Aus den anderthalb Stunden wurde eine ganze Nacht:

Ólöf (weibliche Form von Ólaf/Olaf), die ich aus dem Familienbetrieb hier schon vor 5 Jahren kennenlernte, erkannte mich gleich wieder. Sie wirkte auf mich sogar jünger als damals. Einer der spanischen Köche war noch da, ein anderer junger Spanier bediente. Ich durfte, völlig von außen(Regen) und innen (Schweiß) durchnässt im großen Raum des Cafés (wo mehr Platz und eine Garderobe waren) meine Sachen abnehmen, sie aufhängen und dort essen.

Draußen starker Seitenwind und Regen und die Option, nass in weiteren Regen 65 Kilometer hineinzuradeln. Hier die Möglichkeit, sich in einem großen Raum mit großem Bad auszubreiten und alles bis morgen zu trocknen, um früh, mit weniger Wind(?) in den Regen hineinzufahren. Ich überlegte nicht lange.
Abends, von 18-19.30 Uhr spielte ich im Café für die Laufkundschaft Gitarre, hatte viele Gespräche und erntete viel Applaus. Zu Ehren und großer Freude der Spanier eröffnete und schloss ich diesmal nicht mit Hymn von Barclay James Harvest, sondern mit Guantanamera. Ein behinderter Gast im Rollstuhl wurde nach der „spanischen Eröffnung“ extra aus dem Großen Raum zum „Konzert“ herübergerollt…

Das Gitarrenfoto machte mir zum Ende eine polnische Islandbesucherin, deren hier lebende Freundin ihr ihre neue Heimat per Pkw vorstellte.

Ólöf hält mein Reise-Sheet. Der „Thekenkapitän“ stammt aus Sandgerði. Dorthin will ich bis Sonntag angelangt sein, um Renata, die mit Familie schon seit etwa 17 Jahren in Island lebt, zu besuchen…

Der Witz an meiner “Installation“ erschließt sich vielleicht, wenn man weiß, dass Rjúkandi – RAUCHER bedeutet.