Archiv der Kategorie: Tour 2021

Ruhetag in hirtshals(22 km)

Über 20 Radlerkilometer wurden es dann doch noch, weil ich mir auf einen gut 5 km entfernten Strandcamping eine passende Gasflasche für dem Primus-Multifuel-Kocher besorgte (er „verträgt“ auch noch Benzin, Diesel und Petroleum als Brennstoff) und anschließend eine Tour zum Hafen machte, um meine morgige Anfahrtsstrecke schon auszukundschaften.
Morgens besorgte ich mir bei Brugsen Proviant für den „hviledag“/Ruhetag weil ich mein Gewicht halten wollte (während der 1954 km beim Stadtradeln nahm ich 5 kg ab).

Bis morgen vor dem Start wird wirklich fast alles „verputzt“ worden sein…

Hirtshals kennen meine Frau und ich von unzähligen Überfahrten nach Norwegen seit 1990.

In Zeiten des Internets kann man sich beliebig viele WICHTIGSTE Informationen über jede Destination herunterladen. Reisebüros und Reisefähren waren schon immer mit neuesten Gratis-Reiseführern zu allen Zielen überfrachtet. Ich versuche deswegen nur wenig und, natürlich subjektiv, auf Besonderheiten einzugehen. Natürlich hat Hirtshals mehr zu bieten als Fischgeruch und Angelsafaris. Das sehr sehenswerte Oceanarium mit Makrelenschwärmen, Heringen, Haien und gar einem versenkten Fischkutter in dem Riesenaquarium lockten Besucher in Scharen an, die Sitzplätze davor waren meistens proppenvoll gefüllt. Besonderer Liebling des Publikums war ein fast 300 kg schwerer, schnell wachsender zutraulicher Mondfisch(Dänisch „Klumpfisk“) der den Tauchern aus der Hand fraß.

Auch wir erlagen seinem „wachsenden Charme“, jahrelang…

Richtig traurig und betroffen waren wir, als wir vom Brand des Aquariumgebäudes am 20. Dezember 2003 erfuhren. Nach Tagen fand man auch den Klumpfisk, der in freier Natur, bei fast ausschließlicher „Quallenkost“ anderthalb Tonnen schwer wird, sich gern im Mondlicht auf der Meeresoberfläche „sonnt“ und dadurch gelegentlich mit kleinen Segelbooten zusammenstößt, verendet vor.


Diesmal passierte ich nur das Oceanarium. Es ist längst wiederaufgebaut worden. Längst sonnen sich wieder gleichgroße Klumpfische beim Füttern durch die Taucher in den strahlenden Augen der wieder zugelassenen Zuschauer…

Tagsüber tröpfelte es kurz, dann blieb es trocken. Abends, beim Schreiben und Laden des iPhones im TV-Raum sah ich zufällig und ganz allein das packende Spiel der Dänen, die ich schon aus der EM ausgeschieden glaubte, gegen Russland 4:1. Ich freute mich für „Danish Dynamite“… übermorgen spielt Deutschland gegen Ungarn.

44tH imssc-session/Århusbesuch(60 km)

Das IMSSC (International Masters Speed Skating Committee) ist eine weltumspannende Eisschnelllauf-Organisation auf Mastersebene (Altersklassenmeisterschaften), die im Laufe von über 40 Jahren auf etwa 25 Teilnehmernationen angewachsen ist. Der Gründungsimpuls war besonders stark von Volker Serini, einem Deutschen verfolgt worden, der dann viele Jahre dem IMSSC als Präsident vorstand und immer noch dessen Ehrenpräsident ist.

Große Eisschnelllaufnationen wie Holland, Norwegen, Russland, USA, Kanada, Japan sind ebenso dabei wie Finnland, die Schweiz, Spanien oder Australien. Zuletzt trat Mongolien hinzu und es entwickelt sich eine starke Zusammenarbeit mit der aufstrebenden internationalen Organisation für Shorttrack (Eisschnelllauf auf dem 400 m Oval wird auch Longtrack genannt. Shorttrack findet gewöhnlich auf einer Eishockeybahn statt).

Einige Mitglieder des IMSSC sind immer noch aktiv bei Wettkämpfen. Wohl alle waren es zumindest in der Vergangenheit.

In „Vor-Corona-Zeiten“, und hoffentlich bald wieder, traf man sich einmal jährlich im Mai/Juni in Amsterdam, um Weltmeisterschaften im Sprint zu vergeben, den Internationalen Wettkampfkalender aufeinander abzustimmen, Wettkampfregeln und Rekordlisten in Übereinstimmung mit der ISU (Eisschnelllauforganisation weltweit im Leistungssport) zu bringen und mehr.

Jedes Land stellt ein stimmberechtigtes Mitglied beim IMSSC.
Seit etwa 10 Jahren bin ich es für Deutschland, vor allem durch beständiges Nachfragen von Volker Serini dafür „weichgekocht“.

Für den 19. Juni um 16 Uhr war nun eine Zoomkonfetenz angesetzt, an der ich diesmal nur per IPhone dazugeschaltet sein konnte.

Der Leistungsstand der Masters ist seit der Gründung des IMSSC enorm gestiegen. Selbst ich habe 2011 in Calgary über 5000 m mit 57 Jahren * und 7min:43s eine um einige Sekunden schnellere Zeit erreicht, als 1968 der damals 20-jährige russische Olympiasieger von Squaw Valley. *(Video meines Laufes unter „Reinhold Marsollek, Calgary, YouTube“ leicht zu finden)

Weil ich heute nur noch knapp 60 km zurückzulegen brauchte, kam ich kurz nach Mittag in Århus an.

Inge und Jeppe Flummer inzwischen im Ruhestand aber 1985, als ich dort ein Praktikum machte, beide Lehrer an der damals wie heute größten dänischen Waldorfschule am Strandvejen, empfingen mich herzlich und „köstlich“ und wir hatten noch genügend Zeit uns bis zur um 16 Uhr beginnenden Zoomkonferenz über vieles auszutauschen.

Und wir hatten noch den morgigen Vormittag vor uns.

Danke für alles Inge und Jeppe. Ich fühlte mich bei Euch gleich wieder „wie Zuhause“.

Wie zuhause: Viel gesprochen gesungen und Bilder angeschaut.

Hinter der Couch ein „echter“ J.Flummer…

195 km -„Asphalt-Ritt“ bei brüTender Hitze. Dänen können nicht zählen…

Als ich um 6.35 Uhr nach ausgiebigem Frühstück von Lohals losfuhr, war es absolut windstill.

Es ging zügig voran, sogar schneller als vorgestern nach Ristinge, ganz ohne Gepäck.

Langelandsbroen nach 30 km

Auch nach 80 km, als ich auf Fünen Svendborg hinter mir ließ: Kein Wind! Nach 100 km – ich hielt immer nur für je etwa eine Minute an, um etwas zu trinken – begann ein immer kräftiger werdender Nordostwind zu blasen, der mich als Seitenwind allerdings gar nicht viel störte. Aber ich gab dadurch den Gedanken auf, am gleichen Tag die gut 230 km entfernte Stadt Århus zu erreichen. Denn kurz nach erreichen Jütlands musste ich nach Nordost drehen, genau in den Wind. Die letzten 80km vollbeladen gegen den Wind anzukämpfen, dazu hatte ich keine Lust.

Die Radwege in Dänemark: Herrlich!

Die Abfahrten auch.
Komischerweise platziert sich aber immer ein Anstieg davor und ein weiterer danach.

Und,: Ja, die Strecke war so hügelig, wie ich sie in Erinnerung hatte . Anstrengend!

Das Frühstück reichte für 140 km.
Als ich beinahe die Brücke nach Fünen erreichte – die Sonne brannte mit bestimmt 40°C auf den Asphalt – sah ich einen Kiosk und wollte mir zum Kraftaufbau Pommes -Frites gönnen.
Es gab nur Eis.
„Ok., fünf Kugeln im Becher, ich brauche Kalorien“, hörte ich mich sagen.
Als die Chefin meinen Wunsch vernahm und mich als „Reklamesäule“ mit Islandkarte wahrnahm, bereitete sie mir ohne Aufpreis einen netten Überraschungseisbecher zu, mit mindestens doppelt so vielen Kugeln Inhalt.

Ich hatte noch niemals soviel Eis auf einmal verdrückt.

Gut das ich noch eine volle Kanne heißen Lupinen-Kaffees hatte, der mir half, die Süße etwas zu dämpfen.

Blick von der Fußgänger-Radfahrer-Eisenbahn-Straßenverkehrsbrücke aus auf die Lillebæltsbroen, die Autobahnbrücke, die auch Fünen mit Jütland verbindet.

Die Sonne brannte immer noch unaufhörlich als ich beschloss, mir vor Horsens einen Campingplatz in Meeresnähe zu suchen.
Dieser war „coronabedingt“ eigentlich außer Betrieb. Wie tat die Dusche dort gut nach 195 km Tagesstrecke!!!

Nachts um 2.38 Uhr wurde ich durch herannahenden Wind und Gewittergrollen mit Wetterleuchten geweckt. Es begann zu tröpfeln.

Wahrscheinlich ist das Gewitter vorbeigezogen. Oder ich habe es verschlafen…

Nach Århus waren es nur noch 60 km…

One way wind (183 km nach Hirtshals) /Radlerstadt Bochum???

Diesen Beitrag widme ich allen etwa 350 Mitradlern der Rudolf Steiner Schule Bochum und ihrem Riesenerfolg beim Stadtradeln der „Radlerstadt Bochum“, wie sie (also „die Radlerstadt“), verschwindend Wenige“ auch für die Vision Zuständige schon entdeckt haben wollen.

Ich durfte mich mich vom 1-21 Mai an dem Erfolg meiner ehemaligen Schule beteiligen und WIR WISSEN, dass es in Bochum noch Riesenmöglichkeiten nach oben gibt, wie meine eingepflegten Bildbeispiele zeigen. Das erste Foto ist schon vor gestern gemacht worden.

Morgen um 11.30 Uhr geht es mit der MS Nörrona zunächst für eine Woche auf die Faröer.

Start in Århus: Strömender Regen, Gewitter.
Wetteraussichten für die Gesamtstrecke: Dauerregen!

Das Wetter IST. Punkt. WIR definieren es.

Um 11 Uhr bei strömendem Regen, Gewittergrollen, Gegenwind und starkem Geländeanstieg beim Verlassen der Stadtmitte von Århus gestartet.

Einer an der Ampel wartenden Radlerin rief ich „ Endlich nicht mehr so heiß!“ zu. „Dafür ist es aber umso nasser!“ antwortete sie schmunzelnd.

Nach 20 km hörte der Regen überraschend auf, es war windstill geworden. Ich war von innen wie außen klitschnass, weil das Schwitzen bei Anstieg nicht aufgehört hat. Nach 30 km zog ich die Regensachen aus. Sogar die Sonne ließ sich ganz kurz sehen. Es wurde wärmer. Herrlich, wieder im T-Shirt und kurzer Hose radeln zu können!

Radlerstadt Bochum? Nein, aber Standard dänischer Landstraßen. Radlerautobahn…, und auf der Auto Fahrbahn haben schnellere Fahrzeuge auf den braunen Streifen im eigenen Ermessen die Gelegenheit, zu überholen. Nach dem Bau neuer Autobahnen seit 1980 wurden die alten Fernstraßen oft modernisiert und zukunftsfähig gemacht.

Ein Seitenwind von Ost kam auf. Dieser störte mich aber gar nicht.

Nach 50 km, ich wollte gerade drei der vier mir von Jeppe mitgegebenen Bananen essen, tauchte auf der anderen Straßenseite ein Grillkiosk auf.
Eine Riesenportion Pommes Frittes ersetzte die Bananen.
Die Sonne blinzelte immer wieder durch die Wolkendecke, Der Wind drehte auf Süd.

Radlerstadt Bochum? Nein. Selbst im Hafen von Randers , auf altem Pflaster, haben Radfahrer die Möglichkeit, fern der motorisierten Teilnehmer auf breiten Bahnen schnell voranzukommen.

Nach einer Stunde begann der immer stärker werdende Südwind mich die Hügel hochzupusten.

Die Pommes Frittes reichten für 90 Kilometer!

Radlerstadt Bochum? (Oben und unten) Nein Die Radlerstadt Ålborg am Limfjord. Parkplätze? Wegrationalisiert.
Mopeds werden auf dem breiten Radstreifen gerade noch geduldet.

Die Entfernung nach Hirtshals betrug beim Start etwa 180-190 km. Da machte ich mir noch gar keine Gedanken zum Tagesziel.
Vielleicht sogar bis ins etwa 120 km entfernte Ålborg gelangen?…

Radlerstadt Bochum? Nein, die Brücke über den Limfjord wird gerade im großen Stil den aktuellen Verkehrsgegebenheiten angepasst. Große Rücksichtnahme aller aufeinander ist bei den beengten Verhältnissen erforderlich, wird aber selbstverständlich „gelebt“.

Ich hatte allerdings auch keine Lust, nach dem vorhergesagten Regentag, am Montag etwa 80 km ähnlich starken Gegenwind bis Hirtshals ausgesetzt zu sein. Den bekomme ich in Island noch zur Genüge zu spüren. Garantiert!

Plötzlich lagen der Limfjord ind Ålborg aber hinter mir.
Fahrradstadt Bochum?, nein. Leider zischte ich nur an den kleinen Boxen mit der Aufschrift Cykelby Ålborg vorbei, bis ich merkte, dass es sich um Radreifenaufpumpstationen handelt.

Die Dänischen Städte scheinen sich zur Zeit allesamt an Ideen zur Fahrradgerechten Stadt überbieten zu wollen: In Ålborg fuhr ich über einen fast fertigen Supercykelvej, welcher die Universität mit der Innenstadt verbindet. In der Breite von zwei Autospuren! Kopenhagen und Århus, die Vorreiter, testen zur Zeit ein System von Chips, die, am Fahrrad befestigt, den Radler erfassen und ihm auf den bereits ausgebauten Bereichen individuell eine Grüne Welle schalten.
Ach Bochum: Man versuche mal als Radler oder Autofahrer abends gegen 22 Uhr den 3,3 km langen Stadtring zu befahren. Reinstes Stop and Go! Nachts, wenn die meisten Ampeln dort außer Betrieb sind, kommt man auch auf dem Fahrrad zügig voran.

Um 19.32 in Nørresundby war der Wind erst Mittelstark. Es blieb ein ONE-WAY-WIND oder Sturm der mich zum Ziel brachte. Einmal habe ich mich verfahren: Die 600 m zurück -gegen den Wind- vergesse ich nicht so schnell…


Und der Südwind hat inzwischen Sturmqualitäten angenommen .

Hirtshals?

3 Bananen wurden „geerntet“, Unmengen Wassers getrunken.

Vorsorglich rief ich am mir bekannten Campingplatz im Hirtshals an: „Ja, ich dürfte zwischen 23. Uhr und Mitternacht mein Zelt auf der Stellfläche für Spätankömmlinge aufstellen.

Wie im Fluge ging’s weiter. Manche der passierten Windräder ratterten gefährlich laut.

Plötzlich riss der Himmel auf und zeigte den gleißenden, zunehmenden Buckelmond und neben dem Mond “sah” mich der Leuchtturm von Hirtshals an. Um 23.23 Uhr. Noch waren Farben draußen zu erahnen. In Bochum längst nicht mehr…
Angekommen, nach 183 Kilometern.

Das Zelt im Sturm aufzubauen und alles zu verstauen war eher eine leichte Übung.
Monis Power-Haferkekse und Jeppes immer noch warmgebliebener Tee danach: Herrlich, „ist ja wie im Urlaub…“

Ab ins Sanitärgebäude und danach, trotz lauter Windgeräusche eine garantiert gute Nacht.

Morgen ist Ruhetag.

„Ist ja, wie im urlaub!“

Ein herrlicher Tag mit Müßiggang.
Wolkenlos, strammer Ostwind.

Kleine Einkaufstour zu Brugsen, Umpacken, Sortieren, Aussondern.
Heute besuche ich Erling zum letzten Mal, lasse bei ihm eine Einkaufstüte mit aussortierten Dingen zurück und hole die Gitarre ab.

Ein herrlicher Strandtag in Stoense: „Ist ja wie im Urlaub !“, pflegten wir immer zu sagen,wenn wir mit Kölner Freunden und deren zwei kleinen Kindern auf Visingsö im schwedischen Vätternsee Halt machten.

„Aber wir sind doch im Urlaub!“ antworteten da entweder Sina oder Laurin, die inzwischen längst erwachsen sind und im Sommer regelmäßig das elterliche Ferienhaus in Schweden nutzen.

„Ach ja!“, war dann immer die Standardantwort der Erwachsenen.
Gefühlt hundertmal am Tag.

Herrlich!

(Ristinge am Vortag)

Stoense am 17 Juli: Blauer Himmel, blaues Meer: Was will man mehr?


„Ist ja, wie im Urlaub!“
Ist ja, wie im Urlaub


Ach ja, die Wassertemperatur von -2 °C ist heute um etwa 22-24° C überschritten.
Einfach herrlich, „wie im Urlaub“…

Ich musste etwa 300 m hinausgehen, um brusttiefes Wasser zu erreichen. Und es war dann der reinste Genuss hin und her parallel zum Ufer zu kraulen oder anders zu Schwimmen mit der Sonnenscheibe oben als Navigator.

Gleich gibt es Chili sin Carne, verfeinert umwunderbare Anischampignons, die ich am Wegrand entdeckte und gleich noch ernten werde.

Gegen sechs bin ich mit Erling verabredet. Kilometerstand heute: keine 10 km. Und Århus liegt nur 228 Kilometer entfernt. Da möchte ich übermorgen gegen Mittag angekommen sein.

Auf geht’s, zunächst nach Lohals…

Über die Anischampignons haben sich andere gefreut, als sie sie während meines Strandausflugs fanden.

In Erlings 10.000 Quadratmeter großen Kunstgarten fanden wir aber auch welche und zwei andere Champignonsorten. Morgen wird er sie genießen.

Karin und Erlings Kunstkeramik in deren Wintergarten. Er formte ALLES, sie bemalte ALLES. Seit Karin „aus der Zeit gegangen ist“ hat Erling noch nicht wieder angefangen zu plastizieren. Kunstwerke der Beiden wurden auch der Königin beim Besuch Lohals‘ zum Ortsjubiläum überreicht. Ein großer Tisch ziert das Kopenhagener Rathaus.
Dennoch, ihr „Hauptstandbein“ war immer edle Gebrauchskeramik, von der wir im Laufe der Jahrzehnte etwa 200 Stück erwarben.
Unser gesamtes Geschirr ist „Heerwagenmade“…

Insgesamt radelte ich heute nur 20 km.
Jetzt, kurz vor 23 Uhr wird es langsam dunkler.

Lohals/Langeland

Fledermäuse umschwirren mich. Der Ostwind scheint nachzulassen. Bin auf die morgige Fahrt durch Fünen gespannt. Eine dort durchgeradelte Strecke während meiner Tour 2013 war recht anstrengend. Mal sehen, ob sich die Dänen inzwischen bessere Lösungen für Radler haben einfallen lassen…

Zum 2-minuten-Schwimmen nach Ristinge(108 km auf Langeland)

1979, vor unserem ersten Dänemarkbesuch wollten wir nach Ristinge DEM BADESTRAND von Langeland. Indes, alle Ferienhäuser waren dort schon besetzt.

Wir landeten in der „Hovborglundplantage“ an der nördlichsten Spitze der etwa 60 km langen aber nur 4-10 km breiten Insel, die fast in Nord-Süd-Richtung verläuft.

Wir blieben Nordlangeland verhaftet. Nach inzwischen über 100 Besuchen – wir waren nur dreimal im Sommer hier- mieteten wir bislang noch niemals ein Ferienhaus in Ristinge.

Einmal, zu Weihnachten – wir verbrachten die Winterferien in Strandnähe in Stoense (4 km südlich von Lohals), badete ich bei frostigen Temperaturen an 14 aufeinanderfolgenden Tagen in der -2°C kalten Ostsee . Am Silvestertag ging alles zwischen den Eisschollen noch gut. Zum Neujahrsbaden musste ich hingegen meinen einsamen Strand verlassen: Dickes Eis versperrte den Zugang zur etwa 150 m vom Strand entfernten „Badestelle“.

In Ristinge Strand war das kein Problem. Gar kein Eis, außer am schneebedeckten Strandstreifen.

Der Strand war voll von deutschen Gästen. Das Meer hingegen leer.

Die Kommentare der Strandspaziergänger kann man sich hinzudenken.
Besonders, als ich mein großes Badetuch ausbreitete und meinem Oberkörper eine etwa viertelstündige VitaminD-Sonnendusche gönnte.

Am 2. Januar drehte der Wind, es wurde milder und ich konnte wieder ganz allein ZUHAUSE in Stoense bei -7° C in die -2° C „warme“ Ostsee steigen. Bis zum Dreikönigstag…

„Verdamp lang her“…

Gestern besuchte ich auf dem Weg nach Ristinge mehrere Bekannte. Neues im „Pandemiejahr“ auszutauschen, dauerte länger als gedacht, zumal ich als Überraschungsgast auftauchte.

Brigitte in ihrer „Pigekammeret“ in Rudkøbing

Das Baden in Ristinge konnte nur kurz sein, weil ich abends zum Essen bei Erling im plötzlich knapp 55 km entfernten Lohals eingeladen war.

Finn in seinem Sportigan in Humble, an der Abzweigung nach Ristinge

Die größte Überraschung für mich aber war, dass das Wasser schon mindestens 18-20°C warm war, während ich mit höchstens 10-15°C gerechnet hatte.

Den heutigen Tag mit fast 108 geradelten Kilometern werde ich als „Sonderreisetag“ im Gedächtnis abspeichern.
Morgen ist aber wirklich Ruhetag mit langem Badeaufenthalt am ganz nahen Strand von Stoense Utflytter…

StartvorberEitUngen 13-15. Juni 2021

Es ist wie immer: Auch wenn man sich im Vorfeld noch so viel zurechtgelegt oder -gedacht hat, viele Kleinigkeiten , die „eben noch mal schnell erledigt werden wollen, suchen sich genau diese Zeit aus, um sich bemerkbar zu machen.

Das kennt sicherlich jeder. Anderes hätte ich auch schon früher erledigt haben können. Der Alltag hat es verhindert.
Gestern testete ich bei Vollast das Fahrrad (30 kg Gepäck mit Gitarre), fuhr von der „sprechenden Bank“ aus den steilsten Aufstieg zum Tippelsberg hoch.

Die Auffahrt gelang trotz einer etwa zehnköpfigen Familie, die trotz Staunens den Platzbedarfs des hochkurbelnden Radlers für seine Ausgleichsbewegungen auf dem schmalen, gepflasterten Abschnitt kaum einzuschätzen wusste.

Ab durch die Mitte!
Alles zur Seite!

Danke!…, der steilste Abschnitt hätte aber auch keine 15 m länger sein können, so blau*war ich.

Das flache 200 m Stück bis zum Aussichtspunkt aufs Zillertal tat gut, sodass ich den letzten Anstieg zum Gipfel schon wieder „Lord-Of-The-Dance“-pfeifend hochdrehen konnte.
Manche Gipfelstürmer kannte ich schon, die Allermeisten aber nicht.

Alle genossen den herrlichen Sonnenuntergang. Ich packte die Gitarre aus, als die Sonnenscheine fast schon verschwunden war, stimmte sie für ein kurzes „Konzert“ und nahm ein kleines Rundumvideo auf. Für andere natürlich unsichtbar, sah ich neben verschwindenden Sonnenscheibe ISLAND. Ganz klein natürlich…

  • *(Nur zur Klarstellung: meine Frau und ich trinken seit gut 20 Jahren keinen Alkohol. Davor „benötigten“wir für eine Weinflasche mitunter eine Woche.
  • Mit „blau“ meint man im Leistungssport „voller Laktat , absolut überanstrengt, im anaeroben Bereich alle Grenzen überschritten“, wie es bei Rennen im Zielsprint oder bei besonderen Laktattests mitunter geschieht, um die „Laktattoleranz zu ermitteln und, möglichst, zu erhöhen…🚴‍♀️)
Sonnenuntergang Tippelsberg, 13.6.2021

Der Montag verging „wie im Fluge“ mit Sortieren, Packen, Weglegen von Unnötigem, Gartenarbeit und 1000 Kleinigkeiten.

Um 23 Uhr war das Rad bepackt, Um Mitternacht ging es doch noch für zwei Stunden ins Bett.

Irgendwie wie immer?!?

Die Zugfahrt mit 6-mal Umsteigen verlief bis Lübeck recht unproblematisch.

Schwierig wurde es, als von dort aus der nur alle zwei Stunden verkehrende Regionalzug nach Puttgarden bereits 10 Minuten vor der Abfahrt mit maskierten Fahrgästen überfüllt war, dass die Dichte von Sardinendosen sogar noch überboten wurde. Der arme, völlig überforderte Zugführer!!!

Ich kam dennoch herein (insgesamt 4 Radstellplätze für 10 Räder plus einem Rollstuhlfahrer. Am Timmendorfer Strand stieg die erste Hälfte aus, in Scharbeutz fast die zweite. Der Fahrer blieb aber bis zur Endstation nervös.

Endlich durfte ich wieder radeln.

Zunächst nur zur Pkw-Abfertigung, um mir eine Karte für die Fähre nach Rødby zu besorgen.

Nach 5 Minuten war ich bereits auf der Fähre, nach weiteren 5 Minuten ging die Fähre ab.
Eine knappe Stunde und ich war auf Lolland. Der starke Westwind verhinderte bei der Fahrt zur nächsten Fähre von Tårs nach Spodsbjerg ein schnelles Vorankommen. Dennoch, 5 Minuten nach der Ankunft im Hafen dampfte die Fähre los. Glück gehabt.

Auf Langeland drehte der Wind auf Südwest, sodass ich auf den letzten 40 km bis Lohals, fast auf der Nordspitze der Insel gelegen, sogar eine leichte Windunterstützung genoss.
Am Campingplatz kannte ich mich aus. Er war fast leer. Ich baute alles auf, lud bis auf die Gitarre alles ab und besuchte unseren langjährigen Freund Erling, den Keramiker (s. Reise 2013 „Waldorf on the Road I“) dessen Frau Karin nach kurzer Erkrankung direkt nach Ostern 2021 verstarb.
Sehr ungewohnt, wenn man beide fast 40 Jahre lang immer gemeinsam als künstlerischen Doppelstern erlebte und einer der Sterne plötzlich „aus der Zeit“ gegangen ist…

In Lohals bleibe ich bis zum frühen Freitagmorgen..

Das Zelt wird nach heutigen nur 87 km (Strecken unter 100 zähle ich immer als „Ruhetage“) am gleichen Platz stehenbleiben, mein Fahrrad nicht……

Mein 81-jähriger Fahrradmechaniker, der den Ständer wieder geradebog.
Lohals Havn, abends.