Archiv der Kategorie: Tour 2021

Auf wiedersehen island/bleSs bless island

Etappen 39-42

Wecker auf fünf gestellt aber schon um halb fünf mit dem Packen begonnen. Die Nacht blieb trocken, das Zelt auch, sogar von der Innenseite.

Verflixt! Meine wertvolle, fünf Jahre alte Goretexjacke fehlt! Ich habe sie gestern über den Stuhl im Kaffí Lára gehängt, fällt mir ein. Es war mir nach der Sauna auch noch zu warm, ich zog sie aus, hängte sie über den Stuhl und habe sie dort vergessen. ICH WERDE ALT! Zwar wollte ich mir nach der Tour sowieso eine neue, ähnlich zuverlässige Jacke zulegen, so wie ich die alte schon durch ständigen Gebrauch besonders bei Touren durch ständiges Einzwängen, Verknittern und Festzurren in den Spanngurten am Gepäckträger malträtiert habe. Ausmustern, und auf diese Weise gar, wollte ich sie aber auf keinen Fall. Sie war ja noch immer Regendicht. Und ich Trottel bin jetzt oben herum nicht nur „nicht ganz dicht“. Ich habe plötzlich keine Regenjacke mehr!!! Gut, dass es trocken bleibt!

Das Restaurant öffnet um 11.30 Uhr, die Fähre geht um 10.30 Uhr, Check in bis 8.30 Uhr. Schlechte Karten. Im Restaurant sehe sie durchs Fenster morgens nicht mehr. Ich schreibe eine Nachricht, schildere die Umstände, gebe meine Adresse an, versuche anzurufen. Erfolglos. Auch um 7 Uhr.

Gut, dass es wenigstens jetzt nicht regnet. Auf dem Schiff kann ich mir ja eine kultige, regendichte ADVENTURE -Übergangsjacke zulegen, die vielleicht bis zum nächsten Abenteuer halten wird. Schade…

Ich frühstücke, nachdem fast alles verpackt ist, packe als letztes das durchlüftete Zelt zusammen und verlasse schon um 6.30 Uhr mit relativ leichtem Gepäck das Gelände, um am Restaurant noch etwas zu warten. Eine wunderschöne Katze bewacht das Anwesen. Ich bin ihr völlig schnuppe, mein Gepäck hingegen nicht. Wahrscheinlich wittert sie Trockenfisch in der linken Lowrider-Tasche.

An der Campingrezeption gebe ich noch meine Adresse ab und schildere meinen Jackenverlust. Vielleicht erreicht mich die Jacke doch noch, per Post. Ihr erfahrt es…

Auf die Fähre durften Radler und Motorbiker zuerst einfahren.

KILOMETERRESÜMEE: Zuhause angekommen werde ich deutlich über 4100 km (4136km) geradelt sein, seit dem 12. Juni. Rechnet man die etwa 500 Zugkilometer bis Puttgarden und etwa 750 km von Hirtshals nach Bochum dazu, sind es schon über 5350 km. Kommen noch die 2×1575 km Seefahrt von Hirtshals nach Seyðisfjörður und zurück hinzu, so kommen über 8500 km zustande.
Waldorf on the Road III IST SOMIT nach der ähnlich gerechneten Skandinavienumrumdung 2013 mit 10.000 Gesamt- und weit über 7000 Radlerkilometern mit damals 40 Tagen Dauerregen an 67 Reisetagen meine zweitlängste Einzeltour überhaupt. Von fünf Touren. „RESPEKT!“:-)👍🚴‍♀️🚴‍♀️🚴‍♀️🚴‍♀️🚴‍♀️

Abschied von Seyðisfjörður(14 km)

Nachts nieselte der Nebel beständig herunter, am Morgen stieg er wieder auf. Es blieb vorerst trocken.

Mein Gepäck ist, wie ích es vorgehabt hatte, sortiert, ein besonders umfangreiches Frühstück ist eingenommen worden, kleine Pläusche mit den „alten“ Nachbarn sind erfolgt. Immer mehr „Neue“ kommen dazu. Viele Deutsche aber auch Schweden und Franzosen: Morgen geht ja die Fähre. Mehrere Menschen, überwiegend Amerikaner, nähern sich während meines Frühstücks meinem Platz und danken für die herrliche musikalische Unterhaltung am gestrigen Abend.

Natürlich höre ich das gerne. Es machte mir aber auch sehr viel Freude, anderen Menschen Freude zu schenken. Obwohl es natürlich immer noch, völlig „Plemplem“ ist, eine Reisegitarre über 4000 km weit auf dem Rad mitzuschleppen…

Na? Heute Abend? Nein!
Oder doch, wenn das Wetter es zulässt und ich nach dem Fahrradausflug, dem Schwimmen und Essen im Restaurant noch Kraft habe?
Innere Selbstgespräche. Ich merke, wie ich schwanke. Und bin wirklich gespannt, was der Tag noch ergeben wird.

Als ich losfuhr dachte ich, der Campingplatz sei schon vollbesetzt.
Dieses Vikingschiff sah ich schon am Látrabjarg und vor den Westmännerinseln. Und jetzt ankert es auch in Seyðisfjörður.
Um etwas mehr Übersicht zu gewinnen, kletterte ich per Rad auf etwa 100 Höhenmeter hinauf.
Diese Piste ist auch radlertauglich, wenn gewünscht.
Hier, in diesem Fluss, ziehen gerade die Meerforellen hoch.
“Meine“ slowakische Gaststätte ( zwei englischsprechende Mädchen sind für den Sommerjob aus der Slowakei herübergekommen).
Gelesen: Kaffí Laura
Dann füllte sich der Platz vorwiegend durch eine niederländische Adventure-Truppe mit mindestens weiteren 30-50 Fahrzeugen.


Und es wurde noch voller…und das ist noch gar nichts, weil es viel später noch viel, viel enger wurde. Die Camper stehen inzwischen kreuz und quer auf den Wegen.
Wie gut, dass ich ein strategisch viel schnelleres Fahrzeug hatte, schon vorgestern am frühen Nachmittag hier anlangte um mir auf dem fast komplett leeren Gelände den richtigen Platz für mein Zelt zu suchen…

Die „Radtour“ heute (14 km) wunderbar! Das Schwimmbad herrlich: Die erste halbe Stunde war ich dort allein im etwa 12m x 6m-Becken, den zwei 40°C Pools und der Sauna. Zu Beginn meines Badetages wog ich 65.5 kg. Optimales Wunschgewicht von vor der Tour tatsächlich im austrainierten Zustand erreicht und gehalten. Alles Fett verbrannt. Als ich nach 2 Stunden auf fast 64 kg „abzustürzen“ drohte (in Badebekleidung), fuhr ich zum Essen ins Caffí Lára (Riesenbackkartoffel mit Butter zu auf Fenchel-Möhrengemüse gedünsteten Fisch und lecker angerichtetem, großen Mischsalat. Als Dessert Käsekuchen mit Sahne.
„Zuhause“ am Zelt Möhren , Äpfel, Keksfladen, Tomaten, ein 0.0% Bier.
Meine Vorräte sind minimiert, das Verpacken kein Problem mehr. Ich freue mich aufs Schiff. Nach gefühlt zwei Jahren, statt zwei Monaten – von wegen, die Zeit verginge im Alter schneller – ZEIT VERGEHT NICHT, ZEIT KOMMT! Morgen geht es wirklich fast nach Hause…

Ach ja, Gitarre habe ich doch wieder gespielt. Aber nur acht Lieder, weil eine Zugabe eingefordert wurde.

Ich spielte – verrückt – den „Faltenrock“ von Mike Krüger und zum Abschluss, wie immer „Hymn“. Ich denke, in Hirtshals werde ich die Gitarre nicht mehr auspacken. Es soll dort samstags schlechtes Wetter geben. Wer weiß …

Eine Reisegitarre 4100 km weit auf dem Fahrrad mitzuschleppen: VÖLLIG VERRÜCKT! Stimmt!! Ich habe es geschafft. Vielleicht melde ich mich noch von Hirtshals aus. Ich bin aber unglaublich froh, dass ich bei dieser Reise fast immer aktuell berichten konnte. Auch wenn ich die hierfür täglich bis zu 5-6 Stunden erforderliche Zeit manchmal anders hätte nutzen wollen oder können.

Dieses und die folgenden Bilder: Aufgenommen um 22 Uhr. So hell ist es hier auch am 11. August noch… Gute Nacht!

SEYÐISFJÖRÐUR

10. August 2021

Morning Has Broken !

Nachts habe ich zum ersten Mal nach zwei Monaten wieder Sterne gesehen! Der Nebel verzog sich gerade für kurze Zeit. Morgens beherrschte er wieder den Ort. Da er gegen 9 Uhr nicht mehr feucht vom Meer herüberkam und etwas aufstieg, packte ich doch wieder die Gitarre aus und spielte. Dem Nebel wurde es zu laut, er verzog sich und gab ein wunderschönes Bergpanorama frei (Später schaute er immer wieder kurz vorbei, um nachzusehen, ob ich noch da bin).

Die Menschen reagierten durchaus positiv auf meinen Morgengruß. Als ich vor dem Abschluss mit „Hymn“ Hannes Waders „Heute hier, morgen dort“ anstimmte, haben auch meine „temporären“ Nachbarn aus FFB, SO, MK, D usw. geklatscht. Beim Frühstuck (Windstille, warm; T-Shirt, Sonne) bekam ich sogar Besuch von ihnen und wir tauschten uns etwas über unsere unterschiedlichen Arten zu Reisen aus. „Ich habe Sie schon am letzten Platz spielen hören!“, warf eine Frau ein.

“In Egilstaðir?”

„Nein, in Dingsdafjord.“

„Ach so!“…, …es war in Fáskrúðsfjörður (der Name ist auch für mich nicht einfach auszusprechen, etwa Fauß-kruu-ths-fjör-th-ur), es war meine vorletzte Station, wo ich Andrzej aus Wejcherowo kennengelernt hatte. Dort hob ja auch ein Mann aus dem Wohnmobil kurz den Daumen. Die Welt ist klein, besonders in Island…

Die nachts neben mir eingeflogenen „Sexy Camper“ waren schon wieder Letten und wir unterhielten uns zunächst auch auf Russisch. AGNES beherrschte es noch gut, BEN konnte es noch gut verstehen, sodass wir später auf Englisch weitersprachen. Für nur 7 Tage mieteten auch sie sich einen Kuki-Camper (ohne auffällige Bemalung) und rasten nun durch Island. In drei Tagen müssen sie wieder in Keflavik sein, heute geht’s ins 275 km entfernte Akureyri.
Die Armen!
Ich durfte mir auf dem Weg von hier aus bis nach Akureyri fast 600 zusätzliche Kilometer Island auf „meinen“ Umwegen gönnen…

Wir tauschten uns über unsere unterschiedlichen Arten zu reisen aus und über vieles andere. Aus „aktuellem Anlass“ natürlich auch über Adventure Food. Ben schenkte mir sogar lachend einen Power-Riegel und war sichtlich enttäuscht, dass sich unter den 12 Sprachen auf meiner verbliebenen Desserttüte nicht seine Muttersprache fand. Ich tröstete ihn schnell, indem ich ihm den Witz von der Entwicklung des „Bananen-Powerriegels“ erzählte… Nett, die Beiden. Wir verabschiedeten uns herzlich. Welch verschiedene Menschen doch in einem „Don‘t worry, be sexy“-Camper stecken können…*

*Wie bei der EXPEDITION QUALITY ADVENTURE FOOD-Tüten verwenden die isländischen Autovermietungsfirmen als „Kriegsbemalung“ ihrer Fahrzeuge typische OUTDOOR-Schlagwörter, um ihre ADVENTURE-Kunden für sich zu „angeln“. Hier eine kleine Auswahl der typischen Firmennamen als „Identifikationsmöglichkeiten“:
Cozy Campers
Go Campers
Campers Go
Easy Campers
KÚKÚ Campers („Don‘t worry, be sexy“) oder
KÚKÚ Campers („Don‘t stink and drive“)

Viele Menschen, auch Deutsche wie ich, kommen zurück von ihrer Islandtour, um die Donnerstagsfähre nach Hirtshals zu nehmen.

Agnes und Ben waren nur auf der Durchfahrt hier.


Am Nachmittag durchradelte ich den Ort, aß ein sehr leckeres Fischgericht und lernte, nachdem ich auf Isländisch weniger erfolgreich war, die nette Kellnerin aus der Slowakei kennen, die hier ihren Sommerjob fand. Seit meinem Besuch in Raufarhöfn vor 5 Jahren hatte ich keine Gelegenheit mehr, mich in Slowakisch zu üben. Ich fand aber schnell wieder in den Sprachklang herein.
Sehr auffällig, irgendwie „kultig“, originell und rundum dennoch ästhetisch…
Ein sehr beliebtes Fotomotiv, diese zentrale „Flaniermeile“ in Seyðisfjörður
Vielleicht gehe ich morgen ein letztes Mal in Island schwimmen???

Am Fluss traf ich Fliegenfischer, fachkundige Ortsansässige, deren Zeit jetzt und bis in den September hinein gekommen war. „Der Sommer – also das Wasser – sei dieses Jahr zu kalt gewesen, aber jetzt ziehen die Meerforellen flussaufwärts“, hörte ich. Wie gerne wäre ich bei ihnen in die Lehre im Fliegenfischen gegangen.
Eines aber weiß ich jetzt: „Petri Heil“ klingt auf Isländisch etwa wie „Töy, töy“.
Also tschüss, ihr Lieben und „knæk og bræk!”, wie die dänischen Angler sagen. Dorthin geht es ja für mich bald. Per Schiff…

****

Abends spielte ich wieder. Über zwei Stunden lang. Wieder Begeisterung . Und viele Gespräche. Und nettes Zusammensein.
Und ich dachte in Egilsstaðir, dort zum letzten Mal in Island gespielt zu haben.

Jetzt ist damit aber wirklich Schluss. Ich werde morgen als Erstes meine Sachen sortieren, Verpackungsoptionen durchspielen, viel durchs Auffuttern „entsorgen“ und einen verzichtbaren Rest in die „FOOD FOR FREE“-Abteilung an der Campingrezeption bringen. Nach Dänemark nehme ich schätzungsweise „nur“ noch 35 kg Gepäck mit…

Egisstaðir – seydisfjörður (30 km)

Etappe 34, Übernachtungen 40-42

Angekommen! Island mit 3077 km umrundet. Die Ringstraße ist nur 1350 m lang.

Nur noch eine Herausforderung heute, die 630 Höhenmeter über den Pass nach Seyðisfjörður mit Gepäck. Netto, einer der zwei Großsupermärkte von Egilstadir öffnete erst um 10 Uhr, ich hatte also genügend Zeit, auch die Ereignisse von gestern nachklingen zu lassen. Mit den Tschechinnen habe ich nur noch wenige Sätze gewechselt. Sie mussten bald Weg. Es war aber nett, sie doch noch gesehen zu haben. Ich kaufte richtig „fett“ ein. Schließlich wollte ich in Seyðisfjörður unabhängig sein, Muße walten lassen, auch abschalten. Gitarre spielen wollte ich in Island eigentlich nicht mehr. Nach gestern? Außerdem „schrappte“ mir die dünne E-Saite beim Anspielen beständig, die Ursache war mir – noch – rätselhaft.

Beim Schlagen für die Zuhörer fast unhörbar, beim Zupfen grausam, sodass ich einen Teil meines Repertoires pausieren lassen musste.

Der Seesack mit Gitarre und Proviant wog sicherlich fast 20 kg. Ich war gerade am Zusammenpacken, als mich der musikerfreundliche Wirt herzlich einlud, doch bitte bei ihm im Restaurant zu frühstücken. Er liebe MUSIKER und deswegen würden sie von ihm auch immer unterstützt.

Nach einer halben Stunde war alles verpackt, ich lehnte das „Lastrad“ an die Caféwand und trat in Haldurs Reich ein. Ach deshalb jubelte man mir gestern auch im Rücken, aus den Fenstern heraus zu!, verstand ich jetzt. Es waren die Fenster des „Langhauses“ in dem hauptsächlich das Hostel lag. Zwar waren vor mir schon viele Frühstücksgäste dagewesen, aber es war noch übergenug an Köstlichkeiten für mich vorhanden. Haldurs Liebe zur Musik ließ sich auch an dem Interieur seines Hauses ablesen, das im übrigen „recht abenteuerlich“ aber nach dem Prinzip „für jeden Geschmack etwas“ zusammengewürfelt war. Ich aß für Drei, bedankte mich ganz herzlich für die gestrige, ganz besondere, unvergessliche Erlebnisfülle und wünschte ihm für die Zukunft nur das Allerbeste, vor allem im Zusammenhang mit Covid-19…

Mein gestriger „Arbeitsplatz“.
Etwa 65 kg Gepäck, wie ich nach der Rückkehr aus Island ausgerechnet habe, sind hier auf dem „Stóri Karl“ verstaut. Das alkoholfreie Weizen-Bier von gestern, mit ganz besonderem, blumigen Aroma obendrauf: Haldur sagte mir, wo ich es bekommen könnte. Eigentlich wollte ich davon nur zwei Dosen nach Hause mitnehmen. Es gab hingegen „nur“ Zehner-Kartons von alkoholfreiem isländischen BRÍÓ im Laden. Und mein Gepäck war schon bestmöglich verstaut. Und einen Karton aufreißen, das schickt sich nicht. Geht doch!
Stausee auf 600 m Höhe.
Ein Blickfang, der Wasserfall. Aber auch die Nebelwolke die sich gerade zum Sonnen auf die Ortschaft Seyðisfjörður legt…

Gepäck abgeladen, Zelt aufgebaut und alles verstaut, kein Radeln mehr: „ist ja wie im Urlaub“…,

Abends stellte sich in die enge, freie Lücke neben mir ein „sexy Camper“ mit Ben und Agnes aus Lettland. Das werde ich aber erst morgen erfahren haben…

Fáskrúdsfjörður -Egilsstaðir (87 km) /SONDERKONZERT/ EXPEDITION QUALITY/ADVENTURE FOOD/EXPEDITION BREAKFAST/EXPEDITIONS- FRÜHSTÜCK: (ADVENTURE FOOD TEIL II)

Etappe 33, Übernachtung 39

Kilometersammeln? 87 statt 55 Kilometern

Heute Morgen sehe ich Andrzej wieder. Er kommt „auf einen Schnak“ vorbei. Wir unterhalten uns anderthalb Stunden sehr privat, erfahren viel voneinander.

Auf seinen Vorschlag hin bin ich nach kurzer Zeit Feuer und Flamme dafür, statt der Tunnelabkürzung ( um immerhin 36 km) die längere, viel schönere Strecke um „seinen“ Fjord herum in den Reyðarfjörður zu nehmen. Und es gäbe keine großen Steigungen – aus Autofahrersicht geurteilt – und nur ganz wenig der Schotterstrecke.

Jan Jap aus Amsterdam, mit Minimalgepäck (und nachts beständig frierend) kommt an, kurz bevor ich nach Egilsstaðir starte. Er wird auch in Egilsstaðir kurz vor meiner Weiterfahrt nach Seyðisfjörður angekommen sein.

Letzter Blick auf Andrzejs Fjord.
Ohne Andrzejs Tipp hätte ich Andoya/die Enteninsel nie so nahe vor mir gehabt.
Gute Piste, 4 km lang (Ich habe in den letzten sechs Wochen wesentlich schwierigere Herausforderungen bestehen müssen ).
41 Tages-, 3000 Island-, 4000 Reisekilometer.
Paul (32) aus Colorado. Lehrer. Verwandter im Geiste. Er ist diesen Sommer schon 5000 km quer durch die USA geradelt und auf Island 1400 km. „Der Anstieg nach Egilsstaðir ist beständig flach“, so sein Urteil. Ich schilderte ihm die Stelle am Leuchtturm (beim Fjordeingang), wo er später wild übernachten wollte. „Was , nur noch 8 km Schotter bis dorthin und danach Asphalt?. Herrlich!“ Die weiteren 4 km Schotter danach, für ihn also erst morgen zu bewältigen, störten ihn ob des Panoramas gar nicht.
Blick auf das noch etwa 12 km entfernte Egilsstaðir. Die Passhöhe war schon nach nur gut 80 Minuten ohne Zwischenpauseause bewältigt. Ich kann ja „Bergpässisch“ ;-)…
Begrüßung in Egilsstaðir.

In der größten Stadt des Ostens (3000 Einwohner) angekommen, baue ich mein Zelt in der nur für „Zeltler“ zugelassenen Area hinter der Rezeption mit Hostel, Café, Restaurant und Bar. Auch in meinem Blickfeld, also hinter dem Gebäude gibt es Ausschank. Jugendliche, junge Erwachsene feiern hier den Sommer. Auf Englisch. Zwei Tschechinnen, Tramperinnen mit Wanderambitionen kommen an, lassen alles liegen und telefonieren erstmal lange mit Daheim. Danach beginnen sie mit Zeltaufbauen. Ich bin längst fertig, baue meine Gitarre auf und lege los: Hymn, You rise me up. Der Wirt erscheint, mit Tablett wild gestikulierend und mir etwas auf Englisch zurufend. „Hoppla, da will mich jemand stillkriegen!?!“, denk ich etwas verwundert, ob der bislang positiven Resonanz auf mein Musizieren islandweit.

“Er þú Islandskur ?”, frage ich. Já”, schallt es zurück.

Ich will mich gerade erklären, als er mir zu verstehen gibt, ich müsste unbedingt nach vorn kommen, weil da die Gäste drinnen, oder auch draußen in der Sonne säßen und meine Musik unbedingt hören sollten!

Ich war platt!!!!!!!, nahm Sessel, Gitarre, Gitarrenkoffer, Thermoskanne und Porzellantasse und wechselte den Auftrittsort. Vorher gab ich aber noch den Tschechinnen zu verstehen, dass ich ihre Sprache sprechen würde, eine tschechische Gitarre mithätte und mich bei der Reise des Öfteren die merkwürdigsten Überraschungen – wie diese Einladung – ereilen würden. Und, dass wir uns später noch weiter unterhalten könnten. Waren die nun überrascht und platt und stolz auf IHRE Gitarre, obwohl sie bei meinem Anfang verdutzt, peinlich lächelnd oder sonstwie, wie ich meinte, meinen lauten Gesang aus der Nähe wahrnahmen!…. (Als ich nach zweieinhalb Stunden, kurz vor Mitternacht zurückkehrte, schliefen sie schon längst.)

WAR DAS EIN ABEND!!! Ich platzierte mich etwas abseits der draußen die Sonne und Getränke genießenden Gäste (fast ausschließlich Amerikaner) und begann zu spielen. Hymn. Applaus. You rise me up. Riesenapplaus. Country Roads. Begeisterung. Mc Phersons Rand auf Schottisch. Jubelnde Zurufe aus vielleicht vierzig Mündern. Ein Schotte(?) kam aus dem Café-Restaurant: Ob ich irgendwelche Lieder von dem ??? (ich verstand den Namen nicht) im Repertoire hätte? Leider nein! Etwas enttäuscht ging er wieder herein.
Kommunikation mit dem Publikum, Erklärungen zu einzelnen Liedern und zu meiner Art zu reisen: Begeisterte Entgegennahme. Ein ganz magischer Abend. Die Leute begannen in Socken auf dem Parkplatz zu tanzen. Absolut surreal!
Guantanamera, Lord of the dance (hier gewann ich eindeutig den Schnelligkeitswettbewerb vor den Tänzern) Leaving on the Jetplaine, Go to sea no more, Leezy Lindsay, Streets of London, Wind Of Change (engl./russ.) und Branduardis „Ell ballo fa diesis minore“ aus dem 15. Jahrhundert. Ich bekam auch alkoholfreies Bier gespendet. Plötzlich, ehe ich’s verhindern konnte, wurden zwei 20-Dollarnoten mit Steinchen gesichert neben mir auf den Betonsockel gelegt. „O Gott!, so war es nicht gemeint!“, rief ich aus. „Aber ich werde die Zuwendung für einen Bennefiz-Zweck verwenden!“, rief ich noch mitten in einem Lied heraus.

Mitten im Publikumsgespräch kam ein junger Mann aus dem Café. „Bist du das, der hier die ganze Zeitlang spielte?“

-Ja.

„Es war großartig und wunderschön. Danke!“

Er legte einen Zehndollarschein in meinen Gitarrenkoffer. Den klappte ich dann schnell zu. Die Sonne war gegen elf halb zwölf längst untergegangen. Leute gingen weg. Danke fürs Zuhören, rief ich ihnen zu. „Nein, nein ich komme gleich wieder!“ Kann es ein besseres Kompliment geben?

Andererseits, ich musste irgendwie die Kurve kriegen. Als zwei letzte Songs kündigte ich „You Rise Me Up“ (die Jugend jubelte) und „Hymn“ an (Ich erzählte, das Barclay James Harvest dieses Lied seinerzeit Drogentoten wie Jimmi Hendrix und Janis Joplin gewidmet hätten, und auch von ihrem „Concert for People“ vor einer Viertelmillion Zuschauern vor der Berliner Mauer vor fast 40 Jahren) und bat die beständig draußen Zuhörenden, sich danach um mich zu gruppieren, um mir zur Erinnerung an diesen eigentlich unvergesslichen Abend ein paar Bilder mit meinem IPhone zu machen.

Danach spielte ich als Rausschmeißer, Mike Krügers „Faltenrock“, ohne das die Gäste mich verstanden hätten. Aber alle flippten augenblicklich aus und rockten los, schreiend, stampfend, tanzend, improvisierend.

UND DANN NOCH DAS HIGHLIGHT DES ABENDS: Ich zerlegte meine Travel-Guitar UND VERPACKTE SIE. ALLE WAREN ABSOLUT FASSUNGSLOS.

Ein Junges Mädchen, vielleicht 20, stürzte auf mich zu, gab mir eine Handvoll isländischer Münzen mit der Bitte, die zu behalten und dankte, den Tränen nahe, für den wunderschönen Abend. Wow!!!!

EXPEDITION QUALITY/ADVENTURE FOOD/EXPEDITION BREAKFAST/EXPEDITIONSFRÜHSTÜCK: (ADVENTURE FOOD TEIL II)

Lebenserfahrungen prägen jedermann zwangsläufig. 

Im Nachhinein ist man (hoffentlich) klüger.
Im Nachhinein urteilt man (hoffentlich) milder. 

Im Nachinein wird man(hoffentlich) toleranter und lässt auch Anderen die Möglichkeit, eigene Lebenserfahrungen oder Fehler zu machen und aus selbigen, vielleicht, Konsequenzen für den eigenen Lebensentwurf folgen zu lassen.

Folgen diese nicht, so ist das auch etwas, was man (hoffentlich) zu akzeptieren bereit ist.
Jedermann hat grundsätzlich das Recht auf sein eigenes Dasein samt aller Konsequenzen…

Meine Frau und ich waren 1979 erstmalig in Dänemark. 1980 erstmalig in Finnland. 1981 bereisten wir mit einem Opel Kadett, Karstadtzelt und bestimmt 70-90 Konservendosen mit Ravioli, Gulasch etc. im Kofferraum (Norwegen soll ja so wahnsinnig teuer sein!) Norwegen bis zum Inarisee, Schweden und Finnland. Wir besuchten finnische Freunde vom Vorjahr. Diese damals geknüpften Freundschaften bestehen zum Teil bis heute. Am 15. September 1981 kauften wir uns eine Getreidemühle und stellten unsere Ernährung komplett um, aßen kein Fleisch mehr, buken etwa 3 Jahre lang eigenes Vollkornbrot (bestimmt 20-30 Sorten) bis Biobäckereien mit zufriedenstellendem Angebot allgemein Fuß fassten.

Von den 90 Konservendosen der „Lapplandexpedition“ von 1981 kehrten bestimmt zwei Drittel wieder nach Bochum zurück, weil wir uns schnell an allem sattgegessen hatten und lieber doch Lokalspezialitäten an Ort und Stelle wählten. Möglicherweise führte auch diese „Extrem-Erfahrung“ zur Ernährungsumstellung schon einen Monat nach dieser Adventure-Tour?… Als Lehrer bereiste ich mit meinen eigenen Klassen und mit den Klassen mancher Kollegen per Rad vielfach Deutschland und die Niederlande. In besonderer Erinnerung blieb mir die dreiwöchige Abschlussfahrt meiner damaligen 8. Klasse 1995 mit Rad von den Zittauer Bergen an der polnisch-tschechischen Grenze über die Ober- und Niederlausitz zum Spreewald, wo wir in der Gegend um Bautzen obersorbische Freunde besuchten, die wir durch die sensationelle Aufführung unseres Klassenspiels, des „Bochumer Krabat“ in Zusammenarbeit mit dem Obersorbischen Nationalensemble und Einstudierung jahrhundertealter obersorbischer Lieder und Tänze am Obersorbischen Gymnasium in Bautzen und dem Niedersorbischen Gymnasium in Cottbus im März 1995 kennengelernt hatten.

Die besondere Erinnerung blieb auch deswegen präsent, weil sich damals meine Großklasse (35 Schüler) drei Tage vor Reiseantritt entschloss auf die campingübliche Kost zu verzichten und sich nur nach Rezepten aus den zwei von meiner Frau und mir verfassten vegetarischen Kochbüchern (s. Im Blog „zur Person“) zu ernähren, die damals praktisch in jedem Schulelternhaushalt der Rudolf Steiner Schule Bochum die Runde machten.

Man bedenke: 14-Jährige, die zwar ihren Lehrer nach 8 Jahren langsam „satt“ hatten, aber nicht „seine“ Rezepte während einer dreiwöchigen Adventure-Outdoor-Zelttour durch Ostdeutschland kurz nach der Wiedervereinigung. Kann es mehr Anerkennung geben??? ZÄSUR! Als ich 2006 meine erste „Singletour“ per Rad startete, die 3000 km von Oslo bis Kirkenes an der russischen Grenze „In 18 Nächten zur Mitternachtssonne“  (Buchtitel), habe ich mich natürlich mit den neuesten Errungenschaften der Lebensmittelchemie hinsichtlich „EXPEDITION-FOOD“ kundig gemacht und entsprechend versorgt. Wenngleich das vegetarische Angebot damals recht übersichtlich war…

(Bis zur Atomkatastrophe von Tschernobyl haben wir auch zwei Jahre lang keinen Fisch mehr gegessen. Seitdem essen wir aber selbstgefangenen Fisch im Urlaub oder bei Freunden.  Und ich selber esse  bei Inlinerwettkämpfen der Vergangenheit oder Eisschnelllaufmeisterschaften der Gegenwart Fisch als Kompromiss. Weltweit. 

Bei meiner gegenwärtigen Tour kaue ich beim Radeln zum Beispiel als wirkliche Proteinquelle (84%) regelmäßig mitgeführten Trockenfisch (wie Kaugummi, welches ich aber verabscheue). Hier in Island ist Trockenfisch wie Kartoffelchips als Snack überall zu bekommen.

DANKE, liebe holländische Freunde der EXPEDITIONSNAHRUNG. Euch „verdanke“ ich die Zusatzarbeit an diesen beiden bald abgeschlossenen Sonderkapiteln! Aber auch die Freude, mich ganz unerwartet wieder einmal mit dem Thema Ernährung auseinandersetzen zu können. Neun der geschenkten Packungen habe ich inzwischen konsumiert. Ein Vanille Dessert ist für meine Frau zuhause reserviert.

Aus „In 18 Nächten zur Mitternachtssonne“ von 2006 hier nur eine Geschichte passend zum Thema: Ich „landete“ damals nach gut 200 Radlerkilometern am wunderbaren kleinen Campingplatz an einem blauen Fjord gelegen. Fußballweltmeisterschaft, Deutschland spielte später im Viertelfinale gegen Argentinien und gewann: „Ja, ja, ich könne mir überall einen Platz fürs Zelt suchen. Der Bauer, der gerade mit seinem Trecker unterwegs ist, käme abends vorbei und kassierte die Kleine Platzgebühr“, sagte  mir freundlich zulächelnd eine Deutsche aus ihrer Hütte mit Wohnwagen heraus, die hier offenbar schon länger zu Gast und gerade mit Kochen beschäftigt war.

Mein Hilleberg AKTO stand in 2 Minuten, die selbstaufblasbare ThermaRest-Matte, die ich gegenwärtig immer noch benutze, wurde ins Zelt geworfen.“, der norwegische Anquilag-Schlafsack (ausgemustert, aber bei der ersten Island-Tour dabei) ausgebreitet, mein Wasser in Minutenschnelle auf dem Primus Multifuel (auch 2021 im Gepäck) erhitzt: Tüte auf, 0,8l auf die 200g Pilzgerichtvariante kippen, schließen, 8 Minuten warten, essen..., alles fast wie bei den Tütchen, die ich neulich von den Niederländern geschenkt bekam.

Der Nachteil: Es war schon die dritte von 5 Tüten, EXPEDITION-FOOD, die ich ausprobiert hatte. Und wieder war es irgendeine optimal abgestimmte, nahrhafte, geschmacklose graue Pampe, von der ich beim besten Willen nur die Hälfte schaffte. Aber ich hatte ja noch fast einen Liter mit Schlagsahne von mir auf 10% Fetgehalt getrimmte Vollmilch mit und  ein Drittel norwegisches Helkorn-Kneippbrot, belegt mit 1 cm Butter, 5 mm Käse und 5 mm Butter. Alles verschwand. Ich war ÜBER ALLES GESÄTTIGT! Im nächsten Augenblick öffnete sich die „deutsche Hüttentür“ und die freundliche Dame von vor einer halben Stunde kam mit einer riesigen, herrlichen Fischplatte, Butterkartoffeln und Salat heraus, um mich zu verköstigen: „Mein Mann und ich haben uns gedacht, Sie müssten hungrig sein, nach der langen Tour. Und von dem selbstgefangenen Fisch ist noch soviel übriggeblieben. Und da…“ Ich hätte losheulen können vor Rührung. Und es bewegt mich heute immer noch, da ich dies hier schreibe. Aber damals hätte ich auch beim besten Willen keinen Bissen mehr verschlucken können. Und auf die Idee mir alles einpacken zu lassen, kam ich Idiot damals nicht!!! Ich erklärte bloß, ich hätte schon gegessen, sei absolut satt und präsentierte ihr entschuldigend meine auch damals schon fast perfekte Ausrüstung. Auch zeigte ich die noch halb gefüllte EXPEDITION-FOOD-Tüte mit dem unansehnlichem, geschmackbegrenzten Inhalt.

„Tja, was es heute schon so alles gibt“, sagte die Frau nur staunend und zog mit ihrem abgelehnten Geschenk enttäuscht ab…

Die Bewertung der Adventure-Food-Packungen von 2021 ist nachfolgend schnell gemacht: Es sind allesamt neueste Errungenschaften kommerzieller Lebensmittelchemie. Allesamt durchaus schmackhaft zurechtgemixt. Müslis, Expedition Breakfast und Desserts sind für mich allerdings allesamt auch viel zu süß. Bei meiner Art zu reisen sind sie allerdings nicht optimal, weil ich ein Vielfaches mehr an Energie benötige, als zum Gasgeben, „Daumenmuskeltraining“ beim iPhone-Füttern oder Zeltaufbauen erforderlich. 62 g Dessert-Inhalt in einer vielleicht ebenso schweren Plastiktüte, aufgefüllt mit 120 ml kalten Wassers: ein katastrophaler CO2-Abdruck. Meine eigenen Mischungen an Nüssen etc. finde ich hier überall in Supermärkten. Was ich sonst an Proviant benötige – obwohl ich viel transportiere – besorge ich mir lieber auf andere, mir gewohnte erprobte Weise.

Genial hingegen ist die „Erscheinung“ aller Adventure-Food-Päckchen , wie sie die Werbung seit Ewigkeiten und immer noch auf uns zu streuen versucht (Hierzu passte jetzt auch die Lektüre von Teil I meiner Ausführungen von vor ein paar Tagen zu den „Schlagwörtern“ der Zeit wie ANTIZIPIEREN, MENTALITÄT, DER DÜMMSTE BAUER usw.): In 12 Sprachen wird alles mit Schlagwörtern dynamischer Aktivität angepriesen (schön übrigens, dass das hochangepriesene ADVENTURE FOOD – EXPEDITION BREAKFAST auf Finnisch einfach nur „vaeltajan aamiainen“ – „Wanderfrühstück“ heißt, während in fast allen anderen Sprachen ACTIVITY-SUPERLATIVE bemüht werden.

Wenigstens auf diese Weise bekommen die Käufer durch die Piktogramme Wandern, Paddeltouren, Klettern, Zelten, Rennradfahren, Jagen, Angeln, Skilaufen signalisiert, zu welcher Gruppe „Extrem-outdoor-community“ sie sich sofort zugehörig fühlen können, wenn sie ein solches Tütchen auf ihre „Traumexpedition“ mitnehmen.

Auch ich „darf“ mich jetzt also als „temporärer Konsument“ der PERFEKT ABGESTIMMTEN ADVENTURE FOOD PRODUKTE „in Reality“ dazuzählen: Schließlich blogge ich ja auch und baue regelmäßig mein Zelt auf. Ach ja, zu radeln und zu wandern – gelegentlich – das mache ich auch, seit dem 15. Juni 2021. Und bin fast immer OUTDOOR and „VERY INTENSIV“…

Eyjólfsstaðir — Fáskrúðsfjörður (101 km)

Etappe 32, Übernachtung 38

Am Vorabend.
Vollgepackt, es kann losgehen. Zelt „morgennass“.
Berufjörður

Start um 5.15 Uhr. Windstill. Der Himmel zugezogen. Unten am Berufjörður ebenfalls windstill. Was hatte ich hier für einen Gegenwind vor fünf Jahren!

Neuer Asphalt. Vor fünf Jahren gab es hier noch eine löchrige , lange Schotterpiste: Damals das einzige noch nicht mit Malbik/Asphalt versehene Stück des Ringleden/der Ringstraße.

Nach 10 km begann es zu tröpfeln. Zehn Kilometer lang. Etwa 10 Kilometer vor Breiðdalsvík – ich hatte den STILLEN Berufjörður längst hinter mir, kam Gegenwind auf. DIE GELEGENHEIT, eine Frühstückspause einzulegen, Adventure-Expeditions-Food zu testen und, vor allem, das „morgentaunasse“ Zelt zu trocknen. Obwohl ich heute eventuell bis ins beim Start knapp 140 km entfernte Egilsstaðir radeln wollte, keine Eile. Die Gegend war zu schön. Links der Straße steile Zinnen in denen Sturmvögel brüteten und dominant ihre Luftrunden zogen, rechts landwirtschaftlich genutzte Flächen, sogar einzelne GETREIDEFELDER (Gerste/Hafer) machte ich aus der Ferne aus. Außerdem: Island wird verkabelt, ganz massiv! Im Prinzip einen Großteil meiner Strecke – außerhalb an meiner „lohnenswerten Umwege“ – begleiten mich riesige Kabeltrommeln und abgestellte Baufahrzeuge mit allem dazugehörigen Kram. Manchmal wird gearbeitet. Aber noch nicht so früh am Morgen. Nicht besonders schön anzusehen, aber wichtig. Auch damit und weil ich diesmal, ganz anders als vor 5 Jahren, meine Beschreibungen relativ aktuell veröffentlichen kann und nach der Reise nicht mehr viel werde ändern müssen.

Nach nur einer Stunde im Wind von klitschnass zu komplett trocken.

Durch die Teppiche vollreifer Krähenbeeren an meinem einstündigen Rastplatz habe ich meine ADVENTURE-FOOD-TÜTCHEN jeweils mit zwei Handvoll davon und ganz ohne Lebensmittelchemie entscheidend weiterentwickelt. Ganz im Sinne des Spruches, den ich von meinem Zahnarzt Norbert Zipser (z.Zt. In Norwegen) habe (HERZLICHE GRÜSSE AUS ISLAND):

„UND MAN ENTWICKELTE DEN POWER-RIEGEL IMMER WEITER…, bis er wieder zur Banane wurde…!“🍌

Es geht weiter. Ein Radler kommt mir entgegen. „Where do you come fr…”, da erkenne ich ihn wieder, es ist Günther, den ich in Selfoss traf und der wegen des schlechten Wetters den Bus nach Akureyri nehmen wollte, während ich die sagenhaften Kilometer mit Extremgegenwind nach Geysir abspulte und danach, ohne Gepäck anderthalb Stunden für die etwa 9 Kilometer nach Gullfoss benötigte (zurück nur 17 Minuten).

„Ja, das Wetter sei besser geworden, seit Akureyri habe es gar nicht mehr geregnet“, meint Günther. Er sei aber schon seit anderthalb Jahren nicht mehr richtig in Form und der Anstieg von Egilstaðir aus gestern sei mörderisch gewesen. „Nein, regnen würde es heute nicht“, meint er, „typisches Islandwetter halt“.

Der Arme wird später sicherlich (wie ich nur kurz) noch sehr viel Regen auf seiner Strecke abbekommen haben.

Eine Stunde später kommt mir eine Radlerin entgegen. “Where do you come from”?
“Actually from Fáskrúðsfjörður.” Als ich meine Frage präzisiere, erfahre ich von Sarah im reinen Highlanddialekt, dass sie aus Schottland sei, jetzt auf dem Weg nach Keflavík unterwegs ist und genau wie ich damals, vor fünf Jahren erstmals Island per Rad umrundete. Damals von Seyðisfjörður kommend, über die Faröer. Wie ich dieses Mal.
Krass! Respekt!!!

Blickfang in Stöðvarfjörður
„Verhangener“ Blick auf Andoy, die Enteninsel“.

Irgendwie glaubte ich, vor 5 Jahren in Reyðarfjörður Station gemacht zu haben und wollte inzwischen nur noch bis dort hinradeln. Zwar wollte ich samstags Proviant „bunkern“, das aber hätte trotz der dreitägigen „Romance“ mit dem Platz in Eyjólfsstaðir und dem „Beheimaten“ mit Ort, Fjord, Fluss und Umgebung auch noch paar Tage später sein können.

Nanu, die Strecke kommt mir bekannt wellig vor, wieder Hinweise auf Islandpferde, die Biegung um den Fjord herum, DER CAMPINGPLATZ! Da wird mir plötzlich und augenblicklich klar (es beginnt gerade zu tröpfeln), dass ich, wie 2016 am Kleinstcampingplatz in FÁSKRÚÐSFJÖRÐUR gelandet bin, vor dem 5 oder 6 km langen Tunnel Richtung Egilsstadir. Nach der Biegung, dem „radelnden Übersetzen auf die andere Fjordseite“ sehe ich, was ich im Rücken hatte und was sich nun zum Fjordende nähert: Eine dunkle Regenfront. Keine Frage, alles ist inzwischen trocken, also Taschen, Jacken, Zelt:

Hier bleibe ich!
Zwei Wohnwagen sind schon da, mein Platz ist schnell gefunden, Zelt aufgestellt, Innenraum eingerichtet, Gepäck trocken im Außenzelt verstaut.

Der Regen begann, ich wollte zum Supermarkt der (auch nach Empfindung von mir befragter Einheimischer) unheimlich blöd versteckt lag.
Nach einigem Nachfragen fand ich ihn, selber von außen inzwischen klitschnass geworden. Zurück am Platz ist alles schnell verstaut, die Regensachen im Außenzelt. 101 Kilometer geradelt. Immerhin.

Drei Stunden Dauerregen – gut fürs Schreiben -, dann klart es auf. Ich kann kochen, opulent essen und, tatsächlich, Gitarre spielen, für inzwischen fünf belegte Plätze. Scheinbar ohne Resonanz. Die Isländer grillen unterm Vordach, die anderen Gäste bleiben regenverstört drinnen. Einen nach oben gehobenen Daumen sehe ich beim Verstauen der Gitarre. Aus einem deutschen Campingmobil.

Von den Isländern erfuhr ich das später abends noch jemand käme, um die Zeltgebühr zu kassieren.

Später abends: Die Sprachüberraschung am mir bekannten Campingplatz: Andrzej mit Sohn Dominik aus Wejcherowo bei Gdańsk, seit 11 Jahren in Island. Lehrer in Fáskrúðsfjörður.

Als dies geschah, unterhalte ich mich mit dem Mann, der seinen Sohn dabei hat. Ich erzähle, dass ich meine zweite Tour hier mache, zeige ihm die Karte. Er ist fassungslos, wo ich überall hingelangt bin usw.

Er fragt mich, als er erfährt, dass ich Deutscher bin, wo ich Isländisch gelernt habe und ob ich hier wohne. Nach kurzer Erklärung sage ich ihm, dass ich mich in vielen Sprachen verständigen könnte. „Auch auf Polnisch?“, fragt mein gegenüber. „Já“, antworte ich und wechsle die Sprache. Welche Überraschung: Andrzej und Dominik, einer seiner drei Söhne sind nach Island eingewanderte Polen. Andrzej unterrichtet inzwischen sogar als Lehrer an der hiesigen Schule. Den Job hier am Platz macht er ehrenamtlich und alle Einnahmen werden gesammelt, um seinen Schülern eine Klassenfahrt nach Holland zu ermöglichen. Wir verabschieden uns herzlich – die Welt ist klein…

Ich schreibe noch etwas, morgen kann ich ausschlafen, habe ja trotz des „mörderischen“ Bergpasses vor Egilsstaðir nur etwas über 50 km vor mir. Und „Bergpässisch“…, kann ich auch;-)…

EyjÓlfsstaðir/Morning Has Broken/fahrradinsPektion/„Wasserfälle sammeln“(20 km) „MÜSSIGGANG II“

Freitag, 6. August 2021

Ich war schon sehr früh wach, frühstückte brav ADVENTURE FOOD: ein HIGH ENERGY Expedition Breakfast in PERFECT BALANCE VON 600 KCal für meine bevorstehenden INTENSIVE OUTDOOR ACTIVITIES.
Um keinen „Hungerast“ zu riskieren, aß ich noch einen Apfel, vielleicht 250 g Datteln, Erdnüsse, Mandeln mit Bitterschokoladestückchen aus meiner eigenen Dosenmischung und schob vier Grobschrotbrote (habe ich wirklich bei „netto“ in Höfn entdeckt) bestrichen mit 4 mm Butter, belegt mit 0,5 cm dick geschnittenem Käse und Tomaten nach und gönnte mir noch bestimmt 10 Finncrisps(Vollkorn-Roggenknäckebrot aus Finnland) mit gesalzener Butter zu Doppeldeckern dick verklebt. Ein Genuss!
Und frischbereiteten Tee in Mengen gab es natürlich auch dazu. Die neue Thermoskanne hält, was sie verspricht.

Ich schrieb lange, bis es halb neun wurde. Der Fußball wurde in der Ferne schon getestet, Isländische Kinder und deren Großeltern waren längst wach. Der Himmel begann aufzuklaren, ein freundlicher Tag kündigte sich an. Um halb neun begann das erste Morgenkonzert in Island: Hymn, Morning has Broken, Guantanamera – alles auf Lautstärke „Concert for People“ getrimmt. Isländer hoben aus ihren Wohnwagen die Daumen. Eine Frau (Anja aus Deutschland setzte sich auf die Bank und sang begeistert mit. Ihr Mann (Andreas sei Profimusiker, erfuhr ich, und hat sein Horn auf Reisen mitgenommen. Wie schön!
Ich spielte schon gut eine halbe Stunde: Die „Sexy Camper“ aus Lettland schliefen“.

Irgendwann erklang Hymn zum Abschluss und ich ging zum Wohnmobil der Deutschen, lernte Andreas kennen und er war bald gerne bereit, zu meinem Gesang etwas auf dem Horn zu improvisieren. Herrlich! Ich stellte ihnen Leezy Lindsay vor: Kurze Abstimmung der Tonart, es ging los,
Anja filmte uns Erinnerungen an die Begegnung, Isländer filmten freihand, aus den Wohnwagen heraus, oder gar mit Stativ fixiert von der Wiese aus dieses ungewöhnliche Ereignis auf ihrer Urlaubsreise…

Die Letten müssen, als ich bei Anja und Andreas zu Besuch war, aus dem Wagen geschlüpft sein und sich reisefertig gemacht haben.
Als ich die Gitarre einpackte, kamen sie zu ihrem auffälligen Fahrzeug und wir sprachen sehr kurz miteinander auf Englisch:
-By!

– By, by…

Dann fuhr der „Don‘t sorry, be sexy“ – Wagen vom Platz.

Andreas nach kurzem Abstimmen der Instrumente in freier Improvisation zu Leezy Lindsay in den „Highlands“ des wunderschönen Berufjörður in Eyjolfsstaðir

Der Platz begann sich zu leeren. Ich hatte nach dem opulenten Frühstück Zeit zu lesen, zu schreiben.

Telefonieren? Nein, Funkloch. Zumindest vom Zelt aus war es nicht möglich.

In der Kleinstküche mit zwei Toiletten(!) gab es aber die Möglichkeit abzuwaschen und auf einem äußerst „phlegmatischen“ Wasserkocher der auch hier für die Nudelsüppchen heiß begehrt war (mein Primus erhitzte mir 1l Wasser in etwa einem Fünftel der Zeit).
Aber es gab – außer Waschmaschine und Trockner etwas viel WICHTIGERES fürs DAUMENMUSKELTRAINING in der REALITY(?)-ADVENTURE-OUTDOOR-TOURISMUS-ZEIT: Sechs Stecker (einen davon brauchte der Wasserkocher), um Phones, Kamera- und Drohnen-Akkus zu laden und brandneue Erlebnismachrichten (wie auch ich sie hier verstreue) in die Heimat o.ä. liefern zu können. Abends und nachts waren alle Steckdossen in der Regel immer besetzt. Mancher „Pfiffikus“ schloss sogar seine eigene Mehrfachsteckdose an, um seinen Elektrobedarf zu generieren. Auch große PCs wurden angeschlossen, trotz Wasserschadengefahr durch brodelndes Kochwasser.
Und alles ist nur deswegen so begehrt, weil man kein Fahrrad dabei hat?
Gut, dass ich mir, besonders auf flacheren Strecken meine Kamera-, auch Iphone-Akkus und sogar noch mein Powerpack per Nabendynamo mit USB-Anschluss und Beinkraft schon seit 8 Jahren erstaunlich gut aufladen kann und im Prinzip auch „wochenlang in der „Knüste““ unabhängig bin von kommerziellen Energielieferanten….
Solche Anschlusstellen sind aber auch eine hervorragende „Börse“, sind Ventile, um NEWS über seine kaum selbst zu bewältigenden Reiseeindrücke auszutauschen. GENUG DAVON!

Anja und Andreas luden ihre Mountainbikes ab, um 4 km lang Bergaufwärts den Fluss der Wasserfälle (30 Fälle auf 20 km Gesamtflusslänge) zu erkunden. Es handelte sich ausschließlich um eine Schotterpiste mit äußerst anspruchsvollen vor allem Abfahrten, die ich später, ‚antizipierend‘, lieber zu Fuß heruntergehen werde) Es sollte für sie bis zum Múlafoss gehen.

Ich nahm inzwischen eine längst fällige Fahrradinspektion vor, spannte die Kette, justierte die Bremsen, putzte tausende Kilometer Staub, Dreck und Öl von Felgen, Kette, Schaltung weg, schraubte Klick-Adapter an Schuhen fest, kontrollierte alles und fuhr die 2 km ganz nach unten, um für morgen Gefahren zu erkennen, den untersten Wasserfall zu fotografieren und zu testen, wie sich der Aufstieg ohne Gepäck „anfühlt“.

Die Abfahrt war im Verhältnis zur später erfolgten Nachmittagsfahrt „zum Wasserfällesammeln“ geradezu kinderleicht,

der Wasserfall wunderschön ( zu bemerken wäre, dass der kurze Fluss zum gewaltigen Strom anwachsen kann (s.Info) und seinen Wasserdurchfluss von 8 Kubikmetern/s (über 50 Jahre hinweg erfasst) auf 395(!) Kubikmeter/s erhöhen kann. Der Aufstieg zum Campingplatz war für mich im ersten Gang so gemütlich, dass ich dabei Mc Phersons Rand auf schottisch singen konnte…

Anja und Andreas waren gerade zurückgekommen und berichteten begeistert von ihrer 2×4 km langen Tour. Sofort machte ich mich auf den Weg dorthin, um „Wasserfälle zu sammeln“. Ich hatte ja MEIN OUTDOORFRÜHSTÜCK noch längst nicht verbraucht.

Für Euch liebe Anja und Andreas, weil wir uns nicht mehr sahen und natürlich für alle Interessierten nur dieses: Als ich am „touristisch erfassten“ Wasserfall anlangte (wunderschön!), wollte ich gerade umkehren. Von der Bergseite aber kam mir ein Geländewagen entgegen. Eine ältere Isländerin, Besitzerin des Geländes (mit Schwester?) erklärte auf meine Frage hin, ob es hier noch weitere Wasserfälle gäbe, dass an einem Hus/Haus genannten Schafsunterschlupf drei Wasserfälle direkt aufeinander folgten, man müsste aber ein Stück hinwandern. Weiter oben gäbe es aber noch viele Fälle…

Einen der drei Fälle konnte ich vom Weg aus ja sehen. Ich fuhr aber zunächst weiter, vom Start am ersten Fall ganz unten insgesamt 10 km weit hoch in die „Stichstraße“ und sah in der Ferne, die ich nicht mehr zu erkunden plante, einen weiteren Fall.

Zurückgeradelt, etwa einen Kilometer weit, ließ ich das Rad stehen und wanderte hin.

Ich konnte tatsächlich neben Schafspfaden Blaubeeren pflücken, auch Krähenbeeren, vor allem aber „meine“ Wasserfälle erreichen. Es waren derer sogar vier!
Den vierten, etwa 2m hoch und in einem der Videos am Ende gerade noch zu erahnen, zählte meine Exklusiv-Informantin wohl nicht mehr zu Wasserfällen…

“meine“ Wasserfälle…
Was man doch wiederum für Fahrzeuge benötigt, wenn man kein Reiserad zur Hand hat, um zum Beispiel „Wasserfälle zu sammeln“?!?

Eyjólfsstaðir( O km)/“nur” noch 163 km bis Seyðisfjörður – „MÜSSIGGANG I“

Jetzt ist es tatsächlich nahe Realität: Wenn ich für die nächsten 163 Reisekilometer bis Seyðisfjörður kein anderes Transportmittel benötige, bin ich 2021 bei „Waldorf on the Road III“allein in Island 3001 Kilometer und insgesamt 4001 Kilometer per Fahrrad unterwegs gewesen. Mit „unleichtem“ Gepäck. Mit zerlegbarer Reisegitarre (samt passendem Rucksackfutteral, Liedtexten, Zubehör 7 kg schwer) im absolut wasserdichtem Seesack, in dem ich nach Einkauf auch noch bis zu 13 kg Proviant verstaue, aufbewahrt*.
*Ich war in Gegenden unterwegs, wo Einkaufsmöglichkeiten mitunter erst wieder nach mehr als 200 km auftauchten, oder an Wochenenden, bzw. dann, wenn ich vorbeikurbelte, geschlossen waren.

Natürlich „absolut verrückt“ dieser Alte!…

Im Nachhinein entsteht eine Hochachtung vor eigenen, nach einer Krebserkrankung wiedergewonnenen körperlichen Möglichkeiten aus Bein- und Körperkraft, mentaler Verfassung und allen Erfahrungen der vergangenen Unternehmungen mit Familie, Schülern, den eigenen Radtouren 2006, 2008,2013, 2016. Selbstverständlich wird sich auch die beinahe lebenslange ambitionierte sportliche Aktivität aus Freude an der Bewegung in vielen Ausrichtungen auf die Leistungsfähigkeit im Alter von 67 Jahren (an „Erlebtem“ gefühlt von 200 Jahren) ausgewirkt haben.
Von außen betrachtet wirkt alles Sportliche „extrem“, Marsolleks Fremdspracheninteresse vom „Sprachtalent“ abhängig usw., usw.. Jedermann mag dies alles für sich selbst bewerten. Eines aber sollte nicht geschehen:
Die Fähigkeiten Anderer einem Talent, einer Besonderheit zuzuordnen, die der eigenen Individualität fehlt, um dies dann als wunderbare „Begründung/Entschuldigung“ zu nutzen, sich nicht mit einem interessanten Gebiet beschäftigen zu müssen, zu wollen oder zu sollen.
Interesse an der Welt, an 7 Milliarden Mitmenschen, Interesse an eigenen „Macken“ und den „Besonderheiten“ Anderer genügt schon, um sich auf den Weg zu machen. Ein Leben lang.
Immer nur in dem Zeitfenster, das jeder hier zur Verfügung gestellt bekommt…

ACHTUNG, die nachfolgende „landwirtschaftliche“ und weitere Betrachtungen benötige ich in einigen Tagen, wenn ich im Zusammenhang mit „ADVENTURE FOOD TEIL II“ auch humoristisch auf „Schlagwörter“ der Werbung und die von mir verspeisten „Kalorienbomben“ eingehen werde. Sie kann zunächst durchaus übersprungen werden!

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„MENTALITÄT“, „ANTIZIPIEREN“ sind „geschwollene“ Schlagwörter, will man(n) sich heutzutage im Fußballjargon als Experte ausweisen. Und das vielleicht gar, ohne jemals einen Ball getreten zu haben.
Mich mitgerechnet gibt es in Deutschland ja 83 Millionen Fußballbundestrainer aller Geschlechtsausrichtungen…
Den nachfolgenden Witz kenne ich zwar schon seit 50 Jahren, als die Aufmerksamkeit bezüglich rassistischer „Begriffsphänomenologie“ noch weniger den Alltag dominierte:

DIE VOLUMINÖSEN KAPAZITÄTEN SUBTERRARER AGRARPRODUKTE STEHEN IN REZIPROKER RELATION ZU DEN INTELLEKTUELLEN KAPAZITÄTEN IHRER PRODUZENTEN.
In Umgangssprache übersetzt genügen für die „MESSAGE“ sieben Wörter: „Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln.“

Wenn ich für mich „antizipieren“ einfach mit „vorhersehen“ übersetze, so habe ich bei meiner Reise und deren Vorbereitung – alle Erfahrungen berücksichtigend – viel geplant und musste dennoch stets einen Plan b, c,d… entwickeln, um dem Leben im JETZT aus der jeweiligen Situation heraus flexibel begegnen zu können.
Schon beim Zugeinstieg in Bochum zum Beispiel wurde einer meiner Markengummipantoffel abgerissen und blieb im Gleis liegen. Beim Ausstieg in Puttgarden war der Fahrradständer bereits umgeknickt gewesen, weil er die Ruckelei, das ständige Umräumen in trotz Pandemie überfüllten Zügen nicht verkraftete. Kleinigkeiten? Klar!
Auf Lolland (DK) half mir ein 81-Jähriger Fahrradmechaniker den Ständer geradezubiegen und fixierte die beiden Schrauben so fest, dass ich sie mit meinem „Bordwerkzeug“ nicht mehr lösen konnte. Der Ständer knickte danach noch mehrfach weg, ich konnte ihn aber (weil die beiden Schrauben hielten), ohne dass er brach, „in Position“ biegen und bedingt funktionsfähig halten.
Ein befreundeter Händler auf Langeland hatte für mich „passende“ Pantoffel aus China im Sonderangebot, ausgewiesen in Größe 45 (Eigentlich genügt mir bei Pantoffeln die Größe 43). Ich probierte nur den linken Pantoffel aus.
Indes, der linke Pantoffel war höchsten Größe 43, der Rechte höchstens 41. Er passte mir erst nach 2 Wochen einigermaßen.
Inzwischen sind beide Pantoffel „abgebraucht“, aber noch funktionstüchtig. Ich werde sie vor dem Zugeinstieg in Hirtshals aber entsorgt haben, um sie nicht auf irgendeinem Bahnsteig zu verlieren. Zuhause warten aber bereits neue Markenpantoffel aus Naturkautschuk auf mich: Der Rechte und Linke in passender Größe….
ZUSAMMENGEFASST: Eine Reise welcher Art immer muss selbstverständlich geplant und nach bestem Wissen aus aller Erfahrung vorbereitet werden. Gegebenenfalls muss der Körper fit gemacht werden, um den zu erwartenden Herausforderungen begegnen zu können. Dennoch werden aber immer unvorhersehbare Dinge geschehen, die alle Pläne ins Wanken bringen können – und sei es durch den Wind, wie bei mir etwa auf den Faröern oder bei der Fahrt zum (und um den) Snæfellsjökull geschehen.
ABER, gerade durch die „Unvorhersehbarkeiten“ die uns das Leben nicht nur auf Reisen zuhauf zu Verfügung stellt, habe ich gelernt, sie auch als Chancen/Möglichkeiten zu sehen, um Neues zu erkunden, Neues entwickeln zu können, oder Neuem mit Interesse zu begegnen. Und gelernt, sie mit wachsender Lebenserfahrung immer mehr schätzen zu können.

Bei meinen Single-Radtouren bin ich gewöhnlich IMMER OUTDOOR. Es sei denn, ich übernachte ausnahmsweise bei Freunden.
Wohnwagen-, Wohnmobil-, Camperreisende im gemieteten Pkw mit Schlafmöglichkeit hingegen, sind immer Indoor. Reisende mit gemieteten Pkw mit Zeltübernachtung auf dem Boden oder dem Autodach sind nur zur Nachtzeit Outdoor.
Als wir (mit Frau und Familie) Skandinavien mit Pkw und Zelten bereisten, gehörten wir zu der letztgenannten Gruppe. Es fanden aber auch mehrtägige Wanderungen mit Zelten statt.

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EXPEDITION QUALITY/ADVENTURE FOOD/EXPEDITION BREAKFAST/EXPEDITIONSFRÜHSTÜCK: (ADVENTURE FOOD TEIL I) Ina und Laurent sind auch Frühsufsteher. Als sie um halb sieben den Platz gen Nordisland verließen, winkte ich ihnen durch die etwas geöffnete Zeltluke zu.
Ganz süß und berührend und am späteren Morgen geschehen: Ich schrieb immer noch im Zelt, als mich von außen eine junge Frauenstimme auf Englisch ansprach. Eine junge Holländerin aus Utrecht stand mit einem „Strauß“ von gut 10 Packungen ADVENTURE FOOD verschiedenster Ausrichtung vor mir und bot mir alle gerne zum Geschenk an. Wir wechselten schnell ins Niederländische. Sie und die gestrigen zwei Niederländer gehörten mit drei Wagen zur Gruppe von Freunden, reisten zusammen um Island herum und schliefen in auf dem Wagendach der gemieteten Fahrzeuge fixierten Zelten.
Nett, wie sie mir gestern aus der Ferne (etwa 100m weit) applaudierten, die Daumen hoben, sich mit ihren Freunden offenbar schon über den in der Eishalle von Enschede trainierenden Deutschen, der seit bald 4000 km mit seinem fiets unterwegs ist unterhielten und beschlossen, ihn bei seiner für sie fassungslosen Reiseart zu unterstützen.

Ich war baff, ganz gerührt und suchte mir, ob der Vielfalt des Angebots, tatsächlich sieben weitere Tüten aus und versprach auch, sie wirklich ausprobieren zu wollen.*
Alles in der Zubereitung der Produkte war immer ganz einfach: Tüte aufreißen, kleines Sauerstoffabsorbertütchen herausfischen, Boden auffalten/weiten, je nach Inhalt mit heißem oder kalten Wasser bis zum jeweils nummerierten Strich auffüllen, umrühren, Tüte per Zippverschluss schließen, acht oder zwei Minuten warten und aus der Tüte mit einem Löffel entnehmen und genießen… ADVENTURE PUR!

*2x Expedition Breakfast, 2x Knusper-Müsli, Pasta&Funghi, 2x Mousse au Chocolat, 2x Vanilla Dessert und (von gestern) zwei nicht vegetarische Gulasch-Varianten mit Rindfleisch, welche ich nach Hause mitnehmen und im erweiterten Familienkreis verteilen werde.

Nachfolgend die Fotos der Adventure Nahrung, die ich noch kommentieren werde.

(Fortsetzung zur Adventure Food folgt in den nächsten Tagen unter:
EXPEDITION QUALITY/ADVENTURE FOOD/EXPEDITION BREAKFAST/EXPEDITIONSFRÜHSTÜCK: TEIL II)

…Schon morgens um 8 Uhr, als Gunhild kam, packte ich meine Wäsche in die Waschmaschine. Gegen Mittag war alles trocken. Klasse! Alles für nur 1000 Kronen (6€).

Ich faulenzte nachmittags, auch weil sich der Himmel verzog, probierte aber schon paar Packungen der Expeditionsnahrung aus und zog mich ins Zelt zurück, weil ein Nieselregen begann. Das Abendkonzert fiel aus. Viele motorisierte Camper kamen abends an, wie am Vortag. Direkt neben mir, nur etwa 5m entfernt, parkten zwei Insassen eines „Sexy-Camper“, unterhielten sich, ließen die laute Heizung laufen, knallten mit Türen, kümmerten sich nicht um die Nachbarn. Es war nervig, aber ich schrieb ja noch. Ich glaubte zunächst, es wären Isländer. Nach einer Stunde ging ich raus und sprach die auf Isländisch an. Es war aber ein junges, unbedarftes lettisches Pärchen. Lettisch kann ich noch nicht. Estnisch hätte ich zumindest verstehen können.
Russisch funktionierte aber: Ich fragte, ob sie ihre Kiste die ganze Nacht laufen lassen wollen, weil ich eigentlich schon seit 4000 km CO2-frei unterwegs bin und mir das nicht anhören wollte. Sie könnten ja 50 m weiter auf den Parkplatz fahren. Das saß, richtige Dumpfbacken waren die Beiden. Schnell räumten sie aber ihr Abendessen zusammen und waren nach 2 Minuten im vielleicht kuscheligen „Dont worry, be sexy“- Autobett. Der Klapptisch musste draußen übernachten.

Ich konnte gut schlafen, freute mich aber schon tierisch auf das trockne Wetter am Morgen und das erste Morgenkonzert auf Island neben einem „sexy- Camper“. Natürlich nur als Ersatz für das ausgefallene Abendkonzert gedacht ;-)…
Die nachfolgenden drei Fotos schoss ich am Morgen, als die Insassen noch schliefen….

Höfn – Eyjólfsstaðir (122 km)

Etappe 31, Übernachtungen 35 – 37

Mittwoch, 4. August 2021

Abschied von Höfn/Tagesimpressionen

Ballo in da diesis minore“, Angelo Branduardi 1976, aus dem 15 Jahrhundert: Ich bin der Tod und trage eine Krone.

Ich radle nun schon etwa 200 Kilometer lang südlich der vielen „Zungen“ des Vatnajökull. Auch die nächsten etwa 100 km, vielleicht auch noch länger, werde ich unter seinem direkten „klimatischen“ Machtpotential stehen… 

Start um 5.00 Uhr. Die Nacht blieb trocken und Windsstill. Zwangsläufig bildete sich Kondensat aus Atemluft auf der Innenseite des Außenzelts. Wie vorgestern - aber erst zum 5. Mal seit Beginn meiner Reise am 15. Juni - knüpfe ich das trockne Innenzelt aus, sichere es getrennt und packe das nasse Außenzeit ein. Es regnet noch nicht. Es waren übrigens doch nur 24 und nicht 30 Zelte auf den Platz.    
Ich breche als Erster auf. 
Jetzt, um 5 Uhr, sind die beiden Gletscherzungen gut zu sehen
Nanu, das Haus der russischen Hexe „Baba Jagá“ auf einem Hühnerbein???
Ich Genieße die Morgenkulisse. Der Abschied von Höfn fällt mir nicht leicht. Freundlicheres Wetter vorausgesetzt, wäre ich gern noch einen Tag länger hier geblieben, hätte mich mit Maciej weiter auf Polnisch ausgetauscht, die gebrauchte Wäsche waschen und trocknen lassen.
Ich habe aber noch genug frische, verpackte Reserven.

Im Foto oben in Bildmitte etwas rechts zu erahnen: Vier Ferienhütten am Hügel (Mit hier nicht sichtbarem Stuhl oben, um die freie Aussicht aufs Meer zu genießen)…
… bei Regenwetterlage früh am Tag ganz sicher besetzt (Hier ist über dem Dach des rechten Hauses auf dem Hügel der genannte „Stuhl mit Aussicht“ zu erkennen)…
Schilder erwecken beim mir immer ein besonderes Interesse: Oben allein schon deshalb, weil erstmalig das nur noch 273 km entfernte Seyðisfjörður auftaucht, wo ich meine zweite, erweiterte Islandumrundung per Tourenrad begann. Akureyri ist laut Schild nur 223 Kilometer von Seyðisfjörður entfernt, wenn man ausschließlich die etwa 1350 km lange Ringstraße 1 rund um Island herum nutzt. Ich benötigte auf für mich interessanteren „Umwegen“ 827 Kilometer, um von meinem Startplatz ganz CO2-frei nach Akureyri zu gelangen.
Auch wenn ich nun seit Reykjavik gezwungen war, die 1 zu nutzen: Bis zum Ziel werde ich weit mehr als zwei Drittel meiner „Island-Expedition“ ohne diese wichtige Verkehrsader ausgekommen sein.
Diese Landzunge, obwohl etwa 20 km vom Höfn entfernt, ist für mich das Wahrzeichen der Ortschaft und auf der Fahrt vom Süden kommend (bei Sicht) schon mindesten 40 km vor Erreichen des „abgelegensten Ortes Islands“ gut auszumachen.
An solchen Ausblicken nach dem gestrigen Regentag ist vielleicht zu verstehen, warum ich hier, angesichts meiner „Reservetage“ noch gerne länger geblieben wäre.
Hier und ENDLICH hatten motorisierte Camper Gelegenheit, echte Isländer zu streicheln und deren ganz junge Fohlen bei lustigen Bocksprüngen zu beobachten: Denn es gab am Ende der Weide eine Möglichkeit das Gefährt abzustellen. 5 Fahrzeuge parkten dort und Menschen aus Europa und Japan (überwiegend Frauen) konnten zu ihren Lieblingen gelangen. Als Radler kann ich das überall und „spreche“ auch gelegentlich mit Pferden im Vorbeiradeln, weil sie mich auf dem Rad schon von Weitem neugierig beobachten und sich auch zutraulich nähern. Wahrscheinlich hat sich im „Herdengedächtnis“ der Pferderasse festgesetzt, dass ich vor 5 Jahren in Island eine Reitstunde auf einem Isländer genommen habe…
Schafe hingegen nehmen in der Regel reiß aus vor mir. Es sei denn, ich selber blöke sie im Ton der Mutter an (ein Lamm verfolgte mich sogar über ein paar hundert Meter weit).
Ganz anders Seevögel am Strand: Schon wenn ich vorbeifahre laufen sie scharenweise ins Meer. Bleibe ich stehen, so fliegen sie sofort weg, wenn flügge. Oder sie ergreifen panikartig die Flucht ins Wasser, wenn sie Küken bei sich haben…

Zehn Kilometer weit blieb es trocken. Ich näherte mich dem 2005 erbauten, 1300 m langen Tunnel (Isländisch göng) durch den Berg.
Letztes Mal empfing mich am Ausgang anstelle des diesseitigen Nebels ein strahlend blauer, wolkenfreier Himmel. Diesmal senkten sich Wolkenausläufer der anderen Seite sogar schon hier herunter und besprühten denTunneleingang mit frischem Nass.
(Bei genauem Hinsehen, erahnt man links den alten Höhenweg, der durch die Tunnelstrecke überflüssig wurde.)

Der Tunnel steigt in nordöstlicher Richtung an. Dadurch bildet sich eine Kaminwirkung, die ihn entlüftet und auch für Radfahrer passierbar macht. Der leichte Gegenwind der mich traf wurde schon 400 m vor dem Tunnelausgang nass. Nieselregen im Tunnel sozusagen.
Der Rest ist schnell umschrieben: 70 Kilometer „Regennebelsuppe“, zwischendurch nasses Frühstück. Nach 80 Kilometern stoppte der Regen, ein leichter Seitenwind kam auf: Zweites Frühstück. Zelt tatsächlich trocken bekommen!

“Küstennebel“ aus 50 m Höhe.
Oliver aus Deutschland kommt mir entgegen.
Klimawandel?, fragte ich vor 5 Jahren an dieser Wegstelle. Island war ja vor der Besiedlung bewaldet. Unten dieselbe Baumgruppe.
Jetzt, nach 5 Jahren scheint sie mir deutlich gewachsen zu sein…

Nach Erreichen von Djúpivogur (108 km) beschließe ich, weiter in den Berufjörður hineinzufahren. Nach einer 3. Pause mit frischgekochtem Tee.
Gut, dass ich mich gestärkt habe. Letztes Mal wehte mir auf dem welligen Kurs 23 km lang, bis zum Fjordende ein strammer Gegenwind, der sich dann um 180 ° drehte und die Weiterfahrt stark erschwerte.

Heute hatte ich Rückenwind. Nach 120 km der Hinweis auf einen Campingplatz in Eyjólsstaðir, einem Bauernhof 2 km jenseits der Straße. Der Anstieg von fast 100 Höhenmetern mit teilweise über 13% Steigung auf löchrigem, waschbrettartigem Schuttweg verlangte mir höchsten Respekt und alle Kräfte ab, kamen mir doch auch immer wieder vierradgetriebene PS-Monster mit Campingwagen entgegen.

Diese 2 km-Strecke werde ich als eine der schwersten Herausforderungen meiner Tour in Erinnerung behalten.
Angekommenl!

Gunhild Norwegerin, Aquarellmalerin aus Trondheim, verbringt seit 4 Jahren die Sommer hier in Eyjólfsstaðir und betreut den Platz.
oben und unten: zwei von Gunhilds Aquarellen.


Gegen Abend füllte sich die Wiese und Standplätze auf dem Gelände rund um die Gebäude samt der Parkplätze. Fürs Fußballspielen blieb kaum noch Platz über. Ich wurde verschiedenerseits auf meine Toureinzelheiten hin angesprochen. Als ich dann die Gitarre auspackte und zu spielen begann, waren die Überraschung über, aber auch Anerkennung für den „musizierenden Paradiesvogel“ gleichermaßen groß. Viele gehobene Daumen zeigten mir beim Spielen, dass ich zumindest geduldet werde. Isländische Kinder, vorher mit Fußball beschäftigt, näherten sich und verfolgten interessiert mein Tun. Einzelne Erwachsene kamen näher, hörten eine Weile zu, setzten sich auf die nahe Bank, an der nachmittags mein bepacktes Rad angelehnt stand. Applaus aus ferner stehenden Campingwagen klang durch.

Ina, Kindergärtnerin in Frankfurt, aus Hannover stammend und Laurent, ihr Mann, Franzose (habe ich gar nicht bemerkt), selbständig, sind mit einem ausgebauten, hochgestellten, geländetauglichen Wohnmobil unterwegs. Er fuhr fünf Tage früher los, um das Fahrzeug per Fähre herzubringen, sie flog nach Island. Ina erfüllte sich auch schon einen Lebenstraum und durchwanderte mit Freundin(?) und mit rotem Hillebergzelt im Gepäck Patagonien. Respekt!

Ein junges holländisches Paar bedankte sich für die Musik und brachte dem „Extremradler“ eine Auswahl von Adventure-Food-Produkten in „EXPEDITION QUALITY“ mit HIGH ENERGY GEHALT IN PERFECT BALANCE mit, von der ich dankbar vier Tüten – nur mit heißem oder kaltem Wasser aufzufüllen – annahm. Durch mein fast zu 100% in den Niederlanden stattfindendes Eisschnelllauftraining fällt es mir inzwischen leicht, mich auf Niederländisch mitzuteilen.

Nach einer Stunde Gitarrenspiel packte ich alles ein und fuhr zu den zugezogenen „Frankfurtern“, um etwas mehr über ihre Reisepläne zu erfahren. Wir tauschten Tipps aus. Schließlich holte ich doch noch den Rucksack mit Reisegitarre aus dem Zelt und spielte für sie. Da Beide Angelo Branduardis Musik zu schätzen wussten, freuten sie sich auch sehr, als ich ihnen BALLO IN FA DIESIS MINORE in meiner Interpretation vorstellte, die inzwischen immer weniger Stolperer aufweist.
Unglaublich, wie aktuell das Lied ist und unglaublich, wie schon die Menschen im 15. Jahrhundert mit Pandemien umgehen mussten (hier ist die Pest das Thema) und nach Erklärungen des unfassbaren Leids suchten.

Ich stellte Ina und Laurent zur Freude auch noch „Die Regenballade“ vor, einen lyrischen Text von Ina Seidel aus den 1950er Jahren, von Achim Reichel vor knapp 50 Jahren vertont. Den Text hatte ich nur „im Kopf“ dabei (14 Strophen á 8 Zeilen).

Liebe Ina, lieber Laurent, falls Ihr dieses liest: Ich vergaß Euch gestern zu sagen, dass auf der Halbinsel Langanes, 35 km von Þórshöfn(Þóurshöpn) entfernt, etwa 2 km nach der Basstölpel-Kolonie auch eine größere Papageitaucherpopulation brütet. Mit Eurem Fahrzeug gelangt Ihr da auf jeden Fall hin: Seht Euch die bestimmt gut 1000-2000 gänsegroßen Tölpel aus 50 m Entfernung an, lasst das Fahrzeug direkt auf dem „Parkplatz“ stehen und wandert die Küste mit traumhaftesten Basaltformationen entlang, bis Ihr die Lundis seht.

Herzliche Grüße vom Platz, auf dem ich noch bis Samstag bleibe. Morgen kann ich auch hier tatsächlich meine gesamte Reisewäsche waschen und trocknen…

Ballo in fa diesis minore

Früh unterwegs: Jökulsarlón-Höfn (88km)

Etappe 30, Übernachtung 34

Inzwischen wird es hier, Ende Juli, nachts auch schon für 2-3 Stunden dunkel, zwischen 0.30-3.00 Uhr.

Es wurde eine kalte Nacht am Gletscher, ich streifte sogar die Kapuze im Mumienschlafsack über.
Der neue Schlafsack ist aber Klasse, denn es genügt, dass ich, wenn ich das Seideninlett benutze, ein dünnes Merinoshirt und eine lange dünne Merinounterhose anhabe (beides mehr als 10 Jahre alte „Icebreaker“. Mit den neuen Produkten der Firma (aus chinesischer Produktion) kann ICH mich allerdings qualitätsbedingt nicht anfreunden). Socken brauche ich nicht, es ist mir schon nach kurzer Zeit kuschelig warm. 2016 fror ich oft, trotz „Zwiebelschalentechnik“.
Danke für die gute Schlafsackberatung, lieber Dirk von Trekking &Bike in Langendreer!

Durch den beständig kalten, aber trocknen Windhauch vom Gletscher blieb das Zelt knochentrocken.
Ich wachte früh auf, schob das Rad etwa 5 Höhenmeter aufwärts, bepackte es und war um halb sechs reisefertig. Natürlich ging ich noch zur „Eisberglagune“, um mich beim Vatnajökull für die Starterleichterung zu bedanken und die Aussicht bei Morgenfarben zu genießen…

Nur etwa 85 km lagen vor mir. Heute soll es in Höfn noch nicht regnen. Die Etappe (Start um 6 Uhr Ankunft 12.30 Uhr bei Windstille.) in wenigen Stichworten zusammengefasst. Danach lasse ich wieder Bilder erzählen: Im noch schlafenden und doch nur gut 2 km entfernten Touristenzentrum Jökulsarlón (in meiner Erinnerung waren es 5 km) beeindruckende Bilder gemacht und Kurzvideos gedreht, Müll entsorgt.

30 km lang günstigen Wind erwischt. In Gletscherzungennähe (ich bleibe noch bis über Höfn hinaus im Vatnajökullgebiet) sehe ich Regennester. Der Wind wird ungünstig, 40 km Starkregen. 10 km vor Höfn Regen vorbei. Pause im kleinen Tankstelllencafé, das ich wiedererkenne.

Ankunft in Höfn, etwa 12-13 kg Proviantaufnahme bei „netto“.
Ankunft regenfrei, Zeltaufbau, Proviant verpacken, Tee trinken. Blognotizen, gleich duschen, dann kochen. Morgen gut 100 km im Regen. Wenn mir morgen vor 6 Uhr der Start gelingen sollte, ist es in Höfn noch und bei der späteren Ankunft irgendwo im Berufjörður schon wieder trocken. Unvergesslich: Im Berufjörður war die Strecke 2016 teilweise noch nicht asphaltiert (jetzt schon). Ich fuhr damals 23 km weit bei starkem Gegenwind in den Fjord hinein. Bis zum Ende. Dann drehte der Wind plötzlich und ich fuhr ähnlich weit bei ähnlich starkem Gegenwind hinaus. Die Macht des Vatnajökull…

Hinweisschilder auf Rentiere: „Im 18. Jahrhundert sind 13 Rentiere aus Skandinavien in Island eingeführt worden, um den Menschen die Fleischversorgung zu erleichtern“, kann man nachlesen. Vor gut 170 Jahren wurden die ersten Tiere zum Abschuss freigegeben. In Ostisland gibt es inzwischen etwa 3000 Tiere. Die allermeisten Touristen bekommen sie aber nie zu Gesicht. Höchstens auf Verkehrsschildern. Während meiner ersten Islandumrundung 2016 (s. damaliger Bericht) hatte ich Glück und beobachtete frühmorgens hinter Höfn etwa eine Stunde lang(?) eine Kleinherde beim Äsen im Sonnenlicht. Aus nur etwa 30 m Entfernung. Und ich fotografierte fleißig, selber frühstückend. Ganz surreal, die Empfindung damals: RENE IN ISLAND???!!!. Ich erinnere mich noch sehr gut…
Der Regen ist vorbei.
Klima Wandel? Kartoffelanbau.

Fast einsam war es, als ich mittags ankam, jetzt, kurz vor 22 Uhr ist der Campingplatz fast voll belegt (alle Hütten ausgebucht, Wohnmobilplätze mit Strom beinahe und es stehen jetzt schon etwa 30 Zelte von Pkw-Campern , deren Fahrzeuge außerhalb abgestellt werden müssen.

Den Ostdeutschen Mitarbeiter von 2016 den die Liebe nach Höfn verschlug, gibt es hier nicht mehr. Ich lernte aber Maciej aus Niederschlesien kennen, der jetzt den Platz souverän managt und hier im Ort mehreren Berufen nachgeht (hauptsächlich Zahntechniker). Wir führten sehr nette Gespräche miteinander: Dziękuję za spotkanie, Macieju!!! Pomyślności w spełnieniu marzeń !

Maciej und ich vor seiner „Kommandozentrale“.

Durch seinen Tipp fuhr ich nochmal zu „netto“, um mir, günstiger als bei ihm, eine vernünftige Thermokanne zu kaufen. Meine „vernünftige“, mit der ich auch schon Zeltheringe einhämmerte, ließ ich ja dummerweise auf einer Bank bei Reykjavik stehen…