Ogna-Stavanger

Ein Klacks im Vergleich zur Plackerei vor Flekkefjord…, war es diesmal tatsächlich nicht. Ich habe noch nie böige Windstärke 10 als Gegenwind auf dem Rad erlebt. Drei Stunden lang! Fast über 30 Kilometer nur den 1-3 Gang der Rohloff Gangschaltung benutzt. Zweimal durch Windstöße vorübereilender Lastwagen (die Chauffeure waren übrigens überwiegend sehr rücksichtsvoll) vom Rad geworfen worden und den Sturz gerade noch mit dem Fuß abgefangen. 30 km ohne Klicks mit der gewöhnlichen Pedalenseite unter Vollgas mit 6-8 km/h vorangekommen. Nach 8 Stunden in Stavanger angekommen und beschlossen, morgen, vor dem Aufbruch in die „nördliche Wildnis“, in einer Werkstatt Tretlager, Pedale, Kette usw. Checken zu lassen.

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Ogna

Die Ognabucht hat für mich insofern eine besondere Bedeutung, als dass meine Frau und ich uns 1987 nach fast vierwöchigem Aufenthalt im Norden, hier „im Süden“ noch drei Tage gönnten, um – vor der Rückfähre von Kristiansand richtig auszuspannen, im Meer zu schwimmen, zu joggen und per mitgenommenen Aufnahmeunterlagen meine erste Klasse – 34 Erstklässler- als Klassenlehrer kennenzulernen.
Diese Klasse führte dann 1995 als Abschlussspiel der 8. Klasse unter der Regie von der späteren „Theater Total“-Gründerin Barbara Kramer „Krabat“ von Otfried Preußler auf. Mit Preußlers Wissen wurde es der „Bochumer Krabat“. In Zusammenarbeit mit Jurij Brêzan, dem großen sorbischen Schriftsteller und Autor der „Schwarzen Mühle“(in der DDR ein Jahr vor „Krabat“ erschienen), Detlev Kobjela, dem Leiter des Sorbischen Nationalensembles und mit Unterstützung der Ministerpräsidenten der Länder Sachsen, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und des Bundespräsidenten von Weizsäcker entstand ein Schauspiel, zum Teil in sorbischer Sprache, mit ausschließlich alten Sorbischen Gesängen.
Nach 4 Aufführungen in Bochum gab es zwei weitere an den Ober- und Niedersorbischen Gymnasien von Bautzen und Cottbus. Auch ein Ergebnis der deutschen Wiedervereinigung.
Die Wochenendausgabe der obersorbischen Zeitung „Serbske Nowiny“ abonniere ich bis heute
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Ogna hat, ganz ungewöhnlich für Norwegen, einen 4 km langen weißen Sandstrand.
Seit 1987 hat sich der Campingplatz sehr verändert. Es gibt kaum Zelturlauber, Wohnwagen dominieren. Damals hat ein junges spanisches Ehepaar hier schon am ersten Tag (von Stavanger kommend) seine Hochzeitsreise per Rad durch Norwegen wegen Erschöpfung der Frau abgebrochen, um sie per Zug (Bahnhof Ogna) fortzusetzen.
Einige Bilder von heute. Zuletzt zu sehen ist Siri, die im Sommer an der Rezeption jobbt und sehr darunter leidet, dass ihr Vorname auch für ein Diktierprogramm meines iPads herhalten muss…

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Flekkefjord?

Eine schier unendliche Geschichte um als Radtourist auf legalem Wege von Osten nach Flekkefjord zu gelangen. Würde hier jeglichen Berichtsrahmen sprengen. Ich verfasse in den nächsten Tagen einen offenen Brief an die Bürgemeisterin von Flekkefjord, der in der Presse zu lesen sein wird.
16 Stunden zusätzliches Radgeschiebe, weil man Radwanderer wegen der Lebensgefahr nicht durch 3 Tunnels lässt, ihnen aber halsbrecherische Aktionen auf definitiv nicht vorhandenen aber als solche (versteckt) ausgewiesenen Radwegen zumutet. Ich bin wohl der Erste, der es schaffte, unter den gegebenen Umständen legal anzukommen!!! Bin jetzt, nach fast 800 km in 6 Tagen in Ogna vor Stavanger. Gleich geht’s bei Windstärke 8 Gegenwind los. Ein Klacks im Vergleich zur Plackerei vor Flekkefjord.

Ein paar „schöne“ und schöne Bilder seit Kap Lindesnes:

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Nachts zum Kap Lindesnes, 44 km; anschließend : „95 km „auf dem Weg nach Fleckefjord.“

Ausgeschlafen!
Ketten-/Bremsenjustierung nach über 500 km notwendig.
Bei Probefahrt Proviant an Tankstelle, groß wie Supermarkt, eingekauft.
Mail an die Redaktion von LINDESNES versandt (Internet funktioniert manchmal), dass sich „der Nachtfalke“ noch bis 18 Uhr auf dem Camping Sandnes aufhält.
Netten Besuch einer Jungen Journalistin empfangen.
Gegen 19.00 erfolgt der Start zum „Südkap“ Norwegens.
Wetter bewölkt, meistens trocken.
Klickschuhe völlig durchnässt (macht nichts, wenn es trocken bleibt und man Plastiktüten über die Socken streift (vielen Dank lieber Biosupermarkt in Bochum). Vielen Dank lieber KÄSE KARSTEN Für das „Käsedoping“ aus gleichem Laden…, meine Käse-/Butterportionen müssen in XXXL bemessen sein.

Der Campingplatz lässt sich bei dem fast permanenten Regenwetter schlecht „schön“ fotografieren. Danke für die nette Aufnahme -tusentakk for allt!
Ach ja, der nicht nur in Norwegen bekannte Käse Gudbrandsdalsost (gesprochen : Güdbrandsdahls-ust), karamellisierter süßlicher Ziegenkäse aus dem Gudbrandsdal.., sehr gewöhnungsbedürftig. Die ersten zwei Packungen landeten trotz größter Bemühungen die Geschmackssinne anzupassen 1981/1982 auf einem Ameisenhaufen nahe Dombås. 1987 den GDO zu essen gelernt. Phantastisch! Bei meiner Tour 2006 schleppte ich für meine Frau im Radgepäck eine 500 g Rolle vom GD bis Kirkenes und flog damit bis Köln (den Käse bekommt man aber inzwischen als Delikatesse auch bei uns)

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…um 20 Uhr ging es dann wirklich los mit fröhlicher Verabschiedung durch die „Dauergäste“, die mich schon gestern bei meiner nassen Ankunft sahen und bedauerten.
Es begann zu regnen, regnete sich ein. Aus vielen Plätzen der hügeligen Umgebung kamen mir Rauchschwaden entgegen Johannisfeuer, die hier mit Freude von Jung und Alt entfacht wurden.
Es war sehr lustig, als ich dem 85-jährigen Senior das Fotografieren per iPad beibrachte und mit Kuchen belohnt wurde. Eine zweite Gruppe feierte „näher am Kap“ und schoss zusätzlich Silvesterraketen ab.

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Hirtshals-Kristiansand-Mandal: Stürme und Regenkübel vom Himmel

Nach stürmischer Nacht bei Starkwind schnell alles reisefertig gemacht.

Einziger „Biker“ unter den „Motorbikern“.

Wegen stürmischer Böen und Windgeschwindigkeiten von bis zu 20m/s mitten im Skagerrak, musste die 80 km/h schnelle Fähre langsam einen Umweg fahren, sodass sie statt um 12.15 Uhr erst um 13.30 Uhr in Kristiansand eintraf.
Die gekaufte Prepaid-Card funktionierte auch nach einer Reklamation gar nicht, sollte aber in einer Stunde aktiv geworden sein…(Das Geschah m.E. Ab Mittag des nächsten Tages).
Nach kurzer Zeit began ein übelstes Regenwetter, bei dem sich „Gießkannenduschen mit Wolkenbruchschauern und Autoreifensprühnebeln“ um die Wette ablösten, um meine Behauptung zu prüfen, dass ich auch bei 60 Tagen Regenwetter meine Tour wagen würde…
Alles, was ich anhatte, war durch Schwitzen (ein Anstieg im ersten Gang gefahren dauerte 1214 Pedalumdrehungen lang (was man so alles beim leisen Pfeifen noch mitzählt…))und durch die „Wasseraußenwäsche“ durchnässt.
Die lange Icebreakerunterwäsche aus Merinowolle hielt trotz Nässe warm.
Da es schon 20.00 Uhr wurde, beschloss ich, nach nur 60 km den Campingplatz „Sandnes“ in Mandal anzusteuern.
Mitsommerfeier unter den NL/D/B/N/DK-Gästen des Platzes. Ich hätte eine Hytta genommen, zumal mein Zelt morgens nicht ganz trocken verpackt wurde. Besetzt.
Das Innenzelt des Hilleberg-Akto war der einzige trockene Raum und es blieb so.
Alles, was ich anhatte und Durchschwitztes/Nasses der Vortage wanderte in die Waschmaschine/dann in den Trockner. Um Mitternacht war alles verpackt.

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Holstebro-Hirtshals 213 km in Gegenwind und Dauerregen

Wieder nur 3 Stunden geschlafen, nachts auch noch Regen. Zelt nass eingepackt, um 4.30 Uhr gestartet.
Wieder Gegenwind, etwas schwächer als gestern, dafür sehr viele Steigungsstrecken – ich gewöhne mich daran.
Zwischen 10-18 Uhr Dauerregen. Wegen der gestrigen Zusatzanstrengungen muss ich auf den Grenen (Dänemarks Nordspitze, wo sich die Wellen zweier Meere treffen) verzichten. Vor 2 Jahren war ich dort aber zur Vorbeitung dieser Tour mit Feigenbäumchen. Zunächst merkte ich stark die gestrigen Anstrengungen und ich kam wegen des welligen Streckenprofils nur langsam voran. Nachdem ich nach 6 Stunden erst Kilometer zurücklegte, zweifelte ich, ob ich es zur Fähre nach Kristiansand schaffe, ohne die Nacht anzuzapfen. Nach kleiner Kräftigung und 10 Minuten Powerschlaf, ging es plötzlich viel besser. Selbst die eine Stunde Trödelei in Ålborg und eine einstündige Pause mit Essen und Zelttrocknung verhinderten nicht, dass am Ende 213 Tageskilometer zurückgelegt wurden. Teilgeheimnis: Der vorher beständige Gegenwind drehte ab Ålborg innerhalb weniger Minuten um fast 180 Grad und blies ganz kräftig, der Regen hörte auf, die Sonne kam heraus und es war mir möglich, die letzten 80 km mit vollem Gepäck in Tempo 20-35 km/h abzuspulen.
Heute etwa 5 Stunden ausschlafen und morgen?

Morgen, gibt es nach der Ankunft in Norwegen einen „Ruhetag“ von vielleicht 70 km Tagesstrecke zum „Südpol“ Des Landes.

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Esbjerg-Holstebro -150 km Gegenwind: Eindrücke, „Gegenmaßnahmen“

Morgens nach 3 Stunden Schlaf erst um 4.40 Uhr bei Nebel und mäßigem Gegenwind aufgebrochen.
Dörfchenidylle.
30 km sehr hügelige Sandradwege bei starkem Nordwind waren für den Fernradler sehr anstrengend.
Hvide Sande, Fast jeder Wurf mit Heringsvorfach mindestens ein Biss.
Zelt Trocknung in einer windstillen Geländenische, zugleich eine Powerschlafeinheit von 30 Minuten eingelegt und einen Augenblick vor dem Wecker aufgewacht.
Ein Wildwest-Sandskulpturenfestival in Vorbereitung.
Keine SPAR-Werbung: Gegenwind.
Nach 120 km „Ernährungsumstellung“:statt Saftschorle „fettreiche Kost“.

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Endlich starten!

Der Zug verspätet sich in Bochum um 14 Minuten die Wagons sind falsch sortiert. Zwischensprint mit Gepäck und Rad!
Am Ende, in Niebüll ist der ICE fast eine halbe Stunde verspätet, sodass die Gewitter mich mit Blitz und Grollen und sintflutartigen Regenfällen, in Ribe stellen. In Esbjerg, nach 113 km ist die „Halbtagstour“ beendet. Morgen geht es gegen 3 Uhr früh weiter. Noch habe ich 7 kg Reiseproviant als zusätzliche Kraftquelle…
Fliederbäume blühen hier noch, Holunder aber noch nicht richtig.

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Nordkap?/mein Nordkap

Knivskjellodden(1), die Landzunge auf der Nordkapinsel Magerøya, ragt um 1380 m weiter nach Norden als DAS NORDKAP ((2) 307 m.ü.NN), 4,18 km südöstlich „daneben“.
Problem: man muss etwa 4 Stunden lang die 9 km zu Fuß gehen, um die flache Spitze zu erreichen. Das beabsichtige ich zu tun.
MEIN Nordkap ist aber eindeutig das TANAHORN ((3-6) 270 m.ü.NN), eine ehemalige samische Opferstätte 9 Kilometer westlich von Berlevåg/ Varangerhalbinsel. „Problemchen“: vom 4 km entfernten Parkplatz 60 Minuten hinwandern.
Die Ausblicke UNBESCHREIBLICH!!!, da macht es nichts, wenn es einige Kilometer südlicher liegt und die Mitternachtssonne dort nur bis zum 29. Juli, etwas kürzer zu sehen(?) ist als auf dem Nordkap selber. Die Mitternachtssonne kann am Nordkap durchaus auch mehr als drei Wochen lang vom Nebel verhüllt bleiben. Außerdem ist unterhalb des Kaps kaum sibirisches Treibholz zu finden…

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VI SKAL IKKJE SOVA BURT SUMARNATTA

Vi skal ikkje sova burt sumarnatta

Ho er for ljos til det.

Då skal vi vandra i saman ute

Under dei lauvtunge tre.

 

Då skal vi vandra i saman ute,

Der blomar i graset står.

Vi skal ikkje sova burt sumarnatta

Som kruser med dogg vårt hår…

 

Vi skal ikkje sova fra høysåteangen

Og grashoppespellet i eng,

Men vandra i lag under bleikblå himmel

Til fuglane lyfter veng.

 

Og kjenne at vi er i slekt med jorda,

Med vinden og kvite sky.

Og vita at vi skal vera i saman,

Like til morgongry

 

(Aslaug Låstad Lygre)

 

 

WIR SOLLTEN NICHT SCHLAFEN WÄHREND DER SOMMERNACHT

 

Wir sollten nicht schlafen während der Sommernacht

Es ist zu hell dafür.

Da sollten wir zusammen draußen wandern

Unter den laubschweren Bäumen.

 

Da sollten wir zusammen draußen wandern,

Wo Blumen im Gras stehen.

Wir sollten nicht schlafen während der Sommernacht,

Die mit Tau unsere Haare kräuselt.

 

Wir sollten nicht schlafen fern vom Heuhaufenduft

Und dem Grashüpferspiel auf der Wiese

Aber gemeinsam wandern unter dem bleichblauen Himmel

Bis die Vögel die Flügel heben.

 

Und fühlen, dass wir mit der Erde verwandt sind

Mit dem Wind und dem weißen Himmel.

Und wissen dass wir zusammen bleiben,

Bis zur Morgendämmerung.

 

(Übersetzung: R. Marsollek)