Donnerstag, 21. Juli: Mosfellsbær – Sangerði/ 75 km

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 img_3430Da ist er ja, mein Alpakapulli… img_3432

Es regnet die ganze Nachtzeit hindurch bis in den späten Morgen hinein. Ich wache früh auf, packe, frühstücke, knöpfe das trockene Innenzelt aus, verstaue alles Gepäck in der einen Zelthälfte und habe in der anderen, auf der Isomatte sitzend reichlich viel Platz, um Tagebuch zu schreiben und das Wetter zu studieren. 

Im Internet erfahre ich, dass es für Reykjavik die nächsten Tage über keine guten Wetteraussichten gibt, dass der Regen dort aber vormittags aufhört und sich in Sangerði, meinem Zielort, sogar die Sonne   nachmittags blicken lassen wird.

Ich tröste zwischendurch Tramper Jan, das Wetter betreffend und fahre gegen 11 Uhr los. Da ist er schon längst unterwegs.

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Die Ringstraße ist wieder geöffnet. Nach wenigen Kilometern versorge ich mich im Nettomarkt von Mosfellsbær mit Lebensmitteln und fahre Richtung Hauptstadt. Der Verkehr auf der autobahnmäßig ausgebauten Ringstraße ist grässlich und mindestens zehnmal dichter, als am Sonntag vor fast vier Wochen. img_3441 img_3443 img_3444Zwischendurch regnet es Bindfäden, die Fahrzeuge scheinen sich um die Fahrstreifen und Abfahrten zu zanken. Der Radler kurbelt dazwischen. Der Seitenstreifen ist selten befahrbar und auf meiner Route am Fahrbahnrand tauchen weiterhin scharfe Gegenstände, Schrauben, Blech-, Holz- und Reifenteile auf. Und zunehmend mehr wassergefüllte Schlaglöcher.

Sehr konzentriert und angestrengt umfahre ich schließlich ewig lange den Moloch Reykjavik in einem Modus, als ob ich morgens auf dem Ruhrschnellweg in Richtung Essen unterwegs wäre.

Wirklich!!!, denn die Ringstraße 1 ist inzwischen eine richtige Stadtautobahn geworden mit zwei Spuren in jede Richtung und häufigen Ein- und Ausfahrten auf denen ich mich fast immer „vogelfrei“ fühle. Mal sehen, wie lange noch Radler hier per Gesetz geduldet werden…

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Schilder weisen mir schließlich die Trasse nach Keflavik.

Ich finde den einzigen Parkplatz mit Tisch und Bänkchen zwischen Reykjavik und Keflavik wieder, den ich schon auf der Hinfahrt ansteuerte, raste und esse ausgiebig.

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Landende und startende Flugzeuge kreuzen über mir die Autobahn, plötzlich aus den Wolken fallend oder rasch in ihnen verschwindend. Bald ist ein Außenbezirk von Keflavik erreicht. Und ich finde hier das Nettogeschäft wieder, in dem ich an meinem ersten Islandtag Renata, eine seit 13 Jahren in Island lebende, inzwischen eingebürgerte Polin kennengelernt habe.

Ich frage das Personal nach ihr. Renata hat schon seit 16 Uhr Dienstschluss. Vielleicht besuche ich sie morgen, sind ja nur 10 km zu radeln…

img_3451 img_3456 img_3460Kaum auf dem Zeltplatz angekommen – ich bin gerade im Gespräch mit zwei Studenten aus Österreich, die innerhalb von 2 Wochen per Rad die Insel 800 km weit erkundeten – die Große Überraschung: Die Kronshages aus Bochum, seit dem 14. Juli mit ihrem Reisebus durch Island unterwegs, stehen lachend vor mir! img_3461Gerade einmal eine Viertelstunde vor mir kamen sie hier an, machen mich an Rad, Statur und grüner Jacke aus und kommen zur Begrüßung. Welch ein Zufall!… Ich habe während meiner Radtour einige Male erfolglos versucht, bei ihnen anzurufen und auch sie haben an mich gedacht, da wir von unseren Reisevorhaben wussten. Jetzt, da wir in entgegengesetzten Richtungen Island umrundeten, treffen wir uns hier tatsächlich doch noch zum Abschluss meiner Reise. img_3464

Da ihre Tochter Linda mich acht Jahre als Klassenlehrer ertragen hatte, ich seit 30 Jahren Lehrer an der Bochumer Schule bin und Michaela bereits seit 1974(!) Waldorferzieherin am Kindergarten, haben wir viel zu erinnern und zu erzählen.

Und natürlich kommen dabei auch unsere in Island gemachten Reiseerfahrungen nicht zu kurz.

Wir haben hier so viel gesehen und dennoch nur ein kleines Bruchstückchen Islands kennengelernt…  Ein schöner Nachmittag und Abend, an denen wir genug Zeit finden und an denen  sich auch die Sonne tatsächlich immer wieder hat blicken lassen…

…Die österreichischen Radler brechen bald nachdem alles sortiert und gepackt ist, spätnachmittags zum Flughafen auf. Obwohl ihr Flug erst in der Nacht zu morgen startet, so wollen sie doch schon heute einchecken und die Nachtstunden im Flughafengebäude auf irgendwelchen Bänken „verdösen“.  Sie schenken mir zum Abschied noch die angebrauchte Rolle Packbandes, mit der ich morgen mein Rad flugtauglich präparieren kann. In vier Supermärkten, zuletzt heute in Keflavik, suchte ich danach vergeblich. Die Rolle Tesaband, 1,5 cm breit, lasse ich hier zurück. Sicher findet sie der Richtige.                                                                                                                      Danke!

Wie es wohl Jan heute ergangen ist, dem Tramper aus Süddeutschland?                                                                                                    Heute? Tatsächlich, er verließ heute etwa eine Stunde vor mir, also vor gerade mal einem halben Tag zu Fuß den Zeltplatz in Mosfellsbær. Die Zeit scheint stillzustehen…