SEYÐISFJÖRÐUR

10. August 2021

Morning Has Broken !

Nachts habe ich zum ersten Mal nach zwei Monaten wieder Sterne gesehen! Der Nebel verzog sich gerade für kurze Zeit. Morgens beherrschte er wieder den Ort. Da er gegen 9 Uhr nicht mehr feucht vom Meer herüberkam und etwas aufstieg, packte ich doch wieder die Gitarre aus und spielte. Dem Nebel wurde es zu laut, er verzog sich und gab ein wunderschönes Bergpanorama frei (Später schaute er immer wieder kurz vorbei, um nachzusehen, ob ich noch da bin).

Die Menschen reagierten durchaus positiv auf meinen Morgengruß. Als ich vor dem Abschluss mit „Hymn“ Hannes Waders „Heute hier, morgen dort“ anstimmte, haben auch meine „temporären“ Nachbarn aus FFB, SO, MK, D usw. geklatscht. Beim Frühstuck (Windstille, warm; T-Shirt, Sonne) bekam ich sogar Besuch von ihnen und wir tauschten uns etwas über unsere unterschiedlichen Arten zu Reisen aus. „Ich habe Sie schon am letzten Platz spielen hören!“, warf eine Frau ein.

“In Egilstaðir?”

„Nein, in Dingsdafjord.“

„Ach so!“…, …es war in Fáskrúðsfjörður (der Name ist auch für mich nicht einfach auszusprechen, etwa Fauß-kruu-ths-fjör-th-ur), es war meine vorletzte Station, wo ich Andrzej aus Wejcherowo kennengelernt hatte. Dort hob ja auch ein Mann aus dem Wohnmobil kurz den Daumen. Die Welt ist klein, besonders in Island…

Die nachts neben mir eingeflogenen „Sexy Camper“ waren schon wieder Letten und wir unterhielten uns zunächst auch auf Russisch. AGNES beherrschte es noch gut, BEN konnte es noch gut verstehen, sodass wir später auf Englisch weitersprachen. Für nur 7 Tage mieteten auch sie sich einen Kuki-Camper (ohne auffällige Bemalung) und rasten nun durch Island. In drei Tagen müssen sie wieder in Keflavik sein, heute geht’s ins 275 km entfernte Akureyri.
Die Armen!
Ich durfte mir auf dem Weg von hier aus bis nach Akureyri fast 600 zusätzliche Kilometer Island auf „meinen“ Umwegen gönnen…

Wir tauschten uns über unsere unterschiedlichen Arten zu reisen aus und über vieles andere. Aus „aktuellem Anlass“ natürlich auch über Adventure Food. Ben schenkte mir sogar lachend einen Power-Riegel und war sichtlich enttäuscht, dass sich unter den 12 Sprachen auf meiner verbliebenen Desserttüte nicht seine Muttersprache fand. Ich tröstete ihn schnell, indem ich ihm den Witz von der Entwicklung des „Bananen-Powerriegels“ erzählte… Nett, die Beiden. Wir verabschiedeten uns herzlich. Welch verschiedene Menschen doch in einem „Don‘t worry, be sexy“-Camper stecken können…*

*Wie bei der EXPEDITION QUALITY ADVENTURE FOOD-Tüten verwenden die isländischen Autovermietungsfirmen als „Kriegsbemalung“ ihrer Fahrzeuge typische OUTDOOR-Schlagwörter, um ihre ADVENTURE-Kunden für sich zu „angeln“. Hier eine kleine Auswahl der typischen Firmennamen als „Identifikationsmöglichkeiten“:
Cozy Campers
Go Campers
Campers Go
Easy Campers
KÚKÚ Campers („Don‘t worry, be sexy“) oder
KÚKÚ Campers („Don‘t stink and drive“)

Viele Menschen, auch Deutsche wie ich, kommen zurück von ihrer Islandtour, um die Donnerstagsfähre nach Hirtshals zu nehmen.

Agnes und Ben waren nur auf der Durchfahrt hier.


Am Nachmittag durchradelte ich den Ort, aß ein sehr leckeres Fischgericht und lernte, nachdem ich auf Isländisch weniger erfolgreich war, die nette Kellnerin aus der Slowakei kennen, die hier ihren Sommerjob fand. Seit meinem Besuch in Raufarhöfn vor 5 Jahren hatte ich keine Gelegenheit mehr, mich in Slowakisch zu üben. Ich fand aber schnell wieder in den Sprachklang herein.
Sehr auffällig, irgendwie „kultig“, originell und rundum dennoch ästhetisch…
Ein sehr beliebtes Fotomotiv, diese zentrale „Flaniermeile“ in Seyðisfjörður
Vielleicht gehe ich morgen ein letztes Mal in Island schwimmen???

Am Fluss traf ich Fliegenfischer, fachkundige Ortsansässige, deren Zeit jetzt und bis in den September hinein gekommen war. „Der Sommer – also das Wasser – sei dieses Jahr zu kalt gewesen, aber jetzt ziehen die Meerforellen flussaufwärts“, hörte ich. Wie gerne wäre ich bei ihnen in die Lehre im Fliegenfischen gegangen.
Eines aber weiß ich jetzt: „Petri Heil“ klingt auf Isländisch etwa wie „Töy, töy“.
Also tschüss, ihr Lieben und „knæk og bræk!”, wie die dänischen Angler sagen. Dorthin geht es ja für mich bald. Per Schiff…

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Abends spielte ich wieder. Über zwei Stunden lang. Wieder Begeisterung . Und viele Gespräche. Und nettes Zusammensein.
Und ich dachte in Egilsstaðir, dort zum letzten Mal in Island gespielt zu haben.

Jetzt ist damit aber wirklich Schluss. Ich werde morgen als Erstes meine Sachen sortieren, Verpackungsoptionen durchspielen, viel durchs Auffuttern „entsorgen“ und einen verzichtbaren Rest in die „FOOD FOR FREE“-Abteilung an der Campingrezeption bringen. Nach Dänemark nehme ich schätzungsweise „nur“ noch 35 kg Gepäck mit…