Abschied von Seyðisfjörður(14 km)

Nachts nieselte der Nebel beständig herunter, am Morgen stieg er wieder auf. Es blieb vorerst trocken.

Mein Gepäck ist, wie ích es vorgehabt hatte, sortiert, ein besonders umfangreiches Frühstück ist eingenommen worden, kleine Pläusche mit den „alten“ Nachbarn sind erfolgt. Immer mehr „Neue“ kommen dazu. Viele Deutsche aber auch Schweden und Franzosen: Morgen geht ja die Fähre. Mehrere Menschen, überwiegend Amerikaner, nähern sich während meines Frühstücks meinem Platz und danken für die herrliche musikalische Unterhaltung am gestrigen Abend.

Natürlich höre ich das gerne. Es machte mir aber auch sehr viel Freude, anderen Menschen Freude zu schenken. Obwohl es natürlich immer noch, völlig „Plemplem“ ist, eine Reisegitarre über 4000 km weit auf dem Rad mitzuschleppen…

Na? Heute Abend? Nein!
Oder doch, wenn das Wetter es zulässt und ich nach dem Fahrradausflug, dem Schwimmen und Essen im Restaurant noch Kraft habe?
Innere Selbstgespräche. Ich merke, wie ich schwanke. Und bin wirklich gespannt, was der Tag noch ergeben wird.

Als ich losfuhr dachte ich, der Campingplatz sei schon vollbesetzt.
Dieses Vikingschiff sah ich schon am Látrabjarg und vor den Westmännerinseln. Und jetzt ankert es auch in Seyðisfjörður.
Um etwas mehr Übersicht zu gewinnen, kletterte ich per Rad auf etwa 100 Höhenmeter hinauf.
Diese Piste ist auch radlertauglich, wenn gewünscht.
Hier, in diesem Fluss, ziehen gerade die Meerforellen hoch.
“Meine“ slowakische Gaststätte ( zwei englischsprechende Mädchen sind für den Sommerjob aus der Slowakei herübergekommen).
Gelesen: Kaffí Laura
Dann füllte sich der Platz vorwiegend durch eine niederländische Adventure-Truppe mit mindestens weiteren 30-50 Fahrzeugen.


Und es wurde noch voller…und das ist noch gar nichts, weil es viel später noch viel, viel enger wurde. Die Camper stehen inzwischen kreuz und quer auf den Wegen.
Wie gut, dass ich ein strategisch viel schnelleres Fahrzeug hatte, schon vorgestern am frühen Nachmittag hier anlangte um mir auf dem fast komplett leeren Gelände den richtigen Platz für mein Zelt zu suchen…

Die „Radtour“ heute (14 km) wunderbar! Das Schwimmbad herrlich: Die erste halbe Stunde war ich dort allein im etwa 12m x 6m-Becken, den zwei 40°C Pools und der Sauna. Zu Beginn meines Badetages wog ich 65.5 kg. Optimales Wunschgewicht von vor der Tour tatsächlich im austrainierten Zustand erreicht und gehalten. Alles Fett verbrannt. Als ich nach 2 Stunden auf fast 64 kg „abzustürzen“ drohte (in Badebekleidung), fuhr ich zum Essen ins Caffí Lára (Riesenbackkartoffel mit Butter zu auf Fenchel-Möhrengemüse gedünsteten Fisch und lecker angerichtetem, großen Mischsalat. Als Dessert Käsekuchen mit Sahne.
„Zuhause“ am Zelt Möhren , Äpfel, Keksfladen, Tomaten, ein 0.0% Bier.
Meine Vorräte sind minimiert, das Verpacken kein Problem mehr. Ich freue mich aufs Schiff. Nach gefühlt zwei Jahren, statt zwei Monaten – von wegen, die Zeit verginge im Alter schneller – ZEIT VERGEHT NICHT, ZEIT KOMMT! Morgen geht es wirklich fast nach Hause…

Ach ja, Gitarre habe ich doch wieder gespielt. Aber nur acht Lieder, weil eine Zugabe eingefordert wurde.

Ich spielte – verrückt – den „Faltenrock“ von Mike Krüger und zum Abschluss, wie immer „Hymn“. Ich denke, in Hirtshals werde ich die Gitarre nicht mehr auspacken. Es soll dort samstags schlechtes Wetter geben. Wer weiß …

Eine Reisegitarre 4100 km weit auf dem Fahrrad mitzuschleppen: VÖLLIG VERRÜCKT! Stimmt!! Ich habe es geschafft. Vielleicht melde ich mich noch von Hirtshals aus. Ich bin aber unglaublich froh, dass ich bei dieser Reise fast immer aktuell berichten konnte. Auch wenn ich die hierfür täglich bis zu 5-6 Stunden erforderliche Zeit manchmal anders hätte nutzen wollen oder können.

Dieses und die folgenden Bilder: Aufgenommen um 22 Uhr. So hell ist es hier auch am 11. August noch… Gute Nacht!