Eyjólfsstaðir( O km)/“nur” noch 163 km bis Seyðisfjörður – „MÜSSIGGANG I“

Jetzt ist es tatsächlich nahe Realität: Wenn ich für die nächsten 163 Reisekilometer bis Seyðisfjörður kein anderes Transportmittel benötige, bin ich 2021 bei „Waldorf on the Road III“allein in Island 3001 Kilometer und insgesamt 4001 Kilometer per Fahrrad unterwegs gewesen. Mit „unleichtem“ Gepäck. Mit zerlegbarer Reisegitarre (samt passendem Rucksackfutteral, Liedtexten, Zubehör 7 kg schwer) im absolut wasserdichtem Seesack, in dem ich nach Einkauf auch noch bis zu 13 kg Proviant verstaue, aufbewahrt*.
*Ich war in Gegenden unterwegs, wo Einkaufsmöglichkeiten mitunter erst wieder nach mehr als 200 km auftauchten, oder an Wochenenden, bzw. dann, wenn ich vorbeikurbelte, geschlossen waren.

Natürlich „absolut verrückt“ dieser Alte!…

Im Nachhinein entsteht eine Hochachtung vor eigenen, nach einer Krebserkrankung wiedergewonnenen körperlichen Möglichkeiten aus Bein- und Körperkraft, mentaler Verfassung und allen Erfahrungen der vergangenen Unternehmungen mit Familie, Schülern, den eigenen Radtouren 2006, 2008,2013, 2016. Selbstverständlich wird sich auch die beinahe lebenslange ambitionierte sportliche Aktivität aus Freude an der Bewegung in vielen Ausrichtungen auf die Leistungsfähigkeit im Alter von 67 Jahren (an „Erlebtem“ gefühlt von 200 Jahren) ausgewirkt haben.
Von außen betrachtet wirkt alles Sportliche „extrem“, Marsolleks Fremdspracheninteresse vom „Sprachtalent“ abhängig usw., usw.. Jedermann mag dies alles für sich selbst bewerten. Eines aber sollte nicht geschehen:
Die Fähigkeiten Anderer einem Talent, einer Besonderheit zuzuordnen, die der eigenen Individualität fehlt, um dies dann als wunderbare „Begründung/Entschuldigung“ zu nutzen, sich nicht mit einem interessanten Gebiet beschäftigen zu müssen, zu wollen oder zu sollen.
Interesse an der Welt, an 7 Milliarden Mitmenschen, Interesse an eigenen „Macken“ und den „Besonderheiten“ Anderer genügt schon, um sich auf den Weg zu machen. Ein Leben lang.
Immer nur in dem Zeitfenster, das jeder hier zur Verfügung gestellt bekommt…

ACHTUNG, die nachfolgende „landwirtschaftliche“ und weitere Betrachtungen benötige ich in einigen Tagen, wenn ich im Zusammenhang mit „ADVENTURE FOOD TEIL II“ auch humoristisch auf „Schlagwörter“ der Werbung und die von mir verspeisten „Kalorienbomben“ eingehen werde. Sie kann zunächst durchaus übersprungen werden!

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„MENTALITÄT“, „ANTIZIPIEREN“ sind „geschwollene“ Schlagwörter, will man(n) sich heutzutage im Fußballjargon als Experte ausweisen. Und das vielleicht gar, ohne jemals einen Ball getreten zu haben.
Mich mitgerechnet gibt es in Deutschland ja 83 Millionen Fußballbundestrainer aller Geschlechtsausrichtungen…
Den nachfolgenden Witz kenne ich zwar schon seit 50 Jahren, als die Aufmerksamkeit bezüglich rassistischer „Begriffsphänomenologie“ noch weniger den Alltag dominierte:

DIE VOLUMINÖSEN KAPAZITÄTEN SUBTERRARER AGRARPRODUKTE STEHEN IN REZIPROKER RELATION ZU DEN INTELLEKTUELLEN KAPAZITÄTEN IHRER PRODUZENTEN.
In Umgangssprache übersetzt genügen für die „MESSAGE“ sieben Wörter: „Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln.“

Wenn ich für mich „antizipieren“ einfach mit „vorhersehen“ übersetze, so habe ich bei meiner Reise und deren Vorbereitung – alle Erfahrungen berücksichtigend – viel geplant und musste dennoch stets einen Plan b, c,d… entwickeln, um dem Leben im JETZT aus der jeweiligen Situation heraus flexibel begegnen zu können.
Schon beim Zugeinstieg in Bochum zum Beispiel wurde einer meiner Markengummipantoffel abgerissen und blieb im Gleis liegen. Beim Ausstieg in Puttgarden war der Fahrradständer bereits umgeknickt gewesen, weil er die Ruckelei, das ständige Umräumen in trotz Pandemie überfüllten Zügen nicht verkraftete. Kleinigkeiten? Klar!
Auf Lolland (DK) half mir ein 81-Jähriger Fahrradmechaniker den Ständer geradezubiegen und fixierte die beiden Schrauben so fest, dass ich sie mit meinem „Bordwerkzeug“ nicht mehr lösen konnte. Der Ständer knickte danach noch mehrfach weg, ich konnte ihn aber (weil die beiden Schrauben hielten), ohne dass er brach, „in Position“ biegen und bedingt funktionsfähig halten.
Ein befreundeter Händler auf Langeland hatte für mich „passende“ Pantoffel aus China im Sonderangebot, ausgewiesen in Größe 45 (Eigentlich genügt mir bei Pantoffeln die Größe 43). Ich probierte nur den linken Pantoffel aus.
Indes, der linke Pantoffel war höchsten Größe 43, der Rechte höchstens 41. Er passte mir erst nach 2 Wochen einigermaßen.
Inzwischen sind beide Pantoffel „abgebraucht“, aber noch funktionstüchtig. Ich werde sie vor dem Zugeinstieg in Hirtshals aber entsorgt haben, um sie nicht auf irgendeinem Bahnsteig zu verlieren. Zuhause warten aber bereits neue Markenpantoffel aus Naturkautschuk auf mich: Der Rechte und Linke in passender Größe….
ZUSAMMENGEFASST: Eine Reise welcher Art immer muss selbstverständlich geplant und nach bestem Wissen aus aller Erfahrung vorbereitet werden. Gegebenenfalls muss der Körper fit gemacht werden, um den zu erwartenden Herausforderungen begegnen zu können. Dennoch werden aber immer unvorhersehbare Dinge geschehen, die alle Pläne ins Wanken bringen können – und sei es durch den Wind, wie bei mir etwa auf den Faröern oder bei der Fahrt zum (und um den) Snæfellsjökull geschehen.
ABER, gerade durch die „Unvorhersehbarkeiten“ die uns das Leben nicht nur auf Reisen zuhauf zu Verfügung stellt, habe ich gelernt, sie auch als Chancen/Möglichkeiten zu sehen, um Neues zu erkunden, Neues entwickeln zu können, oder Neuem mit Interesse zu begegnen. Und gelernt, sie mit wachsender Lebenserfahrung immer mehr schätzen zu können.

Bei meinen Single-Radtouren bin ich gewöhnlich IMMER OUTDOOR. Es sei denn, ich übernachte ausnahmsweise bei Freunden.
Wohnwagen-, Wohnmobil-, Camperreisende im gemieteten Pkw mit Schlafmöglichkeit hingegen, sind immer Indoor. Reisende mit gemieteten Pkw mit Zeltübernachtung auf dem Boden oder dem Autodach sind nur zur Nachtzeit Outdoor.
Als wir (mit Frau und Familie) Skandinavien mit Pkw und Zelten bereisten, gehörten wir zu der letztgenannten Gruppe. Es fanden aber auch mehrtägige Wanderungen mit Zelten statt.

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EXPEDITION QUALITY/ADVENTURE FOOD/EXPEDITION BREAKFAST/EXPEDITIONSFRÜHSTÜCK: (ADVENTURE FOOD TEIL I) Ina und Laurent sind auch Frühsufsteher. Als sie um halb sieben den Platz gen Nordisland verließen, winkte ich ihnen durch die etwas geöffnete Zeltluke zu.
Ganz süß und berührend und am späteren Morgen geschehen: Ich schrieb immer noch im Zelt, als mich von außen eine junge Frauenstimme auf Englisch ansprach. Eine junge Holländerin aus Utrecht stand mit einem „Strauß“ von gut 10 Packungen ADVENTURE FOOD verschiedenster Ausrichtung vor mir und bot mir alle gerne zum Geschenk an. Wir wechselten schnell ins Niederländische. Sie und die gestrigen zwei Niederländer gehörten mit drei Wagen zur Gruppe von Freunden, reisten zusammen um Island herum und schliefen in auf dem Wagendach der gemieteten Fahrzeuge fixierten Zelten.
Nett, wie sie mir gestern aus der Ferne (etwa 100m weit) applaudierten, die Daumen hoben, sich mit ihren Freunden offenbar schon über den in der Eishalle von Enschede trainierenden Deutschen, der seit bald 4000 km mit seinem fiets unterwegs ist unterhielten und beschlossen, ihn bei seiner für sie fassungslosen Reiseart zu unterstützen.

Ich war baff, ganz gerührt und suchte mir, ob der Vielfalt des Angebots, tatsächlich sieben weitere Tüten aus und versprach auch, sie wirklich ausprobieren zu wollen.*
Alles in der Zubereitung der Produkte war immer ganz einfach: Tüte aufreißen, kleines Sauerstoffabsorbertütchen herausfischen, Boden auffalten/weiten, je nach Inhalt mit heißem oder kalten Wasser bis zum jeweils nummerierten Strich auffüllen, umrühren, Tüte per Zippverschluss schließen, acht oder zwei Minuten warten und aus der Tüte mit einem Löffel entnehmen und genießen… ADVENTURE PUR!

*2x Expedition Breakfast, 2x Knusper-Müsli, Pasta&Funghi, 2x Mousse au Chocolat, 2x Vanilla Dessert und (von gestern) zwei nicht vegetarische Gulasch-Varianten mit Rindfleisch, welche ich nach Hause mitnehmen und im erweiterten Familienkreis verteilen werde.

Nachfolgend die Fotos der Adventure Nahrung, die ich noch kommentieren werde.

(Fortsetzung zur Adventure Food folgt in den nächsten Tagen unter:
EXPEDITION QUALITY/ADVENTURE FOOD/EXPEDITION BREAKFAST/EXPEDITIONSFRÜHSTÜCK: TEIL II)

…Schon morgens um 8 Uhr, als Gunhild kam, packte ich meine Wäsche in die Waschmaschine. Gegen Mittag war alles trocken. Klasse! Alles für nur 1000 Kronen (6€).

Ich faulenzte nachmittags, auch weil sich der Himmel verzog, probierte aber schon paar Packungen der Expeditionsnahrung aus und zog mich ins Zelt zurück, weil ein Nieselregen begann. Das Abendkonzert fiel aus. Viele motorisierte Camper kamen abends an, wie am Vortag. Direkt neben mir, nur etwa 5m entfernt, parkten zwei Insassen eines „Sexy-Camper“, unterhielten sich, ließen die laute Heizung laufen, knallten mit Türen, kümmerten sich nicht um die Nachbarn. Es war nervig, aber ich schrieb ja noch. Ich glaubte zunächst, es wären Isländer. Nach einer Stunde ging ich raus und sprach die auf Isländisch an. Es war aber ein junges, unbedarftes lettisches Pärchen. Lettisch kann ich noch nicht. Estnisch hätte ich zumindest verstehen können.
Russisch funktionierte aber: Ich fragte, ob sie ihre Kiste die ganze Nacht laufen lassen wollen, weil ich eigentlich schon seit 4000 km CO2-frei unterwegs bin und mir das nicht anhören wollte. Sie könnten ja 50 m weiter auf den Parkplatz fahren. Das saß, richtige Dumpfbacken waren die Beiden. Schnell räumten sie aber ihr Abendessen zusammen und waren nach 2 Minuten im vielleicht kuscheligen „Dont worry, be sexy“- Autobett. Der Klapptisch musste draußen übernachten.

Ich konnte gut schlafen, freute mich aber schon tierisch auf das trockne Wetter am Morgen und das erste Morgenkonzert auf Island neben einem „sexy- Camper“. Natürlich nur als Ersatz für das ausgefallene Abendkonzert gedacht ;-)…
Die nachfolgenden drei Fotos schoss ich am Morgen, als die Insassen noch schliefen….