Die macht des Vatnajökull(watnajökutl) Skaftafell-Jökulsarlón(56 km)

Etappe 29, Übernachtung 33

Ich konnte gestern mit Blick auf den Gletscher, im Trocknen und in Ruhe nahezu bei Windstille, kochen und alles für heute vorbereiten. Im Zelt war es gemütlicher zu schreiben, weil sich vom Gletscher her ein immer stärker werdender „Windhauch“ bemerkbar machte. Fertiggeworden, stellte ich fest, dass der Gletscher inzwischen auch starken Nieselregen mitführte, trotz einer Regenwahrscheinlichkeit von 0%. Das aufgehängte, schon fast getrocknete Handtuch war wieder nass geworden.

Der Nieselregen blieb, auch der leichte Windhauch vom Gletscher. Es wurde recht kalt. Das Außenzelt war äußerst nass, das Innenzelt trocken.

Ich wachte früh auf, knüpfte das Innenzelt wieder aus und startete kurz nach sieben Uhr bei 100 m Sicht, starkem Nieselregen und beginnendem Rückenwind. Gibt es diese Wetterbedingungen etwa bis Höfn? Dort glaubte ich abends nach 137 Kilometern ankommen zu können.

Beinahe hätte ich in diesem Bericht auf die Bilder von 2016 hingewiesen, die bei strahlendem Sonnenschein gemacht wurden. Wegen der beim Start nieselnden „Nebelsuppe“. Es kam anders.

Es wurden heute nur 56 Kilometer, ich radelte nur bis Jökulsarlón. Ich hatte ja viel Zeit. Und keine Eile. Und Muße. Wunderbar!

Viele Campingwagen von gestern passiere ich heute, noch „notdürftig“ in der Landschaft abseits der Straße „schlafend“ abgestellt. Oder sie passieren mich. Später. Vielleicht empfinden manche der Fahrzeuglenker beim Auftauchen eines Radlers am Straßenrand auch Genugtuung, dass es anderen noch schlechter ergeht, als ihnen. Besonders, als es zu Beginn meiner heutigen Etappe noch „nebelsuppt“. Mir hingegen geht es ganz ausgezeichnet! Der kleine Supermarkt mit Tankstelle und zwei E-Ladestationen, welcher sich schon eine knappe halbe Stunde nach meinem Start am Straßenrand aus dem Nebel herausschält, öffnet erst in drei Stunden. Da warte ich doch nicht! Wozu auch? Ich habe noch für eine knappe Woche Proviant „gebunkert“. Schön aber, dass ich meinen Kleinstmüll in die beiden großen und leeren Müllbehältern vor dem Supermarkteingang entsorgen kann… Ach ja, die ordentliche Adventure-Kolonne die ich gestern fotografierte, überholte mich heute schon wieder…, es ist eine deutsche Gruppe.
Ein großer Brumm-Brumm, weiß ( ähnlich dem schwarzen von gestern, mit dem Individualkennzeichen JOY „verfolgt“ mich seit den Westfjorden, also seit etwa 1000 km. Allein heute, beim Radeln, sah ich ihn zweimal wieder…

ANGEKOMMEN! Mein Zelt, das ich zwischendurch bei einer einstündigen, regenfreien Frühstückspause vom Wind trocknen ließ, setzte ich wieder wild in die Landschaft. Hier, ein paar Kilometer vor dem großen Touristentreff, wo man in Amphibienfahrzeugen und in Neopren-Sicherheitskleidung gepackt (und wie ein Michelin-Männlein aussehend) zwischen Eisbergen zum Gletscherrand fahren kann, gibt es keinen Campingplatz. Ich weiß aber, wo ein wilder Zeltplatz seit fünf Jahren auf mich wartet.
Ein naher See (eher Teich) wird mir genügend Wasser liefern, das ich „aus Erfahrung“ vorsichtshalber abkochen werde.
Heute werden die Restspaghetti angerichtet…
Ich erinnerte mich an den Platz, als ich das Verbotsschild für Autos sah. Camper und Brumm-Brumms mussten wieder „onroad“ bleiben…

Im Folgenden lasse ich – meistens kommentarlos- traumhafte Bilder durch sich selbst sprechen.
Alle fotografierten Gletscherzungen gehören zum Vatnajöküll, dem größten Kontinentalgletscher Europas, der, wenn er will, sich nichts aus Wettervorhersagen macht und immer selbst entscheidet, ob er einen Blick auf eine Landschaft freigibt oder nicht.

Nasser geht’s nicht…
Arktische Weißwangengänse
Breiðárlón(eine Zunge vom Breiðamerkurjökull, der wie schon erwähnt, ein verschwindend kleiner Teil des Vatnajökull ist.
Oben: „Mein Zeltplatz mit Blick auf die Gletscherzunge und die Eisberge; Unten 360°-Video vom Ufer der etwa 300 m vom Zelt entfernten „Eisberglagune“.