(Welch ein glück, dass es regnete) Vik-Skaftafell National Park (145 km)

Etappe 28, Übernachtung 32

Es gab doch noch ein halbstündiges „Konzert“ ohne große Resonanz. Die Platzbesucher blieben meistens in den Zelten, vielleicht wütend, dass ihnen der Regen den Grillsamstag verdorben hatte…. Ich kochte mir ein veredeltes Bohnengericht zu den verbliebenen Reisebroten und bereitete gleich den Reiseproviant für morgen vor.

Vorab ein Kraft-Rezept und eine Vorbemerkung zu den Campingplatzgewohnheiten „heutzutage“.

Vegetarische Vollkorn-Spaghetti für eine Person aus Proviantreserven auf den Westmännerinseln:
250 g Vollkornspaghetti im Salzwasser garkochen.
Spaghettisoße: 250 g Schlagsahne, Olivenöl nach Belieben, 1 Gemüsebrühwürfel, 100 g Butter, 80 g konzentriertes Tomatenmark, zwei große Knoblauchzehen kleingehackt, Kräuter der Provence und Cayenne-Pfeffer nach Belieben. Soße unter beständigem Rühren auf schwacher Flamme köcheln lassen, bis die Nudeln gar sind. Nach Anrichten (es wurden drei Portionen für mich) mit Parmesankäse bestreuen.
Lecker, aber nur zu empfehlen bei bevorstehenden Anstrengungen, damit die Kalorien auch wieder abgebaut werden können;-)…

Campingalltag: Ein Elternpaar aus Münster mit einer 15-jährigen Tochter war unweit meines Zeltes auf den Westmännerinseln. Sie fuhren einen Tag vor mir ab und übernachteten zum Samstag hin auf dem Campingplatz unweit des ersten gestrigen Wasserfalls. Es war ein Fehlgriff: Der Platz voll, die Besucher wollten das Wochenende feiern: Lärm ohne Ende… Heute früh traf ich sie, als ich mir auf dem heiß begehrten Wasserkocher in der Campingküche Tee aufbrühen wollte…

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Meine Campingplatzeindrücke von gestern Abend und heute früh: Bei meiner Ankunft gestern war der Platz noch recht leer, ich konnte in Ruhe duschen (300 Kronen für 5 Minuten, wegen Covid nur 2 Personen zugleich unter den vier Duschen zugelassen) und wollte mir die zweite Hälfte meiner Spaghettipackung in der Küche mit Rührei und brauner Butter bereiten.
Zurück vom Duschen sah ich die einzige Elektroplatte des Riesencampings besetzt. Da der Regen aufhörte, gab es am Zelt „Bohnen mit Broten“.

Gegen 22 Uhr ging ich zur Toilette und streifte nochmals Richtung Küche. Der Campingplatz war überfüllt, vor der Männerdusche eine Warteschlange. Im Küchenraum alle Plätze besetzt, keine Abstandsregeln, keine Masken, die Tische voll mit Bierdosen. Die bestimmt 20 Netzsteckdosen alle besetzt ( ich wollte eigentlich mein Powerpack über Nacht laden), alle Besucher in Kontakt, aber nicht miteinander, sondern im tippenden „Daumenmuskeltraining“ nach Hause, zu Freunden oder sonstwohin, um Mitteilungen über die Tagesernte an Eindrücken zu machen.
Ich stellte mir einen Wecker auf 8 Uhr, einen auf 9 Uhr, wollte ausschlafen und spät starten, da die Regenwahrscheinlichkeit für den Morgen bei 70% lag.

Ein Gewitter weckte mich um 1.28 Uhr. Ich ging, da es draußen lärmte nochmals meine Runde. Torkelnde Menschen auf dem Weg irgendwohin, die Küche gesellig, bierlaunig besetzt. Kaum erreichte ich das Zelt begann der heftige Gewitterregen. Ich schlief sofort ein. Um halb sieben: ausgeschlafen. Blick auf die Wetterprognose: Nanu, jetzt nur noch 12% Regenwahrscheinlichkeit, mittags aber mehr als 50%? Auch das Zeltinnere voller Kondensat. Ich begann schnell zu packen, knüpfte das Innenzelt aus, tupfte es mit Toilettenpapier ab und verpackte es gesondert. Das klitschnasse Außenzelt füllte den Zeltsack.

Reisefertig ging ich viertel vor 8 Uhr nochmals zur Küche, um mir Reisetee aufzubrühen. Es gelang, der Wasserkocher war aber heiß begehrt. Natürlich erregt ein Radler mit vollbepackten Rad bewundernde Aufmerksamkeit. Ich unterhielt mich mit Deutschen (Münsteranern, die mich nach 120 km überholt haben werden), mit Polen, mit einer tschechischen Reisegruppe. Und gab zu viele Auskünfte.
Der Wecker klingelte.
Wir mussten lachen, als ich sagte, es würde mir des Öfteren passieren, dass mein Wecker klingelt während ich schon wieder unterwegs bin.
zUm halb neun fuhr ich los. Draußen traf ich noch einen jungen Niederländer aus Eindhoven. Wir unterhielten uns über die Eisbahn, die auch er gut kannte und wo ich schon des Öfteren trainierte…

Windstille. Und nach 5 Minuten ein leichter Hauch von RÜCKENWIND.

Der Campingplatz war wegen Überfüllung geschlossen. Die „HAPPY CAMPERS“, oder wie auch immer die Leihautofirmen heißen, parkten außerhalb und die Insassen nutzten dennoch die Sanitäranlagen.
Felsenformation an der Schwarzen Küste vor Vik.
Diesen Icewear— und Supermarktkomplex gab es vor 5 Jahren hier noch nicht.
Hier, am Schwarzen Strand übernachtete ich Ende Juni vor 5 Jahren.
Es waren nur 30 km Lupinen, dann 30 km Gräser(oft Strandhafer), dann 30 km Moose und mehr als 30 km Schwarze Sande.
Erster Halt
Reife Krähenbeeren sind für mich immer sehr erfrischend…

Hier übernachtete ich vor 5 Jahren aus Vik kommend. Heute ging es doppelt so weit…

Durch den beständigen Rückenwind kam ich stündlich mehr als 20 km voran. Blieb ich stehen holte mich der Regen aus Richtung Vik kommend ein. Im Osten heller Himmel. Nach Fotos musste ich schnell weiter, um nicht allzu oft nass zu werden.

Nach reinen vier Fahrtstunden sammelte ich 85 km an. Dann drehte der Wind für 20 Kilometer, um mich ab Kilometer 100 wieder zu unterstützen.

Ich sah, dass die Regenwolke vom Berghang ausgebremst wurde. Ein Seitenwind zu Beginn der Skeiðarársandur machte mir die Entscheidung leicht, eine zweite, einstündige Essenspause einzulegen, bei der das Zelt mit Steinen in den Seilen aufgestellt trocknen könnte. Super!

Diese geordnete „Adventure-Kolonne“ fährt seit gestern ständig hin und her. Jetzt erwischte ich sie.
Dieser „Brumm-Brumm“ darf nicht einfach von der Straße in den Sand. Ich aber darf: per Rad.
Der Hvannadalshnúkur ist mit 2110 m der höchste Gipfel Islands. Er wird umrahmt von den beiden Gletscherzungen des Vatnajökull . Vor 5 Jahren konnte ich ihn bei blauem Himmel sehen…

Ich rolle und rolle und rolle, nach 144 km mit 20,3 km/h im Schnitt komme ich zum Campingplatz Skaftafell. ÜBERRASCHUNG: Dieser ist wegen COVID geschlossen, nur wenige Gäste, die seit Wochen reserviert haben, dürfen hinein. Das Mädchen erklärt mir, der nächste Zeltplatz sei 10 km entfernt, ich solle aber anrufen, um nicht auch dort zurückgewiesen zu werden.

„Ich bin schon beinahe 3600 km mit dem Rad unterwegs. Ich habe alles“, entgegne ich.

Wir blicken einander an und sie weiß augenblicklich, was ich machen werde. Wir beiden müssen einfach herzlich lachen.

Einen Kilometer aus dem „Bezahlbereich“ herausgeradelt, „parke“ ich mein Rad wenige Schritte neben der Straße und finde 100 m entfernt in einer kleinen Senke den idealen Übernachtungsplatz.

Alle motorisierten Camper müssen weitersuchen. Drei bleiben stehen (während ich auspacke bin ich noch sichtbar), versuchen Platz für ihren Wagen zu finden. Unmöglich. Sie müssen weiter.

Gute Nacht!

Im Stehen sehe ich die Straße und habe einen herrlichen Blick auf die kilometerbreite Gletscherzunge des Vatnajökull
Zelt und das liegende Rad sind von der Straße aus unsichtbar.