Hvalfjörður/Hladir – SandgerÐi( Trotz 100 km gegenwind 139 km)

Etappe 23, Übernachtung 24-25-26

Samstag, 24. Juli 2021

(Rückblick auf gestern Abend)

Hier am Museum gab es auch einen Hot Pot mit Schwimmbad, der Eintritt musste aber extra bezahlt werden und die Anlage schloss bereits, wie das Museum, um 17 Uhr.
Für Camper, ich war einziger Gast (Fahrzeuge waren auf dem Gelände nicht zugelassen), gab es in 200 m Entfernung direkt neben dem Hot Pot Umkleideräume für Männer/Frauen mit Toiletten und mit Duschen im Freien. Toiletten und Umkleiden waren überdacht.
Ich duschte mich solange heiß, bis ich froh war, wieder ins Kühle gehen zu können.

Alle meine Sachen waren außen nass und innen völlig nassgeschwitzt. Die lange Merino-Unterhose und das langarmige Merino-Shirt (beide schwarz) wiesen „interessante“ Salzmuster auf.
Ich verteilte alles, außer den Goretex-Sachen auf die Haken der Umkleide in der Hoffnung, sie am Morgen trockener vorzufinden.
Im Zelt musste ich sehr achtsam sein, dass der Schlafbereich (Innenzelt) trocken blieb. Erstmalig musste z.B. die Lenker-Klick-Tasche „draußen“, aber unter dem Außenzeltdach bleiben. Gitarre und Proviant „übernachteten“ völlig draußen, geschützt vom robustem schwarzen Seesack.
Einen gravierenden Schaden hatte ich aber doch: Die „Küche“ (Lowrider-Tasche rechts) „zog Wasser“. Die umweltfreundlicheren Varianten der Ortlieb-Taschen*, die ich seit der Fahrt 2006 („18 Nächte zur Mitternachtssonne“) nutze, und die sich auch 2008, bei der nirgendwo dokumentierten 2000-km-Tour durch Südskandinavien** hervorragend bewährt hatten, litten offenbar unter dem Aufbügeln verschiedener Partnerlogos der Touren „From Bochum to the Universe/Waldorf on the Road l+II+III“***.
Die „Reise-Küche“ (u. A. mit Kocher, Töpfen, Geschirr, Besteck, Brettchen) litt so sehr, dass die Tasche innen mehr als nur feucht war. Ich wischte alles möglichst trocken, packte es in eine Plastiktüte gehüllt wieder ein. Die feuchten Streichhölzer bekamen einen anderen Platz (ich habe noch Ersatz und zwei Feuerzeuge mit).

*Ortliebtaschen aus Lastwagenplane verwendete ich seit Anfang der 1990-er Jahre als Lehrer bei Klassenfahrten. Ich verschenkte sie nach dem Kauf der neuen Taschen 2006.
**2008 radelte ich mit Minigepäck plus meinen Rennskates von Bochum nach Rügen, übersetzte nach Bornholm, später nach Südschweden, besuchte in der Laholmbucht „urlaubende“ Freunde aus Dortmund und setzte auf der Rückfahrt (Varberg – Grenå – Århus- Puttgarden) für 2 Tage auf die „Wüsteninsel“ Anholt über, wo ich, wie an den meisten Stellen, zusätzlich zur Entspannung, einen Marathon auf Inlinespeedskates rollte). Diese zweiwöchige 2000 km-Tour nannte ich für mich: „Mit Bike und Skates durch des Nordens Süden“.

*** I.: 2013 in 66 Tagen 10.000km rund um Skandinavien;
II.: 2016 in 4 Wochen 2600 km rund um Island;
III.: Die gegenwärtige Reise durch Dänemark, die Faröer Inseln und rund um Island.

Hvalfjörður-Sandgerði:
Es regnete die ganze Nacht. Zum ersten Mal konnte ich um 1:28 Uhr keine Uhr ablesen, so dunkel war es. Später wachte ich auf, wegen einer Regenpause vielleicht, und begann zu packen. Und ich ging zum „Heißduschen im Freien“. Die ausgebreitete Kleidung war tatsächlich etwas trockener geworden. Nach der Dusche war es auch viel leichter, sie im Freien kalt anzuziehen.

Um 4.45 Uhr fuhr ich los.
Gegenwind (von den an diesem Tag in über 12 Stunden zurückgelegten 139 km (es wird die zweitlängste Islandetappe 2021 werden) werde ich 9 Stunden Dauerregen und 110 km Gegenwind erlebt haben). Auch wenn das Streckenprofil bei weitem nicht so schwer war wie in der letzten Woche, so ging es doch bei unangenehmen Wetter beständig auf und ab. Nicht nur in den verbliebenen 50 Kilometern um den Hvalfjörður herum, sondern bis zur Abfahrt zum Flughafen Keflavik.

Einzig für wenige Sekunden schien die Sonne beinahe durch, als ich mich an der Abfahrt zum Þingvellir befand und auch die hier befindlichen Wasserfälle beleuchtete (auf dieses Touristenmuss verzichte ich auch 2021 wieder).

An der Ringstraße 1, direkt am Ausgang des für Radfahrer verbotenen Meerestunnels Richtung Akranes das gleiche Abbild wie gestern: Lastwagen und Touristenkolonnen ohne Ende, ein Radler am Rand kriechend unter ihnen. Im Regen. Gratis-Seitendusche inbegriffen.

20 km vor dem Zentrum Reykjaviks leitet mich mein Rad-Navi bei Mossfellsbær von der Hauptstrecke ab und bietet zum Teil neue, manchmal schwer zu entdeckende Radwege bis in die Hauptstadt und bis zur Stadtgrenze Richtung Keflavik.

Als Bewohner der „Radlerstadt Bochum“ (Ha, ha, hi hi, ho ho!!!) bin ich fasziniert, was sich hier seit 5 Jahren getan hat. In letzter Konsequenz ist es aber doch so, dass sich alle Radwege in beständigen, anstrengenden Auf- und Abfahrten um die Hauptverkehrsadern schlängeln und meine Gesamtstrecke letztlich von 130 km auf 139 km verlängern.

Hätte ich doch auf den Autostrecken weiterkurbeln sollen?

Nein! Denn letztlich gewann ich doch ganz andere Eindrücke von der Hauptstadt, als vor 5 Jahren. Und erlebte zugleich, dass selbst Isländer, die häufig mit e-Rollern die Strecken befahren, verwirrt sind, wenn sie nach dem Radweg Richtung Keflavik gefragt werden.

An der Westgrenze Reykjaviks hatte mich dann doch noch die „Flughafenautobahn“ nach Keflavik wiedergefangen. Da musste ich mangels Alternativen einfach durch.

Der Dauerregen ließ nach vielen Stunden nach. Ich wurde aber beständig von Nieselschauern begleitet.

Der „Mustervulkan“ Keylir im Regen. Hier weiß ich noch nicht, dass es sich bei der über der „Autobahn“ hängenden Wolkenbank um die stinkenden Ausdünstungen des plötzlich ausgebrochenen, etwa 8 km entfernten Fagradallsfäll handelt. Ich werde es bald merken…
Der berühmte, seeehr teure Hot Pot, die „Blaue Lagune“ – Abwässer eines Wärmekraftwerks („Was der Eifelturm für Paris, das ist die Blaue Lagune für Island“, habe ich in einem ganz neuen Reiseführer gelesen) liegt in der Nähe des entstehenden Schildvulkans, der vielleicht noch über Jahrhunderte hinweg aktiv sein wird…

Kurz vor Keflavik wurde es freundlicher, die Sonne schien und an der Abfahrt zum Flughafen riss hinter mir ganz plötzlich, aber nicht unerwartet, der Verkehrsstrom ab.

Das Zelt trocknete schnell im Trockenen draußen. Meine gebrauchten Kleidungsstücke „besuchten“ die Waschmaschine und wurden zum Trocknen aufgehängt. Meine Freunde, die ich vor zwei Jahren auch in ihrer ersten, polnischen Heimat besuchte, bereiteten ein herrliches, traumhaftes Essen vor. Auf mich wartete ein an Köstlichkeit nicht zu übertreffendes Lachsfilet im Backofen.


Ich werde hier in Sandgerði zweieinhalb Tage verbringen und viel Kraft tanken, bevor ich meine Reise ohne Eile in der Nacht zum Dienstag fortsetze. So kann ich Reykjavik erreichen, bevor der übliche „Autobahnverkehr“ einsetzt. Der Wind soll dann viel schwächer, das Wetter viel freundlicher geworden sein. Heute gießt und stürmt es.

Ich melde mich wieder bei meiner nächsten Station, sofern es von dort aus technisch möglich sein sollte.

Durch die gestrige „Langstrecke“ bin ich übrigens seit dem 1. Juli inzwischen 2009 km allein durch Island geradelt. Ganz CO2-frei (und mit Gitarre im Gepäck). Verrückt aber wahr. Natürlich wird auch hier gemeinsame Hausmusik gemacht, täglich…

Ergänzung: Der Vulkan Fagradalsfjall ist seit Anfang April (vielleicht für 300 Jahre) aktiv und verbreitet Lava über zwei unbewohnte Täler. Angesichts der Wetterlage und meiner weiteren Pläne spare ich mir den Besuch der „Sensation“, die nur etwa 25 km von meinem gegenwärtigen Aufenthaltsort passiert. Inzwischen muss man, wenn man hingelassen wird, mehrere Kilometer wandern, um etwas aus wesentlich größerer Entfernung, besonders, wenn es jetzt wieder dunkler wird, zu sehen.

Renata war in den ersten Tagen des Ausbruchs ganz nahe am Krater und stellte mir vier iPhone-Bilder zur Verfügung. Von einer Stelle aus aufgenommen, die jetzt weit umgangen werden muss, weil dort inzwischen eine dicke Lavaschicht liegt.
Danke!