Stykkishólmur- Hellisandur (73 km)

Etappe 20, Übernachtung 21

Gibt es Steilpässe in der Horizontalen? Ja, selbstverständlich. Wenn der Wind es so will…

Es stürmte die ganze Nacht. Gut, dass ich gestern abbrach. Ich sah einen Pkw mit aufklappbarem Campingwagenanhänger in eine Kleinststraße hineinfahren. Auch, weil an der Abzweigung ein Schild auf Übernachtungsmöglichkeiten hinwies, bog ich ab.
In der Ferne sah ich das die drei Hütten besetzt waren.

Am Bauernhaus meldete sich bloß ein riesiger Hund, mit dem ich mich befreundete. Keiner öffnete.

Bei der Abfahrt sah ich, dass der Hauseigentümer des Hauses zuvor seinen PKW mit Frau auspackte. (Er war es mit dem Campinganhänger). Auch mit seinem großen Hund befreundete ich mich.

Natürlich war er völlig fassungslos über meine Islandreisen…

Der Wecker um 6 Uhr ließ mich alles packen. Ans Teekochen am Berg bei diesem Wind war nicht zu denken. Tagesproviant packte ich mir schon abends zurecht. Um 7.30 Uhr Start.

Es war wohl der gefährlichste Tag meiner Reise, ich bin glücklich und unbeschadet an einem ganz neuen, noch nirgendwo verzeichneten Campingplatz gelandet (Das Sanitärhaus+ Küche+ WLAN seit 3 Wochen eröffnet) und spielte bis soeben sogar eine Stunde lang Gitarre.

2021 wollte ich ja unbedingt „Island in Klein“ also die Halbinsel mit dem auch aus 100 km Entfernung sichtbaren sagenhaften Gletschervulkan SNÆFELLSJÖKULL bereisen. 2016 radelte ich nach Stykkishólmmur und zurück übers Fjäll, bog jeweils etwa 50 km vor dem 1446 m hohen Berg ab.

Heute kam ich bei bald wolkenlosen Wetter durch Traumlandschaften die sich in meinen Fotos/Videos resümierend widerspiegeln. Deswegen hier nur Stichpunkte:
Höchste Streckenerhebung des Tages: 100 m. In der ersten Stunde, trotz größter Verausgabung (Gegenwind) 6 km. In der zweiten mit schwerem Seitenwind 10 km. Pause mit Frühstück und Teekochen in einem fast windstillen, warmen, kurzen Lavabereich. Anschließend bis Ólafsvik (60 km) orkanartiger, in Sekundenbruchteilen an Stärke wechselnder Seitenwind. Etwa zehnmal von der Straße geschmissen worden ( im Grus gebremst) oder zur Straßenmitte katapultiert, wenn Winddruck für Zehntelsekunden ausfiel. Einmal Rad umgefallen. Bergab mit 10 km/ h mit einem Bein am Boden schleifend. Bei Gegenverkehr immer gleich abgestiegen. Bei Verkehr von hinten, wenn selbigen bemerkt, ebenfalls. An Tankstelle in Ólafsvik erfahren, dass die Gesamtstrecke inzwischen asphaltiert ist. Supernachricht! Noch 13 km weitergefahren Camping entdeckt Snæfellsjökull immer wieder gesichtet und fotografiert. Hatte vor, noch 36 km weiterzufahren. Aufziehende Wolken, Nebel und Niesel, ließen mich in Sekundenschnelle umentscheiden…


Die Nordwellen waren auch überrascht vom starken Südwind