Örlygshöfn-PatreksfJörður-Stykkishólmur(106 km)

Etappe 19, Übernachtung 20

Kurz vor dem Start um 6.10 Uhr von der Seitenausgangstreppe aus gesehen.

Tagebucheintragung 20.7. 2021 auf der Überfahrt von Brangslæs nach Stykkishólmur auf „Baldur“:

Örlygshöfn-Patreksfjörður- Stykkishólmur-? 97km(+60 km Fähre, nicht mitgerechnet)

Um 6.15 Uhr losgefahren.

Abends noch etwas sortiert, dann schnell in Tiefschlaf versunken, kurz vor 5 Uhr vom Wecker geweckt. Ausgeschlafen.

Gepackt, Rad beladen (Zelt trocken „eingetütet“). In der Küche letzte „Reisebrote“ von gestern gefrühstückt, frischen Tee aufgebrüht.

Sturmvögel

Auf den ersten 20 Kilometern begegnete mir kein Fahrzeug. Kurz vor der Abzweigung nach Patreksfjörður überholte mich ein Adventure-Fahrzeug*, wahrscheinlich mit einem Nachtwanderer vom Látrabjarg. Direkt danach kam mir ein Adventure-Fahrzeug* entgegen, wahrscheinlich wollte der Insasse möglichst früh am Vogelberg sein.

*Ein Adventure-Fahrzeug braucht Mann natürlich, also ein vierradbetriebenes Geländefahrzeug mit sichtbar platzierten Ersatzreifen, Benzinkanister, Alusandbrettern (falls Mann mal steckenbleiben sollte) einer Sandschaufel zum Ausgraben und – ganz cool – einen Auspuffausgang in Dachhöhe, falls das Vehikel mal „unter Wasser“ geraten sollte, bei einer zwingenden Flusspassage AUF DEM WEG ZUM BEISPIEL ZUM LÁTRABJARG, wenn er zufällig gerade kein Trekking-Rad zur Verfügung hat, oder ihm körperlich-mentale Fähigkeiten fehlen, ohne „Bleifuß“ dorthin zu gelangen…

Ich gelangte schon fünf nach Neun ins verschlafen wirkende Ortszentrum und befragte einen tatsächlich schon gartengestaltenden Isländer nach dem Supermarkt (200 m entfernt). Wir unterhielten uns danach bestimmt 10 Minuten, auch über den warmen Sommer, meistens aber beantwortete ich seine Fragen zu meiner Rad-Tour. Und er kam aus dem Staunen nicht heraus.

In der Nähe des Supermarktes angelangt, fragte ich nochmal nach, denn ich erkannte den Laden nicht ohne Weiteres.

Er war erst seit 9 Uhr geöffnet, ich war der einzige Gast und die Mitarbeiterinnen waren vollauf damit beschäftigt , frische Ware einzuräumen, Listen zu studieren  u. ä..

Ich kaufte ein, in Ruhe, bestimmt an die 13 kg, für eine ganze Woche eventueller Unabhängigkeit, wohl wissend, dass ich gleich über den 411 m hohen Pass werde steigen müssen. Mit über 40 kg Gepäck.

Und in den Waden begann mich der Muskelkater zu zwicken, vom gestrigen Wandern.

1 kg Proviant „vernichtete“ ich gleich an Ort und Stelle, beim Verpacken.

Blick aus etwa 240 Höhenmetern auf den Patreksfjörður
Ich nenne ihn „Der Nebelmann“ (vom Norden aus aufgestiegen etwa 70 Höhenmeter vor der Passhöhe).

Zum Glück war ich schon 35 Kilometer warmgeradelt. Zum Glück störte der Muskelkater nur beim Gehen. Aber da wartete die Option, hinterm Pass und 20 km vor der Fähre nach Brjánslækur eine mehr als einstündige Unterbrechung an dem Hot Pot von vorgestern zu machen. Mit Frühstucken Warmbaden usw.

Der Wind meinte es gut mit mir, mit Ausnahme des Hochebenenbereiches, wo er mir „stürmisch querkam“. Ich schaffte es. Nach einer Stunde und 20 Minuten ging es in Schussfahrt bis über 60 km/h fast 6 Kilometer lang herunter.

Am Meeresrand starker Rückenwind. Herrlich!

Eine Gruppe polnischer Touristen, etwa 15 Personen, füllte das kleine Becken und genoss die Wärme.

Ich frühstückte lange in Ruhe und ging zum Umziehen hinein. Ein Isländer, der kurz vorher das warme Becken verlassen hatte, gab mir Tips zu Fahrt zum Snæfellsjökull. Wichtig war die Information, die Küstenstraße sei flach und meistens asphaltiert. Ich freute mich über die Möglichkeit, Isländisch zu sprechen.

Erst beim Einstieg ins Becken überraschte ich die Polen mit  „Dzień dobry!”

Die Reisegruppe aus ganz Polen war erst gestern herbeigeflogen, für nur eine Woche hier und wollte heute zu den Papageitauchern. Der erfahrene junge polnische Reiseleiter („isländischer“ Bart, lange Haare oben zum Knoten geknüpft, sportliche Erscheinung) versicherte mir, letzte Woche auch im Anfangsbereich noch viele Papageitaucher  angetroffen zu haben.

Vielleicht war das Wetter gestern früh doch zu stürmisch, vielleicht war ich wegen des aufkommenden Küstennebels doch zu früh dort? Hoffentlich hatte ich mit der im gestrigen Bericht geäußerten Vermutung Unrecht.

Später war ich mit Konrad aus Krakau nochmal kurz im Kleinbecken (sehr glitschig und ganz surreal wirkend). Und endlich sah ich auch das Meer durch Flut wiederkommen.

Die wild zeltenden Polen mussten weiter.

Eine in Kopenhagen wohnende dänisch-isländische Familie kam zum Baden. Ich zeigte ihnen den Kasten zum Geldeinwerfen und wir unterhielten uns lange sehr nett.

Nach anderthalb Stunden, die meinen Waden guttaten fuhr ich los.

20 km und ich erreichte das Kleine Ersatzcafé in Fähranlegernähe. Ein Tee und zwei Stücke leckeren Kuchen taten sehr gut. Und das Essen auf der Fähre, die ich wieder als Erster befahren durfte. Nach 98 Kilometern (+60 km Fährenüberfahrt) bin ich den Westfjorden richtig entrückt. Ich werde noch 19-20 Kilometer Richtung Westen losradeln und bestelle beim Universum einen vermutlich wilden Zeltplatz.

Der Gegenwind war einfach zu stark (106 Gesamtkilometer, ohne Fähre). Ich fragte einen Bauern nach einem Zeltstellplatz und bekam die Stelle am Berg zur Verfügung gestellt. Danke!

Ich rechnete in etwa durch. Renata, unsere polnisch-isländische Bekannte von vor 5 Jahren, kehrt am Donnerstag mit Familie aus Polen zurück. Wenn alles gut klappt, werde ich sie am Wochenende in Sandgerði bei Keflavik besuchen.

Baldur, die Fähre legt gleich in Stykkishólmur an. Schön, dass ich bei der Überfahrt schon am Tagesbericht arbeiten konnte.