Flókalundur- LÁtrabjarg/Örlygshöfn (74 km)

Etappe 17, Übernachtung 18

Um 5 Uhr aufgewacht, Bilder in die letzten 3 Berichte eingepflegt.

Im rechten Zelt wohnt Bellinda(ich hoffe, ich habe Eure Namen nivht verwechselt).

Bellinda, eine Deutsch-Amerikanerin, die zunächst 17 Jahre lang in den USA aufwuchs, als Übersetzerin arbeitet und jetzt schon fast fest in ihrem isländischen Haus in Ísafjörður lebt, ist mit der Insel seit langem sehr verbunden und möchte hier ihre Zukunft verbringen. Früher machte sie auch viele Wanderungen, Radtouren und Sport. Jetzt bereist sie ihre dritte Heimat per Auto. Und kennt sich gut aus.

Da mein Proviant knapp ist, schenkt sie mir etwas und bedankt sich für das schöne musikalische Erlebnis gestern Abend. Mein Riesengepäck wird „taxiert“, bewundert und fotografiert.

Um 8.15 Uhr fahre ich los. Nach einer halben Stunde schon erreiche ich die Anlegestelle der Fähre „Baldur“. Diesmal brauchte ich kein Schiff über den Fjord, aber bei der Südfahrt nach Stikkelsholmen werde ich sie nehmen.

Das Café, an dem ich hoffte mich mit einer Tagessuppe und Kuchen zu stärken, ist geschlossen. Immer noch, und zwar seit Sommer2020. Pandemiebedingt.
300 m weiter, wahrscheinlich das Familienhaus der Betreiber, lädt ein Café mit etwa gleichem Angebot ein. Ab 12.30 Uhr. Es ist kurz vor neun…

Bæ, bæ!

Wind und Wolkennieselregen begleiten mich. Es ist frisch, trotz der Regensachen. Das Meer „läuft“ weg.

Nach 22 km bin ich durch die Begegnung mit dem Gegenwind verschwitzt und ziehe Die Laufhose unter der Regenhose und zwei Jacken aus.

Ich glaube, in 4 Kilometern kommt der über 400 m-Aufstieg über den Pass. Verschätzt, der ist erst in 14 km dran. Mir wird kalt, ich habe Hunger, kriegte ich doch am Fähranleger nichts.

ACH WIE SCHÖN, passiere ich doch plötzlich und ganz unerwartet gerade die Stelle mit dem Hinweis auf den Hot Pot.
Dieselbe Stelle, an der ich vor 5 Jahren nach dem Atlantikbad vorbeigefahren bin, achtlos.
Wo ich damals aber doch beschloss, beim nächsten Besuch Islands JEDE warme Badestelle aufzusuchen.

Zwei Autos standen an dem provisorischen Parkplatz: Israelis, beim Erstbesuch Islands inspizierten die Stelle.

Ich kannte mich ja aus. Im Prinzip. Als Dauerwarmbader der letzten Tage!!!

Und „wissend“ fand ich plötzlich tatsächlich sofort alles:


Ein 1000Kronen-Schein in den Roten Kasten(6€), weiter zum Umkleidepavillon: Durch die Mitte herein, nach rechts die Damen, nach links die Männer zum umziehen und vorduschen, an den Seiten wieder zurück an die Luft und ins Vergnügen.

Isländer, die gerade vom Látrabjarg zurückkamen fragten, ob sie mich fotografieren durften. Klar.

Ich sprang aus dem fast heißen Becken und holte mein IPhone vom Rad.
Die nächste Familie kam vorbei. Die Frau fotografierte mich. Und ich machte dann auf deren Wunsch Erinnerungsfotos für sie.


TRAUMHAFT!

Nach 40 Minuten war ich komplett aufgewärmt, trocknete und zog mich an und genoss draußen ausgiebig mein vorbereitetes Frühstück.

Der 410m-Aufstieg am Pass kann kommen!

Genau um 12 Uhr verließ ich die Anlage, um 13.20 Uhr begann der Aufstieg. Genau nach einer Stunde war ich oben. Im dichten Wolkennebel. Sichtbarkeit höchstens 30 m, bei 6°C Wärme.

Seeeehr lange Schussabfahrt, unten, bei Sonnenschein bis 65 km/h schnell. Kalt, aber der Ausblick nach unten beeindruckend!

Láutrabjarg 46 km/ Patriksfjörður 14 km..

In diesen ersten Ort seit 200 km – eigentlich schon im nördlichen Teil der Halbinsel der Westfjorde gelegen – fahre ich am Dienstag hin, um mich vor dem mächtigen Passanstieg „mächtig und für Tage zu verproviantieren…

Der Asphalt hört auf, endlose Kurbelei auf der Schotterstrecke, bis ich ankomme.

Das Haus mit Gästezimmern, etwa 20 km vom Látrabjarg entfernt ist noch da.. ich erkenne den Mann wieder. Die Frau ist nicht mehr da.. 2×2000 Kronen Platzmiete fürs Zelt vollausgestattete Küche, Internet inklusive.
Der Hausherr schenkt mir zwei hartgekochte Eier und etwas Käse als Proviantergänzung. DANKE!

Ich will morgen um 6 Uhr bei den Vögeln sein. Für etwa 12 Stunden.

Ach ja, 5 Jahre lang ärgerte ich mich, das ich das urige Museum in Sichtweite meines Zeltes nicht besucht habe. Heute ist in Island Museumstag, sagte mir Bellinda heute früh. Ich nahm die Gitarre und radelte hin.

Halbe Stunde vor Schließung drang ich ein.

Ein erfolgreich-stressiger Tag für die Betreiber. Fullhouse!

Eintritt, Kuchen und Lachsschnittchen gab es gratis.

Danke, Isabella und die Anderen.


Ich knipste alles wie ein Schnelltourist, spielte zwei Lieder und verschwand, um das Zelt einzuräumen, das Essen zu kochen, zu duschen und zu schreiben.

Morgen, sehr früh, geht es von hier zu den Papageitauchern von Látrabjarg.

Die beiden aus der Nähe von Liverpool stammenden Engländer sah ich übrigens heute Vormittag noch kurz oben, als ich mich anschickte, unten ein Wärmebad zu nehmen.

Sie winkten mir zu und mussten nach Patrikfjörður. Deren Proviant war komplett alle. Vielleicht sehen wir uns morgen hier wieder?