(Hólmavik) – Reykhólar/„Rauchlöcher“ (67 km) //Tschüss Hólmavik/Drangsnes/Ísafjörður&Co.(Tagebucheintragung Fr.16. Juli(in Djúpidalur zusammengefasst)

Etappe 14, Übernachtung 15

Ich hatte ja gestern Abend Zeit, meine noch vor mir liegende Gesamtstrecke und den etwaigen Zeitbedarf für sie abzuschätzen. In Richtung Ísafjörður lag morgen ein um noch 100 m höherer Anstieg als heute vor mir. Bei Gegenwind wie gestern bräuchte ich für die „Nordschleife“ eine Woche zusätzlich, zumal ich noch nicht wusste, ob ich anschließend durch die langen Tunnelstrecken um Ísafjörður/Þingeyri darf, oder doch als Anhalter auf Anhänger oder Busse angewiesen bin. Alte Gruswege musste ich dort ohnehin mehrfach angehen.
Diese Zusatzwoche Zeit hatte ich nicht zur Verfügung.
Auch reizten mich die in Reiseführern besonders erwähnten Hot Pots von Drangsnes.
Jedenfalls beabsichtigte ich zunächst, mich in Hólmavik, dem mit 500 Einwohnern größten Ort dieser Gegend mit genügend Proviant zu versorgen und dann weitersehen.

Der Entschluss fiel über Nacht im Schlaf. Und der starke Gegenwind aus Hólmavik beim Zeltabbau im Trockenen bestätigte meinen Entschluss, die wesentlich kürzere und nur mit einem Grusweg belastete „Südschleife“ zum Vogelfelsen Látrabjarg zu nehmen. Gesamtentfernung gut 300 km.

Kurz nach dem Start begann der Wind zu drehen un kam plötzlich von Südwesten.

Entdeckung am Wegesrand.

8 km vor Hólmavik, ich bin gerade 10 km geradelt, zweigte die 61 Richtung „Südschleife“ an. Genau aus jener Richtung kam der immer stärker werdende Gegenwind. Jetzt zum Proviantholen nach Hólmavik, um dann 8 Zusatzkilometer gegen den Wind zu bestehen? Ich wollte ja heute nach Reykhólar, auch weil es dort eine Warmbademöglichkeit gab und schwarzes Lavasalz aus einer Fabrik ganz in der Nähe. Vor allem aber: der Ort hatte 150 Einwohner und einen kleinen Supermarkt. Proviant bis pdorthin hatte ich dicke genug.

Tagebuch Fr.16. Juli(in Djúpidalur zusammengefasst)

Tschüss Hólmavik/Drangsnes/Ísafjörður&Co.

Diesmal nicht.

Der Anstieg Richtung „Südschleife“, auf der 61 war asphaltiert, 17 km lang mit etwas über 3 % Durchschnittssteigung, obwohl 370 m hoch, eigentlich eine Lapalie. Eigentlich. Kaum bin ich etwa 50 Höhenmeter gestiegen, begann er mir immer stärker entgegenzublasen. Bald war er so stark, dass er mich zu beherrschen versuchte. Ich kam nur noch mit 4-5 km/h voran und hatte größte Mühe, die Balance zu halten. Je höher ich kam und müder wurde, wurde er schneller. Zunächst vielleicht 10m/s, dann 20m/s, dann vielleicht noch mehr. Eine Stunde arbeitete ich ohne Pause, dann eine halbe Stunde, danach 20 Minuten. Zum Schluss kurbelte ich jeweils 500 m und blieb etwa für 2 Minuten stehen, was bei den Windböen schwerfiel. Ich hatte einfach keine Möglichkeit, bei 4 km/h und weniger durchzupusten, weil ich Zuviel Armkraft fürs Balancieren verbrauchte.

Der Windlärm in der Regenjacken-Kapuze unter dem Helm war unbeschreiblich laut.

Nach über zweieinhalb Stunden war ich auf 370 m Höhe. Der Wind aber blies weiter so stark, dass ich bei der Abfahrt, statt 60-65 km/h nur zweimal trotz vollem Pedaleinsatz kurz auf 23 km/h kam, ansonsten aber bei 10-12 km/h blieb. Bei der Abfahrt!

Nach kurzer Zeit auf der 60 erreichte ich die Abzweigung nach Reykhólar. Der Wind blies mir nur noch schwach entgegen, da fielen die vier 100-150m hohen Anstiege auf den 15 km bis zum Ziel gar nicht mehr ins Gewicht.

Der kleine Supermarkt mit Restaurant war leicht zu finden, die Bedienung war nett, ich bekam alles, sogar schwarzes Lavasalz.

Der Bademeister gab mir noch kurz die Möglichkeit , ein paar Erinnerungsaufnahmen zu machen…, das Bad war eigentlich schon geschlossen.

Und ich erfuhr, wo sich Campingplatz und Schwimmbad befinden.

Das Zelt war schnell aufgebaut, das Schwimmbad geöffnet bis halb neun. Gill(Gillian) und Bill(William), zwei Amerikaner (61), gerade im Ruhestand und hier für 4 Wochen mit Mietwagen unterwegs, bauten umständlich ihr einfaches Zelt auf und staunten, wieviel Gepäck ich mithätte. Ich versprach ihnen ein Gitarrenkonzert für den Abend, wollte aber erst einmal schwimmen gehen.  

Eintritt: 240 Kronen(1,60€). 

Wie tat doch das knapp 30°C warme Wasser des Schwimmbeckens (etwa 20x10m) den geschundenen Beinen gut. Und erst die zwei etwa 35 und 40° heißen „Konversationsbecken“…

Ein isländisches Ehepaar aus Reykjavik, das mich auf dem Weg hierher radeln sah, sprach mich an. Ich erfuhr viel Neues. Da waren auch schon Gill und Bill im Wasser.

Sie aßen draußen während des Regens, ich badete heiß.

Vielleicht an dieser Stelle ein interessanter Hinweis auf das know how des Badens in Hot Pots oder Badeanstalten in Island:

Island hat 145 ähnliche Anlagen, wie ich gestern im 40°Pool von einer stolzen Isländerin erfahren habe).

Regel: Männer/Frauen getrennte Eingangsbereiche, Latschen lässt man draußen, kleine Schränkchen, wo man gratis alle seine Sachen abschließt. 

Bedingung: Im Duschbereich ohne Badezeug mit Seife (Seifenspender) abduschen, Badezeug anlegen und ab nach draußen ins Vergnügen.

Danach abduschen, Badezeug in einer kleinen Trommel mit 7000 Umdrehungen für 10 sek. stecken, Deckel zudrücken und es ist fast trockengeschleudert.

Das Verrückte, der zeitlich nur von Öffnungszeiten limitierte Aufenthalt(Schließung 20.30 Uhr) kostete mich gestern 245Kronen. Großzügig gab ich dem Kassierer 300 Kronen, was ziemlich genau 2€ ausmacht.

Da werde ich mir doch nicht bei Keflavik die Blaue Lagune antun, wo der gleiche Spaß, ich glaube zeitlimitiert, bereits vor 5 Jahren 45€ kostete. Soweit das Baden betreffend.

Ich habe zwar noch nichts gegessen seit meiner Ankunft. Spielte aber dennoch zuerst eine Stunde Gitarre für die Amerikaner. Der Platzwart freute sich auch über die Musik, als er die 1500 Kronen Standardmiete kassierte

Wir machten mit Bill und Gill lustige Erinnerungs-Selfies.

Danach wollten Hinger und Durst gestillt werden. Ich hatte ja gut eingekauft.

Als ich noch später die Wetterkarte prüfte, sah ich, für morgen Regen angesagt.

Übermorgen sollte es aber sowohl hier, als auch im 130 km entfernten Flókalundur sonnig sein. Ich konnte doch den morgigen Regen im Schwimmbad aussitzen ins übermorgen gegen 6 durchstarten und vielleicht bis Flókalundur kommen. Das mache ich so!

Was kümmert mich mein doofer Beschluss von soeben: Morgen kommt es doch ganz anders…