Staðarskáli – Fast Hólmavik/vestfjörður(111 km), „RegenseiDank“

Etappe 13, Übernachtung 14

Um 8.15 Uhr als erster vom Platz aufgebrochen. Zelt trocken verpackt. Die beiden Kölnerinnen, für die ich gestern, als sie ankamen mein Programm änderte und „Loch Lohmond“ anstimmte (Stadionlied des FC Köln) saßen im Aufenthaltsraum.

„Ja, danke, wir haben gleich mitgesungen“, sagten sie freudig. Erstes Mal Island, nur zum kennenlernen. Als sie ankamen, mussten sie für 5 Tage in Quarantäne (nahmen sich dazu ein Häuschen in den Bergen) und reisen nun erst seit zwei Tagen durch das Land…

Die „Quelle“ des Hot Pots, etwa 300m vom Campingplatz entfernt.

Kaum das ich losgefahren bin, begann es zu regnen.

Nach 14 km, an der Tankstelle“ Staðarskáli, hielt ich an. Da der Grill erst um 11 Uhr öffnete, gönnte ich mir 2 Sandwiches und zwei Tassen Tee.

Endlich bisschen Rückenwind!

Vom anderen Fjordufer aus entdeckte ich erst die aufsteigende „Rauchwolke“ und anschließend den Campingplatz samt der zwei Hot Pots, die man neben dem Sanitärgebäude sogar erahnen kann…

Straßenschilder üben eine magische Anziehungskraft aus. Vor allem, wenn man mit dem Rad unterwegs ist…
Nein, es sind keine Schafe, auch wenn ich beim Vorbeifahren an den verpackten Grasballen dazwischen drei „verlorene“ schwarze Schafe“ entdeckte…


Typischer, rutschiger Gruswegabschnitt. Durch Löcher, „Waschbretter“und Schutt sehr kompliziert zu befahren. Dank des Regens und einzelner, vorbeigekommener Autos aber „fast befestigt“, sodass ich diesmal darauf gut vorankomme.

Ich höre aus der Entfernung Schüsse. Jedenfalls glaube ich zunächst daran.

Falsch, in etwa 3 km Entfernung taucht immer wieder ein Riesenwal auf und pustet laut bollernd seinen Bläs/Blas(?) schräg nach hinten. Ich hole schnell meine Kamera heraus.
Das Problem: Durch die Entfernung kommt der „Knall“ immer mit einigen Sekunden Verspätung bei mir an, sodass ich mit dem Reiseteleobjektiv den Abschnitt meist erst dann finde, wenn der Kollos wieder auf Tauchstation geht. Ein paar mal habe ich etwas Glück (die unscharfen Fotos sind im Zelt vom Display der Kamera abfotografiert). Freien Auges gelingt mir das viel besser, den Wal zu beobachten. Ich tue es eine halbe Stunde lang. Traumhaft.

Ein Pkw hält an. Die Frau glaubt, ich versuche Schafe zu fotografieren, lockt sie an, knipst mit ihrem Mobilphone und fährt weiter…




Streckenprofil: Schon die erste Spitze war auf dem Grusweg anspruchsvoll (ich wollte ja die 130 km bis Hólmavik schaffen). Als ich am Aufstieg zur zweiten Spitze ankam, sah die Aufgabe fast unlösbar aus. Und es lag ein wunderbarer wilder Platz vor mir mit traumhafter Aussicht auf das Meer. Ich hatte ja schon gut 70 km hinter mir und hätte ihn gern angenommen. Das Problem aus langer Erfahrung: Morgens brauchen die Beine immer etwa 30 km, um sich „in Tritt“ zu Kurbeln. Morgen früh hier zu beginnen? Nein! Zwar war die Strecke im Schnitt „nur“ etwas über 7% steil. Wie sich zeigen sollte, gab es auf den fast 300 Höhenmetern Grusweg auch kurze Abschnitte mit bald 20 % Anstieg.

Nein, jetzt war ich warmgefahren. Jetzt wäre eine knapp einstündige Pause dran, aber nicht drin. Ich packte die Dose mit Monis klassenfahrtenbewährten Haferpowerkeksen aus, aß ein Drittel davon zu warmem Tee und ging die Herausforderung an.

Ich wollte nie schneller als 5 km/h kurbeln. Und bei 3-4 km/h versuchen zu verschnaufen. Ja nicht überdrehen!

Es ging tatsächlich. Wäre der Belag staubtrocken gewesen, so wäre das Hinterrad durchgedreht, wäre das Vorderrad steckengeblieben. Feucht klappte es.

Auf halber Höhe, auf einem ganz kurzen Sattelpunkt kommt mir eine bepackte Radlerin entgegen. Wir halten an.

„Was machst du den hier?!!! Ich habe noch nie von einem bepackten Radfahrer gehört, der von deiner Seite aus hochgefahren wäre!!! Wieviele Gänge hast du denn?!!!“

„Ich habe andere Beine und eine Rohloff-Schaltung“, versuchte ich zu relativieren.
Isabella, eine junge Engländerin mit bepacktem Rennrad ist vor 2 Jahren nach Ísafjörður ausgewandert und will nun zum ersten Mal per Rad ihre 2000 km entfernte Heimat besuchen. In drei Tagen will sie auf der kürzesten Strecke die Fähre in Seyðisfjörður erreicht haben. RESPEKT!!!

Wir wollen weiter.
Einmal, in einer steilen, schrägen Kurve bleibe ich vorsichtshalber doch stehen:
Ein Geländewagen mit Campinganhänger rast, nach Geschwindigkeit ringend, den Berg hinauf!!!

Ich benötige bestimmt eine Minute, um danach das Rad auf die linke, höhere Wegseite zu bekommen und quer im 3. Gang anzufahren und dann, augenblicklich den ersten in Fahrtrichtung zu nehmen. Es klappt.

Oben, kleines Gipfelfest und ein kurzer Anruf zuhause, weil hier wieder ein Funkturm platziert ist…

Blümchen fürs Auge an höchster Stelle…
RESPEKT, kommen einem die Abfahrten immer viel steiler vor, als die Anstiege? Jedenfalls schien diese, fast gerade Abfahrt endlos. Endlos steil. Respekt, Isabella!!!


Dieses Foto vom Beginn des Aufstiegs gehört höher nach oben.


Der Grusweg endet, herrlicher Asphalt, herrliche Landschaft, herrlicher Rückenwind.

Ich komme gut voran, noch 19 km bis Hólmavik. Die Sonne scheint, ich bin fast da. So glaube ich.

Der Asphalt endet, Regen zieht auf.
„Das Universum“ macht mich darauf aufmerksam, dass ich hier, direkt vor meinen Augen, nach 111 gefahrenen Kilometern direkt am Strand einen idealen, vom gesammelten Treibholz umgebenen, Platz für mein Zelt zur Verfügung habe, im Funkloch.

Ich schaffe es gerade rechtzeitig, alles einzurichten, mir eine blumenkohl-zwiebel-möhren-chamignon-butter-gemüsebrüheverstärkte Tütennudelsuppe zu bereiten, zu essen und Tee aufzubrühen, schließe den Zeltverschluss und Sekunden später beginnt der kräftige Schauer.