Mývatn -Akureyri (110 km)/Riesenüberraschung Godafossen.

Etappe 9, Übernachtung 10

Kurz vor dem Start.

Notizbuch 10. Juli 2021

Kurz vor 6 Uhr vom Wecker geweckt worden.
Kurz vor halb acht gestartet.


Absolut windstill, der See wie ein Spiegel, der Himmel traumhaft. In den Buchten sind teilweise hunderte Entenvögel mit Singschwänen friedlich versammelt.

Die Stille am Mývatn.
Der Mt. Vindbelgjarfjall (529 m) dominiert den See. Er ist fast vom überallher zu sehen. Ein Pfad führt zum Gipfel.


Der Radler stört sie nicht weiter.
Es sei den, er hält an zum Fotografieren. Dann fliegen sie sofort einige hundert Meter zur Seemitte hin.
Ich halte nicht mehr an.

Der Laxâ(Lachs-au) paar Kilometer südlich von Mývatn

Ein großer, einsamer Baum behauptet sich im Schutz eines Hausrs.

Bewundere den stillen See. Für die 16 km bis zur Brücke über den Laxá benötige ich kaum mal 50 Minuten. Der  100m-Aufstieg ist schnell genommen. Auch die lange Abfahrt.

Nach 40 km, direkt an der Abzweigung nach Akureyri mache ich 20 Minuten Pause. Hier beginnt auch sogleich der Aufstieg auf etwa 350 Höhenmeter.

Über 2500 Kurbelumdrehungen im ersten Gang (eine Rennradfahrerin rast den Berg herunter) und ich bin auf dem Plateau oben.

Komisch, irgendwie kommen mir die Steigung und die Abfahrt bekannt vor.
Bin ich schon mal hier gewesen???

Ich komme gut hoch und muss nicht, will aber auch nicht anhalten, um zu verschnaufen. Mit 6 – 7 km/h wuchte ich Fahrrad und beinahe 40 kg Gepäck hoch. Wird es zu anstrengend, werde ich im ersten Gang viel langsamer, radle fünf, manchmal aber auch nur vier Stundenkilometer schnell, muss dabei aber sehr konzentriert balancieren. Und es gelingt mir dadurch gut, zu entspannen. Nach einer Weile kann ich wieder etwas schneller kurbeln.

Herunter geht es mit Schwung und vieeel schneller.

Schussfahrt mit über 50 km/h.

In dem gelben Haus(Hotel) befindet sich die Rezeption des anliegenden Campingplatzes.

Plötzlich ein Dejavou-Erlebnis: Ich rase direkt auf den Godafossen zu, den ich glaubte, dieses Mal nicht besuchen zu können, weil ich mich etwa 10 Kilometer nördlicher wähnte.
Und genauso plötzlich verstehe ich alles in einem Augenblick: 2016 wollte ich auch von Raudarhöfn aus ins trocknere Klima und „floh“ 180 km weit in Richtung Akureyri. Im Regen. Nach gut 120 Kilometern wärmte ich mich in Húsavik bei einer Familienpizza mit Meeresfrüchten auf und trocknete etwas meine Kleidung. Drei Achtel der Pizza ließ ich mir für später verpacken.

Die etwa 15 km kürzere und flachere Strecke nach Akureyri war 2016 wegen Bauarbeiten gesperrt. „Mývatn 40 km“, las ich damals und bedauerte, den See trotz der Nähe zu ihm doch auslassen zu müssen. Ich musste aber unfreiwillig genau dieselben Serpentinen hochkurbeln wie heute. Und entdeckte dabei für mich den Godafossen, wo ich auf dem kleinen Camping ganz in der Nähe übernachtete.

Weil ich keine Lust auf meine Pizzareste hatte, verschenkte ich sie an ein ausgehungertes Medizinerpaar aus dem Ruhrgebiet, dass sich für eine Woche eine teure, riesige „Geländewagenkiste“ gönnte, im Flieger aus Deutschland nur Baumwollsachen mitnahm und nachts darin erbärmlich fror.
„Nein, aufzuwärmen bräuchte man die leckere Pizza aber nicht“, meinten die Hungrigen.

Heute war ich völlig überrascht am Godafossen gelandet zu sein.

Natürlich gilt ein Radler hier, angesichts der sonst fast ausschließlich motorisierten Besucher, als begehrtes Fotomotiv und wird während der Zufallsbegegnung am rauschenden Wasser von Fragen überhäuft. Mit einer jungen Holländerin z.B. unterhielt ich mich über Verschiedenes.
„Ach du warst der Gitarrenspieler gestern Abend am Mývatn ?!! Gitarre bei einer Radreise, das gibt’s doch nicht“…

Goðafoss:/Götterfall: 30 m breit, 12 m tief.

Eine isländische Familie „testete“ meine Sprechfertigkeit und ich wuchs schnell in die Konversation hinein. Die Frau schoss ein Erinnerungsbild für mich. Wir sprachen natürlich auch über die „Ausnahmewettersituation“ der Insel in diesem Sommer.
Ich will weiter:
– Gute Fahrt! – Guten Sommer! …

Es gibt einen seit 3 Jahren fertigen, 7 km langen, Radfahrern aber vorenthaltenen Tunnel nach Akureyri, welcher den Weg dorthin um 16 km verkürzt.
Interessiert mich nicht, ich genieße die herrliche Bergkulisse.


Am kleinen Parkplatz vor dem Anstieg kräftige ich mich.
Anna zischt herbei, die Radlerin, welche vor einer Stunde den Berg heruntergesaust ist.
Sie wohnt in Akureyri, bringt ihr Rad im Auto hierher und trainiert in herrlicher Umgebung.

Den Aufstieg über den Bergpass schaffe ich recht leicht. Auch die Schussfahrt danach. Die drei Fern-Radler, die in die andere Richtung hochmüssen, grüße ich winkend und bedaure sie wegen der auf sie noch wartenden Anstrengungen

Kleine Rast vor dem Anstieg. Hier sprach mich Anna an.

Am Samstag hat der Fotoladen schon geschlossen, die Karte für meine Kamera hält der größte Buchladen im Ort aber für mich bereit. Glück gehabt! Hier gelang es mir vor 5 Jahren auch, den ersten Band von Harry Potter auf Isländisch zu bekommen. Ich hebe am Automaten noch Geld ab und gönne mir in akzentfreien Isländisch ein „Schokoladeneis mit Nüssen“(Diese Sequenz kannte ich vom Isländischkurs).


Eine Touristengruppe aus Polen überfällt mich, vor allem nachdem ich sofort ins Polnische wechsle:
„Du bist doch Derjenige, den wir am Berg überholt haben. Genau, ich erkenne auch Deine Gummilatschen wieder“… Viele Fotos…

Man spricht und hört des Öfteren Polnisch in Island. Polen bilden die größte Minderheit im Lande. Es sind wohl schon über 20.000 dorthin ausgewandert. Sicherlich werden sie absehbar bald 10% der Landesbevölkerung bilden.

Die Gruppe auf dem Bild ist allerdings für eine Woche „schnelltouristisch“ unterwegs.
Sie kommen aus verschiedenen Städten Polens und müssen schon übermorgen mit dem Flieger zurück…

Leider geschlossen…


Der Campingplatz ist völlig überfüllt, ich finde aber einen Platz, an dem meine Gitarre erklingen wird.

Akureyri hat viele Bäume…,
…und ganz besondere Ampeln…

Und bei Netto decke ich mich wieder mit etwa 8kg Proviant ein…