Raufarhöfn-Máná (110 km)

Etappe 6 Übernachtung 7

Eigentlich wollte ich gestern früh Hraunhafnartangi, den nördlichsten Leuchtturm Islands passieren und dann weiter nach Kópasker radeln. Eigentlich.

Der Besuch des Leuchtturms zeigte mir aber, dass der gesamte Weg dorthin identische „Qualitäten“ wie der Schotterweg zu den Basstölpeln am Stóri Karl hatte.

Campingplatz Raufarhöfn kurz vor meinem Aufbruch. Im Bild unten das Sanitätshäuschen.
Hier wusste ich noch nicht, welch großer Fluss Unmengen von Sedimenten ins Meer spült.Georg Mauer aus Minnesota (s.u.) kam mir radelnd entgegen, kurz nachdem ich den reißenden Strom über eine Brücke passierte.

Eigentlich wollte ich heute in Richtung Myvatn starten (200 km entfernt) und irgendwo auf der Hälfte der Strecke übernachten. Ich brach kurz nach 11 Uhr auf, wie der Wind. Nur hatten wir wieder „entgegengesetzte Richtungsinteressen“ und mussten uns arrangieren. Zudem bemerkte ich erst jetzt, dass mir die 19 letzten Kilometer vorgestern so rasend schnell gelangen, weil ich von einer Höhe von etwa 150 m ü. N.N. auf Meereshöhe hinunterfuhr. Diese Höhe musste ich heute also erklimmen, während der Wind immer noch, wie vorgestern herunter wollte.

Auf der Straße 85 ging es weitere 20 m aufwärts, bevor ein sehr sanfter Abstieg begann.

Diesmal half mir der Wind beträchtlich und ich konnte die folgenden 20 km mit 30-50 km/h heruntersausen.

Kópasker war nur noch 4 km entfernt, als ich nach Süden abbog. Denn da hatte ich schon längst beschlossen, als Tagesziel das 130 km von Raufarhöfn entfernte Húsavik anzusteuern. Eigentlich.

Es wurde warm, es wurde heiß, für isländische Verhältnisse unvorstellbar heiß.

Zunächst radelte ich noch im T-Shirt.

Halt!, nach 500 Islandkilometern begegnet mir der erste Fernradler, Georg Mauer aus Minnesota, ein Jazzpianist, ist das dritte Mal in Island per Rad unterwegs. Sein Großvater war Deutscher, Georg kann sich recht gut auf Deutsch ausdrücken. Im Juni konzertierte er im Reykjavik auf seinem Piano, jetzt reist er für wenige Tage herum und wird in drei Tagen von Húsavik aus für eine Woche auf einem Fischerboot unterwegs sein. Als Koch. Auf Einladung des Skippers. Mit Musikengagement zusammen verbringt er hier zwei Monate. Er ist begeistert von der Idee, eine Reisegitarre mitzuschleppen.

Begegnungen gibt es…

Es wurde so heiß, das ich nach der knapp einstündigen Pause nach 65 km etwa 3 Stunden lang mit blankem Oberkörper daherfuhr, weil es zu heiß für „T-Shirtwetter“ wurde. IN ISLAND!!!

Nach 110 km und mehreren Steigungen bei Windstille – Húsavik war nur noch 20 km entfernt- zischte ich beinahe an einem großen, wenig besetzten Camping vorbei. Nach 300 m wendete ich. Húsavik muss warten. Und eigentlich bewältige ich die morgigen 85 km bis Myvatn im „Spaziergang“…

Erstaunlich war für mich, dass ich mit 16.5 km/h im Schnitt der Gesamtstrecke die höchste in Island je geradelte Tagesdurchschnittsgeschwindigkeit erreicht habe. Trotz der beständigen Steigungen.

Zu verdanken hatte ich das vor allem dem 20 km nach Verlassen von Raufarhöfn beständig wehenden, kräftigen Rückenwind, welcher sich direkt nach meiner Ankunft „überlegte“ genauso kräftig, aber in genau entgegengesetzter Richtung zu wehen…

In Húsavik werde ich wahrscheinlich Proviant einkaufen.

Abpacken, Zeltaufbauen, Kochen, Gitarrespielen: Alles klappt wie am Schnürchen. Sogar die Kleinwäsche ist abends trocken. Aber der Internetempfang ist mau. Sehr mau.

etwa 4 Uhr…

etwa 4 Uhr früh…
etwa 23.30 uhr
etwa 23 Uhr…
etwa 22 Uhr…