Máná(MÁunau)-Reykjahlið/Myvatn(103 km)

Etappe 7, Übernachtung 8

Windstille. Der Himmel etwas verzogen. Aber warm.

Ich bin ausgeschlafen und starte erst um 9.45 Uhr in Richtung Húsavik, nachdem ich mich auch noch kurz mit dem Campingwirt unterhalten hatte. Das Gitarrenspiel und den Gesang gestern Abend hat er wohl wahrgenommen und sich dafür bedankt.Der Frühling(Mai/Juni) war auch hier recht kalt. Umso freudiger genießen die Isländer den jetzt auch für sie ungewöhnlich heißen Sommer.
Bae!
Bae, bae!

Ich mochte vor dem Start noch nicht frühstücken. In Húsavik wollte ich zunächst in „meinem“ Restaurant zu Mittag essen, wo ich vor 5 Jahren zwar meine Familienpizza nicht ganz schaffte, mich aber dennoch etwa zwei Stunden lang aufwärmen und trocknen konnte.
Nach dem Essen musste ich mich dringend mit Proviant versorgen, da ich kaum noch etwas mithatte.

Hoppla, kaum stieg ich in die Pedale, begann der Wind wieder zu wehen, immer stärker werdend. Und zwar, wie gestern: RÜCKENWIND!
Trotz mehrfacher Steigungen ging es wie im Fluge. Die knapp 25 km bis Húsavik waren bis 11.10 Uhr geschafft. Mein Restaurant war noch geschlossen, an einer Walsafari, die hier angeboten wird war ich nicht interessiert, warten wollte ich auch nicht. Eine Mutter mit Kind erklärte mir, wo hier, direkt an der Hauptstraße der Netto-Supermarkt ist. Beimahe hätte ich ihn verfehlt. Ich kaufte knapp 10 Kilo Lebensmittel ein, „vernichtete“ gleich drei überreife Bananen samt einem Skyrgetränk und verpackte den Rest. Noch im Laden werde ich auf Isländisch angesprochen. Ich fasse es nicht, der Campingwirt kauft hier auch gerade ein…

Draußen kommt er nochmals zum Fahrrad, weil er zweifelt, ob ich die beiden Tragetaschen verpackt bekomme.

„Und wo ist deine Gitarre?“ Ist die etwa zerlegbar?“

Ich bejahe, wir lachen. Zufrieden sieht er, wie meine Provianttaschen beim Gitarrenrucksack im Seesack Platz finden.
Er wünscht mir „Góð ferð”, ích ihm einen „góð summar!”…

Das Panorama von Husavik
Beinahe verpasst „Nächtou“ (wie Isländer es in etwa aussprechen)in blau…

Die drei Bananen und das Skyrgetränk reichten tatsächlich bis Kilometer 67, bis zum ersten und letzten Halt vor dem Ziel. Nach einer Dreiviertelstunde war ich wieder erfrischt und gekräftigt.

8 kg Proviant „ordentlich“ sortiert.
Die Bewaldung schreitet in Island erfolgreich voran.

„Der Wind schob, ich flog“ nahezu unglaublich schnell. Nach 70 Kilometern, kurz bevor der lange Aufstieg auf 350 m begann (vorher gab es ein ständiges Pendeln zwischen 0 und 100 Höhenmetern) war ich fast 19km/h schnell, mit 40 kg Gepäck!

Weil ich mir einen Campingplatz im Nordosten des Mývatn ausgesucht habe und die längere Strecke über die Ringstraße 1 wählte, waren es genau 103 km bis zum Ziel. Endlich am Mückensee. Mit genau 17 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit.

Da wollte ich schon hin, als Oya und Wolfgang Liebl, unsere Freunde davon vor über 40 Jahren schwärmten.

Ich suchte mir einen wunderbaren, nur für Zelte zugelassenen Platz mit Windgarantie an einer kleinen Hangkante aus, duschte und kochte und musizierte. Hier mochten mich die Blackflyes nahezu gar nicht belästigen, während viele Campinggäste um sich herumfuchtelten oder „Mückennetze Made in China“ über den Kopf streiften.

Ich kaufte mir auch eines, für etwa 3€. Als Souvenir. Es bleibt verpackt, bis ich zuhause bin.

„Wie hast du denn es geschafft, mit dem Fahrrad so schnell hier zu sein?“, hörte ich noch vor dem Kochen hinter mir eine ungläubige Stimme.
Ein VW-Bullifahrer, der mir vor zwei Tagen im über 200 km entfernten Raufarhöfn beim musizieren zuhörte, kam extra die 300 m vom hohen Aussichtsplatz herunter, um mich zu begrüßen.

Er durfte sich paar Lieder aussuchen. DerWind stand günstig, um meine Stimme hochzutragen…

Eine fünfköpfige Familie aus Australien (Gitarrenfotos) bedankte sich ausdrücklich für das wunderschöne Konzerterlebnis. Und alle Mitarbeiter der Rezeption freuten sich am nächsten morgen riesig über die Konzertüberraschung. Auch am zweiten Abend werde ich nach dem Ruhetag wieder spielen.