Stóri Karl/Langnes

Stóri Karl/Langnes

(Aus dem Notizbuch soeben beim Zwischenhalt einkopiert)

Etappe 3-4

Um 6 aufgewacht, etwas gelesen, dann Basstölpelkolonie besucht und eine etwa dreistündige Wanderung nach Osten entlang der Küstenlinie gemacht, um die angestrengten Beine zu entspannen und Hunger zu bekommen.

Herrliche Felsformationen überall, Basaltsäulen im Überfluss auch „rundlich verdichtet“ an verschnürte Riesenspargelstangen von oben erinnernd oder in verschiedenen Schräglagen, manchmal fächerförmig ausgerichtet. Echte Vogelfelsen mit verschiedenen Mövengattungen, Sturmvögeln und, seltener. Lummen besetzt.

Schließlich sah ich die, nach denen ich suchte: Nach zunächst nur einer Einzelsichtung, waren sie tatsächlich auf den Felsenvorsprüngen: Papageitaucher. Nicht hunderte, aber viele. Einzeln, oder in kleinen Gruppen platziert.

Je nach Sicht werde ich nachmittags oder morgen auch die Felsen westlich des Stóri Karl begehen, weiß ich doch aus der Erinnerung von vor 5 Jahren, dass auch dort Vögel genistet haben…

Mächtiges Frühstück, heißer Tee, gleich 3 Doppelstullen für das Abendessen bereitet.

Starker Wind von Ost, aber es gelang der Sonne immer wieder, die wabernden Nebelbänke aufzulösen.

Ich besuchte nochmals die Aussichtsplattform (100 m vom Zelt entfernt), sah mich satt und packte die 

noch namenlose Gitarre aus und spielte ein Stóri Karl Konzert, bis die Finger vor Kälte starr wurden. Für Basstölpel und alle anderen Vorbeifliegenden.

Beinahe hatte ich das Gefühl, dass die neugierigen Tölpel wegen der Lärmbelästigung hochflogen um deren Ursache zu ergründen. Vorher musste ich zu ihnen herunterblicken. Jetzt flogen immer wieder einzelne oder mehrere von ihnen, über die Uferklippen und „observierten“ das „komische Wesen“ im Sessel ruhend mit rotem Zelt im Rücken.

Ich versuchte sogar kleine Musikvideos zu drehen. Das Zelt erwies sich dabei tatsächlich als effektiver Windschutz.

Zu Mittag reichte eine aufgewärmte Dose weiße Bohnen.

Im Zelt ist es gleich warm: kleines Mittagsschläfchen.

Es ist Sonntag und deswegen wird die Strecke recht stark frequentiert. Im Laufe des Tages werden hier bestimmt etwa 20 Fahrzeuge kurz angehalten haben. Die meisten Besucher setzen ihre Fahrt 17 km fort, fast bis zum Ende des „Entenschnabels“… Das schenke ich mir auf jeden Fall und kraxle lieber vorsichtig die Klippen entlang.*

Aus dem Stefan Loose Travel Handbook:

*Sogar zwei Pkw waren darunter. Und ich fand im 2020 erschienenen Band “Island” von „Stefan Loose Travel Handbücher“ die Erklärung: Der Weg wurde tatsächlich ausgebessert (für Autos). Radfahrern dürfte es künftig nahezu unmöglich werden, hier anzukommen…, es sei denn, sie schleppen 40 kg Ballast mit;-)…

Mit Reisegitarre sicher Guinessbuchverdächtig…

Ich werde morgen bei der Rückfahrt, die ich gegen Mittag starte, besonders vorsichtig sein und am Kleincampingplatz in Þórshöfn übernachten, um zu duschen, etwas zu waschen und, wer weiß, ein kleines Platzkonzert geben. Vorher packe ich aber vielleicht auch noch hier die Gitarre aus. Zum 13. Mal auf der fast CO2-freien Reise.

*

Bin inzwischen nachmittags auch westlich des Basstölpelfelsens unterwegs gewesen. Die Tölpel selbst habe ich selbstverständlich auch wieder besucht. EINFACH TRAUMHAFT hier Zelten zu können!!!

Die Klippen setzen sich fort, sind besiedelt. Während hauptsächlich wohl Dreizehenmöwen die obersten Stockwerke besetzen, nisten im mittleren Höhenbereich Lummen. Viel dichtgedrängter, wohl auch zu eigenem Schutz, als andere Seevögel.

Besonders um den Basstölpelfelsenbereich  sind sie präsent.

Den ganzen Tag über herrschte starker Ostwind, der Nebelbänke immer wieder näher kommen ließ. Jetzt, kurz vor 21 Uhr  ist es wie gestern bei der Ankunft: Nebelverhangene Landschaft, Feuchtigkeit fällt auf das Zeltäußere.
Bleibt der Wind so stark, so bleibt das Zeltinnere von Kondensat verschont. Gestern ließ er aber nachts etwas nach. Jedenfalls störte er mich nicht.

Evtl. werde ich mir die Ohren zustopfen, will ich schnell einschlafen.

Eine Klasseentdeckung heute ist, dass das Powerpack nicht nur das IPhone schon mehrfach vollgeladen hat, sondern dass ich auch den Adapter mit USB-Anschluss eingepackt habe (ich war fest der Überzeugung, ihn aus dem Ladesortiment aussortiert zu haben.
Glück gehabt. Ich habe soviel mit der Nikon fotografiert, dass die Batterie fast leergelaufen war. Jetzt ist sie wieder voll und auch das IPhone erreicht soeben 99% der Ladekapazität. Für eine Aufladung von 40% auf 100% reicht die Viertelrestkapszität des Powerpacks noch.

Morgen, auf dem Campingplatz kann ich „auftanken“ und komme bei sparsamerem Umgang, als hier einfach geboten, sicherlich auch wochenlang ohne Steckdose aus.

ANEKDOTISCHES: Natürlich brauche ich für das Radeln mit Vollbepackung auch eine gute, starke, reaktionsfähige Oberkörpermuskulatur. 

So mache ich, da mir das „heimische Krafttraining“ für das Eisschnelllaufen fehlt (Klimmzüge, Bullworker, Kettelbells u. ä.),„ mehrmals täglich (zwischendurch etwa 50 schnelle Liegestützen. Die Idee vorgestern, es in einer kleinen Pause beim Zelttrocknen direkt nach einem 500m-Anstieg auf dem warmen Asphalt zu tun, war suboptimal: 

Der Teer klebte an den Handflächen. 

Gut, dass es zur Zeit an jeder Tanke, jeder Toilette, im Supermarkt und sonstwo Spiritus zum Desinfizieren der Hände gibt…

Hier, bei den Basstölpeln, direkt hinter dem Fahrrad auf dem wunderbar bewachsenen Zeltplätzchen macht es Mühe, mit den Liegestützen aufzuhören.

Maximale selbstgesetzte Anzahl in diesem „Unruheurlaub“: Nicht über 100. Versprochen. 

67 ist mir eine altersgemäß sympathische Zahl…

(Die Rückkehr nach Þórshöfn (gesprochen Thourshöppn m. englischem Th ) glückte. Nach Verproviantierung und einer Tankstellenpizza starte ich tatsächlich noch zum nördlichsten Punkt Islands bei Raufahrhöfn 3 km südlich des Polarkreises wo ich vor 5 Jahren einen Stein von der Halbinsel Knivskjelodden, 1360 Meter nördlich des Nordkap hingebracht habe. Übernachtung am Zeltplatz.
Empfang?,???)