In Island gibt’S inzWischen überall Internet. Ha, Ha, ha!!!/Nach vopnafjörður (115 km)

Etappe 2, Übernachtung 2

Wenn man, wie 99,9% der gewöhnlichen Islandreisenden entweder mit dem eigenen oder gemieteten Pkw von Hotel zu Hotel „hopst“, wenn man mit seinem Wohnmobil für 4000€ Schiffspassagengebühr für 4 Wochen vorbeikommt (und damit dennoch ein paar tausend Euro bei vergleichbarem Luxus einspart) und zwangsläufig bessere Campingplätze ansteuern muss, stellt man fest, man hat überall WLAN/Internet.

Ich reise anders, steuere eher selten oder eher kleinere Campingplätze an (heute (ich schreibe den Bericht noch am 2. Juli) werde ich in Vopnafjörður kein WLAN vorfinden, keine einzige Steckdose, um auch nur das iPhone oder das POWERPACK aufzuladen. Aber eine ausgezeichnete Funkverbindung.

Gestern, im Lärchenwäldchen hatte ich überhaupt keinen Emfang.
Und morgen, wenn ich den Basstölpelfelsen „Stóri Karl“ zum zweiten Mal zu erreichen versuche, ist wohl auch „tote Hose“.

Auf dem Weg dorthin haben sich schon manche Besitzer vierradgetriebener Geländewagen die Ölwanne aufgerissen, andere Fahrzeuge können es kaum schaffen, hinzukommen.

Mein Rad, das seitdem auch den Namen des Felsens trägt, führte mich vor 5 Jahren hin und zurück. Ohne, dass ich auf der je 34 Kilometer langen Strecke auch nur ein einziges Mal unfreiwillig absteigen musste.

Nasskalt war es damals zwar, aber auch nachts, wie jetzt, taghell.

Zwar kann ich mit bisschen Glück mein iPhone per Dynamo laden. Ob ich aber bei meiner Reiseroute auch fortlaufend werde schreiben können, bezweifle ich aufgrund meiner Erfahrungen der Islandtour 2016. Damals entstanden die meisten Berichte erst kurz nach der Rückkehr.
Ich möchte auch reisen, ohne ans Formulieren und Versenden zu denken. Das alles kann ich auch leicht nach meiner Rückkehr leisten.
Da die Route, wenngleich von anderer Stelle begonnen, zum großen Teil der 2600-km Strecke der ersten Reise entspricht, kann man auch dort jetzt schon „schmökern“. Meine Ausrüstung ist besser geworden, Fotos der Reisekamera können ohnehin erst später eingepflegt werden.

Soviel hier im Vorfeld als Erklärung für manche zu erwartende Funkstille.

NACH VOPNAFJÖRÐUR(115 km)

Um 7.40 Uhr bei Windstille aufgebrochen. Zelt etwas nass. Nach wenigen Kilometern interessante wiederaufgebaute Torfstallungen entdeckt.

Gut, dass ich hier gefrühstückt habe, denn es begann ein etwa 7 Kilometer langer Aufstieg auf 600 Höhenmeter. Oben konnte ich Zelt aufbauen und im Wind trocknen. Ebenso mein nasses T-Shirt..

Die folgenden 50 km herrlicher RÜCKENWIND in herrlich offener, weiter Landschaft mit nur etwa 100m Höhenverlust und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25-30 km/h.

An der Abzweigung nach Vopnafjörður wunderbares Flusswasser getankt. Leider schnell Gegenwind bekommen und einige Steigungen meistern müssen. Trockenfisch mit 83% Eiweisanteil erwies sich als herrliche Kraftquelle anstelle früherer Schokoladentafeln. Etwas Gewöhnungsbedürftig.

Ein Österreichisches Paar im eigenen Wohnmobil, das mir noch in Seyðisfjörður versprach, mich, falls wir uns begegnen sollten, mit Tee zu versorgen, überholt mich, hält an und erfüllt das Versprechen. Danke, liebe Wiener!!!

Nicht einfach, ich lande aber tatsächlich nach genau 7 Stunden und mit phantastischen 15.5 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit am Ziel, auf meinem Kleinstcamping.

Kurz nach mir kam ein Kölner „Bänkerpaar“, welches schon mehrmals Island bereiste und obwohl radtourenerfahren, sich nicht zutrauen würde, die Insel nur per Rad zu bereisen.

Diesmal mieteten sie sich im KeflaVik einen Pkw (100€/Tag+Benzin) und bereisen für 2 Wochen mit Zeltausrüstung die Insel(sie haben seit 15 Jahren ein geräumiges Hillebergzelt/grün).

Wir kamen gleich und später am Abend ins Gespräch. Sie freuten sich, an diesem ruhigen Campingplatz gelandet zu sein, nach einer sehr lauten, unruhigen Nacht in Egistaðir, der größten Stadt des Ostens (gut 3000 Einw.).

Lupinen säte man vom Flugzeug aus, jetzt verseuchen sie ganz invasiv ganze Landchaften. Ich werde noch durch Gegenden kommen, wo 60-70km lang nichts wächst, außer Lupinen. LUPINENKAFFEE SCHMECKT KLASSE,, liebe Isländer. Ihr könntet Weltmarktführer werden!!!

Da der Dorfsupermarkt um 16 Uhr schloss, versorgte ich mich an der nahen Tanksstelle mit Lebensmitteln und tankte nebenbei eine Familienpizza.

Nach der Dusche gab ich ein anderthalbstündiges Komzert für den ganzen (kleinen) Campingplatz und erhielt riesigen Applaus. Es war offenbar unglaublich überraschend für alle. Man kam zu mir, sang mit, öffnete Zelte oder Wohnwagentüren. Und man bedankte sich vielfach (meistens Isländer, auch der Campingplatzwirt) für dieses Überraschungskonzert.

Ich selbst war richtig „ geflasht“ ob der Wirkung.

Die Gitarre spielte ich in17 Tagen nun schon zum 11. Mal. Tatsächlich!

und die Platzmiete betrug für mich gerade einmal 10€…

Das Sanitärgebäude

Fast der ganze Campingplatz.

Ich schrieb noch bis 1.30 Uhr Berichte. Neben meinem Platz stellten sich isländische Spätankömmlinge auf und quatschten miteinander, sodass ich auch nicht eingeschlafen wäre, trotz geringer Geräuschkulisse.

Die Basstölpelkolonie soll morgen auch ein Konzert abbekommen. Das habe ich dabei beschlossen.

Gute Nacht!