Island ruft!

Eigentlich war für heute eine zweistündige Bootsüberfahrt nach SUÐUROY geplant.

Eigentlich. Vorräte aufbrauchen, ergänzen, Taschen umpacken, Bericht schreiben und auch AUSRUHEN wurde zur Realität…

Vor allem Muße walten lassen…

Warm ist es hier. Verhältnismäßig. Jedenfalls bewährt sich mein neuer Schlafsack zum Beispiel bestens. Ich werde darin in Island wohl nicht mehr frieren müssen. Stóri Karl (gelesen STÓURI KARKL, „großer Kerl“), mein Rad, dass seit 2013 vielleicht schon 30.000 km zurückgelegt hat und seit 2016 benannt nach einem schwer zu erreichenden Basstölpelfelsen in Nordost-Island, ist in Top-Zustand (DANKE, Balance Bochum!), die neuen, bequemen Klickschuhe vertragen auch längere Wanderungen (meine Joggingschuhe lass‘ ich das nächste Mal „dahoam“… Sie sind mit einer warmen DOBSOM-Hose und dem reisebewährten, von Moni gestrickten, Alpacapulli zunächst im tiefsten Bereich der „Reise-Kleiderkammer“ gelandet.

Ich bin zwar kein großer Fan von Süßkram. Während meiner vergangenen Touren (dort auch nachzulesen) habe ich aber mit großer Regelmäßigkeit täglich etwa 6 Tafeln Schokolade und 5l Vollmilch, bis auf etwa 10% Fettgehalt mit Schlagsahne verstärkt verbraucht. Anstrengend! Die Butterbrote mit zentimeterdicker Butterschicht waren welche, noch „verstärkt“ um eine zentimeterdicke Käseschicht.

Trotz vieler Tausend Kalorien täglich, nahm ich dennoch beständig leicht ab. Besonders bei der Tour 2013. Kein Wunder bei täglich 200-250 km in Norwegens zerklüfteten Süden mit tausenden Höhenmetern 24-stündlich.

Das ist 2021 gar nicht nötig. Ich möchte wetterbedingte Tagesetappen von 200 km auf Island nicht ausschließen. Im Schnitt will ich aber mit etwa 80 Tageskilometern auskommen. Die Zeit dafür reicht aus.

Auch bin ich optimal austrainiert und wiege bei einer Körpergröße von 1.73 m etwa 65 kg. Bei der Proviantergänzung gestern im BONUS (Biligkette, auch auf Island präsent) fand ich ihn tatsächlich: Trockenfisch. 80-84% Proteinanteil – Die reinste Energiequelle. Wie Kaugummi bei der Fahrt genossen, der beständige Kraftlieferant. Viel besser als schnell eklig werdende Proteinriegel.
Teuer, aber den Preis wirklich wert.
Ich kaufte 600 g davon in zwei Packungen: Reicht für die halbe Islandreise!

„Man entwickelte den Power-Riegel immer weiter, bis er wieder zur Banane wurde“, sagte mir mein sportlich ambitionierter Zahnarzt Norbert Zipser einmal (herzlichen Gruß). Obst, Bananen habe ich auch im Gepäck, wenn es sich ergibt. Trockenobst immer. Und Monis klassenfahrtenbewährte Haferflocken-Powerkekse in einer Dose, wenn nichts mehr geht.

Als einzige „Süßigkeit“ gönnte ich mir heute „Ginger Nuts“ FINEST BRITISH BISQUITS.
Erfbeeren wären mir lieber. Die waren aber vergriffen…

Ich genieße den Luxus des vollausgestatteten Campingplatzes in Tórshavn (freies Campen ist auf den Schafsinseln nicht gestattet), werde ihn aber nicht vermissen, wenn ich in Island auf mich allein angewiesen bin.

Gespräche mit vielen Menschen in vielen Sprachen: Mit Tom einem Elektroingenieur aus Deventer, der mit seinem Expedision-Style-Zelt große Probleme hatte. Ebenso wie mit Herbert, einem weiterreisten Deutschen, pensionierten Chemiker, gefährlich minimalistisch ausgestattet und ziemlich kränkelnd, mit Teresa und Stefano, die noch unbestimmt lange mit dem Rad unterwegs sein wollen, Dominika, einerjungen Polin aus Zielona Góra, jetzt in Wrocłam/Breslau lebend, Nokia-Mitarbeiterin, die schon Skandinavien mit Nordkap und auch Island per Pkw bereist hat und hier zwei Wochen verbringt, mit Alex, dem rumänischen Motorradfahrer und Fußballfan(wir sahen abends gemeinsam auf seinem Mobiltelefon zu, wie die Schweiz den Weltmeister Frankreich im Elfmeterschießen aus der EM warf), mit mehreren Dänen und auch deutschen Reisenden auf Erkundungsgänge- und/oder Wiederholungstour.

Vor allem aber mit Ulf Johansson (77), Weltenbummler und erfahrener Hochseesegler ( früher immer -wie ich- mit Frau unterwegs, der direkt neben meinem ENAN-Zelt in DOBSOM-R90-Jacke gehüllt sein NAMMATJ-Hillebergzelt aufschlug.

Wir unterhielten uns doch tatsächlich über zwei Tage lang auf Schwedisch, bis er sagte, dass er familiär bedingt in seiner Jugend Jahrzehnte in Lahti/Finnland lebte. Wir lachten uns krank, weil wir feststellten, das wir beide auch gut ins Finnische wechseln konnten und taten das mehrfach, manchmal für lange Zeit.

Mit Ulf Danielsson, der mit seinem Altwagen große Probleme hatte, bis ihm beim Werkstattcheck bestätigt wurde, dass er durchaus weiterfahren könnte und nicht ohne Auto nach Jönköping zurückkehren müsste.