Auf see

Die in der Cafeteria vorbestellten Mahlzeiten am Bufet seeehr üppig um kalorienreich. Das störte mich gar nicht. Dänisch, Färöisch, Isländisch, Englisch, Französisch, Polnisch, Deutsch/„Österreichisch“, Russisch/Litauisch waren die Sprachen, welche ich an Bord wahrnahm.

Dass es an Bord eine frei zugängliche Bücherei gab, sogar mit einer kleinen Cafeteria darinnen, verwunderte mich nicht weiter, erfuhr ich doch schon im Vorfeld in Reiseführern, dass Island (Die Smyril Line ist eine Isländische Reederei) die weltweit mit Abstand allergrößte Dichte an Nobelpreisträgern pro Einwohner habe, seit Halldór Laxness 1955 den Nobelpreis für Literatur verliehen bekam… Damit stieg die Zahl der Nobelpreisträger dort von null auf eins.

Und noch, jetzt da die Fußball-EM doch stattfinden darf, ein Superlativ der statistikverliebten Isländer: Neben dem wenig erfolgreichen Deutschland nahm auch Island im Sommer 2018 zum ersten Mal an einer Fußball-WM teil – als kleinstes Land, das jemals dort gespielt hat…

Schiffsbibliothek der „Lesenation“.
“Mein“ Schiff…

Als Südnorwegen an Steuerbord verschwand wurde der Seegang stärker. Immer wieder, bestimmt 20-mal wurde durch die Erschütterungen die Alarmanlage eines Fahrzeugs ausgelöst.

Als ich heute früh aufwachte, wusste ich gar nicht, ob ich zum Frühstück etwas werde essen können. Die Luft draußen am Oberdeck half, auch wenn ich vorsichtig sein musste, um nicht umzufallen. Fotos waren nur irgendwo angelehnt zu machen.

Basstölpel zu beobachten machte aber auch ohne zu fotografieren Spaß. Es ging mir bald besser.

Gänsegroße Basstölpel vor den Hebriden
Großbritannien in Sicht.
„Strammer“ Seegang…

Der Wind nimmt weiter zu, das große Schiff ist in Bewegung. Jetzt, kurz vor dem Mittagessen werde ich mir ein neues, windfestes Reisemaskottchen im Souvenir-Shop zulegen, nachdem mein reiseerfahrener, singender Seehund nach 12.000 km als Reisepartner seine Stimme verlor und zu Hause bleiben musste.

(Noch) no Name… vielleicht fällt mir noch was ein.

Der Schiffsgang setzte mir so stark zu, dass ich auf das Mittagessen verzichtete, auf das Oberdeck ging, was half und ich statt zu essen wenigstens noch heißen Tee trinken konnte. Gut, dass ich so üppig frühstückte…

An der Ausgabetheke lernte ich einen jungen freundlichen polnischen Mitarbeiter kennen. Ich vermutete, er sei nach Island ausgewandert. Wir kamen, da- vielleicht wegen des hohen Seegangs wenig zu tun war – in ein längeres Gespräch.

Andrzej aus Gdańsk arbeitet den Sommer über in der Cafeteria der Norröna. Durch Englischkenntnisse gelang es ihm den Job zu ergattern. Vor Corona war er regelmäßig bei der Fjord Line beschäftigt und wurde wegen der Pandemie-Krise entlassen. Er vermisst seine Familie sehr. Nächsten Mittwoch, wenn ich nach Island zusteige , sehe ich ihn wieder. Im August darf er nach Hause.

Nächsten Mittwoch sehen wir uns wieder, wenn es für mich weiter nach Island geht.

nach der Begegnung drehte sich das Schiff so, dass es direkt in den Wind fuhr. Sofort wurde es ruhig, das Auf und Ab hörten auf…

Basstölpel begleiteten ganztägig das Schiff. Ich holte erstmalig meine „richtige“ Kamera und fotografierte ihre Segelkünste.

Zwar kann ich diese Bilder erst zuhause einfügen, aber selbst das vom Display hier mit dem iPhone abfotografierte Ergebnis zeigt den großen Qualitätsunterschied:

Ein junger Basstölpel, der gerade sein schwarzes Jugendgefieder abwirft…

Thórshavn: Angekommen. Pünktlich im 17.30 Uhr Ortszeit.