Auf zu den Faröern!(5 km)

Windstill. Als ich schon um 4.30 Uhr aufwachte, ging die Sonne gerade auf. Morgen feiert Dänemark und ganz Skandinavien Mittsommer /Sankt-Hans-Festen.

Morning Has Broken

Ich beschloss aber bis sechs Uhr weiterzuschlafen.

Ich packte, was ich auf dem Schiff benötigte in eine gesonderte Tüte und fuhr gegen 8.15 Uhr los zur Fähre, die um 11.30 Uhr abfuhr, wegen der Coronaauflagen aber früh mit dem Einchecken begann.

Trotz der 2. Impfung wurde ich, wie alle anderen Passagiere, vor dem Einchecken getestet.

Viele Fahrzeuge, etwa 20-30 Motorräder, fünf junge Radler aus Frankreich auf dem direkten Weg nach Island und ich, mit einwöchigen Zwischenaufenthalt auf den Faröern.
Mehrere Autofahrer, Männer wie Frauen sprachen mich auf die Reise hin an. Darunter auch Ramunas Grumbinas, ein Journalist aus Vilnius/Litauen, der , vielleicht angeregt durch meine „Litfassäulen-Weste“, mich auf englisch ansprach . Weil er, was heutzutage eher selten ist, wunderbar russisch sprach, tauschten wir uns im Folgendem auf Russisch aus.
Wie sich herausstellte besuchen seine drei Kinder die Waldorfschule in Vilnius.

Mehrere Waldorfschulen gibt es inzwischen in dem kleinen Land.
Vor gut 30 Jahren besuchte eine litauische Lehrer-Eltern-Delegation aus Grobiña unsere Schule, um in Litauen eine erste Waldorfschule zu gründen. Mein offener Hauptunterricht wurde damals auch gefilmt und das Video erlangte in Litauen eine größere Verbreitung, wie ich Jahre später erfuhr.

Die Welt ist klein…

Zuletzt wurden die Faröerfahrzeuge eingeschifft und mit ihnen auch ich, der Radler. Eine steile Rampe führte nach oben.
Die netten Franzosen halfen mir beim Fixieren des Rads und kurze Zeit später erreichte ich meine Kabine 5125 auf Deck 5.

Seit Tagen schwanke ich zwischen zwei Ideen, vor allem, weil ich auf meinen Radreisen mit nur ganz wenigen Ausnahmen fast immer im Zelt übernachtet habe.
Plan 1 war auch, daran festzuhalten.
Plan 2 hingegen, sich an einem Zeltplatz nach einer Hütte umzusehen oder irgendwo eine Hütte zu wählen, auch weil ich das Gepäck samt Gitarre abladen könnte, um dann in Tagestouren die Inseln schneller kennenzulernen (Das Meer ist auf den Faröern nie mehr als 5 km entfernt).


Inzwischen weiß ich etwas mehr, und es gibt auch einige Einschränkungen zu berücksichtigen:
Um nach Island zu gelangen, ist ein weiter Corona-Test im Hafen ein oder zwei Tage vor der Abfahrt zu machen. Und ich muss mich wohl auch am 4. Tag auf den Inseln hier testen lassen. Drei unterseeische Tunnel, 4.940m, 6.300 m und 11.240 m lang, dürfen zwar Motorradfahrer nutzen, den Radlern ist dies aber wegen der Abgase nicht erlaubt.
Ich werde mich wahrscheinlich auf die beiden Hauptinseln beschränken, Streymoy und Eysturoy, etwa 3 Tage im Zelt/Hütte(?) übernachten und in der Umgebung Radeln und wandern (gut, dass ich Joggingschuhe dabeihabe). Und anschließend drei Tage anderswo nochmals ähnlich „übernachten“ (hier bleibt es jetzt nachts schon hell). Bin gespannt, was sich ergeben wird…

Früh genug kehre ich dann nach Thórshavn zurück, um Papierkram, Tests u.ä. für die „Hauptreise“ zu erledigen.
Hier ein Blick auf die etwa 1200 Quadratkilometer großen Inseln, welche von fast genausovielen Einwohnern bevölkert werden wie das fast 2000-mal größere Grönland.

Norwegens Südküste zieht vorbei.