StartvorberEitUngen 13-15. Juni 2021

Es ist wie immer: Auch wenn man sich im Vorfeld noch so viel zurechtgelegt oder -gedacht hat, viele Kleinigkeiten , die „eben noch mal schnell erledigt werden wollen, suchen sich genau diese Zeit aus, um sich bemerkbar zu machen.

Das kennt sicherlich jeder. Anderes hätte ich auch schon früher erledigt haben können. Der Alltag hat es verhindert.
Gestern testete ich bei Vollast das Fahrrad (30 kg Gepäck mit Gitarre), fuhr von der „sprechenden Bank“ aus den steilsten Aufstieg zum Tippelsberg hoch.

Die Auffahrt gelang trotz einer etwa zehnköpfigen Familie, die trotz Staunens den Platzbedarfs des hochkurbelnden Radlers für seine Ausgleichsbewegungen auf dem schmalen, gepflasterten Abschnitt kaum einzuschätzen wusste.

Ab durch die Mitte!
Alles zur Seite!

Danke!…, der steilste Abschnitt hätte aber auch keine 15 m länger sein können, so blau*war ich.

Das flache 200 m Stück bis zum Aussichtspunkt aufs Zillertal tat gut, sodass ich den letzten Anstieg zum Gipfel schon wieder „Lord-Of-The-Dance“-pfeifend hochdrehen konnte.
Manche Gipfelstürmer kannte ich schon, die Allermeisten aber nicht.

Alle genossen den herrlichen Sonnenuntergang. Ich packte die Gitarre aus, als die Sonnenscheine fast schon verschwunden war, stimmte sie für ein kurzes „Konzert“ und nahm ein kleines Rundumvideo auf. Für andere natürlich unsichtbar, sah ich neben verschwindenden Sonnenscheibe ISLAND. Ganz klein natürlich…

  • *(Nur zur Klarstellung: meine Frau und ich trinken seit gut 20 Jahren keinen Alkohol. Davor „benötigten“wir für eine Weinflasche mitunter eine Woche.
  • Mit „blau“ meint man im Leistungssport „voller Laktat , absolut überanstrengt, im anaeroben Bereich alle Grenzen überschritten“, wie es bei Rennen im Zielsprint oder bei besonderen Laktattests mitunter geschieht, um die „Laktattoleranz zu ermitteln und, möglichst, zu erhöhen…🚴‍♀️)
Sonnenuntergang Tippelsberg, 13.6.2021

Der Montag verging „wie im Fluge“ mit Sortieren, Packen, Weglegen von Unnötigem, Gartenarbeit und 1000 Kleinigkeiten.

Um 23 Uhr war das Rad bepackt, Um Mitternacht ging es doch noch für zwei Stunden ins Bett.

Irgendwie wie immer?!?

Die Zugfahrt mit 6-mal Umsteigen verlief bis Lübeck recht unproblematisch.

Schwierig wurde es, als von dort aus der nur alle zwei Stunden verkehrende Regionalzug nach Puttgarden bereits 10 Minuten vor der Abfahrt mit maskierten Fahrgästen überfüllt war, dass die Dichte von Sardinendosen sogar noch überboten wurde. Der arme, völlig überforderte Zugführer!!!

Ich kam dennoch herein (insgesamt 4 Radstellplätze für 10 Räder plus einem Rollstuhlfahrer. Am Timmendorfer Strand stieg die erste Hälfte aus, in Scharbeutz fast die zweite. Der Fahrer blieb aber bis zur Endstation nervös.

Endlich durfte ich wieder radeln.

Zunächst nur zur Pkw-Abfertigung, um mir eine Karte für die Fähre nach Rødby zu besorgen.

Nach 5 Minuten war ich bereits auf der Fähre, nach weiteren 5 Minuten ging die Fähre ab.
Eine knappe Stunde und ich war auf Lolland. Der starke Westwind verhinderte bei der Fahrt zur nächsten Fähre von Tårs nach Spodsbjerg ein schnelles Vorankommen. Dennoch, 5 Minuten nach der Ankunft im Hafen dampfte die Fähre los. Glück gehabt.

Auf Langeland drehte der Wind auf Südwest, sodass ich auf den letzten 40 km bis Lohals, fast auf der Nordspitze der Insel gelegen, sogar eine leichte Windunterstützung genoss.
Am Campingplatz kannte ich mich aus. Er war fast leer. Ich baute alles auf, lud bis auf die Gitarre alles ab und besuchte unseren langjährigen Freund Erling, den Keramiker (s. Reise 2013 „Waldorf on the Road I“) dessen Frau Karin nach kurzer Erkrankung direkt nach Ostern 2021 verstarb.
Sehr ungewohnt, wenn man beide fast 40 Jahre lang immer gemeinsam als künstlerischen Doppelstern erlebte und einer der Sterne plötzlich „aus der Zeit“ gegangen ist…

In Lohals bleibe ich bis zum frühen Freitagmorgen..

Das Zelt wird nach heutigen nur 87 km (Strecken unter 100 zähle ich immer als „Ruhetage“) am gleichen Platz stehenbleiben, mein Fahrrad nicht……

Mein 81-jähriger Fahrradmechaniker, der den Ständer wieder geradebog.
Lohals Havn, abends.