Mittwoch, 29 Juni: Geysir – hinter Hella/ 117 km

 

 

Islandkarte 4-5

Da es bis in den Morgen hinein regnet beschließe ich Tagebuch zu schreiben und es langsam angehen zu lassen. Der Regen hört gegen 7 Uhr auf, der Himmel klart auf. Um 8 Uhr schaue ich mir (mit weniger Publikum) noch einmal den Strokkur an und drehe einige Videos von seinen Ausbrüchen. Im gesamten Gelände raucht, tropft, plätschert es und es riecht schwefelig. Aber ohne, dass es einem den Atem nimmt. Da die heißen Quellen und Geysire das abfließende oder hochschießende Wasser  in ihrem Inneren unter Druck auf 100 °C und mehr erhitzt haben, warnen Hinweise davor, sich vor den Gefahren in Acht zu nehmen. Mein schon gestern gefasster Beschluss, bei sonnigerem Wetter nochmals die 10 km „bergauf“ zum Gullfoss zu radeln wird umgesetzt. Vorher komme ich aber ins Gespräch mit fünf Touristen aus Ostdeutschland die etwa zwei Wochen lang mit zwei PKW und Zelten unterwegs sind, um Island kennenzulernen. Als erfahrene Radler haben sie schon lange Fahrten durch Nord- und Südamerika gemacht, da kann man über vieles reden. Zum Schluss machen wir ein gemeinsames Erinnerungsfoto.                                                                                                      Ich muss beim Radeln zunächst sehr aufpassen, es ist sehr ungewohnt, plötzlich ohne Gepäck zu fahren…                                                                                                                                      Am Gulfoss stelle ich mein Rad diesmal am Restaurant/Souvenirverkauf oberhalb der üblichen Einfahrt, die etwa 50 Höhenmeter tiefer gelegen ist, ab. Auch hier stehen aber schon trotz der noch recht frühen Stunde viele PKW und einige Busse.                                                                Ich freue mich, ein zweites Mal hergefahren zu sein und genieße die Zeit. Im Souvenirladen kaufe ich ein paar  Postkarten, auch um den Wunsch einer Schülermutter zu erfüllen und kräftige mich für die Rückfahrt mit zwei Sandwiches . Eine große Gruppe japanischer Touristen huscht an mir vorbei in einen für sie reservierten Raum, um eilig das Mittagessen „zu erledigen“ und dann weiter zu hetzen. Jedenfalls drängt sich mir so ein Gefühl auf…                 Der Komplex ist modern eingerichtet, das Restaurant „vernetzt“. Jeder nahe der Wände gelegene Tisch hat eine Steckdose kombiniert mit direktem 5V-USB-Stecker. Freies WLAN! Der Bedarf dafür ist groß…                                                                                                                                                                    Ich komme in ein kurzes Gespräch mit einem Jungen Paar, Tramper aus Israel, die gerade dabei sind, eine achttägige Tour über die Berge in der Gegend des hier nahen Langjökull zu starten. Ich bewundere die Beiden – das Mädchen ist zierlich – sie hingegen bewundern meine Unternehmung. Später treffe ich sie nochmals unten am Fall, als ich am zahlreicher gewordenen Publikum vorbei den recht langen Weg zum Fahrrad hochjogge und sie mir lachend begegnen..

Die Rückfahrt nach Geysir geht ohne Gepäck noch schneller als gestern.  Da meine Reisetaschen schon fertiggepackt im Zelt liegen, könnte ich gleich losfahren, ich lerne aber noch einen 48-jährigen Reiseschriftsteller näher kennen, der mir gestern schon aufgefallen ist, als er an einer Steckdose des bescheidenen Servicegebäudes seinen Rechner mit Strom „fütterte“. Früher war er Wildwasser-Kanute im Hochleistungsbereich, seit 25 Jahren gelingt es ihm aber schon, seinen Lebensunterhalt durch Reisen, Schreiben und Vorträge zu finanzieren. Vor zwei Monaten kam er bereits mit seinem Wagen auf die Insel und er bleibt noch bis September, fliegt aber zwischendurch nach Hause, um dort nach dem Rechten zu sehen.        Es wird aber seiner Meinung nach immer schwieriger, Menschen für die „echte“ Natur zu begeistern, weil die Jugend zwar immer mehr Reisen und erleben möchte, ihr aber zunehmend mehr die Sinne fehlen, das wahre Wesen der Natur empfinden zu können. Island sei zur Zeit überhaupt DER HYPE, weil man überall anderswo in der Welt schon war – und Andere waren dort auch schon(!) – aber hier noch Ursprüngliches zu finden erhofft. Bewehrt durch überdimensionierte Allradfahrzeuge mit allerlei Schnickschnack ausgestattet, für jede „abenteuerliche“ Situation (aus)gerüstet. Aber mit viel zuwenig Zeit im Gepäck…                     Wir haben ein nettes Gespräch und nehmen uns genügend Zeit dafür…                                                                                                                                                         Ich komme zwar erst gegen 13.30 Uhr aufs Rad, der Weg zurück über die 35 und 31 ist aber viel flacher, ungleich leichter als gestern und der Wind kommt hauptsächlich von der Seite. Ein sehr schöner Wasserfall, wenn auch viel kleiner als DER GULLFOSS lässt mich kurz abfahren, die Tankstelle mit kleinem Supermarkt in Skáholt(?) versorgt mich mit allem Nötiten – ich probiere dort sogar das isländische Lakritzseis aus, das hier viele Liebhaber hat – und ein Gärtnereibetrieb lässt den Appetit auf frische Erdbeeren aufkommen. Ein kleines Schälchen recht säuerlicher, dafür sehr aromatischer und ECHT ISLÄNDISCHER Erdbeeren für 6 €, das war es mir wert. Bedenkt man, das man Erdbeeren und auch Kirschen so früh nur in Behältern in Treibhäusern reif bekommt (25-30 €/kg), so kann man den Aufwand dafür nur bewundern und anerkennen.

Auf der Weiterfahrt sehe ich nur von der Straße aus auf die neue Kirche von Skálholt. Der Ort war lange Jahrhunderte kulturelles und politisches Zentrum des Landes. Der Enkel des ersten Siedlers von Skálholt wurde 1056 zum ersten Bischof Islands geweiht – las ich schon vor dem Abflug in einem Reiseführer. Ich will weiter und mache mich wetterfest, kündigt sich doch kräftiger Regen an, der auch bald schon losprasselt.                                                                                       Es wird wieder freundlicher, bei kühlem Gegenwind kommt die Sonne heraus, als ich kurz nach 20 Uhr den kleinen Parkplatz an der Ringstraße 1 erreiche, den ich schon kenne. Warm anziehen, kurz kochen, gut kräftigen. Ich verkürze die übliche Rastzeit etwas, weil ich nun die Richtung wechsle, sodass mir der bisherige Gegenwind als Rückenwind dienen kann.         Es funktioniert. Da es in Hella keinen Zeltplatz gibt, radle ich einfach einige Kilometer weiter. Dann bestelle ich mir einen ´Privatplatz´  „beim Universum“ und er ist bald da, idyllisch in einer Senke voller Vulkanasche und lupinenbewachsen, mit einer freieren Stelle genau bemessen für das Zelt. Von der nahen Straße aus ist mein auffälliges Zelt nicht zu sehen. Kurz nach 23 Uhr „Nachtruhe“…

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Im gesamten Gelände raucht, tropft, plätschert es und es riecht schwefelig… 

IMG_0758Der Große Geysir liegt etwas höher als der Strokkur
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Blick vom Großen Geysir aus  auf noch etwas höher gelegene Ablagerungen aus früherer Zeit

IMG_0919 …Die Rückfahrt verläuft über eine wesentlich flachere Strecke als die gestrige Hinfahrt…
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„Kirschbaumplantage in Töpfen“

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Huch, dieses Wrack war aber vor 2 Tagen noch nicht da!…

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