Sonntag, 26. Juni: Auf zur Waldorfschule in der Nähe von Reykjavik/ 75 km

Islandkarte1-2

Die kurz nach Keflavik autobahnartig ausgebaute Straße Nr 41 darf ich auch als Radler benutzen, um später über Reykjavik auf der Ringstraße 1, Islands Hauptverkehrsader, 75 km weit  zur Waldorfschule 17 km östlich der Hauptstadt gelegen zu fahren.                                                                                              Der Verkehr hält sich am Sonntag in Grenzen und ich gewöhne mich schnell daran, dass mich mir überdimensioniert erscheinende Geländewagen mit lautem Reifenlärm oder auch Lastwagen, die hier unterwegs sind, mit starkem „Windschub“ überholen. Meistens kann ich den Seitenstreifen jenseits der eigentlichen Fahrbahn benutzen, gelegentlich aber benutze ich auch diese, weil Schlaglöcher „meine“ Spur gefährlich machen. Die Strecke ist abwechslungsreich, zumal ich ja Neuling in Island bin, ich radle konzentriert, nehme aber die Landschaft auf. 

IMG_0286

Auffällig, der aus Lava bereitete Schotter am Straßenrand…

IMG_0288IMG_0297IMG_0299IMG_0303IMG_0309IMG_0311IMG_0312Ein kleiner Rastplatz gibt Gelegenheit zur kurzen Pause.IMG_0326 Ich erreiche die Hauptstadt, nehme die vielen neuen Gebäude der Großstadt wahr, fühle mich fast wie in der „Metropole Ruhrgebiet“ (nur dass ich dort nicht auf dem Ruhrschnellweg radeln dürfte…).                                                                                                                           „Urbanisierte“ Stare entdeckten eine aus Lavasteinen geformte lange Lärmschutzwand als geeignetes, sicheres, neues Domizil  und scheinen sich in ihrem „Hochhaus“ wohl zu fühlen. Krähen oder Kolkraben bleibt der Zutritt versperrt.

IMG_0329

Abgesehen von einem Zwischenhalt an einer Tankstelle (fast immer kann man sich dort, falls es nicht nur ein Tankautomat ist, mit Campinggas versorgen) halte ich mich an die mir gegebene Wegbeschreibung und komme am fortgeschrittenen Abend an.

IMG_0458

Es gibt auch noch eine weitere Waldorfschule im Stadtzentrum, die ich am Ende der Reise zu besuchen hoffe. Beide Schulen haben etwa 80 Schüler (Bochum nahezu 1000)).

Die Schulferien begannen in Island aber bereits am 17. Juni und werden noch bis Ende August andauern.

Die von mir jetzt besuchte, 1 km von der Ringstraße wunderschön auf riesigem Gelände gelegene Schule erscheint mir zunächst verlassen, sie ist aber bewohnt von einigen Lehrern. Ich treffe zunächst einen Hospitanten aus Irland, der seit zwei Wochen in Island ist und von der Waldorfpädagogik, die er hier erstmalig erlebt, begeistert ist. Er führt mich zu Ivar, einem jungen Assistenzlehrer, der mich freundlich und staunend begrüßt. Auch wenn ich noch große Mühe habe mich auf Isländisch mitteilen zu können, erzähle ich ihm von unserer Bochumer Schule und auch Ivar teilt mir vieles mit, was ich verstehen kann. Er beteiligt sich jetzt in den Ferien an einem Zirkusprojekt, etwa in einer Woche gibt es eine große, festliche Vorstellung, die viel Vorbereitung erfordert. Morgen will mir Ivar das Schulgelände zeigen, zeigt mir aber gleich, wo ich mein Zelt gut aufschlagen kann. Und er führt mich zum Tobiashaus, 100 m von der Schule entfernt, in dem sich zur Zeit Angelika Jaschke aufhält, eine weltweit aktive Eurythmistin aus Witten.

IMG_0336

Tobiashaus

Ich besuche sie, wir haben uns viele Jahre nicht gesehen.

Die Zeit ist zu knapp, weil sie bald an einer telefonischen Konferenz teilnehmen wird, wir nutzen sie zum zügigen Austausch von Informationen.

Tobias Jaschke, Angelikas Sohn, den ich in der Unterstufe auch unterrichtete, machte 1996 zusammen mit seinem Vater den Pilotenschein und flog 1997 als Krönung der Jahresarbeit zum Abschluss der 12. Klasse mit dem Flugzeug über den Atlantik von Amerika nach Europa (Die sogenanten „Jahresarbeiten zum Abschluss der 12. Klassen“ wurden lange bevor ich an die Rudolf Steiner Schule kam in Bochum „erfunden“ und gehören inzwischen an den meisten Waldorfschulen zum Schulkonzept). 

1996 gab es in unserem Kollegium natürlich große Diskussionen, ob man eine derart ungewöhnliche Jahresarbeit  überhaupt zulassen könnte/sollte/dürfte…

An Tobias‘ außergewöhnlichen Vortrag bei den Darstellungen der Jahresarbeiten erinnere ich mich noch gut.

Am 10.8.1998 kurz nach dem Abitur verunglückte Tobias mit seinem Vater und dem jüngeren Bruder im Süden Islands. 

Am 30.09.2003 kam es in Reykjavik zur Gründung der Tobias Hús Stiftung. Das Haus ist an Freunde und Bekannte wochenweise in den Sommermonaten zu vermieten. Die Mieteinnahmen werden ausschließlich für die Stiftungszwecke verwendet.

Es war mir ein großes Anliegen, das Grab der verunglückten in Stori Nupur, 93 km von der Schule entfern zu besuchen und freue mich, das schon morgen, ganz zu Beginn meiner Islandfahrt machen zu können. 

IMG_0421

Angelika Jaschke am Eingang zum Tobiashaus