Samstag, 25. Juni: „VERSPÄTET“(15 km)

Wegen eines Softwareproblems beim „Einstiegs-Gate“ verspätet sich der für 12.30 Uhr geplante Abflug um 30 Minuten.

Wegen eines zweistündigen Streiks des Bodenpersonals in Keflavik verspätet sich die Landung dort (eigentlich 13.55 Uhr)um anderthalb Stunden; wir drehen in der Luft viele Warteschleifen über dem Atlantik und dem südwestlichen Island.

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Wegen eines Transportschadens am Trekkingrad während des Fluges  – ich bemerke den Schaden erst um 15.50 Uhr, das heißt 17.50 Uhr deutscher Zeit, also 10 Minuten vor Ladenschluss meines seit 1987 bewährten Fahrradausrüsters BALANCE in Bochum – komme ich erst weitere zwei Stunden später mit dem Schrecken und vom Flughafen davon, nachdem mein Bochumer „Fahrradschraubergeschäft“ den Spezialisten Matthias aktivierte, der mich zehn Minuten nach Geschäftsschluss in Island anrief und durch ruhige, besonnene „Menüführung“  entscheidende Hinweise zur Behebung des Schadens mittels im FAHRRADLADEN BALANCE erworbenen und mitgeführten Werkzeuges lieferte (Ein Seil zum Bajonettverschluss meiner Rohloff Speedhub-Gangschaltung ist durch mechanische Einwirkung bei der Verstauung des Rades im Flieger abgerissen).

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Ich sollte mich melden, falls doch noch Schwierigkeiten auftreten sollten, so Mathias zum Abschluss, was aber nicht nötig war (800 km später erkundigte sich Henning von Balance per Mail im Namen aller nach dem Verlauf der Fahrt und sandte beste Wünsche über den Atlantik).

Ich werde vielleicht noch im Laufe der Tour Gelegenheit finden, auf die Entwicklung der fast 30 Jahre währenden Partnerschaft mit dem vor einem Jahr ganz plötzlich verstorbenen Klaus Kersten und dem FAHRRADLADEN BALANCE einzugehen. An dieser Stelle nur ein kurzes Zitat aus meinem anlässlich der Norwegenradtour 2006 am 09.09.2009 erschienen Buch „18 Nächte zur Mitternachtssonne“, welches in diesem Blog auch in Leseprobe vorliegt:                        „…Die Bochumer „Schrauber“ haben das richtige Händchen dafür entwickelt, Fahrräder für verschiedene Bedürfnisse, zwar nicht billig aber mit jedem Cent den Preis wert, individuell zusammenzustellen. Auch Modelle anderer Hersteller passen sie nach Wunsch an und optimieren sie gegebenenfalls. Für knifflige Sonderfragen haben sie immer einen entsprechenden Spezialisten, der sein Werk versteht…“

Die obige, seit fast sieben Jahren gedruckt vorliegende Feststellung von mir wurde auch diesmal verlässlich bestätigt. PARTNER, DANKE!!!.

Ich fahre vom Flughafen Keflavik direkt in den 4 km entfernten Ort gleichen Namens, um mich zu verproviantieren. „Netto“, einer der auch in Island aktiven Discounter liegt fast auf dem Wege. Von der Vizechefin der Filiale (Renata), einer seit fast 13 Jahren in Island lebenden, eingebürgerten Polin erfahre ich das Wichtigste, meine nächsten Tage betreffend und Renata gibt mir auch den Tipp, dass es im 10 km entfernten Sandgerði einen gut ausgestatteten Campingplatz gibt, in dessen Nähe sie wohnt. Renata hält mich für „zumindest“ einen halben Polen und erzählt, dass es in Island sehr viele Polen gibt, die hier eine neue Heimat gefunden haben.

Ich bin in Island! Irgendwie kann ich es noch nicht fassen.                                                          In Grönland?                                                                                                                               Nein, aber fast…, denn die Strecke nach Deutschland ist es „vieeeel“ größer als die auf die größte Insel der Welt…

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                                                                                              Die Landschaft an der Asphaltstraße zum Zeltplatz erinnert mich etwas an Norddänemark, an die zwischen Aalbæk und Skagen in Nordjütland nördlich von Bunken liegende spärlich bewachsene, flache „Sandwüste“. Nur, dass hier in Island statt des Sandes moos-, thymian- und frauenmantelbewachsene Lavahügelchen die Gegend prägen samt des Lupinengürtels rechts und links der Straße Nr. 41 in Richtung Sandgerði. Brachvögel und Schnepfen fliegen immer wieder lärmend auf, manchmal unsicher fliegend, auf dem Boden nach der Landung lahmend  (was mich nahezu die ganze Strecke lang durch Island begleiten wird), um mich von ihrem Gelege oder ihren Jungvögeln abzulenken.

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Der Campingplatz ist leicht zu finden, das Zelt ist schnell aufgebaut. Unter den vielen Lebensmitteln, welche Abreisende vor ihrem Rückflug hier (für Ankömmlinge) deponieren finden sich viele angebrochene Gasflaschen verschiedener Typen, sodass ich schnell genügend Treibstoff für meinen multifunktionellen Primus-Kocher als Überbrückung für die Zeit bis zur nächsten Tankstelle finde. Die heiße Dusche (gratis) tut richtig gut.                                           Auf diesem Campingplatz kann man auch flugbedingt zerlegte Fahrräder zusammenbauen, Radflugboxen/-taschen bis zum Rückflug deponieren, Häuschen/Hütten anmieten und mehr.  Es ist später Abend, es ist sehr hell, es ist erstaunlich windig. Merkwürdig!?…                                                                                                                                Das Zelt, das bei üblichen Windverhältnissen und trotz starker Windböen (wie auf dem Foto) auch bereits mit nur zwei Heringen gut fixiert verlässlich steht, wird von mir immer, wie jedes seit bald 40 Jahren von mir benutzte Zelt, mit allen  extrem stabilen Zeltnägeln sturmfest verankert. Zum Wind gesellt sich Nachtregen, der lange Ausdauer hat.