Deutsche Skandinavienurlauber – Gule regnfrakker og blå kasketter – dänischer Humor

Ursprünglich sollten an dieser Stelle amüsante Betrachtungen der Fahrradtransportgewohnheiten multinationaler Skandinavienbesucher und der Skandinavier selbst stattfinden, welche mit Ausnahme der Litauer*, Russen* und Finnen* häufig und auf verschiedene Weise ihre Drahtesel mitschleppten und, wahrscheinlich, erst nach Hause zurückgekehrt, erstmalig abmontierten.

…zum Beispiel über
die Schweizer, mit ihren stets ordentlich mit passgerechten Plastikpackhüllen überworfenen, auf der Rückseite des Wohnmobils im stabilen Gepäckträger gesicherten Rädern,
die Deutschen, die –
im jüngeren Alter – oft auch per PKW nördlich des Polarkreises gesichtet wurden, das vollgepackte Wageninnere im Kopfbereich verschönert mittels abmontierten Vorderrades des FÜR IHN auf der Heckklappe per Spezialträger befestigten Mountainbikes neuesten Datums,
im gesetzteren Alter – die Gewohnheiten der Eidgenossen übernahmen, gesteigert um die in Südeuropa(?) vorgeschriebenen quadratischen Piktogramme mit rot-weißen „Diagonalbalken“,
die Niederländer, die sich nur als junge Wohnmobiltouristen mitunter zusätzlich mit Fahrrädern ausstatteten, niemals aber mit Hollandrädern,
die Norweger, die anders als die Schweizer, nur selten als Radtouristen auftauchten (3 Personen in 66 Tagen), ihre Räder in Kenntnis der Straßenverhältnisse auch nie „auf Reisen“ mitnahmen, dafür aber sehr häufig, lose im PKW-Anhänger gestapelt, nur regional „verlagerten“,
die Italiener, welche gelegentlich auch in Wohnmobil-Kolonnen auftauchten und als „Drahteselersatz“(?) Zweiräder in Gestalt von „Vespas“ mitführten…

– Weil aber die geschilderten Auffälligkeiten im Laufe meiner Radtour – nicht wegen des Regens – „verwässerten“, rückte der Hauptteil von Kapitel 13 aus „18 Nächte zur Mitternachtssonne“ immer stärker als Alternative in den Mittelpunkt.
– Weil er besonders über den darin abgedruckten Beitrag der dänischen „Jyllands-Posten“ aus dem Jahre 1999 von außen einen kritischen Blick auf uns Deutsche lenkt.
– Weil er allgemein sensibilisiert für Verhaltensweisen, wie sie uns vielleicht erst durch derart plakative Überzeichnung auffallen.
– Weil ich, nachdem ich oben bereits anfing, motorisierte Touristen aus subjektiver Wahrnehmung zu typisieren, gar nicht anders kann, als nach Art des klassischen dänischen Humors, am meisten über mich als Deutschen zu lästern…
Viel Freude bei der Lektüre.

Übrigens: Verfasst wurde Kapitel 13 – ohne darauf direkt einzugehen – anlässlich der Diskussion um die „Mohammed-Karikaturen“, erschienen im September 2005 in derselben Zeitung…

* Russische Fernradler traf ich mehrfach, zuletzt im südfinnischen Turku vor der Überfahrt auf die schwedischsprachigen Ålands.
Motorisierte Russen tauchten häufig auf, per Zweirad oder PKW. In Nordnorwegen und -finnland verstärkt ausgestattet mit bulligen Vans, jedoch nie mit einem Fahrrad im Gepäck (vielleicht trauten sie sich nicht ihr Fahrrad mitzunehmen aus Angst, man könnte daraus schließen, sie seien noch vor kurzem auf selbiges als Haupttransportmittel angewiesen gewesen…).
* Litauische PKW gehörten verstärkt zum norwegischen Straßenbild, weil viele Litauer als „saisonale Gastarbeiter“ jobben. Nördlich der Vesterålen traf ich aber auf litauische Fernradler: Das Paar besorgte sich Räder und Ausrüstung bei einem Bochumer Internetanbieter. Klein ist die Welt…
* Finnen finden wohl auch zu Hause genügend Möglichkeiten, das Fahrrad regelmäßig als akzeptiertes Verkehrsmittel zu gebrauchen und schleppen es deswegen – tendenziell – nicht noch als Zusatzgepäck/Fitnessgerät ans Wohnmobil „genagelt“ mit.
Für sie, wie für die Schweden und Norweger gilt Skandinavien eh nur als „Kurzreiseziel“ vor der Haustür.

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