Rückkehr

(Achtung, der versehentlich gelöschte Bericht „Joulupukki, der Weihnachtsmann, Raija und Veijo Käpylä“ vom 07.08. (Strickkünstlerin/Finnmesserhersteller) ist jetzt wiederhergestellt)

23./24.08.13
Wie man aus meiner Reisekarte vom Februar 2013 erkennen kann, plante ich ursprünglich, von Flensburg aus die Rückfahrt per Bundesbahn anzutreten.
Nach langer Zeit wollte ich zum Abschluss meiner Fernfahrt von Rudkøbing aus nach Marstal auf Ærø übersetzen und auch diese sehr interessante Insel erstmalig mit dem Fahrrad durchqueren.
Weil diese Fährverbindung zu Beginn 2013 stillgelegt wurde – ich erfuhr davon zu Ostern – beschloss ich nach Rødbyhavn zu radeln, um dann von Putgarden aus bis Bochum die Bahn zu benutzen.

(2010 machte ich das auch, mit der Erfahrung, dass mir am Ticketschalter in Putgarden mitgeteilt wurde, ich müsse sechsmal umsteigen und die Fahrt, um etwa 13.00 Uhr angetreten, insgesamt etwa bis Mitternacht dauern würde. Schnellere Züge und weniger Umstiege gäbe es nur, wenn die Fahrradmitnahme einen Tag vorher reserviert würde.
Schwierig für einen Fernradler zu meistern, der von Wind, Wetter, Fähren, Pannen, Unvorhersehbarkeiten aufgehalten werden kann.
Ich trat die Bahnreise an mit dem Ergebnis, dass ich bei der Ansage „NÄCHSTER HALT: WANNE-EICKEL HAUPTBAHNHOF“ in dem schon bremsenden Zug die Fahrradhaltegurte löste, ausstieg und mit „Lancelot“ meinem Rad von BALANCE, das ich auch schon bei der Tour 2006 benutzte, um fast eine Stunde früher zu Hause angekommen war, als wenn ich bis Bochum die bezahlten Dienste der DB genützt hätte).

Nach zwei wunderbaren Ferientagen auf Nordlangeland verabschiedete ich mich am Nachmittag von Karin und Erling, radelte los nach Spodsbjerg, nahm die Fähre nach Tårs auf Lolland
und kam schließlich um 19.00 Uhr, nach 80 km und heftigen Anstrengungen gegen starken Gegenwind in Rødbyhavn an.
Die Fähre nach Deutschland legte schon 15 Minuten später ab, ich war um kurz nach 20.00 Uhr in Putgarden.
Die erste Überraschung: Die DB rationalisierte inzwischen die Fahrkartenschalter weg, es gab nur noch Ticketautomaten.
Die zweite Überraschung: Zwar konnte ich mir die Fahrpläne schön ausdrucken lassen und erfahren, dass für überregionale Züge die Mitnahme von Fahrrädern weiterhin am Vortag reserviert werden müsse, den entsprechenden Link zur Reservierung gab es aber nicht.
Eine zufällig anwesende Mitarbeiterin der DB fand ihn auch nicht. Eine Telefonnummer, um sich weiter zu erkundigen auch nicht.
Meine Sorge war, dass der Rückreiseverkehr am Samstag die Fahrradmitnahme selbst bei Regionalzügen, die ich dann zu nehmen gezwungen war, erschweren würde. Die Aussicht, gegen 9.50 Uhr zu starten und, mit Glück, gegen 19.00 in Bochum anzukommen fand ich nicht sehr reizvoll. Ich verzichtete deshalb auf eine Übernachtung auf dem Campingplatz – der „Nachtfalke“ erwachte – und beschloss, mit der Bundesbahn ins Ungewisse zu reisen.

Nach vielen Schleifen druckte ich mir am Automaten eine Fahrkarte bis Lübeck aus, nahm eine Radtageskarte für die Regionalbahn und startete kurz nach 21.00 Uhr gen Bochum.
Trotz kurzer Umstiegszeit gelang auch der Anschluss nach Hamburg, wo ich vor Mitternacht angekommen, eine Dreiviertel Stunde Zeit hatte, Weiteres zu erkunden.
Mit meinem Sonderwunsch, ein Fahrrad mitnehmen zu wollen und der andererseits dafür bestehenden Reservierungspflicht am Vortage (es war noch Vortag, die Weiterfahrt startete nach Mitternacht) brachte ich den auch nachts offenen „Servicepoint“ mit äußerst hilfsbereiten Miarbeitern ins Rotieren:
Der Nachtzug aus Kopenhagen hatte zwischendurch einen freien Liegeplatz (Reservierung gebührenpflichtig) und der telefonisch kontaktierte Zugführer war bereit, mein Rad ausnahmsweise im Wagon 204 mitzunehmen.
Bis der Ticketautomat mich jedoch „auf dem direkten Wege zur Fahrkarte“ alles eintippen ließ, verschwand der Liegeplatz. Die als Alternative angegebene dreifach teurere Reservierungsmöglichkeit eines Schlafwagens ergab einen Fahrpreis Hamburg-Bochum von 135 € plus Fahrradtransport.
Die Vorstellung, ein wertvolles Fahrrad mit Sonderausstattung samt Ausrüstung durch telefonische Ausnahmegenehmigung dem Wagen 204 zu überlassen und sich selber in ungeduschtem Zustand mehreren Mitbewohnern eines Schlafwagens in irgendeinem ungenannten Zugbereich zuzumuten, schien mir grenzwertig.
Auf Anfrage erfuhr ich dann von der netten Mitarbeiterin der Bahnauskunft am Servicepoint, dass nur wenige Minuten später ein Regionalzug in Richtung Ruhrgebiet startet.
Ich nahm die zweistündige Wartezeit in Bremen in Kauf, fand mich mit dem Umstieg in Wunstorf ab, der genügend Zeitreserve auswies, riskierte in Minden, bei der nur 5 Minuten Zeitspanne für den Wechsel mit Rad und Gepäck von Gleis 1 auf Gleis 12, den Anschluss zu verpassen und befand mich im Besitz einer Fahrkarte für nur 52,- € plus 5,- € für das Radticket.
Per Umweg zum Lift hätte ich meinen Zug ab Hamburg nur knapp erreicht, die gewöhnliche Treppe herunter (Rolltreppenverbot für Fahrräder) war aber mit bepacktem Rad zu Fuß, nach der Norderfahrung der letzten 2 Monate, überhaupt kein Problem.
Es ging los.

Alle Umstiege gelangen, die Schaffnerin des letzten Zuges machte mir um 8.17 Uhr netterweise zwei Ankunftsfotos vom Bochumer Hauptbahnhof.

Auch wenn diesmal alles (fast auf gut Glück) gelang, die Realität der Beförderung von „echten“ Radtouristen im Fernverkehrsnetz der DB ist auch 2013 nicht befriedigend.

Zu thematisieren wäre noch die nächtliche Situation mit vielleicht nur am Wochenende zuhauf präsenten „Besoffenen“ – ich nenne sie bewusst nicht „Betrunkene“ – auf deutschen Bahnhöfen und in (Regional(?))Zügen, die sich fahrlässig in Lebensgefahr bringen und das Zugpersonal mit schwierigsten Aufgaben befrachten.
Das erspare ich mir.
Die schon beschriebene Nachtfahrt „unter Bären“ während meiner Königsetappe von Kilpua nach Mänttä, war aber „weniger stressig“…

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