SMEDJEBACKEN – KUMLA (Schweden gewinnt den „Elchtest“)

14.08.13
Schon gestern verlor ich viel Zeit durch die Radwegsuche.
Örebro war ungefähr 150 km entfernt und ich wollte möglichst noch weiterfahren, um dann, nach einer Tagesetappe nicht zu spät am Abend Visingsö zu erreichen.
Start wieder um 4 Uhr früh.
Die ersten anderthalb Stunden kein Fahrzeug.
Dafür zwischen 4.45 Uhr und 5.15 Uhr fünf Elche.
Der erste, eine Elchkuh, versperrt 50 m vor mir auf dem Asphalthügel noch im Halbdunkel den Weg.
Ich bleibe lautlos stehen, die Elchkuh auch.
Ähnelt aus der Entfernung und von meiner Talposition aus eher einem Kamel, als einem Elch.
Wir starren einander an.
Minutenlang.
Herrlich.
Als sich die Kuh seitwärts dreht und langsam rechts im Wald verschwindet, versuche ich meinen Fotoapparat zu aktivieren.
Zu spät.
Als ich ihn wegstecke, schreitet eine zweite Elchkuh seelenruhig quer über die Straße.
Wahrscheinlich hat sie mich auch beobachtet und ich hätte sie wohl irgendwo erblickt, wäre ich nicht so fest auf mein „Kamel“ fixiert gewesen.
Zehn Minuten später, in einer Straßenkurve ein Elchrücken.
Das Tier steht mir abgewandt, sieht und hört mich nicht, denke ich.
Gibt eine schöne „Hinteransicht“.
Kaum bewege ich die Hand zum Fotoapparat, höre ich laute Geräusche: Der Bulle bricht sich den Weg frei durch das Dickicht.
Fünf Minuten später, kurz nacheinander, zwei Elchbullen erblicken mich oder hören die Reifengeräusche, als ich bis auf etwa 20 m an sie heranfahre und verschwinden talwärts in Richtung des nahegelegenen Sees.

Die Gegend mit vielen Steigungen, Lichtungen, abgeholzten Wäldern und Seen war sehr „menschenfrei“, fast keine Gebäude kilometerweit.
Nach etwa 90 Minuten fuhr ich an einem schön gelegenen Campingplatz vorbei.
Danach tauchte ein wunderschöner Rastplatz auf, an dem ich über eine Stunde blieb.
Anschließend äußerst anstrengende 85 km in 10 Stunden über Stock und Stein, Feldwege mit Sackgassen, bis ich die erwähnte Radsportlerehefrau traf, die mir zu anderen Fahrentscheidungen verhalf, sodass ich in weiteren 5 Stunden fast noch 100 km weiterkam.
Die 40 km bis Örebro (und daran vorbei) verliefen zügig.
Problem: alle Akkus leer, ich musste eine Übernachtungsmöglichkeit finden.
In Kumla, etwa 10 km südlich von Örebro, fand ich Hinweisschilder auf einen Campingplatz und fuhr hin:
Das Rezeptionsgebäude war rundherum zugewachsen, der Campingbetrieb für diese Saison eingestellt, es galt ein Verbot irgendwo auf dem Gelände zu zelten.
Die angegebene Telefonnummer: stumm.
Einige Hütten und der Rasen um sie herum schienen gepflegt zu sein, ich fragte im nahen Schwimmbad danach.
Keine Ahnung!
Ein Bahnhofshotel gab es als einzige Unterkunftsmöglichkeit in diesem Städtchen.
Keine sonst so verbreiteten Stugas/Hütten…
Das Hotel war geschlossen.
Eine Verwalterin teilte mir mit, es sei ausgebucht.
In der Nähe, nur einige Kilometer entfernt, gäbe es Zimmer mit Bed&Breakfast für Pferd und Hund.
Ich musste an der Tankstelle 7/11 links abbiegen und einfach fahren und auf das Schild achten.
Ich fand es tatsächlich.
Ein Reiterhof mit Unterkunftsmöglichkeiten.
Alle Zimmer ausgebucht.
Ich benötigte ja nur Strom, sonst wäre ich längst irgendwo untergekommen.
UM ALLES ABZUKÜRZEN:
Ohne mich zu kennen, räumten die Hausherren einen Tisch in ihrem Restaurant zur Seite, damit ich Matte und Schlafsack ausbreiten, das ganze Gepäck unterbringen und auch meine elektronischen Geräte laden konnte. Auf der Toilette konnte ich mich erfrischen, die Außentür des Speisesaales von innen abschließen. Für einen symbolischen Preis war mir alles zu Verfügung gestellt worden, und die kurze Nacht (ich startete um 4.30 Uhr) reichte aus, um Kopflampe, Taschentelefon (manche sagen Handy) komplett aufzutanken. Selbst meine Wasservorräte konnte ich in der Küche auffüllen.
Danke, liebe Familie Sartz, ich melde mich, wenn ich wieder in Bochum zurück bin.

zu 2 Bildern:
Als Radfahrer bemerkt man immer wieder in den Asphalt eingebackene Baumscheiben, Knüppel, Schippen, Plastikflaschen und diverse andere Gegenstände (besonders häufig in Norwegen), die, freigelegt, wegbrechen, wegkrümeln, die Oberfläche schädigen…

Da wollte ich mich doch mit Lebensmitteln eindecken, in dem ganz überraschend aufgetauchten Laden…, die Öffnungszeiten verhinderten dies…

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