Stora Skedvi/Hedemora, „Umweg zum Waldorftreff“ 30 km vor Falun

VORBEMERKUNG: Die Situation für Langstreckenradler in Schweden erinnert mich in der Praxis, trotz der 6.000 km langen im „SVERIGELEDEN“ empfohlenen Radwanderstrecken, etwas an die Problematik in Norwegen (die mit dem ADFC vergleichbare schwedische Radfahrorganisation SVENSKA CYKELSÄLLSKAPET versucht seit Jahrzehnten Strecken für Radwanderer durch das Land zu erschließen und gibt unter „Sverigeleden“ umfangreiches Kartenmaterial heraus).
Was man in Norwegen unter „Tunnelisierung“ zusammenfassen könnte (Bau von Tunnels mit Radlerausschluss, Stillegung von Fährverbindungen mit enormen Konsequenzen für die ansässige Bevölkerung), dürfte man für Schweden mit „Autobahnisierung“ benennen (gilt auch für Deutschland).
Der wachsende Schnellverkehr erfordert jedenfalls Schnellstraßen.
Radwege werden dabei nur in der Nähe der Städte angelegt.
Radler werden sonst „in die Wälder “ geschickt…,
oder es werden für sie(?) „interessante“ Umgehungsstrecken gewählt, mit vielen Freilichtmuseen, alten Grubenanlagen, Wassermühlen, Kunst-, Keramik- o.ä. Galerien.
Interessant doch nur, wenn ich meine Ferien in „A“ verbringe und meine Touren um „A“ herum gestalte. Will ich als Radwanderer von „A“ nach „B“, so wäre mir ein erworbenes Bild vielleicht als Segel nützlich, sonst aber nur lästig.
Fragt man die gewöhnliche, ansässige, inzwischen mit der Motorisierung „verwachsene“ Bevölkerung, ob man z.B. den RV50 (Reichsweg 50) als Radfahrer benutzen darf, bekommt man ein angstgeprägtes „nein, das ist wohl nicht erlaubt, das ist zu gefährlich“ als Antwort.

Ich musste mit der Situation umgehen lernen, Lösungen finden, Zeit vergeuden, wenn eine durch das Navigationsysten empfohlene kürzeste Strecke wieder einmal vor ein kamerabewachtes Anwesen, eine Motorradrennbahn, eine Hofeinfahrt, eine elektrozaungeschützte Weide, ein Naturschutzgebiet, einen komplett zugewachsenen, unbefahrbaren Feldweg führte.

Deswegen die „Funkstille“ der letzten Tage.

Zum Glück(?) fand ich an einer dieser Stellen ein Haus, in dem die Ehefrau eines Radrennfahrers lebte, unweit einer autobahnmäßig ausgebauten, in der Mitte durch Stahlspannseile getrennten, an der Seite durch Leitplanken bestückten Reichsstraße mit zweistelliger Nummer. Diese Straße war dort weder als „Schnellweg“ (PKW-Piktogramm), noch als Autobahn ausgewiesen.
Ihre Einschätzung führte dazu, dass ich mich inzwischen hunderte Kilometer entfernt als einziger „Zeltler“ auf dem ehemaligen Campingplatz der Insel Visingsö im Vätternsee befinde (den Regen hierher brachte, dennoch einen Urlaubstag unweit meines Feigenbäumchens verbringe, das die Strapazen der Vorbereitungstour 2011 gut verkraftete) und schreibe.
Um asphaltierte Wege zu finden oder weil es einfach die kürzeste Verbindung war, benutzte ich z.B. gestern, seit Kumla bei Örebro, für fast 150 km fast ausschließlich den RV 50, wurde ich während der ganzen Fahrt weder von PKW- noch LKW-Fahrern angehupt oder von Bauarbeitern der 10 km langen Baustelle bei Askersund bzw. der wirklichen Autobahnbaustelle um Motala, wo es z.Zt. Für den Verkehr keine gescheite Ausweichsstrecke gibt, auf ein Fehlverhalten hingewiesen.

Ich sah übrigens auf meiner ganzen Strecke auch nur ein einziges Radlerverbotsschild: In der Innenstadt von Motala auf dem Bürgersteig, in einer absolut verkehrsberuhigten Zone, offenbar in Umgebung eines Seniorenheimes…

Montag, 12.08.13
Auch wenn die Ålandinseln schwedischsprachig sind und manche Schweden dieses „alte“ Schwedisch etwas schmunzelnd zur Kenntnis nehmen, die Bewohner empfinden sich absolut als Finnen. Das kann man am besten dann feststellen – so hörte ich einmal intern – wenn sich die beiden Nationen im Fußball oder Eishockey miteinander messen. Kaum ein echter Åländer wird sich dann für die schwedischen Tore begeistern…
Als Außenstehender empfindet man in der Landschaft allerdings vieles schon als SCHWEDISCH.

Ist man dann aber wirklich in Schweden, mir geht es jedenfalls so, so weiß man das dann auch von der Empfindung her ganz genau…
Vielleicht verdeutlichen das auch die Bilder…

Zwar stellte ich den Wecker auf 4.00 Uhr, ich wachte aber früher auf und startete um 4.00 Uhr.
Es war noch recht dunkel, es kündigte sich aber ein recht sonniger Tag an.
Bereits gegen 5.00 Uhr fand ich in einem größeren Ort einen Geldautomaten und war „flüssig“.
Weil ich von Eckerö nach Grisslehamn übersetzte, war ich beträchtlich weiter nördlich, als Stockholm – die Chance, doch noch die Familien ehemaliger Bochumer Schüler zu besuchen.
Das Navigationssystem zeigte für das Rad eine nur etwa 220 km lange Strecke, die Strecke per PKW war deutlich länger.
Die Vorbemerkungen oben, das Radeln in Schweden betreffend, galten für diesen Tag noch nicht. Ein RV war deutlich auch für Radfahrer zugelassen, die Waldwege relativ schotterarm und schnell.
Einmal holte ich mir in einem gepflegten Anwesen mitten im Wald frisches Wasser. Das ältere Ehepaar war begeistert vom Radler, hatte es doch im Garten einige Bäume und Büsche zu präsentieren, die von Deutschlandreisen mitgebracht wurden.
Abends gegen 21.00 Uhr kam ich zur großen Überraschung aller – auch wenn meine Reise im Blog teilweise verfolgt wurde – In Stora Skedvi/Hysta an.

Zu einigen Bildern:
Stahlwerke gibt es natürlich nicht nur im Ruhrgebiet;

Biber sind süß…, kleiner als ich vermutete. Der Kerl, den ich etwa 10 Minuten lang still beobachtete, bis er mich doch bemerkte und untertauchte, geriet etwas unscharf. Ein kleiner Damm, Foto vor dem Biber, von vielleicht 2 m Länge hob den Wasserspiegel um etwa einen Meter an. Auf der anderen Straßenseite taten das andere Biber im größeren Ausmaß: die Tannen „ertranken“;

Oldtimer sind in ganz Schweden verbreitet, eine ganze Kultur der RAGARE(so heißen sie, glaube ich) hat sich besonders hier um Falun herum erhalten. Manche Liebhaber legen ihr ganzes Geld in die Restaurierung alter Karossen an, um im kurzen Sommer, feinst poliert und lautstark röhrend, durch die Landschaft zu fahren. Das gezeigte Objekt gehört noch zu den Bescheideneren. Als wir 2006 bei Falun tanken mussten, gerieten meine Frau und ich unfreiwillig in einen viele Kilometer langen Stau solcher Fahrzeuge, die sich laut hupend, brummend aber sehr langsam fahrend, um gesehen zu werden, fortbewegten. Komisch, stundenlang in einem Opel Zafira dazwischen zu stecken…

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