Joulupukki – die 3 Stunden im Hauptpostamt des wahren Weihnachtsmannes am Polarkreis

Ich werde mich auch bei der Fortsetzung meiner Reise nicht unter Druck setzen, eine bestimmte Kilometerzahl abspulen zu müssen, etwaige früher gemachte Ankündigungen, die Etappenlänge betreffend realisieren zu müssen, zu einer bestimmten Tageszeit aufbrechen zu wollen usw..
Wieso auch?…
Manche meiner Beiträge sind mit dem Wort „Begegnungen“ verknüpft.
Hätte ich z.B. Nach dem Zeitungsinterwiew in Kirkenes nicht noch 3 Stunden in der dortigen Bibliothek mit freiem Internetzugang verbracht, so wäre ich an Sevettijärvi „vorbeigezischt“, wäre dem jungen Skoltsamen Michael Gauriloff nicht begegnet. Ich wäre einen Tag früher „beim Weihnachtsmann“ am Polarkreis 8 km nördlich von Rovaniemi gelandet und hätte nichts von Pertti Forsström, dem prominenten Hobbykoch mitteilen können. Wenn meine Finnischkenntnisse nicht ausreichten, um etwas genau zu erfahren, sprachen wir auf Schwedisch darüber. Perttis Vorfahren stammen aus Schweden, was auch am Namen leicht zu erkennen ist…

Da im Zimmerpreis von „Perttis Saunaparadies“ auch noch, das üppige Frühstück enthalten war, wir miteinander noch lange sprachen, bin ich anstatt um 7.00 Uhr erst um 9.15 Uhr in Richtung Rovaniemi aufgebrochen.
Die 65 km bis zum Weihnachtsdorf am Polarkreis waren nach dreieinhalb Stunden zügigen Radelns erledigt.
Das Zentrum ist übrigens bestimmt zehnmal so groß wie das „Weihnachtswichtelzentrum“ im Südnorwegischen DRÖBACK und es wird ständig erweitert. Der Markt dafür ist offenbar vorhanden.
Japaner, Deutsche, Italiener dominieren die Touristenpalette des Tages. Vor allem aber die beständig dudelnde Weihnachtsmannmusik, die In- und Outdoor das ganze Jahr über den „Ort“ berieselt.
„Die armen Mitarbeiter“, dachte ich vor Jahren, „sie hören es gar nicht mehr“‚ erfuhr ich später aus zuverlässiger Quelle…

Da ich von Tuula, einer gebürtigen Lappländerin (keine Samin) – ich werde sie in Mänttä besuchen – bereits vor fast 30 Jahren die Adresse des wahren Weihnachtsmannes am Korvatunturi (Ohrenberg) erfuhr,
da alle meine Schüler bislang, welche die jeweils am 13. Dezember an die Tafel geschriebene Adresse verwendet haben, eine gebührenfreie Antwort bekamen(!), hatte ich hier im Hauptpostamt des Weihnachtsmannes bereits vor 2 Jahren, als ich mit Feigenbäumchen reiste, genügend Gesprächsstoff auf Lager.
Zwei Weihnachtswichtel (die auf den ersten beiden Fotos), ließen sich damals gern mit Feigenbäumchen ablichten.
Nach ihnen suchte ich.

Die ältere Frau war gerade in den Ferien, die Jüngere arbeitete nicht mehr im Postamt – Schade.

Halt!
Das gibt’s doch nicht, ich habe sie „privat“ zunächst gar nicht erkannt, sie ist doch da…

Ich habe Riesenglück, den die ehemalige Kollegin füllt gerade als ich eintreffe, in Erinnerung an alte Zeiten eine Postkarte aus, die sie von hier aus verschicken will. Sie ist zufällig für eine halbe Stunde zu Besuch. Zufällig!
Wir haben sofort gemeinsamen Gesprächsstoff, die Kinder, den Feigenbaum, den Weihnachtsmann, den Betrieb hier im Dorf, meine Radtour betreffend.
Andere Wichtel kommen dazu, meine gelbe Nachtfalkenjacke, mein Radleroutfit verstärken die Wirkung, Japaner, Italiener, Deutsche, Niederländer und andere nutzen uns als willkommenes Fotoobjekt, manche trauen sich, Fragen zu dem besonderen Begegnungsereignis zu stellen.
Ich habe etwas schlechtes Gewissen, schiele gelegentlich zur Seite, ob nicht irgendeine offizielle Person, DER WEIHNACHTSMANN(!), die Wichtel lieber bei ihrer eigentlichen Arbeit sehen würden.
Nein, auch so ist die Werbewirkung willkommen, man kann als Tourist von einem besonderen Akzent des Besuches am Polarkreis berichten.

Statt mich wie geplant, nach einer halben Stunde nach Süden zu begeben, bleibe ich insgesamt 3 Stunden im Dorf, esse, kaufe ein, spaziere, trödle herum. Irgendwie fällt mir der Abschied von der Nordkalotte nördlich des Polarkreises schwer. Das merkte ich auch schon in den vergangenen Tagen…

Verflixt, bei der Schussfahrt nach Rovaniemi gerate ich versehentlich auf die Autobahn und bin für 3 Kilometer in gewisser mentaler Not.
Egal.
Da muss ich durch.
Niemand hupt mich an.
Die nächste Ausfahrt und ich bin draußen.
Der Polizeiwagen, zufällig aus anderer Richtung kommend auch.
Ich wechsle sofort auf den Radweg.
Zücke die Schultern.
Die Polizei auch.
Wahrscheinlich bin ich nicht der erste Depp, dem das hier passiert ist…

Die Radwege in Finnland, besonders auf der Strecke in Richtung Kemi, Oulu sind ein Traum, liebe Norweger!
Überall neben der Hauptstraße wurden in Umgebung größerer Orte breite „Radautobahnen“ angelegt.
Die Benutzung der Bundesstraßen ist meistens dennoch erlaubt.
Bei Erneuerungen der Fahrbahn wird selbstverständlich auch der Radweg erneuert oder neu angelegt. Dort, wo Radfahrer und Fußgänger wegen der Schnellverkehrsstraße ausgeklammert sind, finden sich immer herrliche Schnellstraßen auch für Radfahrer.
Es rollt…

Nach Sonnenuntergang, meine Beleuchtung zeigt schon hilfreiche Wirkung, stehen plötzlich in einem frisch gerodeten Waldstück nur etwa zwanzig Meter entfernt, vier riesige Elchbullen und glotzen den Radler an.
Ich halte an. Die Elche stehen. Ich knipse das Licht aus. Die Elche stehen.
Ich bewege mich, versuche den Fotoaparat herauszuholen, Bilder zu schießen: die Elche setzen sich in Bewegung, mit Riesenkraft und verschwinden in wenigen Augenblicken aus dem Sichtfeld. Schade, hätten wir uns doch weiter nur „angeglotzt“…

Nach einem Kilometer, nach 164 Tageskilometern, trotz Spätstarts sowie Weihnachtsdorfbesuchs und nur noch etwa 40 Kilometer vor Kemi, führt ein Waldweg von der Straße weg, hügelauf. Nach 600m eine Kurve, Idealplatz für Zelt und Rad. Ein Jägerhochsitz ist nur etwa zwanzig Schritte entfernt. Gute Nacht…

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