Ivalo – Sodankylä – Rovaniemi

Leider sind durch einen missglückten Löschvorgang fast alle Bilder zwischen Ivalo, wo ich alte Bekannte aufzuspüren versuchte (nach Südfinnland verzogen, die Frau ist inzwischen verstorben) und meinem Saunaparadies von PERTTI FORSSTRÖM in seinem Santa China Center Oy (kurz vor dem Weihnachtsmanncenterbesuch nördlich des Polarkreises), wo ich für 35 € ein Zimmer inkl. Saunabesuch, elektrischer Geräteversorgung und Fahrradgarage bekam, verloren gegangen.
Sehr bedauerlich besonders die Landschaftsveränderungen beim sehr langen Aufstieg bis über die Baumgrenze hinweg bei Saariselkä und die Baumgestalten in der Nähe der Goldstraße – hier wird noch nach Gold gegraben – beim Urho Kekkonen Nationalpark, einer wirklichen Attraktion, wenn man Zeit mitbringt.
Vor 2 Jahren, bei meinen Vorbereitungen, machte ich dort auch Fotos. Vielleicht füge ich sie nach meiner Tour noch ein…
Schade ist auch, dass das Foto von Marc und Esteban, zwei ganz jungen Radlern aus der Französischen Schweiz verloren ist. Beide sind absolut begeisterte Hobby-Ornithologen, widmen jede Sekunde ihrer Freizeit den Vögeln und haben auf der Reise auch schon ganz seltene Exemplare fotografiert.
Ich treffe sie südlich von Sodankylä.
Auf meine Frage, ob auch sie zum Nordkap wollen, schauten sie mich bloß verwundert an.
„Varanger“, war ihre ganz eindeutige Antwort, „weil man dort am besten in Europa…, in der Welt Vögel beobachten kann“, fügt Esteban schnell hinzu.
Dass die Vögel schon aus den Stauranfelsen ausgezogen sind, stört sie überhaupt nicht. Sie erfahren von „meinem Nordkap“ von den Schweizern in Berlevåg, von dem sibirischen Café und bewundern meine Bilder.
Und ich ihre.
Sie haben Zeit. Esteban muss aber dringend den Hinterreifen wechseln. Er ist völlig abgefahren.
Marc’s Reifen halten noch lange – es sind die gleichen wie meine.
Irgendwann werden sie in Narvik oder Kiruna den Zug nach Süden nehmen. Bis dahin stehen aber die Vögel völlig im Mittelpunkt…

Durch Zufall entdeckte ich gegenüber dem Geldautomaten in Sodankylä einen EXPERT-Laden und einen Kiosk, wo ich für 6 € eine äußerst schnelle Micro-SIM – Wochenkarte für das IPad bekam, sodass die Nachrichten aus Finnland jetzt unkompliziert möglich sind.

Ja, es war das erste Mal! Ich habe es getan!
Ich habe Lakritzeis gegessen.
Julian, der Sohn unserer Dortmunder Freunde, längst erwachsen, bedauert seit er sprechen kann, dass es nicht in der ganzen Welt das finnische Lakritzeis gibt.
Nun ja, ich habe es probiert. Und kann verstehen, warum er und die lakritzhungrigen Finnen es so mögen.
Ist dennoch nicht mein Fall, ich weiß aber, wie es schmeckt.
Zur Sicherheit ließ ich mir in meinem Kästchen noch einige der leckeren finnischen Erdbeeren über, falls das Eis allzu schrecklich sein sollte. War es nicht.
Schade Julian, dass ich Dir kein solches Eis mitbringen kann…, musst schon nach Finnland fahren…

In Sodankylä habe ich durch einen Hinweis meiner Frau das Andreas Alariesto Museum wiederentdeckt und wegen des Regens gute Zeit dort verbracht. Alariesto, Same, war ein Sohn der Stadt und hat unter anderem in einer Art anspruchsvoller Naiver Malerei, die alten Sitten und Bräuche der Samen festgehalten, „bevor die Traditionen ganz verschwinden“. Jeder der in Sodankylä vorbeikommt, sollte einige Stunden für das Museum vorplanen.
Bushäuschen und Heli, die sehr nette Mitarbeiterin des Museums sind die einzige Bilderausbeute der letzten Tage (Habe doch noch später ein Bild eines bedruckten T – Shirts auf dem iPad gefunden…).
Da es auch in Finnland mitunter beständig regnet – das Land hat es nötig, viele Seen sind ausgetrocknet oder haben sehr niedrigen Wasserstand – sind vornehme finnische Bushäuschen willkommene Möglichkeiten, sich für den nächsten Guss zu präparieren, Kleider zu wechseln oder etwas zu kochen…

Mist, nachdem ich und die Schweizer Ornithologen unsere Wege entgegengesetzt fortsetzten, flog einer meiner warmen Goretexhandschuhe vom Gepäckträger hinten herunter, ohne dass ich es gemerkt habe.
300m später werde ich von einem finnischen Motorradfahrer angehalten, der mir das kurz mitteilt. Zur gleichen Zeit hat wohl ein finnischer PKW-Fahrer, von Süden kommend den Abflug bemerkt, den Wagen gewendet, den Handschuh aufgehoben, um mir ihn lachend zu überreichen.
Kiitos ystävät!, ich habe ganz vergessen, nach euren Namen zu fragen.

Eine ähnliche Situation in Deutschland ist möglich, eine so aufmerksame Hilfsbereitschaft aber kaum vorstellbar. Wenn der Finne ein Haus baut, muss dieses auch bei bis zu 50 Grad Kälte warm halten. Fehlende warme Handschuhe, spielten in meinem Buch über die Tour 2006 eine große Rolle. Die Finnen kennen sich aus und lassen einander nicht im Stich.

Pertti Forsström, zweiter Teil:
Mein Fahrrad ist am Morgen vorbereitet, ich komme aber noch längst nicht weg.
Im Zimmerpreis ist das Frühstück inclusive und trotz der reichlich fleischlichen Beilagen finde ich genügend für mich dabei.
Perttis Frau ist Chinesin. Er selbst unterhielt früher große geschäftliche Verbindungen mit China im Zusammenhang mit der Möbelindustrie.
Sein anderes Steckenpferd: Pertti ist Hobbykoch aber auch Verfasser vieler Kochbücher „gehobener Gastronomie“ und Herausgeber gastronomischer Zeitschriften gewesen.
Irgendwann kam er auf die Idee, Chinesen, die in der Gegend hier auf Geschäftsreisen waren, besondere Unterkunfts- und Tagungsmöglichkeiten unweit des Polarkreises zu bieten.
Vor Jahren erkrankte er schwer und zog sich konsequent aus der „Geschäftsmühle“ auf sein Center zurück.
Die Geschäftsleute kommen dennoch. Auch der Finnische Präsident hat vor gar nicht so langer Zeit sein Restaurant besucht…

Pertti Forsström zum Dritten:
Als Pertti meine Fotos und das Video der dichten Multbeerfelder bei Vardø sieht, ist er drauf und dran, ins Auto zu steigen und sich die 600 km auf den Weg zu machen, um sie einzusammeln.
„Mit dem Auto ist es schnell und gar nicht so weit“, meint er.
Den Finnen ist für „lakka“ ( gesprochen Lack – ka)buchstäblich KEIN weg zu weit…

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