Skaidi – Knivskjellodden: DER „Nordpol“ Norwegens/Europas ist erreicht!

Knappkommentare zu einer insgesamt fast 180 km langen Tagesstrecke plus 18 km Wanderung zum Knivskjellodden (s. hierzu auch Artikel von Anfang Juni, vor dem Start der Tour, da sortiert sich dann manches besser), die insgesamt 21 Stunden dauerte. Die Etappe machte mir besonders auf der Nordkapinsel zu schaffen, weil nach vielen Steigungen davor, von mehreren Hundert Metern und der Passage des Nordkaptunnels (212 m u. NN) beim Aufstieg zum Nordkapplateau die ganze Zeit starker, stürmischer Gegenwind herrschte und die Steigungsstrecke auch nach 2.000 Kurbelumdrehungen noch längst nicht zu Ende ging. Dafür aber sorgte die hohe Verkehrsfrequenz mit PKW, Bussen und LKW für ständige Gleichgewichtslöcher im mich umgebenden „Windmantel“, die ausgeglichen werden mussten.
An Singen war nicht zu denken, man hörte nur den Wind musizieren, in den Radspeichen, Kabeln, Röhren usw. …

Aufbruch bereits/erst um 6 Uhr.
Herrliches Wetter, Rückenwind.
Faszinierende Tundralandschaft der Finnmark.
Überall Rene, Vogelgesang.
Olderfjord -129 km vor dem Nordkap – schnell erreicht.
Nach 45 km an einer Birke als Fahrradständer und Krähenbeerenteppichen als Vitaminenergänzung für die fettreiche Rømmegrøt mit Massen an Trockenobst und Nüssen das Primus-Öfchen angeschmissen und besagte Grütze gekocht.
Das gibt’s doch nicht:
zunächst ziehen Kjettil und Maria, die Frischvermählten aus Oslo mit ihren „Hochzeitsrädern“ vorbei. Kjettil muss noch unbedingt vor der Tunnelpassage den Hinterreifen wechseln…, es könnte sonst sehr gefährlich werden bei der Abfahrt.

Kurz danach radeln Kerry und Glenn, die Dänen vorbei.
„Wir sehen uns oben“, ruft mir Kerry zu.

Ich habe alle ja schon viel weiter vermutet, nachdem ich noch 2 Stunden am Fahrrad bastelte und die beiden „Doppel“ im Olderfjord, wenige Kilometer von hier entfernt übernachteten, während ich auf Anraten von Bjørn noch entgegengesetzt zur eigentlichen Fahrtrichtung 5 km bergab zu meinem wunderbaren Jugendcamp radelte und für 300 Kronen ein Zimmer fand…

Meine Rømmegrøt ersetzte zwei Frühstücke.

Vor zwei Jahren gelang es mir den Nordkaptunnel mit Leichtgepäck in nur 29 Minuten zu passieren.
Jetzt hoffte ich in 45 Minuten oben zu sein und schaffte es in 35 Minuten.
Ich war richtig beeindruckt, soetwas hielt ich nicht für möglich.

In den letzten Tagen änderte ich meine Pläne insofern, als das ich beschloss, die geplante Hurtigrutenpassage von Honningsvåg nach Berlevåg zu verlängern.
So verpasse ich zwar den nördlichsten Leuchtturm der Welt, spare mir aber die zusätzlichen 350 Kilometer für Besonderheiten Südskandinaviens auf.

Zunächst geht es nach Honningsvåg um in der Touristunformation von der sehr gut Bescheid wissenden Kaja zu erfahren, dass morgen um 15.15 Uhr ein Schiff nach Berlevåg Geht.
Wunderbar, das passt!

Der Weg zum Knivskjellodenparkplatz kurz vor dem Nordkap wurde schon im ersten Beitrag beschrieben.

Der Wanderweg zur Nordspitze Europas auf dem nördlichsten Wanderpfad der Welt ist bei schöner Witterung kein Problem, auch wenn man sich auch dann noch leicht verlaufen dürfte.
Das Problem: das Wetter kann sich hier innerhalb weniger Minuten völlig verändert haben. Völlig!
Als ich losging regnete es, die Sicht wechselte zwischen 30 und 200 Metern. Manchmal musste ich mehrfach ansetzen, um den richtigen Pfad zu finden. Tückisch die letzten 2 km,wenn man sich nur noch auf den glattgeschliffenen, fast immer schräg abfallenden Felsen bewegen kann.
Teilweise Ratlosigkeit, bei der Pfadsuche.
Gut, dass ich vor 2 Jahren, von oben (Nordkap) auf die Halbinsel blicken konnte und ihre Gestalt, da sich der Nebel in der Nähe der Nordspitze legt, wiedererkenne.
So finde ich schließlich (über mir) Europas Nordpol, wenn man die Tunnelpassage als Festlandsanbindung definiert.
Ich befinde mich hier 1380 m nördlich des Nordkaps und kann dieses sehen, weil der Wolkennebel sich nur über das Land spannt.
Das von 2000 stammende „Monument“ von etwa anderthalb Metern Höhe als abgeschnittene Pyramide mit Kugel darauf gestaltet und mit schwer lesbaren Mitteilungen zum Ort versehen, steht für sich. Etwa 50 m entfernt, etwas höher gelegen, befindet sich die Box (stark beschädigt, behelfsmäßig von Besuchern repariert. Die Öffnungsklappe wird mittels eines Steines geschlossen gehalten) mit dem Gästebuch, das ich allerdings im völlig zerfledderten Zustand vorfinde und mich dann auf einem übrigen Restzettel eintrage.
Man ist „am Punkt“ immer noch etwa 100 m von der Küste entfernt und in 30 m Höhe platziert.

Die letzten 2 km sind nichts für Leute mit Höhenangst oder Gleichgewichtsstörungen.
Beladen mit einigen kg Gewicht, um den Hals-Brustbereich gehängt, falle ich auf den Felsen zweimal hin und Falle vom Rand einer kleinen Wassergrube beidbeinig in selbige hinein, fast knietief.

Hinweg 2 Stunden.
Rückweg eine halbe Stunde länger.
<(Hat man es nicht eilig, so sollte man für die Strecke zweimal 4 Stunden einplanen, in guten Bergstiefeln. Meine NIKE FREE 3 Laufschuhe hielten zwar tapfer durch, waren aber bereits nach kurzer Zeit durchnässt, sodass die Füße nicht wirklich stabilen Halt darin vorfanden)

Zurück am Parkplatz weiterhin Nebel, d.h. Aufenthalt in den nieselnden Wolken.
Ich beschließe, die Socken zu wechseln und fast 10 km hinunter zu radeln.
Glück, ich war tatsächlich bloß in den Wolken. Unten ist alles trocken. Nicht einmal Tau fiel auf meinem Traumnaturzeltplatz.
Traumschlaf, zehn Minuten später.

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