Achtzehnmal Monaco oder Mattis Golfplatz unter dem Normannviktinden

Bereits um 20.30 Uhr fiel ich in einen tiefen Schlaf, der nicht vom Wecker unterbrochen werden sollte. Das Geräusch der auf das Zelt fallenden Regentropfen schlummerte zusätzlich ein. Ja ausschlafen! Um drei Uhr wach. Nein, ausschlafen! Um 8 Uhr weckt mich der Regen.
Die eingeholten Wetteraussichten für Kilpisjärvi – drei Tage Regen, danach Wetterbesserung – gaben den Ausschlag! Die Prognose für Norwegens Nordküste verhieß für die kommenden Tage eine Regenwahrscheinlichkeit von unter 50%.
Start um 13 Uhr. Da der Regen aufhörte, war das Zelt praktisch wieder getrocknet.
Saanatunturi, ein andermal…

Zwar lagen nur 82 Kilometer als Tagesetappe vor mir, falls ich den Platz von Matti S. erreiche. Der aufgekommene starke Nordwind, der sich auch noch, je nach Etappenfortschritt ungünstig für mich drehte, war eine große Herausforderung. Das Streckenprofil war aber flach, sodass ich 15-20 km/h als Dauergeschwindigkeit halten konnte.
Pausen.
Provianteinkauf.
„Fernsehen“ ohne Radfahren.
Ab Skibotn sind die Beschilderungen zum Teil auch dreisprachig: Samisch(mein Korrekturprogramm will unbedingt „Sämisch“ schreiben(?)), Finnisch, Norwegisch.
Besonderheit: Starke Bewölkung aber kein Regen. Dieser geht anderswo nieder. Ich sehe es über den herrlichen Fjord hinweg.
Irgendwo tanke ich frisches Wasser an einem Wasserfall.

Hier ein kleiner fotografischer Dank an die Firma ALFI, die als mein Partner gar nicht erwähnt wird (wie zum Beispiel auch die deutsche Generalvertretung von Therm-A-Rest(die leichten Selfinfluatematten, die wir seit 1990 ausschließlich verwenden, halten bei richtiger Benutzung „ein Leben lang“, so das Garantieversprechen), die mir vor 7 Jahren zugeschickte Matte bewährt sich auch diesmal hervorragend!).
Alle seit 1987 gekauften Edelstahlkannen sind noch im Einsatz (s. Archivfoto, aufgenommen zu Hause unmittelbar vor dem Start). Eine der Thermokannen von 2006 ist wieder mit dabei. Die mir 2013 zur Verfügung gestellten IsoBottle und ElementBottle sind großartig, wiegen zusammen ohne Inhalt nur etwas über 300g, sind durch die besondere Verschlusssicherung absolut dicht und können bedenkenlos mit wechselndem Inhalt (Wasser, Milch, Kefir, Sahne, Saft) in den Radtaschen auch zwischen Bekleidungsstücken liegend verstaut werden. Reinigung: „Einfachst“.

Immer wieder Hinweise auf Steinschlagmöglichkeit. Die frisch heruntergefallenen Brocken liegen zuhauf am Straßenrand. Tunnelbauten verringern die Gefahr beträchtlich (und erleichtern das Vorankommen bei Gegenwind).
In Kåfjord angekommen fahre ich kurz zur soeben angekommen Fähre herunter, die ich diesmal nicht benutze. Ein sehr netter Schnack mit dem Käpt’n, der mich in seiner kurzen Pause nach meiner Radtour befragt.
„Die Radwege in Südnorwegen sind katastrophal“, versuche ich den Einstieg.
Schallendes Gelächter.
„Was, bloß in Südnorwegen? Guck dir doch das mal hier an. Oder in Tromsø. Unbeschreiblich. Und dann wirst du noch von den Autofahrern weggepustet, sobald du dich zu weit vom Seitenstreifen nach links entfernst. ich habe es selbst erlebt. Wir Norweger werden des Rades entwöhnt. Können und dürfen meistens nur auf dem im katastrophalen Zustand befindlichen „Gangweg“ fahren, innerhalb der Dörfer. Und der Zustand norwegischer Straßen? Wie haben sie sich in den letzten Jahren verschlechtert. Alles bricht weg, kein Geld für Reparaturen. Und wir sind ein reiches Land“.
Der nette Mann, der mir aus der Seele spricht, muss zu seiner Fähre…
Tusentakk!!!

Noch 10 km und ich habe mein Ziel Indre Nordmannvika erreicht.

Hier wohnt Matti S., gebürtiger Finne. Zimmermann. Mit 14 Jahren mit Eltern nach Schweden ausgewandert, etwa 20 Jahre bei Malmö gelebt, vor gut 20 Jahren nach Norwegen gezogen. Der Liebe wegen. Spricht Norwegisch besser als Finnisch. Auch Schwedisch. Auch Dänisch. Hier ein Grundstück gekauft.
Beim Kauf dachte er, es handele sich um ein völlig verkommenes Gehöft gewöhnlicher Größe.
Dass das „Grundstück“ etwa 30-40 Quadratkilometer groß ist, etwa achtzehnmal so groß, wie das Fürstentum Monaco, hat er erst viel später staunend festgestellt. Dass die Grenze seines Grundstückes über den „Hausberg“, den Nordmannviktind verläuft, der mit 1336 m sogar höher ist als der Halti, Finnlands höchster Berg, macht ihn besonders stolz. Matti hat als Zimmermann großen Erfolg. Auch als Haus- und Grundeigentümer. Einen Drei-Löcher-„Golfplatz“ nennt er sein eigen. Einer der nördlichsten der Welt, sagt er schmunzelnd. Auch wenn Touristen manchmal mit Caravans ungefragt seine gepflegte Wiese befahren, im Glauben, ein freies Gelände zum Übernachten gefunden zu haben…

Mattis Frau ist Lehrerin, ganz in der Nähe. Sie haben drei Kinder.

Vor 7 Jahren war mir sein Parkplatz, eine Wiese am Fluss und Meeresufer eine große Übernachtungshilfe auf dem Weg nach Norden. Im Buch beschrieb ich im Kapitel „Vika: Fischen in der Elbe“ (S. 112/113) die besondere Situation.

Ich lernte Matti vor 2 Jahren kennen. Bei der Vorbereitung meiner jetzigen Tour. Wir fanden sofort gemeinsame Standpunkte. Befreundeten uns. Herzliche Einladung, bei der Tour vorbeizuschauen.

Heute sind wir nicht verabredet. Ich komme auf gut Glück vorbei.
Welch ein Glück: Matti ist gerade über Kilpisjärvi aus Finnland zurückgekehrt, ist noch ganz gestresst von den Anrufen seiner Kunden, die sein Wochenende hinauszögern und dann komme auch noch ich!…
Matti freut sich riesig. Ich auch.
„Aber nein, du bist überhaupt keine Last, du bist völlig das Gegenteil, gibst mir positive Kraft…“ – welch ein Gefühl, so empfangen zu werden.
Mattis Tochter singt wunderschön, vielsprachig. Seine Frau lerne ich auch erst heute kennen.
Als Lehrer hat man es leicht, Gemeinsames zu finden.
Nach der fantastischen Dusche werde ich mit finnischen Köstlichkeiten verwöhnt, die helle Nacht geht in den Morgen über und dann darf ich in Mattis gezimmertes Häuschen direkt am Meeresufer einziehen. Um 3 Uhr früh endet der Tagtraum im Schlaf…, IN MATTIS PARADIES…

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