Auf dem Weg zum Kilpisjärvi?

„Gefährliche Grubenöffnungen“(so das Schild direkt neben meiner gewählten Zeltstelle) kenne ich natürlich aus dem Ruhrgebiet, wo Hinweisschilder auf „Tagesbrüche“ zuhauf auf Konsequenzen im Zusammenhang mit dem jetzt zu Ende gehenden Steinkohlebergbau aufmerksam machen.
Die Familie eines ehemaligen Schülers meiner Klasse wachte einmal morgens auf und fand einen Teil des Gartens samt am Haus angebauter Garage in einem riesigen Erdloch versunken vor…

…So gefährlich war es hier nicht, wie ich nach einer Geländeerkundigung herausfand, das Schild hatte aber seine Berechtigung…

Die Bilder der durch „Blognachholarbeit“ zweigeteilten, 219 km langen, durch zuwenig Schlaf anstrengenden Etappe verdeutlichen vieles. Manches vielleicht zunächst nichts-sagende, verunglückte Foto erfährt mit entsprechender Erklärung aber eine ganz neue Bewertung und kann bei Bildvorträgen ganz anders gewürdigt werden.
Hier nur drei Beispiele (das Dritte darf übersprungen werden):

1) Zeltsackfragment, Brille, Plastiktüte:
Es ist herrlich, wenn das Rad startklar bepackt steht, man von seinem Hügel einen letzten Blick auf die herrliche Fjordlandschaft werfen will und dann feststellt, dass Brille und Helmrückspiegel sich noch in der Zeltinnentasche des auf dem Gepäckträger fest verzurrten Zeltes befinden.
Gut, dass man „aus Erfahrung“ das Zelt immer so im Packsack verstaut, dass die Tasche des Innenzelts direkt greifbar ist…

2) Meeresfragment, zum Teil wellenbewegt, Foto danach Kleinfischschwarm:
Gelegentlich behauptete ich, dass es in Norwegen „im Straumen“, in einem durch Inseln deutlich verengten Fjordarm mit stärker Gezeitenströmung, bei Kenntnis der Fischbiologie kaum möglich ist, den eingeworfenen Blinkerhaken ohne Fisch herauszubekommen. Makrelen, Seelachse, Dorsche (schwerer, tiefer sinkender Blinker), und andere Fische.
Das stimmt immer noch.
Ich habe das wellenbewegte Wasser beim dreistündigen „Angelurlaub“ (Am Rad fand sich Platz, um eine Miniangel zu befestigen) mit wenigen Minuten Angel“vergnügen“ auch gefilmt: immer wieder und recht geräuschvoll „kocht“ das Wasser zum Teil auf einer hektargroßen Fläche, wenn Makrelenschwärme in Teamarbeit ihren kleinen Beutefischen nachjagen, sie an die Oberfläche treiben und packen.
Drei Makrelen von je etwa 750 g verwechselten Beutefisch mit Blinker…

Angelfachleute wissen es: eine Riesenmakrele von etwa einem kg Lebendgewicht wehrt sich mit deutlich größerer Kraft, als ein etwa 3 kg schwerer Hecht…

3) Angeln:
Ich wuchs auf einem sehr kleinen Bauernhof in Schlesien auf, angelte seit der Kindheit, schaute als Kleinkind beim Schweineschlachten zu, schlachtete selbst mit 12 Jahren Hühner, Tauben, Enten, Kaninchen. Meine Ziege „Gerda“ und die Schafsböcke wurden „verwurstet“.
In den Geschäften Polens gab es damals fast kein Fleisch, die Warteschlangen in Oppeln waren manchmal einhundert Meter lang.
„Da hatten wir es auf dem Lande besser“, dachten wir. Der Dorfschlachter ging rundum, „Wurstsuppe“, Wellfleisch usw. wurden selbstverständlich an die nächsten zehn Nachbarn verteilt und umgekehrt. Fleisch wurde eingepökelt, Schinken und Wurstwaren durch Räuchern haltbar gemacht.

Am 15. September 1981 kauften meine Frau und ich uns eine Getreidemühle. Wir stellten die Ernährung komplett um. „Vollwert“/Lakto-vegetarisch.
In Zusammenarbeit mit Klasseneltern entstanden zwei sehr erfolgreiche vegetarische Kochbücher.

Bis zum GAU von Tschernobyl verzichteten wir sogar jahrelang auf Fisch.

Im Jahr der Tschernobylkatastrophe ( ich erfuhr durch Sonderquellen der Uni Bochum, wie stark die Radioaktivität auch zu uns „herüberschwappte“) machten wir unsere große Skandinavienrundtour über Polen mit der Fähre nach Helsinki.
Viele Menschen, auch Lehrer unserer Schule, stornierten damals Reisen über „verseuchte Gebiete“. Die Entscheidung fiel auch uns nicht einfach.
Dennoch: Wir besuchten unsere Freunde in Danzig, wir aßen mit ihnen deren Erdbeeren aus dem Schrebergärtchen, bereisten Finnland nördlich des Inari, Schweden, Norwegen, Dänemark. Überall Warnungen vor dem Verzehr von Waldfrüchten, Pilzen etc.
„Ist der Salat, den wir hier bekommen, denn unverseucht?“, fragten wir uns damals.

An Norwegens Nordmeerküste angekommen (mit dem Blick auf ein Stückchen Gurke für umgerechnet 4,- DM) fasste ich den Beschluss, uns die nötigen Vitamine aus dem unverseuchten(?) Meer zu holen. Ich angelte wieder.

Seitdem handhaben wir es so. In den Ferien wird bei Gelegenheit geangelt. Soviel, wie man (ich) verwerten kann. Zuhause wird Gästen manchmal Fisch angeboten oder bei unerfahrenen, sich nicht überwiegend vegetarisch ernährenden Freunden Fisch gewürdigt. Meine „Ernährungsicherung“während der Wettkampflehrgänge, bei internationalen Wettkämpfen, auf Reisen usw. ist seitdem viel einfacher geworden.
Dass meine Frau und ich künftig einmal auch wieder ganz vom Fisch wegkommen, ist wahrscheinlich. Die Akzeptanz von Vegetariern ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen, wenngleich das Angebotsspektrum für sie noch einer deutlichen Steigerung Bedarf…

Man fällt heute allerdings immer noch sehr auf, selbst wenn man „bloß“ keinen Alkohol und Kaffee trinkt oder auf Zucker verzichtet…

Zu Hause esse ich auch praktisch überhaupt keine Süßigkeiten. Ich ziehe anderes vor. Hier auf der Radtour sind 200 g Schokolade als Zwischensnack eine Kleinigkeit.
Ich bin dabei durch die schon früher benannte, fettreiche Kost, recht erfolgreich bemüht, mein „Arbeitsgewicht“ (ich Schätze 63-64 kg) zu halten. Nur so sind Strecken wie die heutigen 219 km bis 45 km vor dem Kilpisjärvi möglich…

Nach dem Angeln Nonstopfahrt nach Finnsnes.
Dort für 6 Stunden auf einem Campingplatz ein Zimmer mit W-lan, Dusche, Kochgelegenheit gemietet, um Lofoten-, Vesterålen- und aktuelle Streckenbilder zu laden. Die Makrelenfilets für die nächsten Tage wurden gebraten. Es reichte nur noch für eine halbe Stunde Schlaf. Um 23.40 Uhr brach ich auf. Die Miternachttsonne, selbst hinter einem Berg verborgen, beschien einen Hang und einen Regenbogen im Süden.
Aha!, der Regen begann und begleitete mich zuverlässig.
Als ich unweit von Målselv bergherunter auf die E 6 in Richtung Narvik einschoss, musste ich lachend bremsen: Narvik liegt doch im Süden, du Trollkopf…“.
Alta ist keine 400 km mehr entfernt.
Regnerisch.
Notfalls lasse ich Kilpisjärvi rechts liegen.
Den Saanatunturi im Regen zu besteigen?- sinnlos.
In Skibotn angekommen, wähle ich den Weg bergauf nach Kilpisjärvi und finde einen schönen Platz um das Zelt aufzuschlagen. Regnet es morgen, so erledige ich die Blogarbeit und radle Richtung Sandbukt.
Da, in Norwegen, habe ich vielleicht noch eine besondere finnische Überraschung…

Die Blogarbeit beeinträchtigt z.T. auch durch ortsbedingte Sendeeinschränkungen im hohen Maße
meinen sonst üblichen Reiseverlauf.
Im Abstand vom Alltag kommt man natürlich auch wieder auf viele Gedanken, die liegen geblieben sind. Vielleicht geben sie manchem Leser wichtige Anregungen oder liefern Erklärungen.
Es ist mir Wert, diese Zeit „der Medientechnik“ zu widmen…

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