Namsos-Tjøtta?Sorbische Hitparade, Sorben/ Samen(Lappen)

Ja, es ist passiert. Zufällig. Unbeabsichtigt. Und ich hätte heute auch leicht 40 km weiterfahren können (In Norwegen!).
Für Statistiker:
„Nachtfalkenfahrt“ Namsdal – Tjøtta, 260 km. Dauer 24 Stunden. Pausen 1std, 30 min, 15 min, 15 min.
2 Fähren 25 min, 1 Std.
Reine Fahrtzeit 20 Std 35 min.
Besonderheit: Ab Mitternacht (Kilometer 100-170) starker Sturmregen-Gegenwind.

Um 15.30 Uhr fertig. Zelt fast trocken. Proviantbesorgung in Namsos. Redaktion des NA arbeitet noch. Ich überfalle Mats mit meiner Geschichte:(http://www.namdalsavisa.no/Nyhet/article6753105.ece),
Start nach Norden um 17. Uhr. Gleichzeitiger Regeneinsatz allerdings guter Rückenwind. Ich achte auf die Windunterstützung und übersehe die Abfahrt zum Kystriksveien. Weiterfahrt mit Wind.
Die Landschaft kenne ich noch nicht. Absolut Finnisch. Alles. Landschaft. Häuser. Einsamkeit. Hyvää ilta SUOMI ( Guten Abend FINNLAND)!
Der Weg flach, wellig. Das Regenwetter stimmt nicht für den finnischen Sommer…
Nach etwa 50 km ein größerer Ort. Riesenzirkuszelt. Festival. 3 Jugendliche (15-18(?)), zwei Mädchen, ein Junge kommen von einer Veranstaltung.
Nein, ich wäre hier auf der E 17, Richtung Brunnøysund. Da will ich hin. WAS?!!! ich komme aus NamsosWAS?!!!mit dem Rad. Ein Mädchen will mir gleich ein Festivalshirt schenken. Danke, vielen Dank, ich habe aber zuviel Gepäck (ich Trottel hätte mich doch wenigstens mit ihnen und Shirt für das Blog fotografieren lassen können – hätte den Jugendlichen bestimmt Riesenfreude bereitet – fällt mir später ein). Alle drei erklären mir übereinstimmend, der für sie für eine Radtour unvorstellbar weite Weg sei flach und asphaltiert. Es ist ein Umweg, anderseits überspringe ich dadurch eine Fähre, erspare mir das sehr bergige Küstenprofil und bin nach 175 km wieder richtig auf dem Wege.
Hurra, ich habe mich verfahren!
Da auch an der Küste alles in die Regensuppe getaucht sein dürfte, verliere ich nichts…
20.00 Uhr, Windstille. 24 Uhr, bei Kilometerstand 2.000 und 100 Tageskilometern das erste Bushäuschen. Richtig nett zurechtgemacht mit Wilkommensschildchen. Blick auf Wasserfall. Pause. Weiterfahrt um 1 Uhr. Gegenwind kommt auf, schnell zu Sturmwind anwachsend mit Regenschauern ohne Pause. Richtiger Kampf gegen Wind. Gelände sehr wellig, Serpentinen ohne Ende. Um kurz vor acht Fähre erreicht (nach 170 km).

Zwischenbemerkung:
Die Landschaft war auch im Regen bei Windstille wunderschön.
„Wša natura ma nênt dobyće“ ein mehrere hundert Jahre altes sorbisches Osterlied (Alle Natur hat jetzt den Gewinn, weil sie aus dem Tode auferstanden ist…) das mir Detlev Kobjela, damals Intendant des Sorbischen Nationalensembles für den „Bochumer Krabat“ von 1995 aussuchte, fällt mir ein. Ich singe. Komisch selbst nach 10 Jahren, als das Lied im anderen Zusammenhang Thema war, kann ich nach kurzer Zeit den ganzen Text erinnern. Und „Mêj ty dobru nóc“, und „Hanka“ und „Cakaj ty“, und „Nosyć, nosyć ćêżke mêchy“. Mit einem 1000 Jahre alten sorbischen Lied habe ich Erinnerungsschwierigkeiten. Ich summe die Melodie. Obersorbische Hitparade. Passt unheimlich gut auch nach Norwegen. Sieger der „Hitparade“ ist eindeutig der erste Beitrag.
SIEGER?
Die Sorben, ursprünglich seit 1500 Jahren über das heutige Ostdeutschland und Niedersachsen „verteilt“, schafften es, trotz „germanischer Einwirkungen in historischer Zeit“, in der Lausitz (Obersorben) und im Spreewald (Niedersorben) zu überleben.
Aber, sie haben kein Wort für Sieg, höchstens für „Gewinn“/dobyća.
EinenFEIND kennen sie auch nicht. Anders als die übrigen slawischen Völker.
Freund heißt „préćel“, Feind (in unserer Sinne) neprėćel (Unfreund). Faszinierend.
Jeder kennt die Sorben.
Nicht?
Die Frauen im Spreewald mit den besonders auffälligen, bestickten Kopftüchern (Niedersorben).
Die bis zu 1000 Osterreiter in den Dörfern um Bautzen (Niedersorben).
Ich bin immer noch sehr froh darüber, mich vor 15 Jahren so schnell beiden Sprachen, die dem Tschechischen (Obersorbisch) und Polnischen (Niedersorbisch) ähneln, genähert haben zu dürfen.
Und Freunde in „Sorbien“ gewonnen zu haben.

Es gibt übrigens genausoviele Sorben wie Samen.
SAMEN???-Lappen.
Ach ja, Rentierfelle, Finnmesser, Rentiergeweihe, Touristensouvenirs. Tragen auch besondere Kleidung (für die Touristen).
Du weißt es lieber, geneigter Leser, nicht wahr?
Vielleicht.
Ich hatte mal in Bochum Gelegenheit länger mit Mari Boine zu sprechen, der berühmtesten samischen Sängerin aus Karasjokk. Ich weiß aus Kautokeino, dass dort die Samen für die Touristen gewöhnliche Kleidung anziehen und wieder ihre Tracht tragen, wenn die vielen Busse (aus Deutschland ) heimwärts gezogen sind.

Per Gunnar, ein Same, spricht viele Sprachen, auch Norwegisch, Russisch, Englisch, und und… Ein Spitzeneisschnellläufer bei den Masters in meiner Altersklasse.
2013, beim Sprint in Inzell hätte er mich beinahe erstmalig überholt. Erst im letzten Vergleich gelang es mir, ihn noch „abzufangen“.
Beim Sommereis in Hamar vor 2 Jahren habe ich ihn über 1500 m, obwohl er im Quartett vor mir eine halbe Ründe früher startete, fast eingeholt. Nicht weil er so „schlecht“ war.
Per Gunnar hatte furchtbaren Jet-lag.
Er musste zwischendurch für 3 Tage nach Chicago fliegen. Ein Kollege ist ausgefallen. Per Gunnar ist Pilot. Er fliegt Riesenjets, weltweit. Ohne Rentierfelle und Vier-Winde-Mütze…

Durch Richtungsänderung um 90 Grad eher nur noch etwas von vorn kommender Seitenwind.
Ich setze fort bis zur nächsten Fähre. Hoppla, da kommen die gestern früh gestarteten Dänen.
Sie fürchten den Anstieg von 800 m auf meinem Weg und nehmen zwei Zusatzfähren, um Tjøtta zu erreichen.
Es muss ein Druckfehler sei, meine ich , aber Kerry und Glenn riskieren lieber nichts.
Die Strecke ist flach. Wusste ich doch.
Zwei Seeadler überfliegen sie . Einer hat eine Schlange oder einen Aal in den Fängen.
In Tjøtta Provianteinkauf.
Es regnet nicht.
Spatzen Baden im Sand.

Ein Russischer Kriegsgefangenenfriedhof.

Die Dänen kommen. Wir rollen zum nächsten Campingplatz. Zur Reception.
Wie sich durch mein Nachfragen herausstellt, sind die Mitarbeiter der Reception Polen. Wir wechseln die Sprache. es ist ihnen eine große Erleichterung, obwohl sie gut Norwegisch beherrschen..
Ich bekomme Waschpulver und einen Hinweis auf den schönsten Aussichtspunkt, hier wird gleich das Zelt stehen..
Basia (Barbara) und Marcin(Martin), ein junges Ehepaar, arbeiten schon zum wiederholten Mal im Sommer hier.
Nach 260 km Dusche. Wäsche/Trockner…
Ach ja, Regen. Die ganze Nachtruhe lang…
.

20130712-073209.jpg

20130712-073317.jpg

20130712-073403.jpg

20130712-073516.jpg

20130712-073615.jpg

20130712-073708.jpg

20130712-073803.jpg

20130712-073850.jpg

20130712-073919.jpg

20130712-073938.jpg

20130712-074017.jpg