Lysøysund – Namsos/Ladeadapter vergessen?

Für Statistiker: die Fahrt Lysøysund – Namsos (205 km) dauerte 17 Stunden und 20 Minuten. Zwei Pausen von zusammen zwei Stunden. 20 Minuten Elchbeobachtung.

Nachts, beim Angeln, begann es zu regnen und zu stürmen. Der Tag war kühl und bewölkt. Nachmittags Sturm vom Süden.
Am Sonntag, um 20.00 Uhr, der eigentlichen Startzeit, Besuch bei den Gastgebern, die es in den letzten 20 Jahren auch noch geschafft haben, fünf Kinder großzuziehen und sich schon jetzt dreier Enkel zu erfreuen. Privater Austausch.
Kaum bin ich da, beginnt ein Sturmregen, der an eine Autowaschanlage erinnert.
Meine Gastgeber schlagen um 23 Uhr vor, dass ich mich noch etwas aufs Ohr lege, vielleicht hört wenigstens der Regen auf.
Ich nehme an.
Abschied.
Nachtmahlzeit mit Spaghettis (den Nachmitagsfisch mit Beilagen hat der Körper inzwischen verbraucht, drei Forellen gehen aber mit auf Reisen).
Regen und Wind scheinen nachzulassen, ich filme die Szenerie kurz.
Um 2.30 Uhr wach: Radbestücken, Putzen.
Start 3.20 Uhr.
Keine Elche.
Ein Rebock, dann 10 Rehe.
Eine Hirschkuh grast.

Starker Gegenwind, leichter Sprühregen, der bald aufhört.
Die 17 km nach Bjugn/Botngård zurück sind vor allem wegen des Windes hart.
Ich studiere das Geländeprofil, ignoriere mein „Navi“, riskiere einen 500m Höhenanstieg, um danach auf den folgenden Straßen bis Namsos bei flachem Gelände Rückenwind zu haben.
Richtig! Etwa 150 km „im Wind“. Zwei Kraniche.
Die Aussicht ist wunderschön, ich radle aber durch.
Zwischendurch, als ich nach 95 km einen schönen Platz für die zweite Pause suche, holt mich Joren aus Groningen mit seinem Tourenbike und nur 14,7 kg Gepäck ein. 21 Jahre alt, Niederländer, Radrennfahrer, z.Zt. aber hauptsächlich Student der Human-Technologie in Oslo.
Von dort kommend, ist er seit einer Woche unterwegs und hat gerade 680 km hinter sich. Er will bis Tromsø. Er fährt schneller als ich, aber nur halb so lange Strecken, dann braucht er Ruhe, Erholung und einen geregelten Tagesablauf mit fester warmer Mahlzeit zur selben Zeit.
Wir radeln 20 km zusammen bis zum nächsten Supermarkt, der nur eine Meile entfernt sein soll.

[1 miil: in NOR/SWE WIRKLICH ALS ABSOLUT ANGENOMMENE Maßeinheit für 10 km, wirklich! Das Deckblatt meines Buches zeigt einen alten Meilenstein. Trondheim 14 Meilen bedeutet 140 km( bis heute…).]

Wir kaufen ein. Norwegen ist sehr teuer (Joren).
Wir teilen uns meine Forellen (Joren hat auch eine Angel mit), Kirschen und Schokolade. Jorens Fotoapparat ging kaputt. In Namsos hofft er einen neuen zu bekommen.

Wir setzen unsere Fahrt getrennt fort.

Zwischendurch, kann ich nicht anders und muss einfach, drei Lieferantinnen meiner erhöhten Milch-, Sahne- und Buttermengen fotografieren. Voilá!

Dann, 20 km vor Namsos: ZWEI ELCHE!,
300 m entfernt, aber immerhin.
Sie glotzen.
Ich glotze zurück.
„Fernglotzen“, 20 Minuten lang…
…In dieser Gegend soll ein Bär 30 Lämmer gerissen haben (Zeitungsbericht von heute)…, ich fahre lieber weiter…

Auf dem Campingplatz zwei Dänen, Radler, etwa 45 Jahre alt.
Kerry und Glenn(?) sind Brüder, beide auf dem Weg zum Nordkap, beide Lehrer an der Ladelund Efterskole in Vejen. Ihre Mutter ist Waliserin.
Sie haben bis zum 30. Juli Zeit, es zu schaffen. Das klappt, da sie täglich 80-120 km zurücklegen. Die Frau des Einen reist mit Pkw und Kind(ern.) hoch, um sie am Ziel abzuholen.
Richtig lustige Kerle. Dänen. In Dänemark aufgewachsene Halbwaliser…
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Ich will mich im Zelt an die Schreibarbeit machen, um danach etwas zu schlafen und dann gegen 4 Uhr zu starten.
Schockerlebnis: Meine kompletten Adapter für iPad, Powerpack, Kabelanschlüsse etc. sind weg. Das immer in einer bestimmten Abteilung der Lenkertasche verwahrte geschlossene Säckchen ist dort nicht. Ich habe doch alles richtig gecheckt?!
Not-SMS an meine Gastgeber und Anruf zu Hause. Internetsuche, nach Geschäften, die in Namsos vielleicht Teilersatz haben. Internetstudium der Bus-, Flug-, Schiffsverbindungen zurück. Grausig umständlich alles, wegen der Landesnatur.
Stress. Nachdenken. Zur Ruhe kommen.
Nach kurzer Verständigung mit Zuhause: Nachtruhe.
Der Morgen ist klüger als der Abend.
Um 6 Uhr klingelt der Wecker.
Auch wenn es in der Nacht durchregnete, es auch jetzt nicht besser ist und die Wetteraussichten für die nächsten Tage Regen verheißen: Die Aussicht, mehrere Tage zu verlieren ist nicht aufbauend. Ich freunde mich aber damit an.
Was sonst?

Beim Suchen eines Bekleidungsstückes ein Gedankenblitz – das Säckchen ist wieder da.
ENTSCHLEUNIGEN!!!

Jetzt ja keine Eile. Anrufe, SMS, Frühstück, in Ruhe alles aufarbeiten und am späten Nachmittag starten, auch wenn ich ursprünglich vorhatte, heute bis Tjøtta zu kommen, nach 3 Fähren etwa 250 km entfernt.
Riesenerleichterung. Dankbarkeit.
Ich habe vieeeeel Zeit zurückgewonnen.
Jetzt ist auch gerade das iPad wieder vollgeladen…

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