Kein „penicillinlachs“

Sicherlich haben die meisten schon einmal „Norwegischen Lachs“ genossen.
In den Anfängen der Lachsaufzucht wurden Fjorde durch Ausscheidungen der Fische, oder Antibiotikabeigaben arg verunreinigt. Abwertend gemeinte Begriffe, „Penicillinlachs“ oder „Schwein des Meeres“ machten die Runde.
Heute ist alles automatisiert, von einem „Geisterschiff“ aus werden die häufig sichtbaren Lachsmeeresbecken mit verarbeitetem Fischabfall (?) befüttert, nach berechnetem Zeitplan versetzt usw..
Alles ist unbedenklich, sagt man, auch weil man dem Futter keine Antibiotika mehr beimengen darf und viel aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat..
Der Konkurrenzkampf ist groß.

Wie fängt alles an?
Anita und Asmunds Familien sind Miteigentümer einer Fischaufzucht für Lachse und Forellen, in Olden. Der erste Betrieb wurde hier 1980 angelegt. Er überlebte nicht. In den 90 er Jahren entstand der gegenwärtige Betrieb in dem 5 Menschen Beschäftigung finden, darunter meine Gastgeber. Ich bat Anita um eine Führung durch die „Fischfabrik“, wie ich sie schon vor vier Jahren im Winter genießen durfte.
Nach kurzer Absprache war ich heute um 12 Uhr willkommen.

Von „Kaviargröße“ bis zum Gewicht von 80 Gramm durchlaufen die Jungfische hier wesentlich beschleunigte Entwicklungsschritte. Ab 0,17 g beginnen sie zu fressen. Bei Endgröße (geschätzt 15 cm) werden die Fische aus den letzten Aufzuchtbecken per langer Pipeline direkt in den Bauch eines Spezialschiffes hereingesaugt und nach Russland (Regenbogenforellen) oder Norwegen direkt zu den Mastbetrieben gebracht. Komplizierte Anpassungen an das Brack-/Mereswasser müssen vollzogen werden.
Jetzt ist in den Schlüpfbecken noch Stillstand, sie stehen leer. Die Produktion beginnt erst im November und dauert bis in den Frühling an.
Wir durchwandern die Becken mit den immer größer werdenden Fischen. Das Futtergranulat, das in Hunderten Tonnen hier in Riesengebinden oder an den Fütterungsautomaten zu sehen ist, hat eine aufsteigende Korngröße von 0,3-2 mm. Beim Gang durch die etwas abgedunkelten Hallen ist ein ständiges Blubbern und Schäumen wahrzunehmen. Alles ist in strömender Kreisbewegung, computerüberwacht, automatisiert.
Die leeren Becken müssen gründlich gereinigt und gespült werden, denn die medizinischen Auflagen und hygienischen Anforderungen sind hoch. Der Tierarzt besucht monatlich die Anlage.
In automatischen Sortieranlagen werden die Fische schonend getrennt, gezählt, die Anzahl genauestens erfasst, Wachstumsdifferenzen bemerkt, der Gesamtablauf korrigiert. Die Becken werden in verschiedenen Intervallen mit konzentriertem Sauerstoff angereichert, um Stressmomenten, z.B. bei Fütterungsprozessen zu begegnen.
Das zugeführte Frischwasser muss besonders im Winter per Riesenanlage auf 14 Grad Celsius angewärmt werden, sonst fressen die Fische nicht.

Besondere Bedeutung hat die Impfung, früher komplett von Hand durchgeführt.
Da man dem Futter keine Antibiotika mehr zuführen darf, werden die Fische, einmalig in ihrem Dasein geimpft. Nicht einmal ein Hundertstel der früher üblichen Menge an Antibiotika wird dafür benötigt.
Nach einer Kurzbetäubung werden die Jungfische von Hand in eine bestimmte Impfstellung gebracht. Der Impfautomat erledigt alles Folgende.
Dennoch, keine interessante aber anstrengende Arbeit bei einem Tagesdurchsatz von 25.000-35.000 Stück. Bei Mehrbedarf müssen Zusatzkräfte angeheuert werden.
Asmund ist gerade dabei, die Granulatgebinde per Gabelstapler zu verteilen, als wir ihn kurz treffen. Er fischt gern auch Riesenlachse und andere hier reichlich vorhandenen Fische.
Sind in einem See oder Bach – wie meinem Angelbach – zu viele Fische, so bleiben sie kleiner, meint er. Je mehr man wegangelt, umso besser ist es mit den Übrigen. Könnte stimmen, meine größte Forelle gestern war 35 cm lang.
Asmund ist ein erfahrener Elchjäger der hier jeden Winter Elche schießt. In der kommenden Saison maximal zehn.
Hoffentlich hat er nicht alle weggeschossen…, …oder nur viele…, …damit die anderen größer werden, wenn sie gleich dem radelndem „Nachtfalken“ auf dem Weg nach Namsos begegnen…

Bilderfolge
Oldennesset, Fabrikseingang, Schlupfanlage(leer), Frühaufzucht(leer), Kleinlachse(nicht auszumachen, da Lachse immer unten schwimmen), Kleinforellen(schwimmen oben), Sortierungsergebnis 89/11, Impfautomat, Beckenreinigung, „die Fischmacher“, „es wird eng“, Pipeline(2), „privat“.

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