„Ist ja wie im Urlaub“/Olden(Lysøysund,Bjugn)

„Ist ja wie im Urlaub“, waren die geflügelten Anfangsworte, die wir mit einer befreundeten Kölner Musikerfamilie des Öfteren auf der Insel Visingsö im schwedischen Vätternsee wechselten, als es dort noch einen kleinen Campingplatz gab. Wir lernten uns vor langer Zeit im Sturm auf „Marias Camping“ in der Laholmbucht/S kennen, musizierten dort zusammen, gegen das Heulen des Windes ankämpfend, schafften es aber über Jahre hinweg nicht, uns in Köln oder Bochum zu treffen. Aber auf Visingsö. Regelmäßig. Oder anderswo in Schweden.
Als Sigrid und Georg dann Laurin und Sina bekamen und mit ihnen zusammen ihre Zeltreisen fortsetzten, baute sich zwischen den Kleinkindern und mir beim Hinsetzen, Hinlegen, Zurücklehnen in die Campingcouch in Hörweite des plätschernden Vätternsees stets der gleiche, inhaltsfreie Dialog auf:
R.: Ach, herrlich, ist ja wie im Urlaub!
L./S.: Aber wir sind doch im Urlaub(!?).
R.: Stimmt? Hab ich ganz vergessen…,
schön, herrlich, ist ja wie in den Ferien!…
L./S.: Aber Reinhold, wir haben doch Ferien!….
R.: Ach ja, richtig!…, aaaach, ist ja wie im…
Diese sich „ewig“ fortsetzende Wortfolge fiel mir wieder ein, als ich am gestrigen Tag hier faulenzte (meine Hauptleidenschaft, ich komme nur viel zu selten dazu…).
Schön, dass meine Frau und ich kurz vor dem Start dieser Tour noch Zeit fanden, den Kölnern einen Überraschungsbesuch beim Konzert der inzwischen Jugendlichen Kinder zu machen.
Ich werde Visingsö besuchen. „Die Vier“ werden zur gleichen Zeit in ihrem schwedischen Häuschen, einige Hundert Kilometer entfernt „wie im Urlaub“ sein oder Ferien haben…

Nach Einzug das gleich in den Wind gehängte, schnell getrocknete Zelt verpackt, Wäsche gewaschen und aufgehängt, die Dusche genossen, eine Riesenportion sehr fettlastiger Vollkornspaghettimahlzeit zubereitet und genossen…, Dann ein weckerloser Tiefschlaf, der erst nach 9 Stunden (!) sein Ende fand.
Schreibarbeit.
Ausruhen.
Terminabsprache mit Skjalk Ledang, dem Redakteur der Fosna-Folket: Nachmittags wird mich Anders Beversmark für ein Interview besuchen.
Anita und Asmund, meine Gastgeber, bekommen Besuch von Norwegisch sprechenden deutschen Freunden, die seit 30 Jahren, seit ihrer Kindheit Norwegen bereisen und hauptsächlich in einem Häuschen in dieser wirklich wunderschönen Gegend bleiben. Die Hälfte ihrer 4 Wochen ist um. Christian kennt Anita weit über 20 Jahre, ist nicht nur im Sommer hier gewesen. Lachsfischen, Fliegenfischen, Meeresangeln, die Seele baumeln lassen…
Die kleine Herga ist schon eine „erfahrene“ Meeresanglerin. Papa zeigt mir stolz ihre ersten selbst gefangenen Fische, als sie den Radfahrer aus Bochum kurz besuchen.
Der Bauer nebenan pflückt mir zwei Schachteln herrlicher sonnenwarm gereifter Erdbeeren und schenkt mir noch Kartoffeln für den zu erwartenden Fisch. Wie vor 4 Jahren, als wir hier eine Woche verbrachten und die Gegend gründlich kennenlernten. Allerdings kann ich jetzt nicht mal eben zu der einige km entfernten Küste hinfahren, um abends, in wenigen Minuten mindestens eine Wochenration fetter Makrelen zu angeln.
Nachtrag zwischendurch: Wie ich es eigentlich weiß und wie mich Asmund später korrigierte, ist die Küste hier, nur 600m entfernt und liegt direkt an der „Fischfabrik“ s. nächster Eintrag. Hier kann man abends vom Steg aus selbstverständlich auch Makrelen, verschiedene Dorscharten und mit etwas Glück sogar große Lachse Angeln. Ganz in der Nähe ging Asmund vor 3 Jahren gar ein 17 kg(!) schwerer Riesenlachs ins Netz.
Der Grund unserer Weiterfahrt war damals, dass ich an meinem gefundenen Inlinermarathonkurs mit vielen Geländesteigungen einen prächtigen Blick auf die Felseninselwelt des Nordmeeres im Nordwesten hatte. Abends, beim Angeln (meine Frau aquarellierte), war das Panorama verstärkt durch traumhafte Sonnenuntergänge, während der Vollmond zugleich riesig über den Häusern des Nordostens aufging.

Ich radle zum Angeln. An der Badestelle, nahe der Einmündung des kleinen Baches, der zwei Seen verbindet und dessen kleine aber schon erwachsene Forellen ich überlisten will, treffe ich Anita mit Familie und deutschen Freunden wieder. Heute, ein Sommertag, das Wasser kommt mir warm vor, herrlich das Bad. Und dann: Auf in den Waldbach!
Das Interview mit Anders Beversmark verschiebt sich auf 9 Uhr abends. Mitten im dicksten Urwalddickicht klingelt er mich zur Hütte zurück und wir kommen gleichzeitig an. Auch sein Internetzugang funktioniert hier nicht, der Blick auf das Blog ist nicht möglich.
Nach 23 Uhr verabschiedet sich der Reporter und ich muss nur 2 Kilometer radeln, um meine vorbereiteten Mitteilungen elektronisch zu verschicken.
Komisch, keine Elche in Sicht.
Gibt’s doch nicht.
Hier eine eher seltene Erfahrung…
Vielleicht morgen, bei der Weiterfahrt nach Namsos zurück über Bjugn.

Ab Mitternacht 3 Stunden Forellenangeln, mitten im Wald an einem Bach.

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