Die Entdeckung der Langsamkeit

I. 10.000 km in 8 Wochen?
Eine Zeitung notierte gar „10.000 km in 6 Wochen“.
In unserem neuen Schulkalender wird 10.000 km in 10 Wochen stehen…

II. Jetzt hat er in 12 Tagen gerade mal 1.200 km geschafft.
Die Zeit läuft ihm weg. Wie will er den Rest schaffen?…
Jetzt muss er aber „Kilometer machen“…

III. Trollstigen 852 m ü. NN
Geirangerfjord
Eikesdalsvatnet
Mardalsfossen
Atlanterhavsvegen

I. Ich kann mir vorbereitungsbedingt tatsächlich maximal über 10 Wochen Zeit für die Reise gönnen, plane aber, etwa nach 8 Wochen wieder in Bochum zu sein. Kommt es anders, so ist das gewollt.

II. Die Radlerprobleme im Süden Norwegens waren nicht vorherzusehen. Groß als NORDSEE(RAD)WEG 1 beworbene aber definitiv nicht vorhandene und nur (versteckt) ausgeschilderte Radwege sind vielleicht zum Teil auf dem Pferderücken aber nicht mit dem Drahtesel zu bewältigen.
Ein Tscheche, zwei Franzosen, keine Norweger waren die einzigen Radtouristen, die mir in 7 Tagen Südnorwegens entgegenkamen. Verständlich.

1.200 km in 12 Tagen mit weit über 10.000 Höhenmetern? Nicht schlecht für einen Amateurradler.
150-230 km mit deutlich mehr Gepäck und vergleichbarem Geländeprofil waren 2006 zwischen Oslo und Kirkenes Realität. Die Erfahrung von damals nützt mir jetzt. Jetzt sind meine Beine viel stärker als 2006.
Durch die flache Landschaft Finnlands werden mitunter auch 300 km per Tag und Nacht möglich sein.

III. Die auf meiner Reisestrecke liegenden Besonderheiten in der „interessantesten“ Gegend Norwegens, in der ich mich jetzt befinde, bringen es mit sich, dass manche Menschen, viele Deutsche, seit Jahrzehnten den Sommer oder den Sommerurlaub hier an einem festen Ort verbringen.
Warum sollte ich dann, auf dem Rad etwa durchrasen, um schneller „nach oben“ in den hohen Norden zu kommen?
Und, zählt man die 100 Buskilometer nach Bergen mit, die ich in Ermangelung von Radwegen nutzen musste und fügt hinzu die Strecke Bergen-Ålesund per Hurtigrute, die mir weitere 300 km Radwegsuche ersparten, wären es statt der 1200 km schon 1.600 km. Wie sinnvoll ist es überhaupt, die Kilometer zu addieren??? LAAAANGSAM!
Gerade hier nehme ich mir Zeit, um mit Muße möglichst viel aufzunehmen. Die Landschaftseindrücke sind so gewaltig, das man mental völlig überfüllt ist, auch wenn weitere 100 km „in den Beinen“ noch locker drin sind…
Beispielhaft steht dafür die gestrige Bilderflut vom Valldalen beim Aufstieg zum Trolstigen.

Ich radle langsam, ausdauernd, ohne mich zu überanstrengen. Ich nehme trotz bescheidener Wetterprognosen Umwege in Kauf, um die Landschaft aufzunehmen (In das Eikesdalen radle ich etwa 140 km in eine Sackgasse hinein und zurück, beim Weg zum Saanatunturi von Tromsø ins Dreiländereck N/S/FIN werden es 300 km „in eine Sackgasse“geworden sein.
90% der Reiseroute sind mir aus vergangenen Reisen bekannt.
Ich kenne die „Leckerbissen“ genieße sie und versuche auf sie aufmerksam zu machen.

Auf den Atlanterhavsveien zum Beispiel:
Statt Richtung Trondheim zu fahren, nehme ich weitere 300 km „Umweg“ und eine definitiv notwendig werdende Buspassage bei Kristiansund in Kauf um diese „STRASSE ÜBER DAS MEER“ durchzuradeln, die „SCHÖNSTE AUTOFAHRT DER WELT“, „NORWEGENS SCHÖNSTE RADWANDERUNG“, „BAUWERK DES JAHRHUNDERTS“, „WAHRHAFT TECHNISCHE MEISTERLEISTUNG“ – alles Begriffe die ich der aktuellen Broschüre 2013/14 „KRISTIANSUND&NORDMØRE“ über die „Atlantikstraße“ entnehme.
Über was?
Über eine 8274 m lange Straße verbunden durch acht Brücken…

Im Eikesdalen am herrlichen Mardalsfossen habe ich einen zusätzlichen Ruhetag eingeplant.
Vieles wandelte sich hier seit 1990.

Heute Abend, um 22.00 Uhr geht es zum Weg über acht Brücken…

UND:
Sollten am Ende der 8 Wochen noch 2.000 km vor mir liegen, so gibt es natürlich auch Busse und Bahnen.
Bislang verläuft alles, bis auf die geschilderten Radlerschwierigkeiten, die bald aufhören werden, nach Plan.

Übrigens:
Die nordischen Sprachen, Finnisch und die slawischen Sprachen haben für den Zeitraum für Tag und Nacht (24 Stunden) feste Bezeichnungen, die dem Deutschen fehlen: døgn(DK/N), dygn (S), vuorokausi(FIN), doba(PL), сутка(ßutka)(RUS)).